Es grünt… noch…

Der Garten des Müllerschen Ansehens sieht schon wieder aus wie Sau. Ich mühe mich redlich, ich schwöre es. Aber die Wiese will und will nicht schön werden. Wahrscheinlich auch deswegen nicht, weil ich mich immer noch weigere, Geld auf den Rasen zu schmeißen. Wo andere einen Brunnen haben, der sommers die dürstende Wiese versorgt, muss unsereins aus dem Wasserhahn gießen. Ab einer bestimmten Grundstücksgröße frisst so ein Garten dann das Portemonnaie leer.

Zumindest den Rasenmäher führe ich nun regelmäßig aus, was, will man den Gartengroßmeistern der Nachbarschaft glauben, für das perfekte Grün unabdingbar ist. Das fiese, böse Unkraut habe ich mittlerweile auch entfernt. Von unserem Grundstück marschiert nun ganz sicher kein Löwenzahn mehr in andere Gärten ein. Das wurde übrigens bereits wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Fehlt nun rein theoretisch nur noch die regelmäßige Bewässerung. Und da grätscht mir die Natur rein. War letzten Sommer noch regelmäßig für kühles Nass von oben gesorgt, sieht es diesen Sommer wieder sommerlicher aus – und damit auch trockener. Das Fachgespräch mit Opa Meyer vom Ende der Straße war letztens allerdings dezent motivierend. „Also ich stelle den Rasensprenger nicht mehr an“ schimpfte er. Herrn Müllers Vorschlag, die Wiese zu betonieren und grün anzustreichen, ging ihm dann aber doch zu weit. Und auch die vielen mittlerweile täuschend echt aussehenden Kunstrasen-Angebote sind nicht so recht etwas für ihn. Weil man ja spätestens im Winter sehen kann, dass die ganze Wiese ein einziger Beschiss ist. Und am Ende muss man sich dann auslachen lassen… dann lieber sommers am Juli/August Dürre.

Ich blicke nun täglich hoffnungsvoll zum Himmel und warte auf Regen. Noch sieht die Müllersche Wiese nämlich grün aus. Noch…

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Nicht so grün…

Während draußen wieder allerorten die Rasensprenger zischeln, tanzen bei uns im Garten die Steppenhexen. Käme jetzt noch ein munteres Buschfeuerchen hinzu, wäre die Assoziation zum Australischen Ödland perfekt. Es konnte ja nun echt keiner damit rechnen, dass mitten im Juli doch noch der Sommer anfängt! Und dass die Pflanzen nach der Regenzeit im Frühling und Frühsommer kein Wasser für die nächsten Monate gespeichert haben! Vorratshaltung nennt sich das und ist absolut sinnvoll. Aber erklären Sie das mal einer Geranie. Die lacht Sie aus.

Während der Nachbar also blühende Landschaften vorzuweisen hat, sind wir (metaphorisch ein bisschen weiter im Osten, aber nur etwa sieben Meter) quasi tot. Und dann steht er da, der Mann mit kurzer Hose und Sonnenbrand auf Schulter und Rücken und will mit mir über den Nutzen eines Brunnens philosophieren. Er hat sich nämlich vor hundert Jahren, als man das noch so machte auf dem eigenen Stück Ackerland, einen Brunnen graben lassen. Heute wird das nicht mehr angeboten, weil die Gemeinde sehr wohl festgestellt hat, dass der Grundwasserspiegel im Sommer immer bedrohlich sinkt und auch die Anmahnung von Geldstrafe die Leute nicht davon abhält, bei 30°C um die Mittagszeit ihren Rasen zu wässern. Der Nachbar indes fühlt sich gemüßigt, uns am Gartentürchen Doofheit vorzuwerfen, weil wir Anno Huckepack, als ich noch wacker in die Windeln kackte und Herr Müller gerade erfolgreich die Grundschule hinter sich gebracht hatte, keinen Brunnen auf dem Grundstück bohren ließen, das wir dereinst bewohnen würden…

Ich für meinen Teil verdeutliche die Müllersche Unlust am Rasengießen neuerdings gern bildlich. Ich nehme mein Portemonnaie, kippe das Klimpergeld auf den Rasen und sage: „So!“ Weil wir unser Gartengießwasser nämlich aus dem Wasserhahn beziehen und das geht bei heißen Sommern gern mal ins Geld – da kann ich meine Kohle gleich wegschmeißen. Aber das zählt nicht. Womit wir zukünftig wohl zu einer anderen Lösung greifen müssen, um nicht weiter aufzufallen: In anderen Teilen der Welt sprüht man toten Rasen gern auch mal grün an, damit er hübsch aussieht. Hält mehrere Monate und kostet ´nen Farbeimer…

Verboten…

In heißen Sommern ist es in vielen Gemeinden bei Androhung körperlicher Züchtigung verboten, seinen Garten zu wässern. Auch unsere Nachbarschaft macht da keine Ausnahme. Mit dem feinen Unterschied, dass das Wässern generell verboten ist. Beete dürfen mäßig gegossen werden, aber Rasenflächen sind von künstlicher Beregnung strikt ausgenommen.

