Muttertag…

Wenn Sie eine Mutter sind, hatten Sie gestern Ihren Ehrentag. Mit Glück hat man Ihnen Frühstück ans Bett serviert, Kinder haben gemalt und gebastelt und waren den ganzen Tag über extrem brav. Schokolade hat den Besitzer gewechselt, vielleicht auch die eine oder andere Blume. Schön war´s, gelle?

Meine Kinder haben gemalt. Und, vom Vater entsprechend instruiert, kleine Päckchen mit Pralinen überreicht. Kind 2 hat sich dabei deutlich schwer getan, die Schokolade auch tatsächlich abzugeben und nicht etwa selbst zu essen. Aber wir wollen uns nicht an Details festklammern.

Das Bild von Kind1 möchte ich Ihnen hier nicht vorenthalten. Weil es echt hübsch ist. Und gleichzeitig Fragen aufwirft:

Muttertagsbild

Sie sehen: Mama im Garten. Warum ich nix anhabe, entzieht sich meiner Kenntnis. Oder was es mit den Giraffenohren auf sich hat…

Irgendwelche Vermutungen?

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Ganz mütterlich…

Mütter sind zuweilen ganz arme Schweine.

Letztens sitze ich da und ertappe mich dabei, wie ich die Reste vertilge, die Kind 2 im Rahmen seines Abendessens übrig gelassen hat. Herrn Müllers besorgte Frage, ob ich nicht lieber „etwas richtiges“ essen möchte, beantwortet mein Mund ohne Zutun des Hirns mit: „Ne, lass mal.“ Dass das, was ich da speise, aus briefmarkengroß geschnittenem Brot besteht, welches vom Kind bereits ausgiebig auf seine Konsistenz getestet worden ist, erzähle ich Ihnen besser gar nicht. Auch Knetbrot kann man noch essen… und man will ja nichts verkommen lassen. Überhaupt das Resteessen. Als die Brut noch kleiner war, bestand meine Tagesration an Kalorien oft aus dem Bodensatz von Babygläschen, halben Keksen und mindestens eine halbe Stunde in der Faust herumgetragenen Obststückchen. Dass das unter Umständen Bäh ist, kam mir gar nicht in den Sinn. Übrig gebliebenen Schmadder zu vertilgen, ist eben nicht halb so widerlich, wenn es in der Familie bleibt.

Weil das aber nicht ausreicht, läuft man als Mutter auch immer Gefahr, in irgend einer Art und Weise angeschmutzt aus dem Haus zu gehen. Besonders jemand wie ich, die gern schwarz trägt, muss bei einem gerade hüfthoch gewachsenen Kind stets damit rechnen, dass die Finger am mütterlichen Hosenbein abgewischt werden. Was dann einen hübschen Kontrast zum eigentlich perfekten Outfit abgibt. Auch kleine Nasen werden zuweilen am T-Shirt geputzt. Trocknet der Rotz dann an, sieht man aus wie der Betreiber einer Schneckenfarm. Bringt man seine Kinder so in den Kindergarten, ist das erstmal noch nicht so schlimm. Denn die anderen Mütter kennen das Dilemma und können über Rotzflecken hinwegsehen. Erscheint man allerdings mit Kinderhandabdrücken, Popelfäden und angetrockneten Kekskrümeln auf den Klamotten in der Arbeit, ist es mit dem Verständnis unter Umständen ganz schnell vorbei. Mitdenker haben aus diesen Gründen gern Ersatzklamotten in der Schublade. Frau Müller gehört nicht dazu…

Zumindest bin ich mit wachsenden Kindern mittlerweile wieder in der Lage, hohe Schuhe anzuziehen. Die Zeit, als man noch ständig flitzen musste, um die Brut vor allerlei Unbill zu bewahren, ist beinahe vorbei, so dass ich nicht mehr ganz so schnell sein muss. Und auch Schmuck lässt sich so langsam wieder tragen. Denn Ketten dienen nicht länger als Haltegriff für die kindlichen Finger und auch meine Ohrringe verlieren für den Nachwuchs zunehmend an Reiz. Nur mit Kleidern muss ich noch ein bisschen aufpassen. Denn gerade letztens hat Kind 2 wieder versucht, sich vor der neuen Kindergartentante unter meinem Rock zu verstecken… Was immer zu großen Lachern führt. Immerhin…

Mittelfit…

Der Fitnesswahn geht um – bei mir. Weil nach der Schwangerschaft immer noch nicht zurück in alter Form, muss jetzt Schub her. Bevor die Hausfrau komplett verlottert.

