Wieder nicht…

Halloween war dieses Jahr wieder der Burner. Kein Kind da! Wirklich nicht! Wenn man von den zwei Prinzessinnen absieht, die an der Tür geklingelt haben, noch bevor es überhaupt dunkel geworden ist. Tageslichtprinzessinnen gelten nicht! Bitte für die Zukunft merken!

Dabei waren wir äußerst nett: Haben Süßes gekauft, verstecken auch wirklich keinen Rosenkohl in Rocher-Papier und machen uns auch keinen Spaß daraus, Zahnbürsten und Zungenreiniger zu verteilen. Nein: Wir sind auf Horden unterzuckerter Winzlinge extrem gut vorbereitet. Mit gigantischen Schüsseln voller Kariesbomben und einem als Spiderman angemalten Kleinkind.

Und dann das: Nichts. In der kompletten Straße herrscht Totentanz (Achtung Halloween-Wortspiel). Vermutlich hat sich herumgesprochen, dass das Rentnergeschwader in unserer Gegend nicht gut auf Monsterkinder zu sprechen ist. Überhaupt muss man sich in der Hochzeit von Horrorclowns ja ungemein in Acht nehmen. Türen öffnen nach Einbruch der Dämmerung ist da nicht drin! Was es ziemlich sinnlos macht, sich als Kind zu uns ins Viertel zu verirren und nach Süßigkeiten zu fragen.

Das extra einstudierte „Süßes oder Saures? Dann hätte ich gern was Süßes.“ bleibt ungenutzt.

Also kein Halloween dieses Jahr. Auch gut. Essen wir die ganze Schokolade eben selbst. Ist auch viel zahngesünder. Zumindest für die nicht hier gewesenen Kinder…

Advertisements

Nicht telefoniert…

Hundertmal hat er schon angerufen. Mindestens. Wenn nicht noch öfter. Aber keiner ruft ihn zurück. Was denn mit uns los ist?
Ich muss mich gar nicht ahnungslos geben: Ich bin ahnungslos. Unser Telefon interessiert es nämlich nicht, wer wann anruft und einfach ohne Nachricht auflegt. Es speichert keine Nummern.
„Warum sprichst du nicht auf den Anrufbeantworter?“ will ich wissen.
„Ne, mach ich nicht!“ höre ich.
Ach so.“Aber dir ist schon klar, dass dich keiner zurückrufen kann, wenn du nicht auf den Ah Beh sprechen willst.“
„Doch, du siehst doch meine Nummer!“
„Nein, sehe ich nicht.“
„Doch!“
„Nein. Nur wenn du auf den Anrufbeantworter sprichst.“
Doch, bei mir ist das immer so. Ich sehe sogar am Computer, wer angerufen hat.“
„Das ist schön für dich, aber bei uns musst du schon auf den Anrufbeantworter sprechen, wenn du willst, dass man merkt, dass du angerufen hast.“
„Aber das mache ich grundsätzlich nicht!“
„Dann bist du einfach mal selbst schuld.“
„Aber warum seht ihr denn nicht, wer anruft? Habt ihr noch so ein Telefon mit Wählscheibe oder was?“
Ich seufze. Sehr laut. Das Augendrehen kann ich gerade noch unterdrücken. Aber auch nur, weil ich die Augen zumache.
„Außerdem seid ihr immer da, aber keiner geht ans Telefon.“
„Wir sind mitnichten immer da.“
„Doch, das Auto steht immer vor der Tür.“
„Wahrscheinlich deshalb, weil wir mit dem Zug zur Arbeit fahren.“
„Aber die Fenster sind auch immer offen!“
Das stimmt jetzt schon wieder nicht, aber wir drehen uns in unserer Ja-Nein-Doch-Diskussion ohnehin längst im Kreis. Ich setze dieses unverbindliche Lächeln auf, dass ich gern benutze, wenn ich Gespräche beenden möchte.
„Na, ruft ihr denn nun mal zurück?“
„Wenn du auf den Ah Beh sprichst.“
„Das mache ich nicht!“
Tja dann…

Elan… noch…

Im Garten bin ich dieses Jahr gut dabei – so gut, dass gleich zwei Nachbarn anfragen, ob sie nicht langsam ihr „Zeug“ aus unserem Garten hinausschaffen sollen. Ich bin einigermaßen irritiert – normalerweise kenne ich das Spiel anders herum: Dass nämlich angefragt wird, was ich denn gegen den über den Zaun greifenden Wildwuchs zu tun gedenke. Diese Saison nun werde ich beim Fegen des Weges angesprochen. Die Blüten der Japanischen Zierkirsche, die auf dem Nachbargrundstück steht, liegen nämlich in einem dicken Teppich bei uns.

