Verkatert…

So. Jetzt ist es passiert.

Schwarze Katze Nr. 4 ist in der Nachbarschaft eingezogen. Mit unserem Kater streunen nun fünf zum Verwechseln ähnliche Viecher durch die Gärten.

Sicher,  diese Fünflings-Sache hat ihre guten Seiten. Kackt eine schwarze Katze irgendwo ins Blumenbeet, wird es schwierig, mit dem Finger auf den richtigen Besitzer zu zeigen und mit Anwälten zu drohen. Und auch die pausenlos alles anpinkelnden Kater sind nicht mehr so leicht als Müllers oder Schuberts Besitz zu identifizieren.

Andererseits galoppieren jetzt auch immer mindestens 2 Katzen herbei, wenn man abends am Gartentor steht und nach der Mieze ruft. Mit nachlassender Sehkraft wird es so schwierig, den richtigen Vierbeiner auszusuchen.

Auch Doppelfütterungem passieren immer wieder. Denn das liebevoll angerichtete Mittagsschälchen wird schon mal von fremden Katzen geleert, die sich rotzfrech durch die Katzenklappe schleichen und gnadenlos ausnutzen, dass sie von Weitem wie Müllers vierbeiniger Mitbewohner aussehen.

Schön aber sind die abendlichen Zusammenkünfte im Garten. Da treffen sich dann 5 schwarze Katzen und der taube Weiße mit dem blauen und dem grünen Auge, schweigen sich lange an und gehen irgendwann wieder ihrer Wege.

Womit eindeutig die Vorteile überwiegen.

Und mir fällt ein: Das Katzenfutter ist schon wieder alle…

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Rosenüberfall…

Rosen, darüber ist heute Aufklärung nötig, sind hinterhältige Biester – die Ninjas der Pflanzenwelt. Sie blühen dir frech ins Gesicht, hinterrücks aber, da stechen sie gnadenlos zu.

Am Wochenende waren die ersten Gartenarbeiten dieses Jahres fällig. Strauchschnitt ist so ziemlich das einzige, was sich im März lohnt. Zu pflanzen gibt es noch nichts. Beete jetzt schon auf Gemüse vorzubereiten, das ohnehin erst in 4-6 Wochen gesetzt werden kann, ist Blödsinn. Zum Unkrautjäten fehlt mir die Motivation. Also schneide ich Sträucher. Und weil es gerade passt, auch den riesigen Stamm der Wildrose, die irgendwann einmal eingeflogen ist und bleiben durfte. Die Wildrose lebt in Eintracht mit einer Clematis neben dem Hauseingang und überwuchert seit Jahren einen Obelisken aus geschweißten Stahlrohren. Das sieht sehr hübsch aus. Einmal im Jahr ist jedoch ein Schnitt fällig. Einmal im Jahr muss Ordnung ins dornige Grün gebracht werden.

Beim Rosenschnitt, darauf sei hingewiesen, bin ich aus guten Gründen immer besonders vorsichtig. Ich habe eine dicke Jacke an, ich trage eine Mütze, eine Brille, verstärkte Handschuhe. Theoretisch bin ich vor Verletzungen gefeit.

Theoretisch…

In der Praxis findet unsere Ninjarose selbstverständlich die einzige Naht, die der feste Handschuh überhaupt nur aufweist und sticht zu. Mitten ins Daumengrundgelenk. Die Gärtnerin flucht kurz, macht dann aber weiter. Man ist ja nicht zimperlich.

Abends ist der Stich noch unauffällig. Am nächsten Morgen bereits lässt sich der Daumen dann schon nicht mehr bewegen. Das Gelenk ist dick geschwollen und schmerzhaft. Auch einen Tag später ist es nicht besser. Also ab zum Arzt, denn der Herr des Hauses weiß gruselige Geschichten über eine durchgemachte Sepsis zu erzählen.

Beim Arzt angekommen, gibt mir die blutdruckmessende Sprechstundenhilfe den Rat, die Rosen am besten gleich ganz auszurotten. Weil es gemeine Biester sind. Überhaupt kann gefühlt jeder über schrecklichste Verletzungen berichten, wie sie nur Rosen zufügen können. Selbst das Rheuma von der Tante der Schwester einer Freundin ist ziemlich sicher auf Rosendornen zurückzuführen.

