Wichtel…

Sie da! Schon mal gewichtelt? Ja? Im Kindergarten? Der Grundschule?

Wie lustig in diesem Zusammenhang, dass wir heuer wieder wichteln. Unter den Kollegen nämlich. Wer nicht weiß, worum es geht, dem sei kurz erklärt: Wichteln ist eine Form des (vor-)weihnachtlichen Schenkens. Jeder zieht aus einem Topf einen Namen, denkt sich für diese Person etwas Schönes aus und beschenkt sie, zum Beispiel zur Weihnachtsfeier. Alles ganz anonym. Niemand erfährt, wer wen beschenkt hat.

Wichteln kann super sein. Zieht man den Namen einer Person, die man mag, findet sich meist auch eine schöne Kleinigkeit. Fällt einem jemand zu, der nicht der eigenen Wellenlänge entspricht, kann sich die Geschenkefindung unter Umständen dramatisieren. In diesem Zusammenhang ein Tipp: Es hat sich bewährt, das Prinzip der strikten Geheimhaltung dezent zu untergraben. Sei es, dass man bei Leuten, die der gewichtelten Person näher stehen als man selbst, nachfragt. Oder man tauscht gleich. Macht man das oft genug, hat man am Ende seinen Traumkandidaten und findet das perfekte Geschenk.

So. Und das war die Theorie.

Die Praxis sieht in der Regel so aus, dass sich erst einmal alle angucken und ein bisschen Angst haben. Dann zieht man grundsätzlich den eigenen Namen. Leider darf man sich nicht selbst beschenken, weshalb man den Zettel zurück in den Hut schmeißt und einen anderen Namen zieht. Nun beginnt die Zeit der Ratlosigkeit.

Eins vorweg: Nett bleiben ist das oberste Prinzip. Geschenke sollen Geschenke sein und keine Belehrung, Veralberung oder im schlimmsten Fall Beleidigung. Damals in der Schule hatten wir einen Kandidaten, der grundsätzlich auf Unzulänglichkeiten herumtrampelte und Deos, Minzbonbons und ähnlichen Unsinn verschenkte. Macht man nicht. Das Warum erklärt sich von selbst.

Dann geht es weiter: Gehört sich Schokolade? Darf ich einen Schal stricken? Wird mit Liebe Selbstgemachtes überhaupt gewürdigt? Gehört Erbauliches wie Musik oder Literatur ins Wichtelpäckchen oder fällt das in die Kategorie Bevormundung? Was schenkt man dem Vorgesetzten, was dem Azubi? Und wie schaffe ich alles mit dem kleinen Schein, der als Maximalbetrag vorgegeben wurde?

Fragen über Fragen.

Und ganz am Schluss, wenn es ans Auspacken geht: Haltung bewahren. Und sich immer vor Augen führen, dass es der Gedanke ist, der zählt. Es sei denn natürlich, man hat ein Bombengeschenk bekommen. In diesem Fall kann man nur hoffen, dass man selbst etwas bombenmäßiges verschenkt hat und sich die andere Person ähnlich freut wie man selbst. Andererseits aber kann man beruhigt bleiben: Schließlich ist alles ganz anonym gewesen. Wenn sich alle dran gehalten haben…

(…was in der Realität übrigens nie passiert.)

 

Wer…

Wer eine Katze hat, den wird es nicht wundern, dass diese nachts zum Kotzen extra ins Bett kommt. Finden sich dann im Gewölle die noch gut erhaltenen Überreste einer dreiviertel Maus, ist die Nachtruhe ganz schnell vorbei. Obwohl wir alle Puzzles sehr gern mögen, will keiner die Teile wieder zusammensetzen. Dafür sind wir putzmunter und können auch gleich aufstehen.

Wer am Sonntagabend die Wasserspülung des Klos kaputt macht, der kann sich sicher sein, dass sich kein geeigneter Handwerker auftreiben lässt, der das Maleur schnell mal repariert. Hockt man sich dann am Montag Morgen vor die Schüssel, um den Pott wenigstens sauber zu machen, bevor der nette Mann von der Sanitärfirma mit den rettenden Ersatzteilen kommt, stellt man fest, dass man den Schaden auch gleich selbst richten kann und – Oh Wunder – nach ein bisschen Ziehen da und Drücken dort ist die Wasserspülung repariert. Als Superhausfrau vollführt man solche Wunder noch vor dem Frühstück.

