Angegärtnert…

Merke für das nächste Mal: Neue Gartengeräte sind wie neue Schuhe. Wie Schuhe eingelaufen werden wollen, weil sonst Blasen drohen, sollte man auch mit Gartenschaufel & Co. vor der eigentlichen Arbeit ein wenig werkeln. Tut man das nicht, droht Ungemach… Natürlich könnten die lädierten Hände auch Ausdruck dafür sein, dass der Müllersche Garten quasi das ganze letzte Jahr über brach gelegen ist. Man glaubt gar nicht, wie schnell so eine Wiese rennen kann, wenn es darum geht, das benachbarte Blumenbeet zu annektieren. Am Wochenende habe ich nun also zunächst das Gemüsebeet entkrautet. Das Beet ist jetzt zwar sauber und kann des Grünzeugs harren, das demnächst kommen wird. Die Motivation hingegen, auch die anderen Beete zu entgrünen, ist dahin.

Überhaupt hat das warme Wetter viel zu früh begonnen. So bin ich doch eigentlich noch mit der winterlichen Strickware beschäftigt. Und man soll ja nicht mehrere Projekte gleichzeitig bearbeiten. Der Garten kann erst dann beackert werden, wenn das Winterprojekt „Stricken reloaded“ abgeschlossen ist. Und das endet erst Mitte April. Oder wenn die Strickjacke fertig ist. Nichtsdestotrotz machen mir die Primeln im Baumarkt um die Ecke schon seit Tagen schöne Augen. Und wollen gekauft werden. Jeden Morgen aufs Neue. Zwar sagen Bauernregeln, dass man, bevor man dem gärtnerischen Drang zu buddeln und zu pflanzen nachgeben darf, mindestens Ostern passieren lassen muss. Weil es noch einmal schneien könnte. Ach und der Bodenfrost… Andererseits steht man da und liebäugelt bei 18°C Sonntagstemperatur mit einem Ausflug ins Freibad.

„Im April wird´s nochmal kalt!“ schwant es dem Nachbarn beim Schwatz am Gartenzaun. „Überhaupt macht der April was er will.“ Es geht nichts über Bauernregeln.

„Kräht der Hahn auf´m Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“ trumpfe ich mit meinem Wissen auf. Aber nichts da!

„Das ist kein Spaß! Jahrhundertealtes Wissen ist das!“ werde ich belehrt. Den Scherz, dass der Nachbar doch noch gar nicht so alt aussieht, verkneife ich mir. Überhaupt sollte ich mich ruhig verhalten, so lange auf meiner Wiese noch Löwenzahn wächst. Je länger ich nicht auffalle, desto mehr Zeit habe ich zur Beseitigung der Mängel. Zumal man hinter der Hecke tatsächlich schon wieder den Rasensprenger hören kann. Was ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass die Gartensaison in diesem Jahr erheblich früher begonnen hat.

Ich für meinen Teil muss jetzt ohnehin warten, bis die unzähligen Blessuren an den Händen wieder geheilt sind. Und vielleicht schneit es dann ja doch noch mal. Wie letztes Jahr zu Ostern, als der Garten über Nacht plötzlich weiß war.

Odel…

Wenn es draußen lieblich nach Odel riecht, ist Frühling.

Seit gestern kann man die Fenster nicht mehr öffnen. „Es stinkt!“ plärrt Kind 1. Schuld ist ausnahmsweise einmal nicht die Windel des Müllerschen Zweitkindes. Nein, die Bauern der Umgebung haben in den frühen Morgenstunden bereits Gülle auf den Feldern ausgebracht. So schön das eher ländliche Leben ist, so wenig angenehm gestalten sich die ersten warmen Tage nach dem Winter. Überall müffelt es. Und der Wunsch, bei den wärmeren Temperaturen alle Fenster aufzureißen und die Frühlingsluft hineinzulassen, muss erst einmal warten.

Pupswitze lassen sich um diese Zeit wunderbar machen. Besonders die Kinder sind dankbare Abnehmer für jede Art von olfaktorischen Scherzen. Ständig wird gekichert, Puh und Bäh gerufen und die Nase gerümpft. Und so nehmen wir die Situation hin, wissend, dass es höchstens wenige Tage lang stinkt.

Ein Nachbar nannte den saisonalen Gestank übrigens letztens „Den Preis fürs schöne Wohnen“. Manche Dinge muss man sich wahrscheinlich hübsch reden…

Es pollt…

Die Pollen fliegen. Ganz sicher. Der Herr des Hauses hat eine Erkältung im Verdacht, meint zudem, sich bei Kind 1 angesteckt zu haben, das seit Tagen mit einer Triefnase durch die Gegend läuft. Aber insgeheim wissen wir: Es wird Frühling. Während sich draußen mit leisem Plopp die ersten Frühblüher öffnen, schalten Strauch und Gras schon wieder beherzt auf Reproduktion. So fliegen bereits Pollen herum, obwohl es gestern noch – mit Verlaub – arschkalt war.