Und wenn des nachts die Sternlein am Firmament funkeln, nimmt pünktlich um 22Uhr ganz wundersam aber ziemlich beachtlich der Wasserdruck ab. Dann ertönt das einschlummernde Ssstssstssstssst Dutzender Rasensprenger und man sieht benachthemdete Gestalten mit Gießkannen durch die Gärten huschen…

So schnell, wie der Spuk begonnen hat, so schnell ist er wieder vorbei. Und am nächsten Morgen schaut man dem Nachbarn tief in die Augen und schwört auf seine Omma seelich, dass man sich ans Bewässerungsverbot hält… wie alle anderen auch…

Penibel: Grün…

Er gießt seinen Rasen. Dass es gestern den ganzen Tag über geregnet hat, interessiert ihn nicht. Weil er einen nach eigenen Angaben dynamischen Rasen hat, der mehr verbraucht als Otto-Normal-Rasen. Sieht man ja auch: Die Gräser stehen viel dichter, sind grüner und überhaupt. Man könnte Golf auf diesem Grün spielen. Wenn man den Rasen denn betreten dürfte. Das darf man nämlich nicht. Das darf nur der Rasenmäher und der ist eines dieser aus dem All gesteuerten Roboterdingern, die nichts wiegen und daher keine Spuren auf dem Grün hinterlassen. Der kleine runde Kerl schnurrt alle drei Tage dienstbeflissen durch den Garten und rasiert alles ab, was höher ist als 2,36 Zentimeter. Nach getaner Arbeit fährt er zurück an seine Ladestation und stellt sich aus.

„Saugen Sie da auch Staub?“ will ich wissen und registriere eine hochgezogene Augenbraue. Das könnte „Ja, natürlich!“ heißen. Schließlich dreckt so ein Rasenteppich auch mal ein. Allein die Blätter, die drauffallen. Auch Vogelscheiße darf nicht unterschätzt werden. Natur hat nämlich Verdauung, müssen Sie wissen.

Jetzt jedenfalls läuft der Rasensprenger. Trotz des gestrigen Landregens. Der kleine Mähbutler schläft in seiner Ecke und das durchgetaktete Pflegeprogramm sieht nun Wasserzufuhr vor. Gekalkt wird ansonsten dreimal im Jahr. Zweimal zudem vertikutiert und neu ausgesäht. Obwohl, aussähen jetzt der falsche Begriff ist, denn etwaige Löcher im Rasen werden mit sogenanntem Pflastergrün versorgt – also eigens gepflegten und zurechtgestutzten kleinen Rasenstückchen, die ganz bestimmt von irgendwoher eingeflogen werden.

Damit aus den ungepflegten Pennergärten der angrenzenden Grundstücke kein wühlendes Getier überspringt, ist das gesamte Grundstück zudem mit bis in 50 Zentimeter Tiefe vergrabenem Maschendraht geschützt. Nur die Überdachung fehlt eigentlich noch. Aber die kommt bestimmt auch noch…

Wieder nix…

Wir haben das Wettrennen um den schönsten Vorgarten verloren – zum siebten Mal in Folge. Der Rasen sieht aber auch aus! Eigentlich ist das gar kein Rasen mehr. Nein, es ist eine Wiese, wie die Nachbarn es gern nennen – und das dürfen Sie jetzt keinesfalls als Kompliment verstehen. Nein, Wiese ist ein Böses Wort im Kosmos des Kleingärtners. Wiese heißt, dass man seinen Garten nicht im Griff hat und Unkräuter zulässt. Gänseblümchen zum Beispiel. Oder noch schlimmer, weil Pfui, Löwenzahn. Löwenzahn kommt einer Kriegserklärung gleich und ist schlimmer als Ah-Ah im Briefkasten… Doch, das können Sie mir glauben. Das müssen Sie sogar….

Wir jedenfalls sind wieder einmal durchgefallen. Nix mit Aushängeschild der Siedlung… Oooooooch.

Sind Sie auch so enttäuscht? Nein? Jetzt schämen Sie sich aber!

Halbgefrorenes…

Wie schön, die Temperaturen steigen und endlich haben wir auch wieder Plusgrade. Grund zur Freude, denn nun tauen die ganzen Katzenhäufchen auf dem Rasen auf.

Letztens beobachte ich (ganz zufällig, doch, doch) den Rentner von nebenan, wie er mit einem kleinen gelben Schäufelchen liebevoll Halbgefrorenes vom Rasen sammelt. Besonders hübsche Exemplare werden hochgehalten und der Gattin des Hauses vorgeführt. Die ruft dann theatralisch „Iehgitt“, gibt ihrem Gatten domestizierte Tiernamen und droht damit, für immer das Fenster zu schließen.

