Alter Mann mit Hut…

Tja nun… man stelle sich einen 73-jährigen Herrn vor, rennend, springend. Einen Mann, der sich im Namen von Geschichte und Gerechtigkeit prügelt. Einen Mann, der am Ende Sieger ist. In freier Wildbahn kommen solche Exemplare nicht vor. In freier Wildbahn haben 73-jährige einen Mitgliedsausweis für den Kegelclub, treffen sich Samstags zum Stammtischbier und tragen einen Wohlstandsbauch. Wenn Sie sich nun aber vorstellen, dass oben genannter Greis einen Hut auf hat und eine Peitsche schwingt, kommen wir dem Phänomen schon näher. Denn: Es ist ein Greis im Indiana-Jones-Kostüm… Spätestens jetzt wissen Sie, worum es geht: „Indiana Jones 5“ ist in der Mache.

Schon „Indiana Jones 4“ war für mich schwer zu ertragen – und das lag nicht am fiesen Fake-Akzent von Cate Blanchett. Der Held meiner Kindheit war zum Opa geworden. Sicher, ein fitter Opa, aber trotzdem jenseits des Rentenbeginns. Und damit nicht mehr wirklich glaubhaft.

Herr Ford altert, wenn Sie mich fragen, eher so mittel. Ihn jetzt noch einmal in einem Renn-Hau-Schieß-Film anzugucken, stelle ich mir schwierig vor. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass Dr. Jones sein Rententeil genießt und nur telefonisch dazugeschaltet wird, wenn es spannend wird. Nein, vermutlich wird er wieder seine Kluft anziehen, die Peitsche am Gürtel festmachen und losrennen. Sicher schimpft er hier und da über Knieprobleme, weist auf Hüftbeschwerden und ähnliche altersbedingte Zipperlein hin und wird keck mit seinem Alter kokettieren. Nichtsdestotrotz aber wird er sich prügeln und auch sonst wieder ganz ganz viel Action in seinen Altersunruhestand bringen.

Startbeginn für den Film ist 2019. Herr Ford ist dann 76. Und damit so alt wie mein Schwiegervater. Normale Menschen haben in diesem Alter mindestens Arthrose im Knie. Womit sich das Rennen eigentlich von selbst erledigt. Aber sicher kann Dr. Jones die eine oder andere Verfolgungsjagd auf dem Motorrad oder mit dem Auto absolvieren. Und zur Not lässt er halt andere für sich rennen. Schließlich hat er einen Sohn gezeugt, der unter Umständen sogar wieder dabei ist.

Advertisements

Gegessen…

Herr Müller kann wieder Obst essen. Für jemanden, der so ziemlich gegen alles allergisch ist, was dieser Erdball produziert, kommt das einem kleinen Wunder gleich. Prompt werden alle Kirschen und Erdbeeren der Stadt aufgekauft, denn endlich kann sorglos vitaminisiert werden. Lediglich der Nachwuchs sieht die Entwicklung mit Sorge – bleibt doch nun weniger zum selber essen übrig.

Mit Allergien ist das ja so eine Sache. Manche haben ihr ganzes Leben keine einzige. Andere schlagen sich bereits in jungen Jahren mit allerlei Reaktionen auf Alltägliches herum. Äpfel, Nüsse, Erdbeeren. Tierhaar aller Couleur. Viechzeug, das im Meer schwimmt. Eier, Körner, Milch und Nüsse. Und nicht zu vergessen alle Reproduktionsanschubser, die Mutter Natur in Form von Pollen jedes Jahr in Massen losschlägt. Ach und die Kleinsten darf man nicht außer acht lassen, auch wenn man sie gar nicht sehen kann – Milben & Co, Schimmelsporen… Im Alltag eines jeden von uns wimmelt es nur so von Allergenen und solchen, die es werden wollen.

Nichtsdestotrotz können Allergien auch wieder verschwinden. Manchmal sogar von heute auf morgen. Gerade mit zunehmendem Alter ist das etwas, das man nicht selten beobachtet. So erklärt letztens ein Kumpel, der seit Jahrzehnten lästige Heuschnupfen wäre bereits das zweite Jahr in Folge nicht mehr zu spüren. Oder eben Herr Müller, der wieder sorglos ins Früchtekörbchen greifen kann… Vielleicht ergeben sich in diesem Zusammenhang ja noch andere Spontanheilungen. Wünschenswert wäre es – vor allem, was die allergische Rhinitis anbelangt. Denn die ist wirklich kein Spaß, weil sie quasi das ganze Jahr über anhält.

Natürlich könnte Herrn Müllers Spontanheilung auch einen anderen, viel banaleren, Grund haben. So nehmen mit fortschreitendem Lebensalter ja die Wehwehchen zu. Gleichzeitig geht der Blick fürs Detail verloren. Ab einem bestimmten Alter zwickt es nämlich mehr nicht nur im Lendenwirbelbereich. Nein, gleich der komplette Rücken tut weh. Genauso könnte es sich mit den Allergien verhalten. Die sind zwar nach wie vor da, treten im Rahmen der übrigen altersbedingt zunehmenden Beschwerden aber in den Hintergrund und werden als Solche nicht mehr wahrgenommen. Eine Art Placebo von Mutter Natur sozusagen. Als Ausgleich für den ganzen Schietkram, den sie einem sonst so aufbürdet.

Oder? Ich finde schon, dass man diese Theorie ernsthaft in Betracht ziehen sollte… doch, doch…