Vorfreude…

Jedes Jahr aufs Neue räumt der Handel – pünktlich zum Herbstanfang – die Weihnachtsdeko raus.
Und jedes Jahr aufs Neue wundert man sich umständlich und beschwert sich über den Druck, der sich automatisch aufbaut. Dann wird Unsinn über noch nicht erstellte Weihnachtswunschzettel gefaselt und darüber gewitzelt, wer denn dieses Jahr zu wem fährt. Oder fahren muss.

Meine Lieben: Nichts ist schlimm an Lebkuchen im September. Die schmecken jetzt schon! Wirklich! Und Kekse, in denen Nüsse und Zimt drin sind, sollten ohnehin das ganze Jahr über Bestandteil der häuslichen Keksdose sein. Aus Gründen der Leckerheit.

Es gibt keine Studien, die belegen, dass Spekulatius im Herbst zu frühzeitigem Haarausfall führt. Ebensowenig übrigens wie Eisbecher im Januar! Saisonale Aromen haben kein Fälligkeitsdatum. Und wer jetzt noch keine Kekse möchte, kauft sie einfach nicht. Merke: Man kann den Weihnachtsstapel im Supermarkt auch einfach links liegen lassen.

Aber bedenken Sie: Auch im nächsten Jahr gibt es Ende September wieder Weihnachts-Echos. Seien Sie dann einfach mal nicht überrascht! Freuen Sie sich darüber! Als Kind haben Sie sich doch auch monatelang auf Weihachten gefreut! Holen Sie sich das ab und zu zurück. Vielleicht am Keksstapel im Supermarkt…

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Morgen Krieg…

Morgen ist Krieg.

Doch, ehrlich! Wenn man sich am heutigen Tag die Panikeinkäufe seiner Mitmenschen anschaut, kann es nur diesen einen Grund geben. Möglicherweise nähert sich auch eine Naturkatastrophe. Ein Hurrikan zum Beispiel. Oder eine Springflut. Was allerdings gegen diese Vermutung spricht ist die Tatsache, dass der Baumarkt noch Bretter hat.

Morgen also Krieg. Oder Feiertag.

Die Angst, an einem feierlichen Freitag die Kühlschranktür zu öffnen und nichts Essbares vorzufinden, ist weit verbreitet. Doch! Fragen Sie mal Ihre Mama! Die wird erschrocken die Augen aufreißen und „Oh Gott, ich muss ja noch EINKAUFEN!“ rufen. Außerdem kommt ja dann gleich noch ein Wochenende. Und das dauert unfassbare zwei Tage! Zwar kann man heutzutage an Samstagen bequem Einkaufen gehen. Aber der psychologische Effekt eines „langen Wochenendes“ darf keinesfalls ignoriert werden. Mehr als „Hurra, wir haben drei Tage lang frei!“ zählt „Oh Gott, wir haben drei Tage lang nichts zu essen!“

Die halbe Nachbarschaft steht im ALDI an der Kasse und kauft Klopapier, Apfelschorle, Brot und Fleischwurst. Und weil man ja noch Freude haben will im Leben, gibt´s auch die eine oder andere Chipstüte. Die Abende können schon mal lang werden, wenn man weiß, dass man morgen ausschlafen kann. Denken Sie beim nächsten Vorfeiertagsangstkauf daran!

Der Rentnerclub der Nachbarschaft hat sich zu diesem wichtigen Anlass ein Gemeinschaftstaxi gegönnt. In der Taxizentrale kennt man das bereits und schickt den großen Fahrer mit den dicken Oberarmen. Der fährt den Rentnerzirkus nach vollendetem Shoppingtag nicht nur wieder nach Hause, er trägt den Omas auch die schweren Tüten. Oma Walli hat schon mal Ferrero Küsschen bereitgelegt. Als Dankeschön.

Wer heute also noch einkaufen will, muss sich ranhalten. Später gibt es unter Umständen nur noch das olle Wasser, das kein Mensch trinken will. Möglicherweise ist auch das Bier bereits geplündert und Brötchen gibt´s auch keine mehr. Seltsamerweise werden auch Scharten ins Nutellaglas-Regal gewetzt, als ob es in zwei Tagen, wenn die Läden wieder geöffnet haben, keine Schokocreme mehr geben wird. Und Katzenstreu! Fragen Sie nicht nach dem Zusammenhang…

Weil ich Sie nicht länger aufhalten will, machen wir hier Schluss. Außerdem muss ich noch einkaufen…

 

Bruce…

Bruce Campbell sitzt beim örtlichen Supermarktbäcker und schlürft gelangweilt einen Latte Macchiato. Mein spontaner Impuls, mich in echter Fanmanier vor ihn hinzuschmeißen, wird jedoch prompt unterdrückt, als er anfängt, sich mit seinem Kumpel zu unterhalten. Diesen schlimmen fränkischen Einschlag hört man in seinen Filmen gar nicht raus…

„Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie aussehen wie Bruce Campbell?“ will ich wissen, als ich mit meiner Brötchentüte an ihm vorbeigehe. Er schaut auf.

„Ja, das höre ich öfter.