Es dauert ein wenig, bis das Tütchen voll ist und tatsächlich tritt der Nachbar an den Zaun und begutachtet unseren Rasen. Kurz scheint es, als würde er den Schwung über den Zaun wagen, um entweder das Tütchen auf unserer Seite auszukippen oder – das wäre mir natürlich  lieber – die drei Haufen von unserer Wiese zu entfernen. Aber er scheint mich gesehen zu haben und tut letztendlich nichts von beidem.

Gedanklich lasse ich den Winter Revue passieren. Die Draußenzeit unserer Katzen kann ich in Minuten an einer Hand abzählen. Unsere Viecher sind verwöhnt. Die kacken nicht bei Minusgraden. Die ziehen das kuschelige Streuklo im heimischen Keller vor. Was bei -20°C in den letzten Wochen nur nachvollziehbar ist: Wer will schon, dass einem der Mist am Hintern anfriert. Sieht ja blöd aus… Außerdem wissen bereits Kleinkinder,  dass Freiluftpinkeln ungefähr so ist wie das Strullern an einen Elektrozaun: Mäßig erfreulich… Und da nehmen sich auch Katzen nix. Unsere waren also brav. Ehrlich.

Aber spätestens jetzt, wo der Frühling schon mal antäuscht, sind sie bestimmt wieder öfter im Freiluftklo anzutreffen. Man muss auch das Gute sehen: Der Rasen wächst immer so toll…

Felines Urinarium…

„Hallooo, Frau Müller! Ihre Katze hat sich in meinen Garten gesetzt!“

Ich winke dem Nachbarn zu. „Das ist schöhööön!“ rufe ich zurück und will meiner Wege gehen. Lediglich daran, dass Nachbars Gesichtszüge entgleisen bemerke ich, dass mit „setzen“ wahrscheinlich „kacken“ gemeint ist. Ich verlangsame meinen Schritt und ändere die Richtung für ein klärendes Gespräch.

„Na was hatter denn?“ murmle ich so leise, dass Nachbar es hoffentlich nicht hören kann und setze gleichzeitig ein verständnisvolles Lächeln auf. „Sie müssen die Dinge schon beim Namen nennen!“ necke ich beim Näherkommen, aber der Scherz will nicht so recht zünden.

„Auf meinen Rasen!“ zürnt der Nachbar.
„Pipi oder A-a?“ An manche Dinge muss man sich verbal herantasten.
„Na groß!“
„Großes Pipi?“
„Frau Müller!“
Ganz schlecht aufgelegt, der Nachbar… kein Sinn für einen Spaß.
„Schnappen Sie sich das nächste Mal einfach Ihren Gartenschlauch und spritzen Sie die Katze nass!“ schlage ich vor. Nachbar guckt mich an, als könne ich nicht bis drei zählen.
„Bis ich das Wasser aufgedreht habe, ist die Katze doch schon über alle Berge!“
„Dann kann es nur Pipi sein!“ versuche ich zu trösten. „Da ist gut für den Rasen.“ 
„Und wenn wir uns mal auf die Wiese legen wollen?“
„Haben Sie das denn die letzten fünf Jahre schon einmal gemacht?“
„Ja aber vielleicht wollen wir mal…“
„Dann legen Sie eine Decke drunter.“
Er, nun schon leicht genervt: „Frau Müller, Ihre Katze scheißt auf meinen Rasen!“
Ich, deeskalierend: „Aber wir hatten uns doch auf Pipi geeinigt!“
„Frau Müller… Ihre Katze… uri… erleichtert sich!“
Ok, mal nachdenken. „Machen Sie das nächste Mal Lärm, das verscheucht die Katzen auch. Klatschen Sie in die Hände, schreien Sie…irgendwas, nur laut.“ schlage ich vor.
Er, empört: „Damit mich die Nachbarn für bescheuert halten?“
Na irgendwas ist immer…
Ich: „Herr Nachbar, ich kann die Katze nicht einschließen, außerdem leben in der Nachbarschaft geschätzte 15 Felinen, und das ist eine mäßig optimistische Schätzung. Wenn unsere Katze nix auf Ihren Rasen macht, macht es eine andere. Ich kann Ihnen anbieten, morgens einmal Ihre Rasen abzulaufen und die Häufchen einzusammeln.“
Das findet er doof: „Wenn alle auf dem Rasen herumlatschen, geht der kaputt.“
Ich: „Eben wollten Sie sich noch drauflegen!“
„Drehen Sie mir nicht das Wort im Mund herum, Frau Müller!“

Ich merke schon, so kommen wir nicht weiter.

„Was wäre denn Ihr Vorschlag?“ frage ich lächelnd. Man will ja keinen Streit…

Es blitzt diabolisch in des Nachbarn Augen. „Ich könnte mit dem Luftgewehr…“
Ich, ganz schnell: „Aber nur, wenn ich dann auch auf ihre achtmal am Tag den Ball über unseren Zaun schießenden und dann durch meine Beete latschende Kinder…“

Wir brechen das Gespräch ergebnislos ab…