Wieder nicht…

Halloween war dieses Jahr wieder der Burner. Kein Kind da! Wirklich nicht! Wenn man von den zwei Prinzessinnen absieht, die an der Tür geklingelt haben, noch bevor es überhaupt dunkel geworden ist. Tageslichtprinzessinnen gelten nicht! Bitte für die Zukunft merken!

Dabei waren wir äußerst nett: Haben Süßes gekauft, verstecken auch wirklich keinen Rosenkohl in Rocher-Papier und machen uns auch keinen Spaß daraus, Zahnbürsten und Zungenreiniger zu verteilen. Nein: Wir sind auf Horden unterzuckerter Winzlinge extrem gut vorbereitet. Mit gigantischen Schüsseln voller Kariesbomben und einem als Spiderman angemalten Kleinkind.

Und dann das: Nichts. In der kompletten Straße herrscht Totentanz (Achtung Halloween-Wortspiel). Vermutlich hat sich herumgesprochen, dass das Rentnergeschwader in unserer Gegend nicht gut auf Monsterkinder zu sprechen ist. Überhaupt muss man sich in der Hochzeit von Horrorclowns ja ungemein in Acht nehmen. Türen öffnen nach Einbruch der Dämmerung ist da nicht drin! Was es ziemlich sinnlos macht, sich als Kind zu uns ins Viertel zu verirren und nach Süßigkeiten zu fragen.

Das extra einstudierte „Süßes oder Saures? Dann hätte ich gern was Süßes.“ bleibt ungenutzt.

Also kein Halloween dieses Jahr. Auch gut. Essen wir die ganze Schokolade eben selbst. Ist auch viel zahngesünder. Zumindest für die nicht hier gewesenen Kinder…

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Alter Mann mit Hut…

Tja nun… man stelle sich einen 73-jährigen Herrn vor, rennend, springend. Einen Mann, der sich im Namen von Geschichte und Gerechtigkeit prügelt. Einen Mann, der am Ende Sieger ist. In freier Wildbahn kommen solche Exemplare nicht vor. In freier Wildbahn haben 73-jährige einen Mitgliedsausweis für den Kegelclub, treffen sich Samstags zum Stammtischbier und tragen einen Wohlstandsbauch. Wenn Sie sich nun aber vorstellen, dass oben genannter Greis einen Hut auf hat und eine Peitsche schwingt, kommen wir dem Phänomen schon näher. Denn: Es ist ein Greis im Indiana-Jones-Kostüm… Spätestens jetzt wissen Sie, worum es geht: „Indiana Jones 5“ ist in der Mache.

Schon „Indiana Jones 4“ war für mich schwer zu ertragen – und das lag nicht am fiesen Fake-Akzent von Cate Blanchett. Der Held meiner Kindheit war zum Opa geworden. Sicher, ein fitter Opa, aber trotzdem jenseits des Rentenbeginns. Und damit nicht mehr wirklich glaubhaft.

Herr Ford altert, wenn Sie mich fragen, eher so mittel. Ihn jetzt noch einmal in einem Renn-Hau-Schieß-Film anzugucken, stelle ich mir schwierig vor. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass Dr. Jones sein Rententeil genießt und nur telefonisch dazugeschaltet wird, wenn es spannend wird. Nein, vermutlich wird er wieder seine Kluft anziehen, die Peitsche am Gürtel festmachen und losrennen. Sicher schimpft er hier und da über Knieprobleme, weist auf Hüftbeschwerden und ähnliche altersbedingte Zipperlein hin und wird keck mit seinem Alter kokettieren. Nichtsdestotrotz aber wird er sich prügeln und auch sonst wieder ganz ganz viel Action in seinen Altersunruhestand bringen.

Startbeginn für den Film ist 2019. Herr Ford ist dann 76. Und damit so alt wie mein Schwiegervater. Normale Menschen haben in diesem Alter mindestens Arthrose im Knie. Womit sich das Rennen eigentlich von selbst erledigt. Aber sicher kann Dr. Jones die eine oder andere Verfolgungsjagd auf dem Motorrad oder mit dem Auto absolvieren. Und zur Not lässt er halt andere für sich rennen. Schließlich hat er einen Sohn gezeugt, der unter Umständen sogar wieder dabei ist.