Bereits aus Zeiten vor Kind und Kegel verfügt der Müllersche Haushalt über allerlei Sportgerät. Das steht im Keller, wie es sich für Sportgerät gehört. Sicher könnten wir uns jetzt darüber unterhalten, dass Kinder die Figur ruinieren, dass frau mit zunehmendem Lebensalter zwangsläufig oll wird – auch und vor allem figürlich und dass man die Tatsachen irgendwann einfach akzeptieren muss. Besonders die Schwerkraft sorgt mit fortschreitender Reife für eine Versüdlichung von Arsch- und Bauchfett. Auch Winkfleisch soll sich einstellen, wenn man Gerüchten Glauben schenken mag. Zumindest letzterem wirken die Müllerschen Kinder allerdings zuverlässig entgegen. So sorgt Kind 2 dafür, dass Bi- und Trizeps immer gut trainiert sind. Die Brut wird nämlich gern getragen. In dieser Region gibt es also nichts zu meckern. Kommen wir also zurück zum Arschfett. Und zum Kellergerät.

Wir haben nun, um mir das sporteln zu erleichtern, erst einmal für Fernsehempfang im Keller gesorgt. Wenn ich unterhalten werde, fitnesst es sich einfacher. Schundfilme lenken eben perfekt von schmerzenden Muskeln und Atemnot ab. Den Fuhrpark ins Wohnzimmer zu schleppen, verbietet sich übrigens. Einerseits wegen der kindlich erhöhten Verletzungsgefahr, andererseits aufgrund der Potthässlichkeit des Sportgeräts. Obwohl ich letztens ein Laufband ausgespäht habe, das tatsächlich in Pink zu haben ist. Das aber nur nebenbei.

Ich habe, als erstes Ergebnis sozusagen, heute schon mit Muskelkater zu kämpfen. Was ich als gutes Zeichen werte. Oder dahingehend beurteile, dass ich über genau null Kondition verfüge. Nebenbei hatte ich genug Zeit, um darüber nachzugrübeln, wie man den Kellerraum, sagen wir mal, „optimieren“ kann. Da steht derzeit ein Gästebett drin, weil wir doch ab und zu mal Leute zu Besuch haben. Außerdem stapeln sich ausgelesene Bücher an den Wänden. Diverser anderer Quatsch steht auch rum. Das gehört sich ja so für ein anständiges Kellerzimmer. Aber das… ach, das kann ich morgen mal erzählen. Oder übermorgen…

Ärsche auf Stühlen…

lesen_ärscheEine Kindergartenmutter zu sein ist gar nicht so einfach. Hat man nämlich, nach ungezählten Wochen der Hetzerei nach einem Betreuungsplatz für das eigene Kind, endlich Einlass gefunden in die heiligen Hallen des Wunschkindergartens, geht der Stress erst so richtig los.

Es reicht nämlich nicht, seine Brut morgens in der Bienen-, Frosch- , Wichtel- oder Apfelgruppe abzuliefern und nachmittags wieder einzukassieren. Nein, als Kindergartenmutter wird man ab der ersten Stunde fest eingebunden in den erzieherischen Alltag.

Auch wenn man nur Zaungast sein will im Treiben von Kindern, Eltern und Erziehern – man nimmt irgendwie immer teil. Sei es im mahnenden Gespräch mit der Erzieherin über die Entwicklung des eigenen Kindes. Festgequatscht an der Ecke mit irgendwelchen anderen Muttis, mit denen man im echten Leben nicht einmal Blickkontakt hergestellt hätte. Oder – noch schlimmer – am Elternabend, den man zwar gern geschwänzt hätte, an dem man aber des Gruppenzwanges wegen trotzdem immer teilnimmt. Nicht zu vergessen das ungeschriebene Gesetz des Mitwirkens an alljährlichen Festivitäten eines jeden Kindergartens – ob man nun Bock und Zeit hat oder nicht… all das wird im Buch „Große Ärsche auf kleinen Stühlen“ mit lesbarer Freude am Albern verarbeitet.

