Rosenüberfall…

Rosen, darüber ist heute Aufklärung nötig, sind hinterhältige Biester – die Ninjas der Pflanzenwelt. Sie blühen dir frech ins Gesicht, hinterrücks aber, da stechen sie gnadenlos zu.

Am Wochenende waren die ersten Gartenarbeiten dieses Jahres fällig. Strauchschnitt ist so ziemlich das einzige, was sich im März lohnt. Zu pflanzen gibt es noch nichts. Beete jetzt schon auf Gemüse vorzubereiten, das ohnehin erst in 4-6 Wochen gesetzt werden kann, ist Blödsinn. Zum Unkrautjäten fehlt mir die Motivation. Also schneide ich Sträucher. Und weil es gerade passt, auch den riesigen Stamm der Wildrose, die irgendwann einmal eingeflogen ist und bleiben durfte. Die Wildrose lebt in Eintracht mit einer Clematis neben dem Hauseingang und überwuchert seit Jahren einen Obelisken aus geschweißten Stahlrohren. Das sieht sehr hübsch aus. Einmal im Jahr ist jedoch ein Schnitt fällig. Einmal im Jahr muss Ordnung ins dornige Grün gebracht werden.

Beim Rosenschnitt, darauf sei hingewiesen, bin ich aus guten Gründen immer besonders vorsichtig. Ich habe eine dicke Jacke an, ich trage eine Mütze, eine Brille, verstärkte Handschuhe. Theoretisch bin ich vor Verletzungen gefeit.

Theoretisch…

In der Praxis findet unsere Ninjarose selbstverständlich die einzige Naht, die der feste Handschuh überhaupt nur aufweist und sticht zu. Mitten ins Daumengrundgelenk. Die Gärtnerin flucht kurz, macht dann aber weiter. Man ist ja nicht zimperlich.

Abends ist der Stich noch unauffällig. Am nächsten Morgen bereits lässt sich der Daumen dann schon nicht mehr bewegen. Das Gelenk ist dick geschwollen und schmerzhaft. Auch einen Tag später ist es nicht besser. Also ab zum Arzt, denn der Herr des Hauses weiß gruselige Geschichten über eine durchgemachte Sepsis zu erzählen.

Beim Arzt angekommen, gibt mir die blutdruckmessende Sprechstundenhilfe den Rat, die Rosen am besten gleich ganz auszurotten. Weil es gemeine Biester sind. Überhaupt kann gefühlt jeder über schrecklichste Verletzungen berichten, wie sie nur Rosen zufügen können. Selbst das Rheuma von der Tante der Schwester einer Freundin ist ziemlich sicher auf Rosendornen zurückzuführen.

Der Arzt guckt dann erst einmal streng, doziert über Handschuhe, die zu tragen sind, fragt den Tetanus-Status ab (April 2014), guckt mit der Lupe die kleine Stichwunde an und sucht nebenher und unauffällig nach Anzeichen für eine Blutvergiftung. Ob ich Fieber habe, Übelkeit, Verwirrtheit. Ich kann verneinen. Da hätte ich aber eine schöne Entzündung, sagt man mir. Geradezu lehrbuchhaft. Eine Schwesternschülerin wird hereingerufen und darf selbst mal gucken. Sie lächelt mich glücklich an, als sei das, was ich da mitgebracht habe, mindestens so süß wie ein Katzenbaby.

Dann bekomme ich einen Salbenverband – von der Azubine. Den Verband abzulehnen ist unmöglich, denn sie Schwesternschülerin muss lernen und Verbände werden ja in einer Hausarztpraxis auch nicht jeden Tag gemacht. So schmiert man mir erst dick gelbe Salbe aufs Gelenk und wickelt mich dann mehr oder weniger gekonnt ein. Man schreibt mir ein Rezept für Antibiotika. Die soll ich nehmen und, wenn bis Donnerstag keine Besserung eintritt, wieder vorstellig werden. Dann überweist man mich nämlich zur Handchirurgie ins Klinikum. Für den Fall der Fälle…

Ich verspreche derweil, mich zu schonen und lehne die angebotene Krankschreibung ab. Mit Daumendysfunktion krank geschrieben zu werden, erscheint mir übertrieben. Nichtsdestotrotz sorgt die Ablehnung der AU für Irritation. Was ich denn arbeite, will man wissen. „Was mit Spracherkennung,“ sage ich. Da braucht man keine Hände…

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Hölzern…

Herrn Müllers und meine Ehe steht auf hölzernen Füßen… Manche behaupten auch, es seien gläserne. Aber da gehen die Meinungen auseinander. Auch kommt es ganz darauf an, aus welcher Gegend die Meiner kommen. Die im Norden sind eher hölzern, während alle anderen für Glas stimmen.

Mir persönlich wäre es ja am liebsten, Herr Müller und ich stünden auf Rosen. Dazu braucht es aber unter Umständen gute Schuhe. Man will sich ja nicht stechen.

So viel Wortwirrwarr um 10 Jahre…

Heute vor zehn Jahren haben sich Herr Müller und Frau damals noch nicht Müller aufgemacht zum Standesamt. Der 10.10. war dabei eher Zufallstermin als penibel geplant. War es doch der einzige Tag, an dem der Standesbeamte Zeit hatte. Außerdem wollten wir einen Tag drauf kirchlich heiraten und auch da war nur ein Termin frei. Werten wir die ganzen Zufälle also am Besten als Fügung…

Das Schöne ist: Ich kann Herrn Müller immer noch gut leiden. Er mich, glaube ich, auch ein bisschen.

„Wie macht ihr das?“ wurde letztens übrigens ein befreundetes Paar gefragt, das ähnlich viele Ehejahre rumgebracht hatte. Die Antwort war simpel: „Wir gehen uns nicht auf den Sack!“

In diesem Sinne: Happy Hochzeitstag, Herr Müller!