Wer seine Kinder morgens in den Kindergarten bringt, kann sich sicher sein, dass er der Hälfte der begleitenden Erziehungsberechtigten zwanzig Minuten später im ALDI noch mal über den Weg läuft. Meist trifft man sich irgendwo in Höhe der Kinder-Winterschuhe, der Thermo-Unterbuxen und pinken resp. grünen Handschuhe und Mützen. Dann kichert man einander zu, hält die gemachte Beute in die Luft und sagt: „Jetzt muss ich aber!“

Wer gegen neun Uhr morgens in der Arbeit sitzt und gefragt wird, warum er erst jetzt kommt, nimmt ganz gelassen einen großen Schluck Bürokaffee und lehnt sich zurück. Wer vor Sonnenaufgang schon so viel gepuzzelt, gerettet und geshopt hat, für den ist Zeit bedeutungslos…

Hinüber…

Die Welt steht still. Alle sind krank. Das Hauptbüro unseres Weltkonzerns ist verwaist. Nur am Nebenschauplatz Männerbüro verharrt ein letzter Recke und hält den Laden am Laufen. Auch ich bin noch da, aber derzeit sozial isoliert genug, um keinen Krankheitserregern ausgeliefert zu sein. Obwohl Herr Müller im Laufe der letzten Tage immer grüner wird. Und auch Kind 1 schnieft schon einige Zeit vor sich hin…

Ich muss aber trotzdem ehrlich zu Ihnen sein: Auch ich habe so etwas wie Schnupfen. Aber lediglich in abgeschwächter Form. Außerdem kommt die Influenza ja allgemein ohne Schnupfen einher, was nur bedeuten kann, dass ich aus dem Schneider bin. Andererseits sollte man nie zu früh jubeln. Zumal Kind 1 heute nachmittag noch Sport hat, was bedeutet, dass ich mich mitten hinein begeben muss ins Schlachtengedöns von Viren, Bakterien, Rotz und Schleim.

Nichtsdestotrotz: Wir müssen da jetzt durch. Ich, Herr Müller, unsere Brut. Alle. Sie auch.

Gute Besserung, falls Sie schon…

Finale…

Da habe ich Mist gebaut: Wenn morgen ohnehin die Welt untergeht,  hätte ich mir das mit den Weihnachtsgeschenken auch sparen können. Aber irgendwie ist das Besorgen von Geschenken ja doch ein Reflex, auch im Angesicht des nahenden Endes… Nun liegen die Geschenke hier rum und brauchen tut sie eh keiner mehr. Na ja, dann kann ich sie auch einpacken. Ganz nach dem Motto: Nobel geht die Welt zugrunde.

Übrigens findet die Betriebsweihnachtsfeier unseres Weltkonzerns genau am Tag X statt. Wenn das kein Abgang ist…

Och nö…

Am Freitag ist ja definitiv Ende Gelände. Will heißen: Frau Müller verabschiedet sich in den Mutterschutz. Bewundernswert, dass der Arbeitgeber es tatsächlich geschafft hat, drei Tage vor Ende eine Vertretung zu organisieren.

Auf der Bildfläche erscheint: Eine Dame mittleren Alters, Typ: Münchner Schickeria. Blondiert, toupiert, Glitzerjäckchen. Der erste Satz lautet: „Das muss heute schnell gehen, ich habe noch Termine.“ Dann bekomme ich gesteckt, dass die Dame keine Kinder hat und somit belastbar ist. Angebotene Lebensmittel werden zudem mit den Worten abgelehnt: „Sie können das gern essen, ich werde nur fett.“

Das kann ja heiter werden.

Die Einarbeitung an sich ist standardmäßig erst einmal ein Monolog. Üblicherweise von mir. In diesem Falle komme ich erstmal nicht zu Wort, weil ich mir Geschichten darüber anhören muss, wie furchtbar das ist, was wir hier machen, und dass noch viel Zeit ins Land gehen muss, bis sich das mal durchgesetzt hat. Ich nehme es mit einem Lächeln hin. Irgendwann ist der Tag bestimmt vorbei.

Dann darf ich reden und spule meinen Vortrag ab. Als wir schließlich zum praktischen Teil übergehen, wird es wieder zäh. Denn obwohl es sich bei der Dame angeblich um eine ihres Faches handelt, fallen schon bei simplen Textbearbeitungen Mängel auf. Makros sind völlig unbekannt. „Suchen/Ersetzen“ ruft große Verwunderung hervor und über die korrekte Schreibweise müssen wir auch das eine oder andere Mal streiten. Mir wird ein bisschen schlecht.