Elan… noch…

Im Garten bin ich dieses Jahr gut dabei – so gut, dass gleich zwei Nachbarn anfragen, ob sie nicht langsam ihr „Zeug“ aus unserem Garten hinausschaffen sollen. Ich bin einigermaßen irritiert – normalerweise kenne ich das Spiel anders herum: Dass nämlich angefragt wird, was ich denn gegen den über den Zaun greifenden Wildwuchs zu tun gedenke. Diese Saison nun werde ich beim Fegen des Weges angesprochen. Die Blüten der Japanischen Zierkirsche, die auf dem Nachbargrundstück steht, liegen nämlich in einem dicken Teppich bei uns.

„Ich mache Ihnen das alles weg!“ bietet sich Opa Hein schuldbewusst an. „Ist ja auch mein Baum.“
„Ne, müssen Sie nicht,“ winke ich ab. Meine Ablehnung irritiert. Ebenso die Tatsache, dass ich weiter meinen Weg fege.
„Ist doch aber unser Baum,“ höre ich noch einmal.
„Aber mein Garten.“
Opa Heim schlurft seiner Wege. So richtig zufrieden scheint ihn das Gespräch nicht gemacht zu haben. Er seufzt hörbar.

Ich sehe es generell so, dass alles, was über den Zaun wächst, hängt oder fliegt, mein Tanzbereich ist. Ich klingle nicht bei Nachbarn und beschwere mich darüber, dass der Südwind Laub über meinen Zaun geweht hat. Ich erwarte auch nicht, dass Nachbarn ihren Rasen wöchentlich mähen oder ihre Beete unkrautfrei halten. Und schon gar nicht gehe ich davon aus, dass Nachbarn ihr Laub aus meinem Garten sammeln. Ich habe nichts gegen Löwenzahn. Und Klee blüht auch ganz schön.

Dieses Jahr habe ich nun wieder etwas mehr Zeit für den Garten. Kind 2 kann sich, zumindest kurzzeitig, selbst beschäftigen. Und Kind 1 will ohnehin immer weniger betüddelt werden. Ich kann also den Garten wieder zum Hobby erklären und an den Wochenenden immer wieder mal raus und hier ein wenig zupfen, dort mähen und da Zweige knipsen. Gepflanzt und gesät habe ich auch schon ganz viel und im Frühbeet gedeit junges Gemüse. Alles sieht gut aus. Nicht perfekt, aber gut. Und die Ecken, die noch nicht gut aussehen, sind später mal dran. Laufen ja nicht weg…

Ob sich der Garten-Elan die ganze Saison über halten wird, weiß kein Mensch. Am wenigsten ich selbst. Spätestens die sommerlich stetige Wasserknappheit wird zuverlässig dafür sorgen, dass zumindest die Wiese dahin geht. Und ob die Beete, die im Frühjahr eigentlich immer hübsch sind, im August oder September immer noch gut aussehen, ist auch eine Frage für die Kristallkugel. Zumal ja auch die Spinnen im Laufe des Jahres wieder richtig fett werden. Und dann muss ich eigentlich auch nicht mehr so recht durchs Kraut kriechen und Achtbeiner stören.

Aber noch, noch habe ich richtig Bock auf Garten. Und noch kann man das sehen…

Neu…

Frohes Jahr 2015 zusammen!

Silvester wäre auch geschafft. Aus unerfindlichen Gründen befand sich das Epizentrum des nächtlichen Raketenangriffs nicht in unserer Gegend. Zwar wandelten auch bei uns einige Gestalten durch die Nacht und schossen Feuerwerk in den Himmel. So richtig gekracht hat es aber nicht. Die Rentner, die hier im Viertel trotz des Zuzugs von Jungfamilien noch stark in der Überzahl sind, blieben lieber daheim und guckten sich die diversen Silvesterstadl auf den Öffentlich-Rechtlichen an.

Unser DVD-Player allerdings hat pünktlich am letzten Tag des Jahres und zum Start des geplanten Dr. Who-Marathons die Hufe hochgerissen. Wir besitzen das Gerät seit 4 Jahren, was wohl auch bedeutet, dass die (Gerüchten zufolge) verbauten Kaputtgeh-Bestandteile nun einfach dran waren. So eine Sollbruchstelle kann sich schließlich nicht ewig zurückhalten. Nun spielt zwar zum Glück auch die Spielekonsole DVDs ab. Leider hat sich der Hersteller unserer Konsole seinerzeit aber gegen das BluRay-Format entschieden und beschlossen, lieber bei HD-DVD zu investieren. Dass das nach hinten losging, wissen wir heute. So mussten wir kurzfristig umschwenken und haben uns Herrn Kalkofes Jahresrückblick des schlechten Fernsehens gegönnt. Auch schön. Doch doch… Nebenher gab es Raclette – das ist so Tradition zu Silvester. Den Geruch wieder aus dem Haus zu kriegen ist dann die erste Challenge des noch jungen Jahres.