Aber wissen Sie, ich gucke zuhause nicht so viel Fernsehen. Und Dschörmennies next Topmodell interessiert mich jetzt auch nicht wirklich.“

Ach so…

Zahnsüßkrankfaschingsende…

Heute schaue ich aus dem Fenster und es nebelt. Emotional in den Herbst versetzt, gelüstet es mich spontan nach Bratapfel. Oder heißem Tee mit Zitrone. Zumindest letzteres wäre wahrscheinlich sogar sinnvoll. Denn kaum dass tagsüber mal die Sonne scheint, bekomme ich den Rotz. Neben Kopfweh und Halsschmerzen habe ich da einen Cocktail serviert bekommen, den ich gern nicht angenommen hätte. Aber Krankheiten fragen selten nach dem Begehr.

Grüne Tabletten lutschend und Schmerzsaft für Kinder aufbrauchend (den, der so ekelig schmeckt, dass Kind 1 ihn gern spontan wieder erbricht), starte ich heute also in den Tag. Ich könnte ein schönes Feuerchen im Kamin entzünden, mir eine Katze auf dem Schoß setzen und den Rest der Wolljacke zu Ende stricken, zu deren Vollendung eigentlich nur noch 1 1/2 Ärmel fehlen. Aber das würde bedeuten, dass ich mich bewegen muss. Und dazu… ne, nicht unbedingt heute.

Pünktlich zum Faschingsende verlangte Kind 1 übrigens heute das Feuerwehrmann-Kostüm. Das hing bisher im Schrank und muss Teil eines großen Plans gewesen sein – zumindest wenn man die Reaktion des Kindes auf meinen Vortrag hinsichtlich des nicht mehr Faschingseins richtig interpretiert. Kein Fasching ist großer Schiet, das weiß ich jetzt. Nichtsdestotrotz muss der Feuerwehrmann im Schrank bleiben. Einige wenige verwirrte Kinder im Kindergarten waren heute dennoch verkleidet, was unser Kind lautstark mit „Siehste!!!“ quittierte. Eine gute Mutter zu sein ist echt schwer…

Ach ja, gute Mutter. Kind 1 hat Besuch von der Zahnfee bekommen. In Ermangelung von klugen Ideen haben wir uns dem allgemeinen Brauch angeschlossen und eine Münze unters Kopfkissen gelegt. Selbige wurde quasi sofort auf den Kopf gehauen. Leider stellte das Kind noch im Supermarkt fest, dass mit dem Kauf von Süßigkeiten auch der Verlust des eben geschenkten Geldes einher geht. Und das war dann wieder nicht so gut. Von Wirtschaftskreisläufen wollte das Kind denn auch gar nichts wissen. „Warum muss ich meine Süßigkeiten denn allein kaufen? Du kaufst die uns doch immer!“ Das vor den Augen zweier geschockter Omas zu bereden, die nicht fassen können, dass ein Kindergartenkind die Produkte des täglichen Zuckerbedarfs schon selbst erstehen muss, ist schwer. Für Kind 2 und die Entlohnung für seine Zähne denken wir uns also besser etwas anderes aus.

Schönen Mittwoch!

 

Metzelhefte…

Schlacht im Supermarkt: Schauplatz Zeitschriftenregal.

Die neuen Handarbeitshefte sind da. „Stricken heute“, „Mit Stil genäht“, „Jetzt wieder hübsch“ und „Alter Scheiß im neuen Gewand“ liegen druckfrisch im Regal. Davor: Handarbeitsmuttis. Mittendrin: Ich.

Wenn man Kinder bekommt, passiert das, Gerüchten zufolge, auf ganz natürliche Weise. Da fängt man dann an zu stricken, zu nähen, zu backen und all den Quatsch zu machen, auf den man als Junggesellin ohne Brut nie gekommen wäre. Und für die Inspiration müssen dann natürlich jeden Monat neue Zeitschriften her. Der Markt hat sich der Nachfrage mittlerweile angepasst und produziert Schriebs in rauen Mengen. Dieser Schriebs wird regelmäßig in die Supermärkte gekarrt, wo eifrige Regalreinräumbienen dafür sorgen, dass unsereins nähtechnisch nicht auf dem Trockenen sitzt.

In unserem Supermarkt allerdings haben die Einräumbienen besonderen Sinn für kleine Späße. Da legt man nämlich immer genau zwei Hefte aus. Zwei Hefte für sechs bis acht Nähmuttis. Und dann gibt es Kloppe. Und böse Worte…

„Das hatte ich zuerst!“
„Nein, ich!“
„Das ist mein Heft, du Trümmertrulla!“
„Schnepfe!“
„HAUSFRAU!“

Wer klug ist, nutzt die entstehende Diskussionsrunde aus, taucht kurz ab, rafft alles Gedruckte an sich und rennt weg, bevor die Meute entdeckt, dass man sie bestohlen hat. Ich bin klein und stromlinienförmig genug, dass mir sowohl tauchen, als auch raffen und rennen wunderbar gelingt. Deswegen beteilige ich mich auch nur selten an den Gesprächen. Oder an den den Gesprächen einhergehenden Judovorführungen…