Bitte mitgeben…

Gesundes Essen steht weit oben auf der Liste der Lehrinhalte in der Schule. Im Unterricht soll jetzt, so werden wir auf einem kleinen Zettel informiert, gemeinsam ein Obstsalat zubereitet werden.

„Bitte geben Sie Ihrem Kind ein paar Utensilien mit, damit wir gemeinsam unser Frühstück gestalten können.“ steht auf dem Zettel.
Lieblingsobst – Banane, Apfel, Trauben… (Check!)
Ein Schälchen. (Check!)
Ein kleines Brettchen. (Check!)
Ein Messer. (Che… huh?)

Herr Müller lacht schallend. Dass es zu unseren Lebzeiten noch passieren würde, dass man die Eltern dazu auffordert, ihren Kindern ein Messer mit in die Schule zu geben, damit konnte schließlich keiner rechnen…

Schenk dir einen Popel…

Unser Dreijähriger steht vor mir. Ganz stolz strahlt er mich an. Auf seinem Zeigefinger, den er mir mit Nachdruck entgegenstreckt, sitzt ein kleiner grüner Knubbel.

„Da, Mama!“ kräht er freudig. „Das ist ein Popel! Der ist von mir! Aus der Nase!“

Ich nicke und krame in meiner Tasche nach einem Tempo, denn meiner Meinung nach will der Glibber entsorgt werden. Der Zeigefinger indes nähert sich bedrohlich meinem Gesicht.

„Der ist nur für dich!“ ruft das Kind und hüpft ein bisschen. „Den darfst du jetzt essen!“

Yam…

Ganz mütterlich…

Mütter sind zuweilen ganz arme Schweine.

Letztens sitze ich da und ertappe mich dabei, wie ich die Reste vertilge, die Kind 2 im Rahmen seines Abendessens übrig gelassen hat. Herrn Müllers besorgte Frage, ob ich nicht lieber „etwas richtiges“ essen möchte, beantwortet mein Mund ohne Zutun des Hirns mit: „Ne, lass mal.“ Dass das, was ich da speise, aus briefmarkengroß geschnittenem Brot besteht, welches vom Kind bereits ausgiebig auf seine Konsistenz getestet worden ist, erzähle ich Ihnen besser gar nicht. Auch Knetbrot kann man noch essen… und man will ja nichts verkommen lassen. Überhaupt das Resteessen. Als die Brut noch kleiner war, bestand meine Tagesration an Kalorien oft aus dem Bodensatz von Babygläschen, halben Keksen und mindestens eine halbe Stunde in der Faust herumgetragenen Obststückchen. Dass das unter Umständen Bäh ist, kam mir gar nicht in den Sinn. Übrig gebliebenen Schmadder zu vertilgen, ist eben nicht halb so widerlich, wenn es in der Familie bleibt.

Weil das aber nicht ausreicht, läuft man als Mutter auch immer Gefahr, in irgend einer Art und Weise angeschmutzt aus dem Haus zu gehen. Besonders jemand wie ich, die gern schwarz trägt, muss bei einem gerade hüfthoch gewachsenen Kind stets damit rechnen, dass die Finger am mütterlichen Hosenbein abgewischt werden. Was dann einen hübschen Kontrast zum eigentlich perfekten Outfit abgibt. Auch kleine Nasen werden zuweilen am T-Shirt geputzt. Trocknet der Rotz dann an, sieht man aus wie der Betreiber einer Schneckenfarm. Bringt man seine Kinder so in den Kindergarten, ist das erstmal noch nicht so schlimm. Denn die anderen Mütter kennen das Dilemma und können über Rotzflecken hinwegsehen. Erscheint man allerdings mit Kinderhandabdrücken, Popelfäden und angetrockneten Kekskrümeln auf den Klamotten in der Arbeit, ist es mit dem Verständnis unter Umständen ganz schnell vorbei. Mitdenker haben aus diesen Gründen gern Ersatzklamotten in der Schublade. Frau Müller gehört nicht dazu…

Zumindest bin ich mit wachsenden Kindern mittlerweile wieder in der Lage, hohe Schuhe anzuziehen. Die Zeit, als man noch ständig flitzen musste, um die Brut vor allerlei Unbill zu bewahren, ist beinahe vorbei, so dass ich nicht mehr ganz so schnell sein muss. Und auch Schmuck lässt sich so langsam wieder tragen. Denn Ketten dienen nicht länger als Haltegriff für die kindlichen Finger und auch meine Ohrringe verlieren für den Nachwuchs zunehmend an Reiz. Nur mit Kleidern muss ich noch ein bisschen aufpassen. Denn gerade letztens hat Kind 2 wieder versucht, sich vor der neuen Kindergartentante unter meinem Rock zu verstecken… Was immer zu großen Lachern führt. Immerhin…