Der Arzt guckt dann erst einmal streng, doziert über Handschuhe, die zu tragen sind, fragt den Tetanus-Status ab (April 2014), guckt mit der Lupe die kleine Stichwunde an und sucht nebenher und unauffällig nach Anzeichen für eine Blutvergiftung. Ob ich Fieber habe, Übelkeit, Verwirrtheit. Ich kann verneinen. Da hätte ich aber eine schöne Entzündung, sagt man mir. Geradezu lehrbuchhaft. Eine Schwesternschülerin wird hereingerufen und darf selbst mal gucken. Sie lächelt mich glücklich an, als sei das, was ich da mitgebracht habe, mindestens so süß wie ein Katzenbaby.

Dann bekomme ich einen Salbenverband – von der Azubine. Den Verband abzulehnen ist unmöglich, denn sie Schwesternschülerin muss lernen und Verbände werden ja in einer Hausarztpraxis auch nicht jeden Tag gemacht. So schmiert man mir erst dick gelbe Salbe aufs Gelenk und wickelt mich dann mehr oder weniger gekonnt ein. Man schreibt mir ein Rezept für Antibiotika. Die soll ich nehmen und, wenn bis Donnerstag keine Besserung eintritt, wieder vorstellig werden. Dann überweist man mich nämlich zur Handchirurgie ins Klinikum. Für den Fall der Fälle…

Ich verspreche derweil, mich zu schonen und lehne die angebotene Krankschreibung ab. Mit Daumendysfunktion krank geschrieben zu werden, erscheint mir übertrieben. Nichtsdestotrotz sorgt die Ablehnung der AU für Irritation. Was ich denn arbeite, will man wissen. „Was mit Spracherkennung,“ sage ich. Da braucht man keine Hände…

Elan… noch…

Im Garten bin ich dieses Jahr gut dabei – so gut, dass gleich zwei Nachbarn anfragen, ob sie nicht langsam ihr „Zeug“ aus unserem Garten hinausschaffen sollen. Ich bin einigermaßen irritiert – normalerweise kenne ich das Spiel anders herum: Dass nämlich angefragt wird, was ich denn gegen den über den Zaun greifenden Wildwuchs zu tun gedenke. Diese Saison nun werde ich beim Fegen des Weges angesprochen. Die Blüten der Japanischen Zierkirsche, die auf dem Nachbargrundstück steht, liegen nämlich in einem dicken Teppich bei uns.

„Ich mache Ihnen das alles weg!“ bietet sich Opa Hein schuldbewusst an. „Ist ja auch mein Baum.“
„Ne, müssen Sie nicht,“ winke ich ab. Meine Ablehnung irritiert. Ebenso die Tatsache, dass ich weiter meinen Weg fege.
„Ist doch aber unser Baum,“ höre ich noch einmal.
„Aber mein Garten.“
Opa Heim schlurft seiner Wege. So richtig zufrieden scheint ihn das Gespräch nicht gemacht zu haben. Er seufzt hörbar.

Ich sehe es generell so, dass alles, was über den Zaun wächst, hängt oder fliegt, mein Tanzbereich ist. Ich klingle nicht bei Nachbarn und beschwere mich darüber, dass der Südwind Laub über meinen Zaun geweht hat. Ich erwarte auch nicht, dass Nachbarn ihren Rasen wöchentlich mähen oder ihre Beete unkrautfrei halten. Und schon gar nicht gehe ich davon aus, dass Nachbarn ihr Laub aus meinem Garten sammeln. Ich habe nichts gegen Löwenzahn. Und Klee blüht auch ganz schön.