Jetzt kann man eigentlich nur noch Vergrämungstaktiken fahren. Ein bisschen was haben wir wohl unbewusst im Vorfeld schon erledigt, denn die Dame desinfiziert das Klo, als sie sich einmal kurz „zurückzieht“. So etwas macht man eigentlich nur, wenn man Opfer einer Zwangserkrankung ist oder sich aus Versehen auf einem Bahnhofsklo erleichtern muss.

Aber wir haben noch andere Dinge vorbereitet. So darf der große Typ da im Nachbarzimmer gern mal näher rücken und mir verliebt in die Augen schauen. Manchmal tätschelt er mir auch den Popo. Ich kichere dann albern und klappere mit den Augen. Der neuen Mitarbeiterin werde ich natürlich nicht stecken, dass der Mensch da Frau Müllers angetrauter Ehegatte ist. Stattdessen flüstere ich der Dame in einer stillen Minute ins Ohr, dass man den Männern immer wieder Anreize geben sollte, damit ihnen der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt. Dann lasse ich die Neue mit ihren Gedanken allein.

Mit Pech wird die sich jetzt an meinen Gatten heranmachen. Mit Glück sucht sie das Weite… Scheiß auf Vertretung. Ich bin eh in vier Monaten wieder da…

Macho Man…

Die Herren Kollegen sind aus der Mittagspause zurück. Kaum dreht sich der Schlüssel im Schloss, sind sie schon laut und deutlich zu vernehmen.

„Nach dem Essen sollst du rauchen oder eine Frau gebrauchen.“ tut Nochzuhausewohner Schmidtchen ausgelassen sein Zotenwissen kund. Kurz darauf treffen mich erschrockene „Oh Gott, hat sie´s gehört?“ Blicke.

Hab ich, meine Herren. Hab ich. Einer muss ja auf mahnende Instanz machen, damit die Sitten hier nicht total den Bach runtergehen.

Aber schämen müssen Sie sich jetzt schon allein. Am besten in Ihren eigenen Büros.

Meetings…

Vielleicht ist Ihnen das selbst schon mal aufgefallen: Alle Jubeljahre entscheidet der Chef darüber, dass von nun an regelmäßig Telefonkonferenzen zwischen allen Standorten des Weltkonzerns stattzufinden haben. Hierzu werden in einem mühseligen Termin, zu dem alle in die Zentrale anreisen, Punkte festgelegt, auf die man sich jeweils wochenweise vorzubereiten hat. Weiterhin soll ein monatliches Meeting stattfinden, dessen Leitung reihum an die Vorgesetzten der einzelnen Außenstandorte verteilt wird und zu denen man persönlich zu erscheinen hat. Zu diesem Zweck haben entsprechende Vorgesetzte also alle 4 Wochen durch die Weltgeschichte zu reisen, um sich am wechselnden Ort des Geschehens einzufinden.

Die durchschnittliche Halbwertzeit solcher Projekte beträgt 3 Monate. Dabei werden die Telefonkonferenzen am schnellsten zu den Akten gelegt. Erst kann Stuttgart nicht teilnehmen, dann Hamburg. Schließlich legt auch die Zentrale ihre Arzttermine auf den TelKo-Termin, so dass am Ende im Schnitt noch 2 Teilnehmer übrig bleiben, die auch keine Lust haben, dem Protokoll zu folgen. Die TelKos sterben still nach etwa vier Wochen. Ab und an erinnert sich noch jemand daran, dass da mal was war, aber üblicherweise bleibt es beim memento mori.

Die Treffen an den Außenstandorten werden zumindest regelmäßig geplant. Outlook erinnert hierzu zyklisch mit lustigem Ping an die demnächst anstehende Reise. Beim ersten Termin sind auch noch alle vorbereitet und motiviert. Sogar in Schale hat man sich geschmissen. In Termin zwei fallen bereit erste Jeansträger auf, was in Termin drei alle dazu verleitet, den schicken Anzug zuhause zu lassen. Mit Zunahme des Casual-Outfits nimmt indes die Vorbereitung auf das Treffen ab. Bei Meeting Nummer drei einigt man sich auf die Heimreise nach der Mittagspause und läutet damit automatisch das Ende der Herumfahrerei ein.

Alle sechs bis acht Monate werden die still verblichenen Meetings dann noch mal aufs Tableau gebracht. Meist von der Sekretärin des Vorstands. Dass es aber bei diesem kurzen Aufblitzen bleibt, wird spätestens dann klar, wenn man sich in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz auf die Erfolge der letzten Treffen besinnt. Lächelnd blickt man dann zurück und einigt sich darauf, dass man das irgendwann unbedingt wieder einführen sollte. Aber nicht unbedingt jetzt…