Frauenmännersache…

Wissen Sie, was ich letztens Dusseliges gefunden habe?

FrauenkochbuchEin Frauenkochbuch. Nur für Frauen. Weil Männer nämlich keinen Brotsalat essen wollen. Oder Zeugs, in dem Passionsfrucht drin ist. Von Buttermilch-Schäumchen mal abgesehen.

Da kloppt man sich jahrelang um Gleichberechtigung und die Abschaffung genderspezifischer Vorurteile und dann das… Völlig zurecht lag das Buch ganz unten in der Grabbelkiste des örtlichen Supermarkts… Da, wo schon keine Sonne mehr hinkommt.

MännerchipsObwohl dieser Geschlechterkram ja neuerdings wieder groß geschrieben wird. Kaufte Herr Müller doch unlängst „Männerchips“. Ob ich mal probieren durfte? Selbstverständlich nicht! Weil Männerchips!

Gerüchten zufolge gibt es die Chips auch in der Mädchenvariante. Mit cremiger Paprikanote. Wenn Sie mich jetzt sehen könnten, sähen Sie mich angewidert.

Stellt sich hier nur die Frage, ob es als Zeichen ausgleichender Gerechtigkeit auch ein Männerkochbuch gibt. Herr Müller bejaht heftig und hält die Speisekarte des örtlichen Steakhauses hoch. Die liefern auch…

 

 

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Die Ambition und ich…

Meine hausfraulichen Ambitionen und ich müssen dringend mal reden.

„Back doch mal wieder was Schönes!“ flötet die Ambition neuerdings ständig. „Da gibt es so schnuckelige kleine Muffinsrezepte. Die wollen alle ausprobiert werden!“ Ich sitze derweilen auf dem Sofa und versuche ein Buch zu lesen. Eines, in dem es gerade sehr mörderisch zugeht. Weshalb mir so gar nicht der Sinn nach Backwerk steht.

„Na gut,“ lenkt die Ambition ein. „Dann kochste was.“

Ich verdrehe die Augen. Aber dann passiert es. „Soll ich uns was Schönes kochen?“ ruft mein Mund ganz ohne mein Zutun. Noch bevor ich selbigen zuhalten kann, erscheint Herr Müller. „Was Leckeres?“ will er wissen. „Ja!“ plappert mein Mund erfreut. Ich und mein Großhirm schauen uns erschrocken an.

Aber damit nicht genug.

„Stricken wäre jetzt auch schön, was?“ ermuntert mich die Ambition letztens am Zeitschriftenregal. Da liegen nämlich unglaublich viele Handarbeitshefte. „Ne, gar nicht.“ brumme ich, aber ich habe schon ein Heft in der Hand. „Guck mal, gar nicht teuer.“ flüstert es und irgendwie landet das Heft im Einkaufskorb. Da liegt es dann neben Zimt und Kuvertüre. Die Ambition hat nämlich letztens Cakepops für sich entdeckt – Kuchen am Stiel – und faselt seit Tagen von nichts anderem. Um sie ruhig zu stellen, habe ich mich auf das Backexperiment eingelassen.

Daheim angekommen bringt der Postbote ein Päckchen vorbei. Das kommt von einem Online-Tinnef-Laden und enthält original japanische Perlen. Die von der besonders gleichmäßigen Sorte. Die Ambition hat sie bestellt, weil sie festgestellt hat, dass diese ganzen Perlen-Fädel-Arbeiten, die sie seit geraumer Zeit anfertigt, bestimmt viel toller aussehen, wenn man mit „hochwertiger Ware“ arbeitet. Mir persönlich ist das ja wurscht. Zumal die winzigen Perlen ständig herunterfallen und ich mich zudem schon so oft an der Nadel gestochen habe, dass ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen muss, ob es nicht langsam wieder Zeit ist für eine Tetanus-Impf-Auffrischung.