„Ich mache Ihnen das alles weg!“ bietet sich Opa Hein schuldbewusst an. „Ist ja auch mein Baum.“
„Ne, müssen Sie nicht,“ winke ich ab. Meine Ablehnung irritiert. Ebenso die Tatsache, dass ich weiter meinen Weg fege.
„Ist doch aber unser Baum,“ höre ich noch einmal.
„Aber mein Garten.“
Opa Heim schlurft seiner Wege. So richtig zufrieden scheint ihn das Gespräch nicht gemacht zu haben. Er seufzt hörbar.

Ich sehe es generell so, dass alles, was über den Zaun wächst, hängt oder fliegt, mein Tanzbereich ist. Ich klingle nicht bei Nachbarn und beschwere mich darüber, dass der Südwind Laub über meinen Zaun geweht hat. Ich erwarte auch nicht, dass Nachbarn ihren Rasen wöchentlich mähen oder ihre Beete unkrautfrei halten. Und schon gar nicht gehe ich davon aus, dass Nachbarn ihr Laub aus meinem Garten sammeln. Ich habe nichts gegen Löwenzahn. Und Klee blüht auch ganz schön.

Dieses Jahr habe ich nun wieder etwas mehr Zeit für den Garten. Kind 2 kann sich, zumindest kurzzeitig, selbst beschäftigen. Und Kind 1 will ohnehin immer weniger betüddelt werden. Ich kann also den Garten wieder zum Hobby erklären und an den Wochenenden immer wieder mal raus und hier ein wenig zupfen, dort mähen und da Zweige knipsen. Gepflanzt und gesät habe ich auch schon ganz viel und im Frühbeet gedeit junges Gemüse. Alles sieht gut aus. Nicht perfekt, aber gut. Und die Ecken, die noch nicht gut aussehen, sind später mal dran. Laufen ja nicht weg…

Ob sich der Garten-Elan die ganze Saison über halten wird, weiß kein Mensch. Am wenigsten ich selbst. Spätestens die sommerlich stetige Wasserknappheit wird zuverlässig dafür sorgen, dass zumindest die Wiese dahin geht. Und ob die Beete, die im Frühjahr eigentlich immer hübsch sind, im August oder September immer noch gut aussehen, ist auch eine Frage für die Kristallkugel. Zumal ja auch die Spinnen im Laufe des Jahres wieder richtig fett werden. Und dann muss ich eigentlich auch nicht mehr so recht durchs Kraut kriechen und Achtbeiner stören.

Aber noch, noch habe ich richtig Bock auf Garten. Und noch kann man das sehen…

(Un-)Bekannt…

unbekanntKennen Sie das? Sie sehen auf der Straße eine Person und haben den vagen Verdacht: Sie kennen sich. Sie gucken also so vor sich hin, grübeln in sich hinein, kommen aber trotzdem nicht drauf. Die Person nähert sich, guckt genauso wie Sie, kommt aber auch zu keiner Erleuchtung. Man nickt sich unsicher zu und geht seiner Wege. Drei Tage später begegnen Sie sich wieder: In unmittelbarer Nachbarschaft. Und es fällt Ihnen wie Schuppen von den Augen: Das ist der Typ mit dem Riesenhund, der an der Ecke wohnt. Womit wohl bewiesen ist: Verlässt man sein natürliches Terrain, kann das Gehirn Bekanntes nicht mehr zuordnen.

Ich nenne das Phänomen Nachbarschaftsblindheit.

