Wer…

Wer eine Katze hat, den wird es nicht wundern, dass diese nachts zum Kotzen extra ins Bett kommt. Finden sich dann im Gewölle die noch gut erhaltenen Überreste einer dreiviertel Maus, ist die Nachtruhe ganz schnell vorbei. Obwohl wir alle Puzzles sehr gern mögen, will keiner die Teile wieder zusammensetzen. Dafür sind wir putzmunter und können auch gleich aufstehen.

Wer am Sonntagabend die Wasserspülung des Klos kaputt macht, der kann sich sicher sein, dass sich kein geeigneter Handwerker auftreiben lässt, der das Maleur schnell mal repariert. Hockt man sich dann am Montag Morgen vor die Schüssel, um den Pott wenigstens sauber zu machen, bevor der nette Mann von der Sanitärfirma mit den rettenden Ersatzteilen kommt, stellt man fest, dass man den Schaden auch gleich selbst richten kann und – Oh Wunder – nach ein bisschen Ziehen da und Drücken dort ist die Wasserspülung repariert. Als Superhausfrau vollführt man solche Wunder noch vor dem Frühstück.

Wer seine Kinder morgens in den Kindergarten bringt, kann sich sicher sein, dass er der Hälfte der begleitenden Erziehungsberechtigten zwanzig Minuten später im ALDI noch mal über den Weg läuft. Meist trifft man sich irgendwo in Höhe der Kinder-Winterschuhe, der Thermo-Unterbuxen und pinken resp. grünen Handschuhe und Mützen. Dann kichert man einander zu, hält die gemachte Beute in die Luft und sagt: „Jetzt muss ich aber!“

Wer gegen neun Uhr morgens in der Arbeit sitzt und gefragt wird, warum er erst jetzt kommt, nimmt ganz gelassen einen großen Schluck Bürokaffee und lehnt sich zurück. Wer vor Sonnenaufgang schon so viel gepuzzelt, gerettet und geshopt hat, für den ist Zeit bedeutungslos…

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Das große Krabbeln…

Der Herbst steht vor der Tür. Zeit für die Kellerspinnen, sich in wärmere Gefilde aufzumachen – will heißen: In die oberen Etagen der Müllerschen Villa…

Neuerdings gesellen sich beim abendlichen Fernsehvergnügen wieder Achtbeiner zu uns. Meist machen sie auf sich aufmerksam, indem sie im Halbdunkel knapp am Gesichtsfeld vorbeihuschen, aber schon verschwunden sind, wenn man den Kopf gedreht hat. Lediglich die Tatsache, dass mindestens eine Katze erfreut aufspringt und in irgend eine Ecke hüpft, zeigt uns, dass wir keiner Sinnestäuschung erlegen sind. Frau Müller zieht dann die Beine an, Herr Müller seufzt.

Normalerweise wäre jetzt alles gut. Wenn die Katze die Beute erspäht hat, braucht man nur noch zu warten, bis es irgendwann lustig knuspert. Dann weiß man: Der Kater hat ein wenig arachnoide Proteine zu sich genommen und Familie Müller ist wieder sicher. Neuerdings stellt sich unser Kater aber pingelig an. Möglicherweise hat die letzte Spinne nicht geschmeckt. So stellt er die Beute zwar nach wie vor, bleibt dann aber hocken und guckt sie sich erstmal ganz genau an. Will sie wegrennen, tappt er einmal mit der Pfote oben drauf. Die Spinne gibt dann in Stoßdämpfermanier ein wenig nach und federt wieder nach oben.

Katze zwei kommt hinzu, guckt aber auch bloß. Wahrscheinlich werden nun Wetten abgeschlossen: „Wetten, dass du dich nicht traust, den fetten schwarzen Eumel da zu essen?“ Sie vermuten richtig: Keiner traut sich.

„Ich hole den Staubsauger.“ seufzt Herr Müller und schwingt sich genervt vom Sofa. Frau Müller stellt derweil sicher, dass die embryonale Schutzhaltung, in der sie sich mittlerweile befindet, ja keine Lücken aufweist. Poltert Herr Müller nun mit dem Staubsauger gen Getieransammlung, macht unser Kater meist genau das Falsche. Er bringt seine Beute in Sicherheit, indem er sie mit einem eleganten Pfotenschwung unter den Schrank schießt. Wäre ja noch schöner, wenn wir hier einfach Spielzeug einkassieren.

Wir können uns nun aussuchen, ob wir mit dem Staubsauger ein wenig unter dem Schrank herumstochern wollen. Die Chancen, eine Spinne auf diese Weise zu erwischen, liegen bei unter 20 Prozent. Dafür finden sich allerlei andere nützliche Dinge an: Stifte, Murmeln, ein halber Keks. So bleibt uns denn nichts anderes übrig, als den Staubsauger zu Abschreckungszwecken im Wohnzimmer stehen zu lassen und zu hoffen, dass es dem Viechzeug in Zukunft eine Lehre ist…