Kind 1 wurde dann pünktlich um Mitternacht geweckt. Es kam zwar aus seinem Zimmer, wollte dann aber doch nicht das Haus verlassen. Stattdessen trank es Zitronenbrause aus einem Sektglas und guckte dem Herrn des Hauses dabei zu, wie er im Garten das eine oder andere bengalische Feuer entzündete. Kind 2, von dem wir fest angenommen hatten, dass es vom Lärm der Silvesternacht schon aufwachen würde, schaltete auf Durchzug und schlief einfach weiter. Weil wir glauben, dass ein noch nicht Dreijähriger nicht unbedingt in der Nacht für Leuchtraketengucken aufstehen muss, haben wir den Nachwuchs weiterschlafen lassen. Kind 1 war´s nur recht – gab es doch so mehr Brause.

Pünktlich eine halbe Stunde nach Mitternacht war es dann wieder totenstill im Rentnerviertel. Was vielleicht auch damit zusammenhängen könnte, dass Regen einsetzte. Nichts fegt Straßen schneller leer als eiskalter Regen in der Nacht. Kind 1 wurde wieder ins Bett verfrachtet, was es hörbar doof fand. Frau Müller putzte sich schon mal die Zähne und Herr Müller stellte die Sektgläser in die Spülmaschine. Und dann war es rum, unser Silvester.

Ach und unser Vorsatz? „So oder besser!“

Der Schnee, der an Weihnachten gefallen ist, ist übrigens mittlerweile wieder geschmolzen. Dafür regnet es nun. Aber man kann ja nicht alles haben.

Ihnen ein schönes Jahr 2015. Machen Sie was draus!

Morgen Krieg…

Morgen ist Krieg.

Doch, ehrlich! Wenn man sich am heutigen Tag die Panikeinkäufe seiner Mitmenschen anschaut, kann es nur diesen einen Grund geben. Möglicherweise nähert sich auch eine Naturkatastrophe. Ein Hurrikan zum Beispiel. Oder eine Springflut. Was allerdings gegen diese Vermutung spricht ist die Tatsache, dass der Baumarkt noch Bretter hat.

Morgen also Krieg. Oder Feiertag.

Die Angst, an einem feierlichen Freitag die Kühlschranktür zu öffnen und nichts Essbares vorzufinden, ist weit verbreitet. Doch! Fragen Sie mal Ihre Mama! Die wird erschrocken die Augen aufreißen und „Oh Gott, ich muss ja noch EINKAUFEN!“ rufen. Außerdem kommt ja dann gleich noch ein Wochenende. Und das dauert unfassbare zwei Tage! Zwar kann man heutzutage an Samstagen bequem Einkaufen gehen. Aber der psychologische Effekt eines „langen Wochenendes“ darf keinesfalls ignoriert werden. Mehr als „Hurra, wir haben drei Tage lang frei!“ zählt „Oh Gott, wir haben drei Tage lang nichts zu essen!“

Die halbe Nachbarschaft steht im ALDI an der Kasse und kauft Klopapier, Apfelschorle, Brot und Fleischwurst. Und weil man ja noch Freude haben will im Leben, gibt´s auch die eine oder andere Chipstüte. Die Abende können schon mal lang werden, wenn man weiß, dass man morgen ausschlafen kann. Denken Sie beim nächsten Vorfeiertagsangstkauf daran!

Der Rentnerclub der Nachbarschaft hat sich zu diesem wichtigen Anlass ein Gemeinschaftstaxi gegönnt. In der Taxizentrale kennt man das bereits und schickt den großen Fahrer mit den dicken Oberarmen. Der fährt den Rentnerzirkus nach vollendetem Shoppingtag nicht nur wieder nach Hause, er trägt den Omas auch die schweren Tüten. Oma Walli hat schon mal Ferrero Küsschen bereitgelegt. Als Dankeschön.

