Gekleidet…

Zu einer Hochzeit eingeladen zu werden, ist immer auch ein kleines Problem. Und ja: Natürlich spreche ich von den Klamotten. Während Mann in den Schrank greift und mit elegantem Schwung einen Anzug hervorzaubert, der ihn aussehen lässt wie einen dieser Dressmen aus der Werbung, steht Frau da und hat nichts anzuziehen. Sicher hängen da vierzig Kleider im Schrank. Ein kleines Schwarzes ist dabei, ein Cocktail-, ein Etui-, ein Stift-, ein Ballkleid, diverse Dirndl, Sommerkleider und -kleidchen und Sachen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie besitzt. Das macht es aber mitnichten leicht, auch etwas auszuwählen.

Die Auswahl des Kleides orientiert sich normalerweise in erster Linie am Dresscode der Veranstaltung. Vor einiger Zeit hatten wir eine 50er Jahre-Hochzeit. Davor gab es ein grob abgestecktes „Hollywood-Dinner“ Motto. Beides konnte ich bedienen. Ziemlich locker sogar. Neulich aber frage ich nach dem aktuellen Motto/Dresscode der baldigen Hochzeit und erhalte die Antwort: „Schon schick, aber nicht zu sehr.“ Und schon stehe ich vor einem Problem. Die rauschende Ballrobe des Hollywood-Dinners fällt zwar aus. Diverse Cocktail-Kleider auch. Bleiben aber immer noch 32 Stöffchen…

Gestern dann hatte ich finale Anprobe, denn der Termin rückt näher. Drei Kleider waren noch übrig, was ich persönlich ziemlich konsequent finde. Herr Müller seinerseits sollte gucken und aussuchen. Das macht ein Mann per se nicht gern, denn üblicherweise folgt auf Anprobe stets Streit. „Warum ist das Blaue besser als das Rote? Und das Schwarze gar nicht? In dem Blauen sehe ich doch fett aus, findest du nicht? Da drin habe ich einen Arsch wie ein Walross! Also doch das Rote? Heißt das, ich bin fett? Ja, was denn nun? Sag doch mal. Ganz ehrlich! Was stimmt denn mit dem Schwarzen nicht? Du bist überhaupt keine Hilfe! Überhaupt keine!“

Natürlich hat Herr Müller im Endeffekt genau auf das Kleid gepiekt, das nun nicht gerade meine Nr. 1 war. Andererseits kann es vielleicht nicht schaden, wenn man den Mann das Kleid auswählen lässt, ohne darüber zu diskutieren, warum ihm ausgerechnet dieses gefällt. Weil man auf diese Weise ziemlich sicher sein kann, dass man gut aussieht. Also wirklich gut. Männer gucken ja auf andere Sachen. Während Frauen sich über Stoffe und Schnitte freuen, gucken Männer auf Arsch und Titten. Und wollen sich mit der Frau an ihrer Seite fühlen, als hätten sie gerade den Jackpot geknackt.

Wer jetzt aufheult, um die Errungenschaften des Feminismus bangt und bemängelt, dass der Mann nun schon wieder über die Frau bestimmt, dem sei beruhigend zugeflüstert: Alles halb so wild. Das ausgewählte Kleid ist knielang und verfügt über keinen unfallträchtigen Ausschnitt. Arsch und Titten sind da, springen aber niemanden an. Und fallen auch nirgends raus. Man kann im Kleid sitzen, trinken, gehen, tanzen und zur Not auch ein Kleinkind versorgen, ohne Gefahr zu laufen, Nord- oder Südpol herzuzeigen.

Und falls das Kleidchen am Ende doch nicht dem entspricht, was als „schick, aber nicht zu sehr“ gilt, kann ich immer noch einen Ersatzfummel einpacken. Das Auto fährt´s ja.

Jetzt muss ich allerdings nur noch den hartnäckigen Schnupfen loswerden, der es sich gerade richtig gemütlich gemacht hat. Am Ende niese ich mitten ins Ja-Wort…

Die drei Kahs…

Kinder, Küche, Kirche. Ein Klassiker konservativer Wertvorstellungen. Aber Moment mal! Sind wir nicht moderne Frauenzimmer? Kind, Karriere, Kohle machen! Darum geht´s doch heutzutage… Oder doch nicht?

Weiblich, Kind und Job. Sind Sie das? Wie machen Sie das denn so? Sind Sie eins dieser Karriereweiber? Eine Akademikerspätgebärende? Stopfen Sie ihre Brut auch jeden Tag in die Kinderverwahranstalt, um Ihre Karriere voranzutreiben? Kochen Sie am Ende Abends nicht mehr für Ihre Lieben, weil Sie den ganzen Tag rücksichtslos gearbeitet haben?

