Beute…

Gespannt gucken wir jeden Morgen ins Bad und lassen uns überraschen, was die Badewanne dieses Mal eingefangen hat. Seit es draußen kälter wird, trägt die Wanne nämlich aktiv zum Lebensunterhalt der Familie bei und liefert wöchentlich Proteinhaltiges.

„Ieh! Eine Spinne!“ kräht Kind 1.

„Das ist ein Käfer.“ klugscheißere ich.

„Ein Laufkäfer!“ springt Herr Müller in die selbe Bresche. Wir stehen und gucken interessiert, wie der Käfer in der Wanne herumflitzt. Der hat ordentlich Ausdauer, was besonders Kind 1 Spaß macht. Die sieht sich schon als Rennkäfertrainerin und feuert den Jogger fleißig an.

Ich platziere schließlich ein Blättchen Klopapier in der Badewanne und scheuche den wild hakenschlagenden Käfer auf die Unterlage. Nach einem bisschen Gehetze (Käfer) und Gekichere (Kind) lässt sich das Insekt auf dem Papier nieder. Dann geht die Reise durchs Fenster in die Freiheit.

Weniger entspannt geht es zu, wenn wir einem Achtbeiner begegnen. Da muss Herr Müller ran. Schließlich ist er für die Erlegung von Raubtieren zuständig.

Kind 1 bietet sich nun regelmäßig zur Käferpflege an. Ein leeres Marmeladenglas wurde bereits in der Speisekammer ausgemacht, darüber hinaus wurden letztens von draußen Blätter mitgebracht. Jedem Käfer, den wir nun in der Badewanne ausmachen, wird flink ein Name gegeben. Einen „Joschi“ schmeißt man eben nicht so einfach raus in den kalten Herbst. Mein Vorschlag, kleine Käferschals zu stricken, wird lapidar als „Quatsch“ abgetan. Wir haben also noch Redebedarf.

Wird es draußen übrigens wieder wärmer, lässt der Jagdtrieb der Badewanne wieder nach. Dann müssen wir selbst auf Käferjagd gehen… Man kann ja nicht alles haben.

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Herbst: Schirm nicht vergessen…

Ach, wie beruhigend, die nasse-Füße-Zeit geht wieder los. Und vergessen Sie mir bitte nicht den Regenschirm, damit nicht noch ein nasser Kopf dazu kommt. Indian Summer kann jeder, goldener Herbst, pah… was Herbst sein will, muss regnen. Und ordentlich Erkältungen mitbringen, damit sich der Absatz von heißer Zitrone und Tee wieder lohnt. Achten Sie mal drauf: In der Apotheke werden jetzt wieder vermehrt Taschentücher verschenkt. Besonders dann, wenn Sie einen bedürftigen Eindruck machen und das kann man Ihnen meist an der Nasenspitze ansehen. Gesundheit!

Der Verwalter unseres Büros musste im Zuge der Herbstlichkeit der letzten Tage dazu überredet werden, nun endlich die Heizung einzuschalten. Wo doch jeder weiß, dass beheizte Räume im Oktober nur von Weicheiern benötigt werden. Gesund ist es doch eh erst, wenn die Temperatur dauerhaft bei 15°C liegt.

Zuhause war nicht ganz so viel Überredung nötig, da hat sich Herr Müller mit Blick auf seine ständig frierende Frau recht schnell erweichen lassen. Zumal er genau weiß, dass er Abends meine kalten Füße zu wärmen hat und das ist kein Spaß für ihn, das kann ich Ihnen versichern! Nun beschwert er sich allerdings, dass im Wohnzimmer 23°C sind. Das wäre zu warm, meint er. Ist mir wurscht, mir ist immer noch kalt. Aber ich kann ja auf eine jahrelang gut gepflegte Sammlung an Strickjacken zurückgreifen, gern auch mehrlagig…

Tja, was noch?

Winterreifen! Schon einen Termin ausgemacht? Schwiegervater rief letztens an und warnte vor Schneefall. Nun wohnt er in einer Gegend, in der Schnee von Oktober bis April liegt, was jetzt nicht wirklich eine breitendeutsche Gegend ist, die man als Beispiel heranziehen kann. Aber immerhin: Irgendwo in Deutschland hat es bereits geschneit. Außerdem meckert das Auto seit Tagen beharrlich, dass es doch jetzt bitte andere Puschen benötigt. Autos sind auch nicht mehr das, was sie mal waren… damals sind wir noch mit unseren…

… ne, so alt bin ich dann doch nicht…

Mitfahrer…

Dass es Herbst wird, merkt man zwangsläufig daran, dass die Spinnen richtig fett werden. Und mitten in den Weg riesige Netze bauen, in denen sich sogar Katzen verfangen. Da laufen Sie dann auf ihrem morgendlichen Halbschlaftrab zum Auto durch und kriegen, während Sie sich noch die Fäden aus dem Gesicht puhlen, gar nicht mit, ob der Arachnoide nun heruntergefallen ist oder sich irgendwo auf Ihre Schulter gerettet hat.

Sie steigen also ins Auto und der Rest der Geschichte ist quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung: Auf der Hälfte der Strecke steigt die Spinne entweder aufs Lenkrad und winkt oder sie lässt sich im Gesichtsfeld des Fahrers dezent an einem Faden herabbaumeln. Je nachdem, wie groß das Vieh ist, bauen Sie vor Schreck entweder einen Beinaheunfall oder sie versuchen die Spinne wegzupusten. Letzteres ist allerdings weniger zur Nachahmung empfohlen. Denn was einmal weggepustet ist, pendelt zwangsläufig wieder zu Ihnen zurück und greift nach Ihrem Gesicht. Und dann haben Sie den Salat.

Also lieber – wenn Sie denn die Geistesgegenwart besitzen – Spinne oben am Faden nehmen und dezent auf den Beifahrersitz setzen. Damit das Tier nicht fliehen kann, schnell zweimal mit der Handtasche draufklatschen. Dann hoffen, dass Sie rechtzeitig aus dem Auto aussteigen können, bevor das Tier aus der Bewusstlosigkeit erwacht ist.

Ach ja: Und das nächste Mal unbedingt vor dem Einsteigen ins Auto Kopf und Mantel auf Viechzeug überprüfen…