Gerüchten zufolge leben hausfrauliche Ambitionen aber nicht lang. Meist erwachen sie, wenn man Mutter wird und scheiden spätestens fünf bis sechs Jahre später still dahin. Später dann, wenn die Brut aus dem Haus ist, sitzt man in seinem Ohrensessel vor dem Kamin und sinniert leise vor sich hin, dass man früher „so kreativ“ war und „so viel gemacht und getan“ hat. Und dann kichert man albern und liest endlich das Buch zuende, das seit achtzehn Jahren weitergeschmökert werden will…

Komisch…

Mein Kosmos schrumpft derzeit ja schon wieder ziemlich zusammen. Mit einem winzigen Kind nur zu Hause zu sein, auch wenn man dort superwichtig im Homeoffice arbeitet, bedeutet vor allem eins: Man wird irgendwie komisch. Nicht so sehr haha-komisch, eher shining-komisch, nur damit Sie gleich im Bilde sind.

Letztens zum Beispiel stand ich lange reglos vor dem Spiegel und dachte darüber nach, wie mir wohl ein Pony stehen würde. Diesbehuflich kämmte ich sogar einige Strähnen von hinten nach vorn und verlangte anschließend von Herrn Müller zu wissen, wie ich aussehe.  Herr Müller antwortete mit einer frechen Gegenfrage: „Weißt du eigentlich, wie du aussiehst?“

Dann koche ich neuerdings regelmäßig lecker Abendbrot und hocke dann voller Hoffnung vor meiner Familie und hoffe, dass mich jemand lobt. Auch hier reagiert Herr Müller eher frech: „Wenn du mal kochen kannst, kriegst du auch ein Lob.“ Man sollte eben noch Ziele im Leben haben.

Nicht zuletzt fühle ich mich durch die experimentellen Tanzeinlagen meiner Kindergartentochter gelegentlich zum Mitmachen animiert und springe wie eine geisteskranke Bergziege durch mein Wohnzimmer.

Gerüchten zufolge bessert sich das, wenn das Kind in den Kindergarten kommt und die Bindung an das Haus auf natürlich Weise wieder nachlässt. Wahrscheinlich sollte ich in Zukunft aber einfach nur mal öfter mal die Wohnung lüften. Sauerstoffmangel soll ja zuweilen eigenartiges Verhalten provozieren…

Wenn ich demnächst allerdings bei einem imaginären Kellner an einer leeren Hotelbar Alkoholika bestelle, geben Sie mir doch bitte einen dezenten Wink…

Fotogen…

Ich koche… naja, so mittelgern. Hauptsächlich deshalb, weil es immer heißt, ich könne das gar nicht. Wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise entstammt es aber noch aus dem Mittelalter der Vorzeit meiner Ehe mit Herrn Müller. Damals, als es noch galt, mich zu umwerben, kochte er nämlich oft und gern für mich. Weil ich also selten bis nie am Herd stand, entwickelte sich die Mär, ich könne mit diesem Dingsda nichts anfangen. Hätte ich den Dingen seinen Lauf gelassen, wie das jeder intelligent denkende Mensch tut, müsste ich wahrscheinlich bis heute nicht kochen. Aber ich bin ehrgeizig und beweise gern Leuten das Gegenteil. (Das ist dumm, ich weiß.) Na ja, mittlerweile koche ich… also… so mittelgern.

In diesem Zusammenhang wüsste ich gern, warum die Bilder auf Rezepten immer so wahnsinnig lecker aussehen, während das, was auf dem Teller landet, stets wie ein Zusammenprall mit einem Kleinlaster anmutet. Ja, ich weiß natürlich, dass für die Fotos Fooddesigner mit Shampoo und Lebensmittelfarben herumspielen und dass das gebackene Paprikahühnchen schon mal eine Requisite aus dem Theater sein kann. 

Aber mittlerweile habe ich noch eine perfidere Art der Bebilderung von Rezepten entdeckt: Da werden einfach die rohen Zutaten zu einer schmackhaften Komposition verarbeitet. Sieht natürlich gleich viel frischer aus, das Ergebnis, nicht wahr? Weil in der Pfanne gebratete Zwiebeln nämlich nicht weiß bleiben und Bohnen schon mal gar nicht grün. Weil nämlich alles in natura einen irgendwie bräunlichen Ton annimmt. So einen Pamps kann man dann aber nicht mehr schick auf Zelluloid bannen. Deshalb stapelt man Zwiebeln, Bohnen und alles andere, was gekocht schon mal doof aussehen kann, einfach so in einen Topf und nennt das Ganze dann „Sommerliche Grüne-Bohnen-Pfanne mit Irgendwas“. Und die Hausfrau steht am Ende vor ihren heulenden Kindern und dem schimpfenden Mann, und keiner will das echte Gericht essen. Sah so schön aus auf den Fotos und was hast du draus gemacht? Du kannst nicht ko-ho-chen!