Seit geraumer Zeit befinden wir uns nicht mehr in den Fünfziger Jahren. Die Tage der Hausfrau auf Lebenszeit sind vorbei. Nicht nur deshalb, weil frau sich in der heutigen Zeit unbedingt selbst verwirklichen muss. Nein, auch die schiere Notwendigkeit eines zweiten Gehalts zur Sicherung des Lebensunterhalts spielt eine entscheidende Rolle. Da geht es nicht zwangsläufig immer um Karriere, wenn frau trotz Kind arbeiten geht. Nichtsdestotrotz wird man auch heute noch oft genug schräg angeguckt, wenn das Kind noch klein ist und man trotzdem wieder Geld verdienen will (oder muss). Auch Altersgenossinnen, die es eigentlich besser wissen müssen, haben gelegentlich so ihre Probleme mit der Kombination aus Kindergarten und Arbeit.

Und warum erzähle ich Ihnen das alles? Mitbloggerin Elke Peetz nämlich ruft zur Blog-Parade auf und möchte wissen, wie Sie das so wuppen mit Kind und Job. Es muss nämlich keine Karriere sein, die sie mit Nachwuchs hinlegen. Berichten Sie einfach darüber, wie Sie den Alltag meistern, Klippen umschiffen, mit blöden Kommentaren umgehen und überhaupt. Zwei Wochen haben Sie noch Zeit. Das sollte reichen, meinen Sie nicht? Ich mache dann auch mit – aber nur, wenn Sie auch…

Mittelfit…

Der Fitnesswahn geht um – bei mir. Weil nach der Schwangerschaft immer noch nicht zurück in alter Form, muss jetzt Schub her. Bevor die Hausfrau komplett verlottert.

Bereits aus Zeiten vor Kind und Kegel verfügt der Müllersche Haushalt über allerlei Sportgerät. Das steht im Keller, wie es sich für Sportgerät gehört. Sicher könnten wir uns jetzt darüber unterhalten, dass Kinder die Figur ruinieren, dass frau mit zunehmendem Lebensalter zwangsläufig oll wird – auch und vor allem figürlich und dass man die Tatsachen irgendwann einfach akzeptieren muss. Besonders die Schwerkraft sorgt mit fortschreitender Reife für eine Versüdlichung von Arsch- und Bauchfett. Auch Winkfleisch soll sich einstellen, wenn man Gerüchten Glauben schenken mag. Zumindest letzterem wirken die Müllerschen Kinder allerdings zuverlässig entgegen. So sorgt Kind 2 dafür, dass Bi- und Trizeps immer gut trainiert sind. Die Brut wird nämlich gern getragen. In dieser Region gibt es also nichts zu meckern. Kommen wir also zurück zum Arschfett. Und zum Kellergerät.

Wir haben nun, um mir das sporteln zu erleichtern, erst einmal für Fernsehempfang im Keller gesorgt. Wenn ich unterhalten werde, fitnesst es sich einfacher. Schundfilme lenken eben perfekt von schmerzenden Muskeln und Atemnot ab. Den Fuhrpark ins Wohnzimmer zu schleppen, verbietet sich übrigens. Einerseits wegen der kindlich erhöhten Verletzungsgefahr, andererseits aufgrund der Potthässlichkeit des Sportgeräts. Obwohl ich letztens ein Laufband ausgespäht habe, das tatsächlich in Pink zu haben ist. Das aber nur nebenbei.

Ich habe, als erstes Ergebnis sozusagen, heute schon mit Muskelkater zu kämpfen. Was ich als gutes Zeichen werte. Oder dahingehend beurteile, dass ich über genau null Kondition verfüge. Nebenbei hatte ich genug Zeit, um darüber nachzugrübeln, wie man den Kellerraum, sagen wir mal, „optimieren“ kann. Da steht derzeit ein Gästebett drin, weil wir doch ab und zu mal Leute zu Besuch haben. Außerdem stapeln sich ausgelesene Bücher an den Wänden. Diverser anderer Quatsch steht auch rum. Das gehört sich ja so für ein anständiges Kellerzimmer. Aber das… ach, das kann ich morgen mal erzählen. Oder übermorgen…

Doch nicht…

Kind 1 grübelt bisweilen schwer am Sinn des Lebens.

So höre ich letztens: „Du Mama, ich möchte doch keine Frau werden.“

Ich: „Warum?“

„Weil, als Frau muss man immer putzen!“

Ach so…

Welk…

Hätte Herr Müller beizeiten eine Dame seines Alters geehelicht, säße jetzt ein welkes Frauenzimmer auf seinem Sofa. Sagt er. Das liegt aber nur daran, dass er gerade so ein verwüstetes Weibsbild im Fernsehen erblickt hat. Mit manchen Menschen gehen Natur und Solarium bisweilen ungnädig um.