Frostig…

Minus 14°C.

Die Gartenamseln sitzen, zu grauen und schwarzen Puscheln geplustert, neben dem Futterplatz und warten auf ihre morgendlichen Rosinen. Mittlerweile machen sich die Tiere nicht einmal mehr die Mühe davonzufliegen, wenn man sich ihnen nähert. Papa-Amsel, im Sommer Chef im Revier, im Winter in erster Linie frierend, reißt kurz den Schnabel auf und schimpft. Dann beäugt er die Rosinen. Äpfel hätte er auch gern. Ach ja und vielleicht noch ein bisschen von den Haferflocken…

Morgens finden wir nun immer neue Spuren im Schnee. Amseln, Katzen, aber auch Mäusefährten. Auch am Vogelfutterhäuschen hangeln sich nun Mäuschen entlang – was man ihnen gar nicht übel nehmen kann. Jeder muss schließlich sehen, wo er bleibt.

Mäuse übrigens, haben auch den Dorfkindergarten für sich entdeckt. Bereits den zweiten Tag in Folge freuen sich die Kinder über umherflitzende Spitzmäuse. Weil als Nützlinge anerkannt, kann die Tierchen jeder leiden. Sie werden gefüttert, mit Ooohs und Aaahs bedacht und geben anschaulich Auskunft darüber, dass sie eben keinen Winterschlaf halten, wie von vielen angenommen. Nur den Weg, über den sie ins Haus finden, verraten sie nicht.

Das Auto will bei den derzeitigen Temperaturen erstmal gar nicht anspringen. Obwohl bei neueren Dieselmotoren die obligatorische Rudolf-Diesel-Gedenkminute keine Rolle mehr spielt, starte ich den Wagen jetzt erst, nachdem ich einmal bis 10 gezählt habe. Weil ich mir einbilde, dass das dem Auto guttut.

Die Autoscheiben allerdings sind jeden Morgen zugefroren. Von innen. Schon mal mit einem Eiskratzer Autoscheiben von der falschen Seite freigekratzt? Nein? Dann haben Sie es gut. Aufgrund der sanften Wölbung einer jeden Autoscheibe geht das nämlich nicht. Wer über eine Standheizung verfügt, hat es gut und kann im Gefährt für Tauwetter sorgen. Wer nicht, der nicht. Gegen die inwendig gefrosteten Scheiben wird mir nun allerorten ein Luftentfeuchter empfohlen. Oder die Gesetze der Natur. Will heißen: Auto innen aufwärmen, dann beim Aussteigen alle Türen aufreißen, warme feuchte Luft rauslassen und fertig. Eine handelsübliche Klimaanlage tuts allerdings auch. Die entfeuchtet die Luft auch, was verhindert, dass sich Niederschlag an die Scheiben legen kann.

Apropos Niederschlag: Kind 2, das aufgrund seines Alters einen so richtig kalten Winter bislang noch nicht mitgemacht hat, freut sich wie Bolle. Weil man nun besonders am frühen Morgen den Atem sehen kann. „Ich kann´s!“ schallt es jeden Morgen durchs Dorf. Denn der kleine Herr Müller stößt Rauchwolken aus wie dereinst der Vater von Grisu.

Zumindest der Schneemann im Garten hat nichts gegen die Kälte. Ganz im Gegenteil: Endlich tauen ihm keine Extremitäten mehr weg. Leider lässt sich der Schnee bei diesen Temperaturen nicht mehr dazu zu verwenden, ihm eine Schneefrau zu bauen. Aber man kann ja nicht alles haben.

Heimflug…

Wir sind zurück in heimatlichen Gefilden. Nachdem das Auto in dieser kleinen mecklenburger Werkstatt rubbeldiekatz repariert werden konnte (Diagnose: Kühlmittelpumpe in ano), konnten wir mit einer Verspätung von nur 24 Stunden wieder heimreisen. Unsereins fährt ja sowieso gern nachts. Da sind die Straßen leer, die Kinder schlafen und eine sechsstündige Autofahrt lässt sich mit minimaler Rastplatzfrequentierung absolvieren. Das alles natürlich rein theoretisch. Denn selbstverständlich schläft kein einziges Kind. Im Gegenteil: Alle Kinder wollen entweder in fünfzehnminütigen Abständen pinkeln oder rufen laut „Kacka-Popo!“, was beides einen sofortigen Boxenstopp bedeutet. An der Raststätte angekommen, geht Kind 1 brav zum Klo. Kind 2 legt den Kopf schief und fragt unschuldig: „Jetzt Pommes essen?“

Nur 4 Stopps später haben wir die Nase dann auch schon voll und verweigern das nochmalige Aufsuchen von Raststätten. Die Kinder entwickeln daraufhin Hunger und fressen die Vorräte leer. Dann ist ihnen schlecht und sie müssen anhalten. Ein letztes Mal stoppen wir den Wagen. Dann streichen wir Essen und Trinken vom Speiseplan. Zumal es mittlerweile dunkel ist. Und das heißt: Schlafenszeit.

