Geträumt…

Herr Müller hat geträumt. Das ist an sich nicht ungewöhnlich und passiert statistisch gesehen jede Nacht mehrfach. Was allerdings Anlass zur Sorge gibt, ist der Inhalt des Traumes. So haben sich mitnichten Scarlett Johansson und Megan Fox in Hühnchenkostümen gegenseitig mit Wackelpudding beworfen, wie es zu erwarten gewesen wäre.

Nein, Herr Müller hat von mir geträumt.

Erst waren wir essen, aber es hat nicht geschmeckt.

Dann sind wir in ein rotes Auto gestiegen, hatten aber wegen eines falsch geparkten Zirkuselefanten eine Panne und mussten mitten auf der Straße aussteigen und zu Fuß weitergehen.

Und jetzt kommt´s: „Du hattest zwei Handtaschen dabei! Und hast beide am Straßenrand abgestellt, ihnen eine gute Nacht gewünscht und bist weggegangen.“

Sowas Unrealistisches! Jeder Mensch weiß doch, dass frau ihre Handtaschen nie allein in der Wildnis zurücklassen würde… Womit soll ich um mich hauen, wenn Herr Müller plötzlich von Zombies träumt? Oder noch schlimmer: Von Spinnen!

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Paralleluniversum, halb acht Uhr morgens…

Christian Bale hat mir auf den Anrufbeantworter gesprochen. Der Abend gestern war schön, ob wir uns nicht nochmal treffen wollen. Jaja, schön wars. Aber erstmal Kaffee. Christian kann ich später zurückrufen. Meine Agentin hat auch auf den AB gesprochen. Das Manuskript für meinen neuen Roman ist fertig zum Druck, Paramount hat sich bereits die Rechte gesichert – vor Veröffentlichung, was allgemein als Sensation gefeiert wird. In meinem Kaffee ist eine Spur zu viel Zucker. Und dann muss ich auch schon los.

Auf dem Weg zu meiner Agentin sehe ich die in Würde alternde Cher in einer Corvette an mir vorbeifahren. Gut sieht sie aus und wird allgemein bewundert für ihre Weigerung, sich am Hollywood-Schönheitszirkus zu beteiligen. Sie winkt mir zu. Ich lächle zurück. Bubble, mein Chihuahua, den ich aus dem Nachlass von Paris Hilton gerettet habe, knurrt in seinem Gucci-Täschchen leise vor sich hin.

Meine Agentin begrüßt mich mit Bussilinksrechts, was ich ihr schon wiederholt verboten habe und führt mich in ihr Büro. Dort sitzt bereits Donald Sutherland, mit dem ich vor einigen Monaten eine kleine Affäre hatte. Seit ich ihn in „Stoßtrupp Gold“ gesehen hatte (ja, so alt bin ich, aber meine Falten verraten mich nicht), bin ich ein bisschen verliebt in ihn. Offensichtlich soll er die Hauptrolle in meinem Buch… ähm im Film zu meinem Buch spielen und hat sich, da wir uns kennen, zu einem spontanen Treffen überreden lassen. Ich blinzle ihn verliebt an und er grinst mit seinem zahnreichen Lächeln zurück. Eine Stunde Geplänkel, dann muss Donald los. Wir nehmen uns in den Arm und versprechen, mal einen Drink zusammen zu nehmen.

Das Mittagessen nehme ich mit meiner guten Freundin Ellen Barkin ein, die gerade wieder einen Hollywood-Blockbuster dreht. Am Tisch neben uns sitzt Madonna. Nach ihrer medienträchtigen Abnehmkur wiegt sie jetzt leider wieder genauso viel wie vorher – was besonders den Absatz ihres Fitnessratgebers deutlich einbrechen lässt. Sie will sich auf einen Nachtisch zu uns setzen, aber wir wollen nicht mit ihr gesehen werden und verabschieden uns überhastet. Was war Madonna einst für eine Ikone, aber offensichtlich hat sie nie verkraftet, dass Guy Ritchie sie wegen einer jüngeren Frau verlassen hat.

In der Zeitung, die ich mir vors Gesicht halte, um von den Paparazzi nicht erkannt zu werden, lese ich, dass Katie Holmes sich jüngst selbst aus der Alkohol-Entziehungskur entlassen hat. Ein Foto zeigt sie mit einer braunen Papiertüte in der linken und einer Zigarette in der rechten Hand. Auch sie hat ein Trauma durchlebt: Rupert Everett hat ihr Tom Cruise ausgespannt. Anscheinend war sie die einzige, die es nicht hat kommen sehen. Liebe macht eben manchmal blind.

Und dann sehe ich ihn, auf der anderen Straßenseite – Herrn Müller*. An seinem Arm hängt, bildschön wie immer, Scarlett Johansson. Blöde perfekte Kuh, denke ich, musst du nicht mit Woody Allen einen Film drehen? Aber Herr Müller… Ich seufze und wechsle, Interesse für ein Armani-Täschchen im Schaufenster heuchelnd, die Straßenseite. Seinen wirklichen Namen weiß niemand. Er ist der aufsteigende Stern am Hollywood-Regisseuren-Himmel. Ich muss ihn haben! Und wenn ich ihn aus Scarletts kalten, toten Händen reißen muss. Unsere Blicke treffen sich, die Zeit steht für einen Moment still…

… ich muss Christian anrufen und absagen…