Oder, noch so ein Trick: Man mischt Ingredenzien ein, die gar nicht im ursprünglichen Rezept vorhanden sind. Quasi als Farbtupfer. Das Auge kocht schließlich mit. Da sprang mich doch letztens Spinat auf einem Auflauf an, der gar keinen Spinat enthielt. Oder diese komischen gekochten Eier da in dem Nudelgratin. Sieht natürlich hübsch aus, nur gab´s keine Eier im Rezept. Und unter die vegetarischen gefüllten Paprika hatte ein Fotograf gar Schinken gemischt (was das Ganze nicht nur fürs Auge erträglicher macht, glauben Sie mir)!

Wie soll man denn da noch verfolgungswahnfrei kochen? Verraten Sie mir das mal…

Hunger…

Ich habe gekocht. Mit Liebe, Leidenschaft und einer Prise Chili. Herr Müller isst schweigend und schnell, was an sich schon mal kein schlechtes Zeichen ist. Nach dem Essen rutscht er mit romantischem Blick näher, haucht mir einen Kuss auf die Wange und flüstert liebevoll…

„Der Hunger treibt´s rein.“

Oh du stressige…

Pünktlich einige Tage vor Weihnachten erzählen uns jetzt auch die Zeitungen wieder das Märchen von der stressfreien, besinnlichen Weihnachtszeit.

Auf keinen Fall sollte man sich bis zum letzten Tag Zeit lassen mit dem Geschenkekauf, heißt es. Toller Rat… ich zähle noch drei verkaufsoffene Tage… da gibt es den Stress gratis dazu. Lieber solle man, wenn man denn die Möglichkeit hat, im Internet bestellen. Auch dufte, so kurz vor dem Fest. Die Post hat derzeit ja sonst nichts zu tun. Aber Weihnachtspräsente sind auch nach den Feiertagen noch toll…

Ach und die Familiengeschichten: Bleiben Sie standhaft und feiern Sie entweder allein (im Kreise der Lieben, so vorhanden) zuhause oder laden sich bei Oma/Eltern/Freunden ein, so lautet der angeblich stressfreie Tipp. Letzteres hätte den Vorteil, dass man nicht selbst kochen muss. Da frage ich mich ernsthaft, in welcher Realität bitte diese Aussage stimmt. Muss schön sein, da drüben… 

Diesen und ähnlichen Bla könnte man jetzt über mehrere Seiten auswalzen, garniert mit dem besinnlichen Kitsch weihnachtlich geschmückter Häuser, Vorgärten, Tannenbäume…

Nene, liebe Zeitungen, die Weihnachtsrealität sieht doch ganz anders aus. Da, wo ich wohne, muss bereits im September per Losverfahren bestimmt werden, wann wer seine obligatorischen Besuchszeiten bekommt. Da ist nicht nur gutes Timing gefragt, auch einen Stressbewältigungskurs sollten Sie vorher absolviert haben. Je größer die Familie, desto schlimmer das Gehetze. Und wagen Sie ja nicht, irgend jemanden auszulassen. Daran erinnern sich besonders alte Tanten noch Jahre später schmerzlich.

Backen: Gemeinsam mit Kindern backen ist schön – wenn danach jemand anderes als Sie die Küche aufräumt. Gemeinsam ohne Kinder backen ist viel schöner. Noch besser: Kaufen Sie Kekse. Erfahrungsgemäß ist es ohnehin egal, ob Sie tagelang am Ofen gestanden und sich die Seele aus dem Leib gebacken haben: Die Kekse sind sowieso innerhalb von 15 Minuten aufgefressen. Ach ja: Die Küche machen am Ende trotzdem Sie sauber.