Sicher tragen auch die Katzen der Familie nicht gerade zu einem allergikerfreundlichen Haushalt bei. Zumal sich vor geraumer Zeit bewiesen hat, dass Herr Müller, neben etwa 62 anderen Stoffen, auch Katzenhaarallergiker ist. Seit das liebe Vieh aber dauerhaft aus dem Schlafzimmer ausgesperrt ist, nachtschläft es sich besser (sicher auch aus dem Grund, dass endlich keiner mehr auf einem herumlatscht oder mitten in der Nacht unter die Decke will). Nichtsdestotrotz läuft die Nase seit zwei Tagen wieder vermehrt.

Gräser pollen ja immer unglaublich schnell. Und das ganze Jahr über. Kommen dann noch Birke und Hasel hinzu, ist das Trio Infernale komplett. Und unterhält quasi die ganze Saison lang. Herr Müller konsumiert dann kleine weiße Pillen, Nasensprayfläschchen und Inhalatoren. Spätestens sommers wird dann der Vorschlag, sich doch tagsüber in einem Taucheranzug und nachts im Sauerstoffzelt aufzuhalten, zur verlockenden Option.

Es gibt Hyposensibilisierungsprogramme. Die kann Herr Müller aber gepflegt vergessen. Weil sie nichts gebracht haben. Neuerdings hört man zudem von Hypnosebehandlungen, die auf Dauer allergiefrei machen sollen. Wie das wirken soll, bleibt ein Rätsel, zudem Allergien ja weniger mit Selbstsuggestion zu tun haben sondern vielmehr eine messbare immunsystemische Körperreaktion sind. Andererseits lese ich da von Fällen, die schlimmst am Asthma-Inhalator hingen und mittlerweile sommers auf der Wiese im Stadtpark liegen.

Auch die Globuli-Fraktion springt gern in die Heuschnupfen-Bresche. Und wo wir schon dabei sein: Es gibt fernöstliche Heilmethoden mit kleinen Nadeln, die ebenfalls gegen allergische Rhinitis helfen sollen. Wer verzweifelt genug ist, hat das alles durch. Und wer am Ende zurückbleibt und immer noch Allergie und Asthma hat, hat vielleicht einfach nicht genug an den Erfolg geglaubt. Und muss sich bis auf Weiteres den konventionellen Methoden unterwerfen.

Nun denn: Auf einen pollenarmen Frühling!

Wintersport…

Draußen lärmt es, als wäre schon Frühling. Die jämmerlichen Schneereste können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Tierreich schon wieder auf Frühling umgeschaltet hat. Die Pflanzenwelt übrigens auch. Drei Tage kümmerlicher fränkischer Winter reichen eben nicht aus, um winterlichen Flair zu zaubern. Herr Müller hat es übrigens richtig gemacht – der ist letzte Woche noch einmal in den Winter gefahren. Hat Urlaub mit Kumpels und Ski gemacht. So ganz ohne Kind und Kegel… Ich würde jetzt gern behaupten, dass es ohne den Gevatter richtig entspannt und nett war. War´s aber nicht.

Wissen Sie übrigens, was lustig ist? Dass man, wenn man erzählt, dass der Gatte gerade Skiurlaub macht, immer mitleidig beäugt wird. Dann folgt stets der Satz: „Danach machst du dann erstmal eine Woche Wellness-Urlaub.“ Genau. Wellness. Ich. Ich hab´s ja im echten Leben schon nicht so mit Nähe. Da werde ich sicherlich nicht als allererstes zur Massage und Gesichtspflege gehen. Obwohl man ja auch wellnessen kann, indem man pausenlos isst und schläft. Oder shoppt. Oder so. Vielleicht mache ich ja etwas in der Art.

Um zu verhindern, dass Sie jetzt darüber schimpfen, was der Müller im Schnee macht, während die Müllerin mit zwei kleinen Kindern daheim ausharren muss, möchte ich eines anmerken: Ich fahre nicht Ski. Ich mag´s auch nicht. Das soll der Müller mal schön alleine machen. Es macht für einen Fischkopp wie mich einfach keinen Sinn, erst umständlich auf einen Berg hinaufzukraxeln, um dann innerhalb weniger Minuten wieder auf zwei Stöckchen ins Tal hinabzudonnern. Dann ist es ja auch nicht unwesentlich kalt im Schnee. Und überhaupt.

Ich gucke jetzt mal, wie weit die Schneeglöckchen schon aus der Erde gucken. Oder die Krokusse. Ach und die Tulpen…

Startschuss…

Jetzt geht er wieder los, der Stress. Da wünscht man sich doch fast den Winter zurück.