Selbstverständlich schläft kein Kind. Stattdessen werden Lieder gesungen, Autos gezählt und in den Sitzritzen nach TicTacs gekramt. Das Ganze unterhält uns fast zwei Stunden lang. Dann wird es hinten merkwürdig still. „Dass eins klar ist, ich schlafe nicht!“ lässt Kind 1 verlauten. Kind 2 kann ich zu diesem Zeitpunkt schon zudecken. Zwei weitere Wachheitsbeteuerungen später ist auch Kind 1 eingeschlafen…

Kurz nach Mitternacht sind wir daheim. Beim Umbettprozedere vom Auto ins Haus werden beide Kinder wach und verlangen unisono Abendbrot, eine Geschichte, ein Lied und überhaupt. Aufs Zähneputzen dürfen wir aber verzichten. Da sind die Kinder nicht so. Gegen 2 Uhr, gleich wird die Sonne wieder aufgehen, liegen dann alle im Bett. Aber sowas von…

Kaputt…

Unglück und die Batzen, in denen es kommt.

Erst falle ich die Treppe des Tauschhauses herunter, was eine Tradition zu werden scheint, denn letztes Jahr habe ich den gleichen Quatsch schon einmal an der gleichen Stelle gemacht. Die Folge ist ein blaugeschlagener Ellbogen, eine schmerzende Schulter und ein undefinierbares Aua im Oberschenkel. Zum Glück im Unglück bin ich aber wohl doch noch geschmeidig genug, um mir nichts wirklich Schlimmes getan zu haben.

Dann geht das Auto kaputt. Frisch auf dem Heimweg von einem Ausflug leuchten die Warnanzeigen des Wagens wie ein Tannenbaum auf. Untermalt von hektischem Gepiepe deutet uns unser Gefährt an, dass es lieber gern jetzt am Straßenrand abgestellt werden möchte. Wir gucken irritiert und erschrocken vor uns hin und fragen uns beide, ob der Sprung durch das Wurmloch vor Kurzem nicht neben dem Navi auch gleich das Auto zerstört hat. Nichtsdestotrotz finden wir einige Zeit später unseren Weg ins Tauschhaus. Die Rückfahrt nach Bayern können wir uns aber erstmal schenken. Denn morgen ist Sonntag und somit keine Werkstatt offen. Am Montag sind wir nun mit zwei Werkstätten ( sicher ist sicher) verabredet und hoffen, dass sich die Heimreise nur um einen Tag verschiebt. Den Silberdistels sei Dank verschieben auch sie ihre Heimreise nun um einen Tag, so dass wir uns erst einmal keine Sorgen um unsere Katzen zu machen brauchen… Alles Weitere ergibt die Motorschau am Montag. Glück im Unglück aber auch hier: Der ganze Schietkram hätte uns auch auf der Heimreise mitten auf der Autobahn passieren können.

Nun denn… man muss in dem ganzen Schlamassel auch nach dem Guten kramen.

Gute Nacht zusammen!

Wurmloch…

Herr und Frau Müller in der mecklenburgischen Provinz. Eigentlich waren wir auf der Suche nach den Müllerschen Patenhühnern. Leser dieses Blog erinnern sich. Die Hühner sind nun schon groß (einige sogar schon gegessen) und wollen endlich einmal persönlich besucht werden.

Eine Weile ging auch noch alles gut. Wir fuhren so durchs Land, guckten links und rechts, vorfreuten uns.

Dann passierte Folgendes:

InsNichts

Dem Navi ging die Straße aus… Weil wir aber Kinder haben und Todesmut aus diesem Grund Teil unserers Naturells ist, fuhren wir weiter

InsNichts2

und müssen irgendwo in diesem Nichts ein Wurmloch passiert haben. Denn plötzlich:

InsNichts3

Tadaa! Lübeck! 466km in nur 1:12 Stunden!

Wir waren dann noch ein bisschen damit beschäftigt, den Sprung durchs Wurmloch zurück zu finden, weshalb sich der Bericht über das Federvieh auf später verschiebt. Das Navi mag übrigens seitdem nicht mehr, aber es kann natürlich sein, dass die eine oder andere Technik einen Hyperraumsprung nicht verkraftet.

Ortsumgehung…

HalteverbotIch habe Angst. Aufgrund von Arbeiten an der Ortsumgehungsstraße kommt demnächst Großes auf uns zu. Städteplanung sei Dank gibt es nämlich, will man zum Discounter des Ortes, zum Baumarkt, zum Gartencenter, Supermarkt etc., genau 2 Straßen. Eine davon ist die Ortsumgehung. Die andere ist ein Tempo-30-Weg, der durch unser Gässlein führt. Und jetzt raten Sie mal… genau. Ab Montag übernimmt unsere Gasse die Aufgabe der Ortsumgehungsstraße. Wir freuen uns! Ganz, ganz doll!