Sicherlich, auf Dauer wird die Lektüre etwas anstrengend. Gerade was Stereotype anbelangt, mit der einzelne Personen belegt werden: iDad zum Beispiel, den auf seinem Telefon herumpieksenden Homepageoptimierer. Oder Bio-Bärbel, deren Name eigentlich schon alles ausdrückt, was man als anstrengend, pingelig und kleinkariert empfinden mag. Auch die eigentlich humorigen Inkognito-Namen der Eltern, die über die komplette Länge des Buches als Luzi-Papa, Harkan-Mama, Theo-Mama oder Krümel-Mama daherkommen, wirken in ständiger Wiederholung eher bemüht.

Darüber hinaus ist „Kleine Ärsche auf großen Stühlen“ ein unterhaltsamer Lesestoff, der einen immer wieder staunen lässt, wie es in anderen Kindergärten so zugeht. Und der im Fazit die Erkenntnis zulässt, dass man es als zweifache Kindergartenmutter mit dem „eigenen“ Kindergarten gar nicht so schlecht getroffen hat…

Benni-Mama: „Kleine Ärsche auf großen Stühlen“

FISCHER-Taschenbuch.

Countdown…

Jeden Tag trage ich Kind 2 näher am Kindergarten vorbei. Im September ist es soweit: Dann wird die Brut ins feindliche Leben entlassen. Darüber mag man jetzt geteilter Meinung sein. Aber die ersten Krabbelversuche, die der Sohn der Familie in der neuen Krippengruppe gemacht hat, deuten darauf hin, dass er die Zeit ohne Mutter richtig toll finden wird. Daheim wird es jetzt nämlich eher langweilig. Zwar ist das Kind, wenn ich arbeite, schwer damit beschäftigt, Dinge auseinanderzubauen, Sachen herunterzuschmeißen und Zeitungen zu schreddern. Aber was wir eben gar nicht bieten können ist der vielbeschworene Kontakt zu Gleichaltrigen. Das ist der Fluch des Rentnerviertels. Zwar sind sich Alte und Kleinkinder ähnlicher als man meinen sollte – besonders was das Ding mit der Zahnlosigkeit und Inkontinenz anbelangt. Nichtsdestotrotz können sie oft wenig miteinander anfangen.

„Was kanner denn schon?“ will übrigens letztens ein Nachbar wissen. „Kackt er wenigstens schon ins Töpfchen?“ Will man den Ausführungen der alten Generation Glauben schenken, waren die Kinder vor 60 Jahren nämlich mit dem ersten Geburtstag bereits trocken, sprachen Dreiwortsätze und aßen mit Messer und Gabel. Dass die jetzige Generation Hosenscheißer das nicht beherrscht, kann nur ein Zeichen sein für… na, mindestens den Weltuntergang.

Aber zurück zum Thema Kindergarten. Ich setze Kind 2 nun also im Rahmen einer Eingewöhnungszeit in unregelmäßigen Abständen zwischen die Brut fremder Leute und beobachte seine Reaktion. Es dauert auch nicht lange und der kleine Windelpo verschwindet in Richtung Bauecke. Da setzt er sich dann hin und demontiert Spielzeug. Und ich stehe in der Ecke und hoffe, dass das Kind wenigstens ab und zu Blickkontakt zu mir aufnimmt. So als Zeichen für Mutterliebe. Darauf kann ich allerdings lange warten, was die Erzieherinnen mit frohem Auge und aufmunterndem Nicken quittieren. „Dann können wir ja morgen vielleicht schon mal zehn Minuten spazieren gehen!“ sagen sie und meinen damit mich. „Oder zwanzig Minuten!“ deutet mein Sohn dann gern an und die Erzieherinnen flüstern: „Da haben Sie aber alles richtig gemacht.“

Schauen wir mal…

Foto mit Mutterschaden…

Das Wetter lässt es zu, dass ich meine Brut morgens wieder zu Fuß in den Kindergarten bringe. Will heißen: Kind 1 radelt voraus, Mutter rennt mit Kind 2 im Buggy hinterher. So weit, so gut. Da wir direkt an einer Bahnstrecke wohnen, führt uns unser Weg jeden Morgen mehr oder weniger am Gleisbett entlang. Nicht selten stehen dort dann einige verirrte Gestalten und warten. Nicht so sehr auf mich, mehr auf vorbeifahrende Züge. Vor dem Bauch tragen sie Kameras mit dicken Objektiven, am Handgelenk Fliegeruhren, die auffällig häufig konsultiert werden. Manche bringen auch Leitern mit, auf die sie sich des besseren Fotos halber stellen und warten dann, 2 Meter über dem Boden, auf den nächsten vorbeifahrenden ICE.