Seit zwei Tagen: Startschuss Gartensaison. Kaum stiegen die Temperaturen auf einen zweistelligen Betrag, konnte man allerorten die Rasenmäher hören. Man kann ja nicht früh genug anfangen mit der Disziplinierung des Grüns. Auch ich bin da keine große Ausnahme, wenn ich es auch nicht so mit dem Rasenmähen habe. Für unsere Wiese werden wir wohl auch dieses Jahr den Preis für den Nichtrasen des Jahres bekommen. Aber sei´s drum. Zumindest bei dem ganzen Gartenrest bemühe ich mich um Ansehnlichkeit. Das fängt im Frühjahr mit Krokussen, Narzissen & Co. an, geht nahtlos über in die Zurschaustellung besonders ausgefallender Tulpenkreationen und rutscht dann so rüber ins sommerliche Blütenmeer. Spätestens im Herbst ist der Garten dann ein Selbstläufer… Zumindest den Strauchschnitt habe ich dieses Jahr pünktlich geschafft. Da haben mir die Ordnungsmannschaften im Kindergarten bestens beim richtigen Timing geholfen, denn eines schönen Tages haben die auf dem gesamten KiGa-Gelände alle Sträucher gestutzt. Da wusste ich: Wenn ausgebildete Fachkräfte das jetzt dürfen, darf ich das auch. Nur Herr Müller hatte wieder die Arschkarte gezogen: Der musste das ganze Grün nämlich mit der Familienkutsche abtransportieren…

Startschuss Nr. 2: Bikinisaison. Man sollte ja meinen, dass man irgendwann ein Alter erreicht hat, in dem einem Waschbrettbäuche und Knackärsche egal sein können. Im wirklichen Leben sieht es leider anders aus. Da klettert man zur Probe mal in ein Sommerkleid und wundert sich, dass das Teil plötzlich so komisch sitzt. Dann klettert man, auch zur Probe, auf die Waage und macht vor Schreck schnell die Augen zu. Die böse Zahl hat man aber – wie sollte es anders sein – trotzdem gesehen. Dann fragt man sich, ob an dem Gerücht, dass Kinder einem die Figur ruinieren, etwas dran ist, besinnt sich aber rechtzeitig auf die Wahrheit: Der Kühlschrank ist´s, der ruiniert. Und schon dreht man jeden Keks zweimal um…

Startschuss Nr. 3: Frühjahrsputz. Das tun ja eigentlich nur die, die sonst nie putzen. Ist so eine alte Weisheit. Leider ist an Weisheiten oft nicht viel dran, so dass alle Welt, kaum dass die Sonne zwischen den Wolken hervorblitzt „Oh Gott, die Fenster!“ ruft. Gestern wurden im Rentnerviertel dann auch kollektiv die Putzlappen geschwungen. Nur bei mir nicht. Ich lasse die Fenster noch ein wenig Fenster sein. Noch fällt schließlich Licht durch. Und Besuch kriegen wir auch ganz selten. Außerdem sehen die Fenster vom Gartenzaun aus blitzsauber aus. Überhaupt… Fensterputz. Schlimmste Strafarbeit gleich nach Bügeln.

Und Sie so? Auch den Schuss gehört?

Jetzt aber…

Zugzwangwetter nennt man das. Am Wochenende waren die Temperaturen offenbar milde genug, um die ersten Gärtner auf den Plan zu rufen. Ein Spaziergang durchs Rentnerviertel brachte sie ans Tageslicht: Gummibestiefelte unkrautjätende, sträucherschneidende Mitmenschen. Meist fängt ja am frühen Vormittag einer damit an und löst damit dominosteingleich eine Kettenreaktion aus. Nur bei uns im Garten war nix los. Weil ich nämlich gar keine Lust hatte und ja eh den Ball flach halten muss.

Für eine Inspektion hat es zumindest gereicht. Die hat mich aber schon genug geärgert, so dass ich Gartenarbeit nicht auch noch gebraucht hätte. Eines unserer drei Teichlein, mit denen ich seinerzeit auf kleinem Raum die Mecklenburger Seenplatte nachzustellen versuchte, ist nämlich trockengelaufen. Da war der Winter auf den letzten Metern offensichtlich doch knackig genug, um die plastikgepresste Teichwanne zu sprengen.

Ich für meinen Teil könnte mich jetzt auf die Suche nach dem Leck machen und alles brav reparieren. Aber ich habe beschlossen, den Trockentümpel als Wink zur Umgestaltung zu verstehen. Dann muss ich auch gleich weniger Garten gegen unbefugtes Betreten absperren. Bislang ist die Seenplatte nämlich eingezäunt, damit kein eigenes oder fremdes Kind ein unfreiwilliges Bad nimmt oder sich versehentlich ersäuft. Und mit nur noch zwei statt drei Teichen hätte ich auch wieder Grund zum planen und werkeln. (Letzteres freilich erst nach dem Wurftermin.)

Vielleicht findet sich ja auch der eine oder andere Nachbar, der mir beim Werkeln hilft. Denn eines ist am Wochenende wieder einmal aufgefallen: Nach getaner Gartenarbeit stellt man sich gern an den Zaun und missbilligt den Zustand des Nachbargrundstücks…