Die Katzen haben während dieser Zeit Ausgangssperre. So viel ist schon mal klar. Die Kinder am Besten auch. Und Mutti. Die auch. Damit am Ende keiner unter die Räder kommt. Dass sich nämlich auch nur irgend jemand an die verordneten 30km/h hält, dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Ich für meinen Teil versuche mich nun noch einmal an die Lektionen des Autogenen Training zu erinnern, wie seinerzeit während einer seelischen Ausnahmesituation erlernt. Und Oropax! Die dürfen auf keinen Fall fehlen. Auch das Schlafzimmer „nach hinten raus“ entpuppt sich nun als strategisch äußerst günstige Wahl. Nur die Kinder haben halt Pech. Die schlafen zur eigentlich ruhigen Straße raus. Aber irgendwas ist ja immer…

Zum Glück allerdings geht es zur Dorfdisko einen anderen Weg entlang. Und zum weltberühmten Möbelhaus auch. So bleibt uns zumindest das Allerschlimmste in Form von vorgeglühten Jugendbanden und Schrankguckern erspart. Und auch auf die Rollergang des Ortes hat sicher keiner Lust.

Ordnungsamt und Bürgermeister versuchen sich in Panikbegrenzung. So haben wir es ja mit nur einer stresserhöhten Woche zu tun. Und am Ende wird dann auch alles viel toller, sanierter und flüsterleiser. Unser Dorf soll doch schöner werden! So nicken wir denn ergeben vor uns hin und harren der Autos, die da kommen. Und wehe, das dauert länger als eine Woche…

Die Schilder, die striktes Halteverbot auf der kompletten Länge der Straße verordnen, stehen übrigens schon. Oder erst. Den Leuten eine Woche vor Baubeginn zu sagen, was da demnächst ansteht, ist vielleicht gar nicht so ungünstig. Wegen der Nerven, wissen Sie. Und zur Not kann man uns immer noch mit dem Klassiker von Douglas Adams kommen: Die Pläne hätten schließlich die letzten 10 Millionen Jahre zur Einsicht im Planungsbüro ausgelegen. Wenn wir uns nicht selbst um unsere ureigenen Angelegenheiten kümmern, sind wir selbst schuld…

Tage wie dieser…

Manchmal wacht man morgens auf und weiß sofort: Heute gewinnt man keinen Krieg. Die Stimmung ist so doof wie das Wetter und die ganzen Termine, die auf einen warten, machen die Laune auch nicht gerade bunter. Überhaupt gibt es Tage, die hat schon einer zurückgehen lassen. Und weil man morgens oft noch nicht ganz bei der Sache ist – noch dazu vor dem ersten Kaffee – greift man halt daneben im Regal der schönen 24 Stunden.

Erst hängt uns ein sorgender Nachbar einen Zettel ans Auto. Weil die Kiste angeblich nicht regelkonform am Straßenrand steht. Die Energie, die für den netten Gruß aufgebracht wurde, beeindruckt mich. Denn der Nachbar hat nicht nur das Auto erblickt, einen Zettel bekritzelt, ihn hinter den Scheibenwischer geklemmt und ist seiner Wege gegangen. Nein. Er hat das Auto erblickt, ist nach Hause gegangen, hat sich an den Computer gesetzt, aus dem Internet fein säuberlich eine Liste mit bußgeldmöglichen Verkehrswidrigkeiten ausgedruckt, hat die wichtigen Passagen mit gelbem Neonstift angestrichen und noch das eine oder andere Ausrufungszeichen dazugemalt, ist wieder zum Auto zurück spaziert und hat seinen Gruß hinterlassen. Wer so viel Schwung für seinen Unmut aufbringen kann, sollte doch auch dazu in der Lage sein, einfach mal an der Haustür zu klingeln und sein Sprüchlein persönlich aufzusagen. Meinen Sie nicht? Zumal die auf dem Zettel angemerkten „Vergehen“ nicht auf das Müllersche Gefährt zutreffen oder -trafen. Aber so mutig ist man dann im Zweifel doch nicht. Mit Anzeige droht es sich anonym einfach besser…

Dann erscheine ich pünktlich bei einem bereits im Vorfeld ausgemachten Termin und sehe mich mit Augen konfrontiert, in denen große Fragezeichen stehen. Kein Mensch kann sich erinnern, dass ich heute vorsprechen sollte. Ich werde beäugt, als könne ich nicht bis drei zählen. Dann bietet man mir einen Bonbon an. Wenn jetzt noch einer fragt, ob ich einen Keks will, schreie ich. Ich mache offiziell einen neuen Termin aus und gehe meiner Wege.

Und schlussendlich dieser Arzttermin mit Kind 2, das zwar offensichtlich an einer Mittelohrentzündung leidet, beim Arzt am Vortag aber trotzdem abgewiesen wird, weil „nur noch akute Notfälle“ Platz haben… Überhaupt seien Mütter heute alle so hysterisch und rennen wegen jedem Furz gleich zum Arzt. Vierundzwanzig Stunden später gibt es beim mit Not ergatterten Termin dann einen ordentlichen Anschiss: Warum man nicht viel früher gekommen sei. Man könne doch sehen, dass das Kind krank sei. Und überhaupt, man solle ich doch einfach mal durchsetzen und nicht immer klein beigeben.

Wenn so ein Tag dann rum ist, kann man nur hoffen, dass der nächste ein besserer werden möge.

Eine hoffentlich schöne Woche zusammen!