Wer heute also noch einkaufen will, muss sich ranhalten. Später gibt es unter Umständen nur noch das olle Wasser, das kein Mensch trinken will. Möglicherweise ist auch das Bier bereits geplündert und Brötchen gibt´s auch keine mehr. Seltsamerweise werden auch Scharten ins Nutellaglas-Regal gewetzt, als ob es in zwei Tagen, wenn die Läden wieder geöffnet haben, keine Schokocreme mehr geben wird. Und Katzenstreu! Fragen Sie nicht nach dem Zusammenhang…

Weil ich Sie nicht länger aufhalten will, machen wir hier Schluss. Außerdem muss ich noch einkaufen…

 

Wir…

So weinen Männer sonst nur, wenn das Bier alle ist. Opa Krause, drei Häuser weiter, spricht von „seinen Jungs“, von etwas, das „wir“ gewonnen haben und fast meint man, er hätte das Tor ganz allein geschossen. Oma Krause guckt mich gequält an und flüstert etwas von: „Endlich wieder Ruhe hier.“ Hätte ja auch keiner ahnen können, dass der Dorfkreisverkehr mitten in der Nacht Schauplatz eines Autokorsos wird. Immer im Kreis rum, zwei Stunden lang, wenn man den Schilderungen der übernächtigten Senioren Glauben schenken mag. Unklaren Angaben zufolge waren auch zwei Traktoren beteiligt.

Und die Fanbänder, die wir extra gebastelt und im Kindergarten unter das kleine Volk gebracht haben, die haben natürlich Glück gebracht. Hätten wir die nicht gemacht, Deutschland trüge heute Trauer. Ich kriege im Kindergarten extra noch mal die Hand geschüttelt.

Heute sind wir dann schon wieder etwas gefasster. Das Deutschland-Trikot darf jetzt dann auch endlich gewaschen werden. Das stinkt mittlerweile nicht nur, das kann auch schon alleine laufen und wird wohl in den nächsten Tagen „Mama“ sagen. Jemand sagt was von einem Stern, den man irgendwo draufnähen müsste. Zur Not könne man ihn auch malen. Aber nur, wenn man den Umgang mit dem Textilstift beherrscht. Überhaupt sei es aber am besten, man kauft sein Trikot gleich frisch, damit man in vier Jahren nicht mit Ware aus der letzten Saison ausgelacht wird. Ich stehe daneben und täusche Kompetenz vor.

Die Silvesterböller dürften dann jetzt übrigens auch endlich alle sein. Pünktlich um Mitternacht erhellten die letzten Reste aus der Jahreswechselkiste den Nachthimmel, und erschreckten Viechzeug und Oma Hilde, die sich „im falschen Film“ wähnte. Gleichzeitig kamen Tina Turner  und die Jungs von Queen zu einem segenreichen Tantiemenregen. Wann kann man denn sonst schon so laut in Endlosschleife: „Hero“ und „We are the Champions“ spielen…

Ach und überhaupt. Sieger. Alle.

Und jetzt wieder Tagesgeschäft. Irgend jemand muss noch einkaufen. Chips sind alle…

Nichtoween…

Man will ja vorbereitet sein… Obwohl ich weiß, dass auch in diesem Jahr, wie übrigens in den letzten sechs oder sieben davor, niemand wegen Süßigkeiten an unserer Haustür klingeln wird, habe ich Zuckerhaltiges besorgt. Heute früh stand ich im Supermarkt an der Kasse und legte meine Schokolinsen, -riegelchen und -täfelchen aufs Band. Die Dame vor mir übrigens ebenso, nur mit leichter Variation in der Mischung. Der Herr hinter uns guckte missbilligend und faselte etwas von „Importkacke“, was wir geflissentlich überhörten.

Bei uns im Rentnerviertel ist das ja eh so eine Sache. Auch dieses Jahr ist die Spuknacht vor Allerheiligen nichts, mit dem sich unsere Senioren freiwillig abgeben. So flüsterte mir unlängst Oma Elsa zu, sie werde das Gartentürchen abschließen, damit ja niemand auf die Idee komme, dass bei ihr etwas zu holen sei. Weimers planen sogar, den Dackel in den Garten lassen – zur Abschreckung. Und bei Rosemüllers lässt man lieber gleich die Rollladen herunter und tut so, als sei man gar nicht da.

Kind 1, das heute übrigens als Skelett in den Kindergarten geklappert ist, will wissen, warum wir nicht von Tür zu Tür gehen und „Süßes oder Saures!“ rufen. Dass das hier nicht so üblich ist, ist dem Kind egal. Das Wort Tradition ist allenfalls lustig, bringt aber wenig Licht ins Dunkel des kindlichen Spaßdenkens. Und so wird es auch dieses Jahr darauf hinauslaufen, dass ich dem Kind ein Tütchen Süßzeug packe und so versuche, den Wegfall der abendlichen Sammeltour zu übertünchen. Klappt eigentlich immer. Die Hauptsache ist ja das, was am Ende herausspringt…

In diesem Sinne: (F)rohes Halloween… oder auch nicht, falls Sie nicht so…