Das geht allerdings auch in die andere Richtung. Neulich beim Arzt sehe ich diese nette ältere Dame und freue mich. „Wir kennen uns!“ plaudere ich los. Mein Gegenüber ist sich da nicht so sicher. Ich quassle trotzdem munter weiter. Wir kennen uns ja. Wir sind Nachbarn, sehen uns jeden Tag und winken uns immer zu. Meine Plauderlaune kommt erst einige Minuten später ins Stocken. Da wird meine Nachbarin aufgerufen. „Ich bin die von der Fleischtheke im REAL.“ sagt sie noch, bevor sie geht. „Vielleicht kennen Sie mich daher…“ Tja dann… kann ich natürlich nicht erwarten, dass man mich auch kennt. Obwohl ich und mein sonniges Gemüt doch unbedingten Wiedererkennungswert haben…

Zum Glück bin ich ja nicht die Einzige, die regelmäßig da steht und grübeln muss, mit wem sie es gerade zu tun hat. So analysierte unlängst gerade die Kassiererin beim DM das Gespräch mit der Dame vor mir mit den Worten: „Ich habe keinen Schimmer, wer das gerade war.“ Für zusätzliche Unsicherheit sorgte offenbar der Fakt, dass die Angesprochene mit dem eigenen Namen angeredet worden war. Mein Rat, einfach mitzumachen und zu hoffen, dass die Erleuchtung im Laufe des Gesprächs kommen möge, wird nicht für voll genommen. Da könnte ja jeder kommen und Lebenslage-Tipps geben.

Und einen Schwank zum Thema Namen zum Schluss: Nebenan, bei den wirklich lieben Nachbarn, mit denen wir oft und gern über den Zaun hinweg Tratsch austauschen, hat sich die Meinung festgesetzt, ich würde Christine heißen. Zwar habe ich den Fehler schon einige Male berichtigt, aber mein richtiger Name ist wohl einfach nicht toll genug. Herr Müller sieht das Ganze eher pragmatisch. Es gibt schlimmere Namen, meint er. Und für den Fall, dass es mal Ärger gibt und jemand über den Zaun hinweg „Christiiiiineeeeeeeeeeee!“ brüllt, kann ich immer noch weghören. Ich bin schließlich nicht gemeint…

Ausgesperrt…

Sich mit zwei kleinen Kindern während eines Schneesturms aus dem eigenen Haus auszusperren: Das kann wahrscheinlich nur ich. Ich schiebe es jetzt einfach mal auf den Mangel an Schlaf, der sich in den letzten Monaten angesammelt hat. Wahrscheinlich habe ich aber einfach nur ein Alter erreicht, in dem die senile Vergesslichkeit langsam Überhand nimmt.

Ich halte mir zugute, dass wir alle wettertauglich angezogen waren und ich zumindest einen Autoschlüssel in der Tasche hatte, als ich die Tür hinter mir zuzog. Darüber hinaus hatte ich nichts dabei – kein Handy, kein Geld… nichts. Weil es in solchen Momenten immer noch schlimmer kommt, war auch niemand zuhause, als ich klingelnd durch die Nachbarschaft zog. Wahrscheinlich hielt man uns für ein Komitee der Zeugen Jehovas oder befürchtete, ich würde ein saisonales Lied übers Jesuskindlein singen und gleichzeitig die Hand nach Kleingeld ausstrecken. So blieb mir denn auch nichts anderes übrig, als mir wildfremde Menschen auf der Straße um ein Telefonat anzuschnorren. Herr Müller übrigens befand sich zur Zeit meiner Havarie gerade auf Dienstreise in Weitweitweg, weshalb ich mich nicht einfach irgendwo hinsetzen und auf die Rückkehr des Gatten warten konnte.

Da frierende Kinder immer einen Mitleidsbonus bringen, konnte ich relativ schnell ein Handy bekommen, mit dem ich flink Herrn Müller kontaktierte. (Ich bin einigermaßen stolz auf mich, dass ich tatsächlich seine Handynummer wusste.) Der tat, was alle Männer in so einer Situation tun. Er riet mir zu Gewalt: „Schlag das Klofenster ein, das kommt uns immer noch billiger als der Schlüsselnotdienst.“ Was zwar irgendwo stimmte, aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass ich über etwas verfüge, was sich Schiss nennt. Ich schlage sicher keine Dreifachverglasung ein und quetsche mich durch ein viel zu kleines Klofenster. Andererseits konnte ich nicht riskieren, dass uns ein Halsabschneider vom Schlüsseldienst erst die Tür aufbohrt und dann 600€ bar auf die Hand verlangt…