Meist bleibe ich mit meinem Kinderwagen relativ unbehelligt. Es sei denn, ein Zug fährt vorbei. Dann wird geschwenkt, geklickt, am Objektiv geschraubt und vor allem eines: Gemeckert.

„Ach Scheiße!“ nöhlt ein angegrauter Mittvierziger mit Bäuchlein. „Jetzt hab ich da so ´ne Mutter mit Kind drauf!“

„Dann hast du ja wenigstens mal ein schönes Bild geschossen.“ nöhle ich zurück. Aber ich habe die Rechnung ohne den Eisenbahnerfan gemacht.

„Ein Hund wäre mir aber lieber gewesen.“ schallt es, da bin ich schon fast um die nächste Ecke.

Na warte… das nächste Mal sorge ich dafür, dass alle winken, wenn der Zug vorbeifährt. Dann hast du dein tolles Motiv…

U-Irgendwas…

Termine beim Kinderarzt. Das ist ja für alle Beteiligten stets ein diffiziles Thema.

Zuallererst für die Mutter: Die kriegt bestimmt Mecker und hat zur Beruhigung vorsorglich Baldriantropfen intus. Das Kind kann nämlich gar nichts: Spricht nicht. Sitzt nicht und überhaupt…

Dann für den Arzt: Der weiß ganz genau, dass da schon wieder so ein trutscheliges Frauenzimmer angestapft kommt, das der Meinung ist, dass Javen-James-Tiberius mindestens ein Wunderkind ist. Und einen derartigen Irrglauben aus einer Mutter auszutreiben, ist quasi unmöglich.

Und schließlich für das Kind: Wochenlang hat Mutter mit der Brut trainiert und dann, wenn die große Stunde des Kindes kommt, hat es alles vergessen. Liegt platt auf dem Rücken herum und guckt grimmig vor sich hin. „Mach doch mal!“ ermuntert Mutti, aber alles, was Sohnemann zustande bringt, sind Spuckeblasen.“Das werte ich als Verschlusslaut.“ sagt der Kinderarzt und macht ein Häkchen auf seiner Liste.

Dann soll das Kind kleine Würfel in die Hand nehmen. Das scheitert aber daran, dass Würfel an sich schon mal pupslangweilig sind. Als Motivationshilfe springt Mutti im Hintergrund ein bisschen durch die Kulisse. Prompt greift sich das Kind den roten Würfel und schmeißt ihn. Dann packt es den gelben Kubus, speichelt ihn kräftig ein und feuert ihn ebenfalls in Mutters Richtung. Die daraufhin vom Arzt angebotenen Chetons werden flink von links nach rechts gewechselt und dann mit lautem Geschrei in Richtung Tanzmama geschmissen. Merke: Manchmal hat es auch sein Gutes, dass Eltern ihren Kindern schnell peinlich werden…

„Wie hat er´s mit dem Drehen?“ will der Arzt dann wissen.

„Gar nicht!“ sagt Mama herausfordernd und funkelt das Kind  an. Der lässt sich das nicht zweimal sagen und macht geschwind eine Rolle. So kann man auch durch konsequente „Du kannst das eh nicht“ Haltung Erfolge erzielen.

Am Schluss macht das Kind dann noch den obligatorischen Pipi-Springbrunnen, den Ärzte immer so lustig finden und den Mütter gern mit Ohgottohgottmachterzuhausenie kommentieren. Dabei wissen alle Beteiligten: Zuhause ist es noch viel schlimmer. Da macht das Kind sogar Kacka!

Das leidige Thema des Vorführens der Silbendopplung erledigt sich übrigens oft schon am Anfang des Termins von ganz allein. Meist reicht es aus, dass das Kind vermessen und gewogen werden soll, um wütendes Bababamamadadagaaaaaaaaaaaaaaa zu provozieren….

Muttern geht nun also mit einem halbwegs gut gemachten Kind wieder nach Hause und geht im Kopf nochmal durch, was im nächsten halben Jahr für die U-Irgendwas eingeübt werden muss. Ein Stress immer, diese TÜV-Termine mit der Brut…