Elan… noch…

Im Garten bin ich dieses Jahr gut dabei – so gut, dass gleich zwei Nachbarn anfragen, ob sie nicht langsam ihr „Zeug“ aus unserem Garten hinausschaffen sollen. Ich bin einigermaßen irritiert – normalerweise kenne ich das Spiel anders herum: Dass nämlich angefragt wird, was ich denn gegen den über den Zaun greifenden Wildwuchs zu tun gedenke. Diese Saison nun werde ich beim Fegen des Weges angesprochen. Die Blüten der Japanischen Zierkirsche, die auf dem Nachbargrundstück steht, liegen nämlich in einem dicken Teppich bei uns.

„Ich mache Ihnen das alles weg!“ bietet sich Opa Hein schuldbewusst an. „Ist ja auch mein Baum.“
„Ne, müssen Sie nicht,“ winke ich ab. Meine Ablehnung irritiert. Ebenso die Tatsache, dass ich weiter meinen Weg fege.
„Ist doch aber unser Baum,“ höre ich noch einmal.
„Aber mein Garten.“
Opa Heim schlurft seiner Wege. So richtig zufrieden scheint ihn das Gespräch nicht gemacht zu haben. Er seufzt hörbar.

Ich sehe es generell so, dass alles, was über den Zaun wächst, hängt oder fliegt, mein Tanzbereich ist. Ich klingle nicht bei Nachbarn und beschwere mich darüber, dass der Südwind Laub über meinen Zaun geweht hat. Ich erwarte auch nicht, dass Nachbarn ihren Rasen wöchentlich mähen oder ihre Beete unkrautfrei halten. Und schon gar nicht gehe ich davon aus, dass Nachbarn ihr Laub aus meinem Garten sammeln. Ich habe nichts gegen Löwenzahn. Und Klee blüht auch ganz schön.

Dieses Jahr habe ich nun wieder etwas mehr Zeit für den Garten. Kind 2 kann sich, zumindest kurzzeitig, selbst beschäftigen. Und Kind 1 will ohnehin immer weniger betüddelt werden. Ich kann also den Garten wieder zum Hobby erklären und an den Wochenenden immer wieder mal raus und hier ein wenig zupfen, dort mähen und da Zweige knipsen. Gepflanzt und gesät habe ich auch schon ganz viel und im Frühbeet gedeit junges Gemüse. Alles sieht gut aus. Nicht perfekt, aber gut. Und die Ecken, die noch nicht gut aussehen, sind später mal dran. Laufen ja nicht weg…

Ob sich der Garten-Elan die ganze Saison über halten wird, weiß kein Mensch. Am wenigsten ich selbst. Spätestens die sommerlich stetige Wasserknappheit wird zuverlässig dafür sorgen, dass zumindest die Wiese dahin geht. Und ob die Beete, die im Frühjahr eigentlich immer hübsch sind, im August oder September immer noch gut aussehen, ist auch eine Frage für die Kristallkugel. Zumal ja auch die Spinnen im Laufe des Jahres wieder richtig fett werden. Und dann muss ich eigentlich auch nicht mehr so recht durchs Kraut kriechen und Achtbeiner stören.

Aber noch, noch habe ich richtig Bock auf Garten. Und noch kann man das sehen…

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Mit Schwung…

Irgendwann muss ich es mir mit unserem Postmann verscherzt haben. Wenn Päckchen für mich da sind, klingelt er nämlich neuerdings nicht mehr. Er hat eine andere Strategie entwickelt: Er wirft (daher Postwurfsendung) das Päckchen mit elegantem Schwung über den Zaun und bleibt noch lange genug stehen, um sicherzustellen, dass das Geschoss auch da landet, wo es sich laut „Ablegeerlaubnis“ befinden soll. Dann dreht er sich um und entschwindet. Wenn ich aus dem Fenster brülle, dass ich – so ein Zufall – zu Hause bin, brüllt er „Guten Morgen!“ zurück.

„Brauchen Sie keine Unterschrift?“ plärre ich quer durch den Garten.
„Nein!“ schallt es zurück. „Hab ich eben schon selbst gemacht!“

Alter Urkundenfälscher…

Neue Nachbarn…

Leute, die mich kennen, wissen: Frau Müller ist nicht sehr kontaktfeudig. Ich bin froh über jeden losen Nachbarschaftskontakt, der sich im Laufe der Jahre ergeben hat. Aber die sind auch alle echt hart erarbeitet. Denn wenn es darum geht, neue Leute kennenzulernen, bin ich nicht allzu talentiert.

Nun bekommen wir ja, aufgrund des Ausbaus unseres Rentnerviertels, ständig neue Nachbarn. Und ich stelle immer wieder verwundert fest, wie schnell andere Leute mit ihren Nachbarn ins Gespräch kommen, und vor allen Dingen, wie plötzlich man sich zu Grillabenden und in den Literaturzirkel einläd. In Windeseile nennt man sich beim Vornamen und lässt im Smalltalk am Zaun nebenher Interna aus dem Leben des anderen fallen. Man gründet einen Verein zusammen und ist – haste nicht gesehen – Teil eines großen Miteinanders. Und ich stehe dann daneben und kann mich nur wundern. Ich bin niemand, der Leute am Zaun anfällt und ihnen einen Knopf an die Backe labert. Nur um des Redens Willen fange ich selten ein Gespräch mit Fremden an. Wenn ich keine konkrete Information zu liefern habe – also der Hund nicht auf unseren Rasen geschissen hat oder die Kinder total unerzogen und laut sind – stelle ich mich nicht an den Zaun. Und hier liegt wahrscheinlich mein Problem…

Menschen die dieses, mein zwischenmenschliches, Problem kennen, nehmen mir das nicht weiter krumm. Aber wer neu in unser Rentnervietel kommt und vielleicht sogar in der Nähe einzieht, dem kann Frau Müller unter Umständen schon mal komisch vorkommen. Weil ich eben kein „Sie haben da aber schöne Petunien und kann ich Ihren Hund mal streicheln der Postbote hat was für Sie dagelassen“ absondere. Und Namen merke ich mir auch ganz schlecht. Ich habe auch schon mal Blind- und Taubheit vorgetäuscht, wenn ein Nachbar nach mir rief, weil ich gerade Besseres zu tun hatte als am Zaun ein Schwätzchen zu halten. Vielleicht sollte ich mir für diese zwischenmenschlichen Zwischenfälle mal ein Drehbuch schreiben, an dem ich mich dann entlanghangeln kann… ich nennen es „Smalltalk übers Wetter. oder: Mit dem Nachbarn auf Du und Du.

Gelle und Sie haben gedacht, ich bin ein total weltoffenes plapperiges Mädchen… so kann ein Blog täuschen…