Dieses Jahr habe ich nun wieder etwas mehr Zeit für den Garten. Kind 2 kann sich, zumindest kurzzeitig, selbst beschäftigen. Und Kind 1 will ohnehin immer weniger betüddelt werden. Ich kann also den Garten wieder zum Hobby erklären und an den Wochenenden immer wieder mal raus und hier ein wenig zupfen, dort mähen und da Zweige knipsen. Gepflanzt und gesät habe ich auch schon ganz viel und im Frühbeet gedeit junges Gemüse. Alles sieht gut aus. Nicht perfekt, aber gut. Und die Ecken, die noch nicht gut aussehen, sind später mal dran. Laufen ja nicht weg…

Ob sich der Garten-Elan die ganze Saison über halten wird, weiß kein Mensch. Am wenigsten ich selbst. Spätestens die sommerlich stetige Wasserknappheit wird zuverlässig dafür sorgen, dass zumindest die Wiese dahin geht. Und ob die Beete, die im Frühjahr eigentlich immer hübsch sind, im August oder September immer noch gut aussehen, ist auch eine Frage für die Kristallkugel. Zumal ja auch die Spinnen im Laufe des Jahres wieder richtig fett werden. Und dann muss ich eigentlich auch nicht mehr so recht durchs Kraut kriechen und Achtbeiner stören.

Aber noch, noch habe ich richtig Bock auf Garten. Und noch kann man das sehen…

Neulich nächtlich…

Oma Hilde ist die Heldin des Rentnerviertels. Aber sowas von. Sie hat den Penner gestellt, der seit Tagen abends und nachts in ihrem Garten herumirrt und dabei Geräusche macht, als leide er unter schlimmem Asthma. Ihren Apfelbaum plündert er übrigens auch, der Vandale. Und wenn sie es nicht besser wüsste, sie würde sogar behaupten…

Aber von vorn:

Oma Hilde, gesegnete 82 Jahre alt, verwitwet, 2 Kinder, 3 Enkel, noch kein Urenkel, kann nicht mehr so gut gucken. Dafür aber hört sie wie ein Luchs. Außerdem schläft sie nachts immer bei geöffnetem Fenster, weil das vor allerlei Unbill schützen soll – allem voran Krankheit. Und so begab es sich, dass sie eines Nachts plötzlich unheimliche Geräusche hörte. Da schlich jemand herum. Ganz eindeutig. Jemand mit einem schlimmen Lungenleiden. Der flink telefonisch kontaktierte Nachbar indes fand niemanden vor. „Mach Fenster zu, Hilde!“ rief er noch, bevor er wieder seiner Wege ging.

Am nächsten Abend jedoch – wieder Lärm. Schnaufen. Rumpeln. Alles sehr unheimlich. Dieses Mal machte Oma Hilde das Fenster dann wirklich zu. Für den Fall, dass Einbrecher auch klettern können. Ruhiger schlief sie aber nicht.

Gerüchten zufolge soll sie eines Abends sogar Unflätiges aus ihrem Fenster gerufen haben – zur Abschreckung quasi. Genützt hat es aber nicht. Als der Abendgast dann auch noch anfing, das extra für die Nachbarskatze rausgestellte Trockenfutter zu klauen und das zum Mosten bestimmte Fallobst unterm Apfelbaum zu essen, wurde es ihr endgültig zu bunt.

Oma Hilde schnappte sich ihren Schrubber und eine Trillerpfeife (weil Gerüchte besagen, dass Gesindel sich am Besten mit wildem Getrillere vertreiben lässt. Das hatte damals auch schon bei den lästigen Werbeanrufern der Telekom bestens gewirkt) und wagte sich hinaus.

Und dort stellte sie ihn dann – die Nachbarn sind Zeuge – einen…

Igel.

Riesig sei er gewesen, hieß es später. Mopsgroß! Ungelogen! Und hätte Oma Hilde nicht todesmutig in ihre Pfeife gepustet, wer weiß, was passiert wäre… Der Stechling gab Fersengeld und Hilde musste erstmal einen Schnaps trinken. Auf Ex.

Seitdem ist sie die Heldin der Nachbarschaft. Denn ihre Geschichte schlägt sogar die von den kopulierenden Füchsen, die letztes Frühjahr beim Aldi für einen Polizeieinsatz gesorgt haben. So ein poppender Fuchs macht zuweilen nämlich Geräusche, die an ein Gewaltverbrechen denken lassen.