Ich und meine Brut fanden zu guter Letzt Obdach in einem zwei Stunden entfernten Kuhkaff bei noch entfernterer Verwandtschaft. Was waren die überrascht, uns mal wieder zu sehen! Jedenfalls haben sie die Kinder jetzt auch mal wieder gesehen und der neueste Tratsch ist auch ausgetauscht.  So hatte das ganze Unheil auch sein Gutes… Herr Müller indes verkürzte seinen ohnehin doofen Termin und eilte zur Rettung gen Heimat. Mitten in der Nacht stand die Tür dann wieder offen und alles war wieder gut.

Wir überlegen nun, was mehr Sinn macht: Die Katzen zum Türen öffnen auf Kommando abzurichten oder dem am wenigsten unheimlichen Nachbarn einen Ersatzschlüssel fürs Domizil anzuvertrauen. Und – nein – wir verstecken auch weiterhin keinen Schlüssel im Garten. Damit Sie gleich Bescheid wissen.

Und die Moral von der Geschicht: Vergiss bloß den Schlüssel nicht.

Wieder nix…

Wir haben das Wettrennen um den schönsten Vorgarten verloren – zum siebten Mal in Folge. Der Rasen sieht aber auch aus! Eigentlich ist das gar kein Rasen mehr. Nein, es ist eine Wiese, wie die Nachbarn es gern nennen – und das dürfen Sie jetzt keinesfalls als Kompliment verstehen. Nein, Wiese ist ein Böses Wort im Kosmos des Kleingärtners. Wiese heißt, dass man seinen Garten nicht im Griff hat und Unkräuter zulässt. Gänseblümchen zum Beispiel. Oder noch schlimmer, weil Pfui, Löwenzahn. Löwenzahn kommt einer Kriegserklärung gleich und ist schlimmer als Ah-Ah im Briefkasten… Doch, das können Sie mir glauben. Das müssen Sie sogar….

Wir jedenfalls sind wieder einmal durchgefallen. Nix mit Aushängeschild der Siedlung… Oooooooch.

Sind Sie auch so enttäuscht? Nein? Jetzt schämen Sie sich aber!

Jetzt aber…

Zugzwangwetter nennt man das. Am Wochenende waren die Temperaturen offenbar milde genug, um die ersten Gärtner auf den Plan zu rufen. Ein Spaziergang durchs Rentnerviertel brachte sie ans Tageslicht: Gummibestiefelte unkrautjätende, sträucherschneidende Mitmenschen. Meist fängt ja am frühen Vormittag einer damit an und löst damit dominosteingleich eine Kettenreaktion aus. Nur bei uns im Garten war nix los. Weil ich nämlich gar keine Lust hatte und ja eh den Ball flach halten muss.

Für eine Inspektion hat es zumindest gereicht. Die hat mich aber schon genug geärgert, so dass ich Gartenarbeit nicht auch noch gebraucht hätte. Eines unserer drei Teichlein, mit denen ich seinerzeit auf kleinem Raum die Mecklenburger Seenplatte nachzustellen versuchte, ist nämlich trockengelaufen. Da war der Winter auf den letzten Metern offensichtlich doch knackig genug, um die plastikgepresste Teichwanne zu sprengen.

Ich für meinen Teil könnte mich jetzt auf die Suche nach dem Leck machen und alles brav reparieren. Aber ich habe beschlossen, den Trockentümpel als Wink zur Umgestaltung zu verstehen. Dann muss ich auch gleich weniger Garten gegen unbefugtes Betreten absperren. Bislang ist die Seenplatte nämlich eingezäunt, damit kein eigenes oder fremdes Kind ein unfreiwilliges Bad nimmt oder sich versehentlich ersäuft. Und mit nur noch zwei statt drei Teichen hätte ich auch wieder Grund zum planen und werkeln. (Letzteres freilich erst nach dem Wurftermin.)

Vielleicht findet sich ja auch der eine oder andere Nachbar, der mir beim Werkeln hilft. Denn eines ist am Wochenende wieder einmal aufgefallen: Nach getaner Gartenarbeit stellt man sich gern an den Zaun und missbilligt den Zustand des Nachbargrundstücks…