Kochen: Man wird von Ihnen erwarten, dass zu Weihnachten mindestens eine Gans auf dem Tisch liegt. Gerupft, ausgenommen, wieder gestopft, gegart. Und lecker sollte sie bitte auch noch sein. Dass Sie neben den Vorbereitungen für den toten Vogel keine Zeit für die Beilagen haben, wird Ihnen übrigens nicht verziehen. Zum Glück muss heute der Rotkohl nicht mehr selbst gehobelt werden. Und auch Kartoffelklöße kann man fast fix und fertig im Kühlregal finden. Machen Sie sich nicht den Stress und bereiten Sie das selbst zu. Der Vogel wird Sie genug fordern. Außerdem isst ohnehin jeder nur das Fleisch. Alle wollen Beilagen, aber essen tut sie keiner. Ach ja, noch ein Tipp am Rande: Keulen und Flügel werden bitte vor der Mahlzeit ausgelost. Am Ende gibt es sonst nur Tränen und der Vogel liegt unter dem Tisch (die Katzen wird es freuen).

Weihnachtsbaum: Wenn Sie Glück haben, ist das Aufgabe des Hausherrn. Mit Pech haben Sie sich die Arbeit irgendwann aufgebürdet – damals, als Sie den Kindern noch weismachten, das Christkind würde den Baum schmücken… Auch wenn der Familie mittlerweile klar ist, dass das Christkind gar nichts macht (der Weihnachtsmann übrigens auch nicht), bleibt das Baumschmücken an Ihnen hängen. Traditionell wird so ein Baum auch erst dann geschmückt, wenn die Bescherung kurz bevor steht: Also irgendwann nach dem Mittag- und vor dem Abendessen. Da hat ja jeder Zeit, nicht wahr…

Wenn Sie es dann geschafft haben, auch noch alle Geschenke wiederzufinden, die Sie im Haus vor Mann und Kind versteckt haben, haben Sie sich auch etwas verdient: Gehen Sie ruhig um 8Uhr ins Bett.

Kochblog… nicht hier…

Warum schreibe ich eigentlich kein Kochblog? Gestern lief ja der Film „Julie & Julia“ im Fernsehen. Eingeschaltet habe ich rein wegen Meryl Streep und weil sonst nichts kam. Herr Müller besaß die Freundlichkeit, die erste halbe Stunde des Films neben mir auszuharren, verschwand in der Werbepause aber auf unerklärliche Weise. Und ich dachte mir die ganze Zeit: Warum mache ich sowas nicht auch (Kochbloggen, nicht Verschwinden)?

Ich könnte mir Klassiker wie das „The New York Times Cookbook“ von 1961 vornehmen, das ich besitze, und alle gefühlten zwei Millionen Gerichte nachkochen. Vielleicht alle zwei Tage mal eins. Dann bin ich schon 5.000 Jahre beschäftigt. Andererseits fehlt mir da nicht nur die Zeit sondern auch die Muße. Klar, gelegentlich komme ich gern nach der Arbeit heim und stelle mich freudestrahlend an den Herd, um für Mann und Kind Kulinarisches zu zaubern. Oft bin ich aber einfach nur froh, wenn Abends die Pommesbude noch offen hat oder das Kind nach Grießbrei verlangt.

Um zurück zum Film zu kommen: Ich habe leider auch nicht viel länger ausgehalten als Herr Müller. Wahrscheinlich muss ich mich jetzt dafür schämen. Aber selbst die grandiose Meryl Streep ging mir nach kürzester Zeit unglaublich auf die Nerven. Und warum hat Amy Adams aka Julie eigentlich nie einen kulinarischen Rückschlag. Sicher, sie kann keine Eier pochieren und kriegt einen halben Nervenzusammenbruch beim Hummerkochen. Aber trotzdem schmeckt immer alles super. Da frage ich mich doch: Ist das realistisch? Oder kann nur ich nicht vernünftig kochen?

Fragen über Fragen. Und mache ich nun ein Kochblog?

Wahrscheinlich nicht…