Proteinreiches…

Sollten Sie sich Sorgen darüber machen, dass aufgrund des milden Winters zu viel Ungeziefer überlebt hat, kann ich Sie beruhigen: Müllers Katzen sorgen zuverlässig dafür, dass das Krabbelvieh nicht Überhand nimmt. Besonders die Tigerin hat mit enormer Freude festgestellt, dass mit den wärmeren Temperaturen auch die Käfer wieder unter´m Stein hervorkriechen. Das Gemüsebeet steht derzeit hoch im Kurs. Da wächst seit Jahren Rosenkohl. Und zieht Scharen von Kohlweißlingen an. Weil Schmetterlinge keine Vögel sind, trifft es sich gut, dass die Tigerin nicht so gern rennt. An Schmetterlinge muss man sich außerdem nicht umständlich anschleichen. Man geht hin, schnappt sich einen dieser Flatterviecher, isst ihn auf und wartet in aller Ruhe auf den nächsten Schmetterling. Krabbelt in der Zwischenzeit ein Käfer vorbei, wird auch der nicht verschmäht. Die proteinreiche Insektennahrung sorgt gleichzeitig dafür, dass man die abendliche Katzenfutterration einschränken kann. Auf diese Art profitieren wir alle vom Frühling.

Ein paar Unannehmlichkeiten muss man allerdings in Kauf nehmen. So produziert die Katze in regelmäßigen Abständen Gewölle, die einem Uhu alle Ehre machen. Neben Grashalmen, undefinierbaren Körnchen und Stöckchen finden sich auch die grünen Flügelklappen von Rosenkäfern, halbe Wanzen und diverse Beine. Manchmal entdeckt man auch Flügelreste, obwohl die Katze selbige normalerweise vor dem Essen abzupft. Spinnen scheinen übrigens nicht zu schmecken, die werden in der Regel nur ans andere Ende des Beetes gekickt. Alles übrige, das kreucht und fleucht, muss allerdings sehr lecker zu sein.

Begebe ich mich nun zur Gartenarbeit nach draußen, habe ich stets einen Begleiter. Denn das Ausrupfen von Unkraut produziert immer auch ein unglaubliches Gerenne. Und während sich der Kater faul in der gerade um Wachstum bemühenden Katzenminze wälzt, nimmt sich die Tigerin der davoneilenden Käfer an. Wenn wir so weitermachen, ist der Garten in zwei Wochen ungezieferfrei. Wir kommen dann auch gern vorbei, wenn Sie Hilfe bei Ihren Gartenkäfern brauchen.

File…

Herr Müller und ich in der Schattenwelt der Zweifacheltern: Zwei dem Babysitter abgerungene Stunden Zeit für Was-das-Herz-begehrt. Vielleicht drei.

Gestern: Griechisch essen gehen. Wir haben uns auch deshalb für den Griechen entschieden, weil man da Dienstags für einen kleinen Schein bis zum Umfallen essen kann. Und da man als Eltern zweier kleiner Kinder erfahrungsgemäß nicht mehr viel zu lachen hat, bleibt uns nur die Völlerei. Wir schnappen uns also bereits am Eingang einen dieser schönen großen Teller und schieben uns am Buffet entlang. Ein bisschen kommt der Flair sommerlicher All-inclusive-Reisen in den warmen Süden auf. Mit dem Unterschied, dass wir alle vollständig bekleidet an der Theke stehen und niemand vorgeschickt werden muss, um einen der begehrten Tische nahe der Klimaanlage zu reservieren. Die Wirtin erzählt fröhlich, was es alles zu essen gibt – auf Griechisch. Wir nicken interessiert, verstehen aber größtenteils Bahnhof. Zum Glück sind Gerichte, die wir auf den ersten Blich inhaltlich nicht gänzlich identifizieren können, mit kleinen Schildchen versehen.

So finden wir auch das hier:

Fischfile

Leider ist das Fisch“filet“ aus. Oder wie mein Begleitnerd es ausdrückt:

„Fischfile not found!“

Frauenmännersache…

Wissen Sie, was ich letztens Dusseliges gefunden habe?

FrauenkochbuchEin Frauenkochbuch. Nur für Frauen. Weil Männer nämlich keinen Brotsalat essen wollen. Oder Zeugs, in dem Passionsfrucht drin ist. Von Buttermilch-Schäumchen mal abgesehen.

Da kloppt man sich jahrelang um Gleichberechtigung und die Abschaffung genderspezifischer Vorurteile und dann das… Völlig zurecht lag das Buch ganz unten in der Grabbelkiste des örtlichen Supermarkts… Da, wo schon keine Sonne mehr hinkommt.

MännerchipsObwohl dieser Geschlechterkram ja neuerdings wieder groß geschrieben wird. Kaufte Herr Müller doch unlängst „Männerchips“. Ob ich mal probieren durfte? Selbstverständlich nicht! Weil Männerchips!

Gerüchten zufolge gibt es die Chips auch in der Mädchenvariante. Mit cremiger Paprikanote. Wenn Sie mich jetzt sehen könnten, sähen Sie mich angewidert.

Stellt sich hier nur die Frage, ob es als Zeichen ausgleichender Gerechtigkeit auch ein Männerkochbuch gibt. Herr Müller bejaht heftig und hält die Speisekarte des örtlichen Steakhauses hoch. Die liefern auch…