Aber so ein schnaufender, Äpfel essender und Trockenfutter klauender Monsterigel toppt natürlich alles…

Endlich…

Es regnet. Endlich.

Gestern Abend, pünktlich zum Public Viewing, ging es bei uns los und hat bis jetzt nicht aufgehört. Die Natur saugt eifrig auf, was es die ganzen letzten Wochen über zu wenig gegeben hat. Und die Nachbarn stehen im Garten und freuen sich, dass sie Zeit haben. Zeit, die sie nicht mit Gießen zubringen müssen. Vielleicht wird aus dem grauen Etwas, das unsere Wiese ist, nun auch wieder ein grünes Etwas.

Für die Fußballgucker indes war der Regen jetzt vielleicht nicht der große Schuss. Etliche öffentliche Plätze, die eigentlich zum Gucken und Jubeln reserviert waren, wurden wegen der Gefahr von Unwettern vorsorglich geschlossen. Viele Fans haben die ersten Tore so unter Umständen gar nicht gesehen, weil sie damit beschäftigt waren, wieder nach Hause zu fahren. Und dann, gegen Mitternacht, zündete nicht einmal das vorbereitete Feuerwerk – es war einfach zu nass.

Die Katzen sitzen an der Terassentür und gucken beleidigt nach draußen. Den Katzen ist es wurscht, dass die Natur den Regen braucht. Die Katzen wollen Grashüpfer fangen, Hummeln tatschen und sich auf der rascheltrockenen Wiese wälzen. Abends wollen sie dann heimkommen, staubig und dampfig vom Sommer und sich Spelzen aus dem Pelz zupfen lassen. Die Katzen finden den Regen doof. Und tigern am Fenster auf und ab.

Glaubt man dem Wetterbericht, regnet es noch mindesten zwei Tage lang. Das sollte reichen, um die Akkus wieder aufzuladen. Und dann darf es auch wieder Sommer werden…

 

Auswärts…

Ginge es nach der Müllerschen Brut: Man könnte die Tagesration an Kalorien nur noch aus dem Garten zusammenfuttern. Zum Glück gibt die Jahreszeit genug Essbares her. So kann man jeden Morgen die eine oder andere Handvoll Erdbeeren aus der Obst- und Gemüseecke des Gartens ernten. Auch die wilden Erdbeeren, die sich im Laufe der Jahre überall im Garten ausgebreitet haben, laden immer wieder zum Abfressen ein.

Ach und der Kirschbaum! Der trägt diese Saison zwar eher leicht an seiner Obstlast. Aber für ein Körbchen und anschließendes Kirschkernweitspucken reicht es.

Die Johannisbeeren sind auch schon gut. Merke in diesem Zusammenhang: Im Haus sind Johannisbeeren widerlich und werden grundsätzlich verschmäht. Hängt die Frucht aber noch am Strauch, ist sie stetiger Anlaufpunkt für kleine Obstesser. Sogar die schwarzen Beeren, die sonst eher in die Kategorie „Special Interest“ gehören, werden mit großen Enthusiasmus verspeist.

Kind 1 kam letztens dann mit Stachelbeeren an. Da musste ich tatsächlich kurz nachdenken. Und kam schlussendlich zum Ergebnis, dass beim Nachbarn auch schon Erntezeit ist. Und der Kinderarm ist gerade lang genug, um den Stachelbeerstrauch des Nachbarn durch den Zaun hindurch halbseitig abernten zu können. Das Gleiche gilt übrigens für Johannisbeeren – wenn unsere Sträuche leergeräubert sind. Da sind mit dem Nachwuchs also noch Fachgespräche über die „Do´s“ und „Dont´s“ der Gartennutzung nötig.

Bei der Sache mit den Melonen muss ich allerdings tricksen. Die kaufe ich nämlich still und leise im Supermarkt um die Ecke. Die Bananen übrigens auch. Oder den einen oder anderen Apfel. Aber wir wollen mal nicht so sein. Und so lange Käsebrot noch nicht am Baum wächst, ist das mit der Alleinversorgung aus dem Garten eh so eine Sache…