Bart…

Zlatan Ibrahimovic hat einen schönen Bart. Opa auch. Papas Bart: Schön. Kind 2 liebt Bärte. Seit die Hipster-Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hat und Gesichtsbehaarung wieder en vouge ist, sieht unser Sohn jeden Tag schöne Bärte. Und scheut sich nicht, seiner Bewunderung Ausdruck zu verleihen.

„Du hast einen schönen Bart!“ verkündet Kind 2 letztens dem Paketboten. Der ist erst irritiert, freut sich dann aber doch.  Auch der Typ, der beim Rewe das Bier ins Regal räumt, wird wortreich gelobt. Denn der Bart ist gigantisch. Als hätte ein Biber ein Gesicht gefressen. Hier kommt die Bewunderung mit großen Gesten einher. Und mit einleitendem „Oooooooh!“ wie es sich für solch ein Monster an Haar gehört. Alle müssen lachen. Aber das Kind meint das todernst.  Und grinst mit Ausdruck purer Verzückung.

Einziges Manko: Ein eigener Bart will dem Kind nicht wachsen. Auch nicht nach eingehendem Studium des eigenen Spiegelbildes und viel Gezupfe an Kinn und Wange. Das ist doof.

Und Mama? Die hat auch keinen Bart: „Willst du keinen?“
„Nein.“
„Bartse sind doch sooooo schön!“
„Ja, aber Frauen haben keine. Und sie wollen auch keine.“
„Auch nicht, wenn sie schön sind?“

Na ja…

Alter Mann mit Hut…

Tja nun… man stelle sich einen 73-jährigen Herrn vor, rennend, springend. Einen Mann, der sich im Namen von Geschichte und Gerechtigkeit prügelt. Einen Mann, der am Ende Sieger ist. In freier Wildbahn kommen solche Exemplare nicht vor. In freier Wildbahn haben 73-jährige einen Mitgliedsausweis für den Kegelclub, treffen sich Samstags zum Stammtischbier und tragen einen Wohlstandsbauch. Wenn Sie sich nun aber vorstellen, dass oben genannter Greis einen Hut auf hat und eine Peitsche schwingt, kommen wir dem Phänomen schon näher. Denn: Es ist ein Greis im Indiana-Jones-Kostüm… Spätestens jetzt wissen Sie, worum es geht: „Indiana Jones 5“ ist in der Mache.

Schon „Indiana Jones 4“ war für mich schwer zu ertragen – und das lag nicht am fiesen Fake-Akzent von Cate Blanchett. Der Held meiner Kindheit war zum Opa geworden. Sicher, ein fitter Opa, aber trotzdem jenseits des Rentenbeginns. Und damit nicht mehr wirklich glaubhaft.

Herr Ford altert, wenn Sie mich fragen, eher so mittel. Ihn jetzt noch einmal in einem Renn-Hau-Schieß-Film anzugucken, stelle ich mir schwierig vor. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass Dr. Jones sein Rententeil genießt und nur telefonisch dazugeschaltet wird, wenn es spannend wird. Nein, vermutlich wird er wieder seine Kluft anziehen, die Peitsche am Gürtel festmachen und losrennen. Sicher schimpft er hier und da über Knieprobleme, weist auf Hüftbeschwerden und ähnliche altersbedingte Zipperlein hin und wird keck mit seinem Alter kokettieren. Nichtsdestotrotz aber wird er sich prügeln und auch sonst wieder ganz ganz viel Action in seinen Altersunruhestand bringen.

Startbeginn für den Film ist 2019. Herr Ford ist dann 76. Und damit so alt wie mein Schwiegervater. Normale Menschen haben in diesem Alter mindestens Arthrose im Knie. Womit sich das Rennen eigentlich von selbst erledigt. Aber sicher kann Dr. Jones die eine oder andere Verfolgungsjagd auf dem Motorrad oder mit dem Auto absolvieren. Und zur Not lässt er halt andere für sich rennen. Schließlich hat er einen Sohn gezeugt, der unter Umständen sogar wieder dabei ist.

Lotti im Katzenhimmel

Lotta1Leider ist unsere Katze, das geliebte Lottchen, noch im vergangenen Jahr kurz nach den Weihnachtsfeiertagen an den Folgen ihrer Lungenentzündung gestorben. Das liebe Vieh, das eigentlich anders hieß, aber immer nur die Lotta war, hat 4 Wochen tägliche Arztbesuche tapfer überstanden, während fast der gesamten Zeit aber weder freiwillig gefressen noch getrunken. Eine Zeit lang haben wir das Tier mit Hilfe des Veterinärs noch mit Kalorien und Nährstoffen versorgen können. Und eine Zeit lang sah es gut aus. Spätestens als Lotta aber anfing, sich in der Wohnung unter Tischen und Schränken zu verstecken, mussten wir uns mit dem Unausweichlichen befassen… Auch die Versuche, aus dem Haus zu fliehen und sich unter der dichten Hecken im Nachbargarten zu verkriechen, waren sichere Zeichen. Lotta wollte nicht mehr. Am 27.12. dann wars zuende.

Lotta war Herrn und Frau Müllers erstes gemeinsames Kind, wenn der Vergleich gestattet ist. Sie kam zu uns, da waren wir erst wenige Tage ein Paar. Da wohnten wir noch nicht einmal zusammen. Auch Lotta war ein Grund, ganz schnell zusammenzuziehen.

Jetzt, fast 15 Jahre später, steht Kind 2 immer wieder im Garten, guckt in den Himmel und will wissen, wie man jetzt die Katze füttern soll, wenn sie da oben auf der Wolke sitzt. Auch die Frage, wann das liebe Vieh denn wiederkommt, wird öfter gestellt, als es mein Gemüt derzeit noch zulässt. Und warum wir jetzt nur noch eine Katze haben? Das Konzept „Tod“ ist dem Kind noch nicht schlussendlich klar.

Kind 1 indes hat den Verlust anders weggesteckt. Die beste Freundin wurde zum Katzengrab im Garten geführt und in der Schule hat sie, als alle zum Thema „Mein Erlebnis im Weihnachtsurlaub“ ein Bild malen sollten, die Lotta gemalt. Mit einer Blume auf dem Grab. Seitdem spricht Kind 1 nicht mehr von der Katze. Getröstet hat sie mich noch, als ich einmal aus Versehen zwei Schüsselchen mit Futter rausgestellt hatte und heulen musste. Per se aber scheint der Trauerprozess abgeschlossen.

Bleibt uns Paul. Nun Einzelkatze, ist Paul ein Charmeur geworden, der viel spricht, viel schmust und ab und zu nachts auch wieder ins Bett kommt. Er macht einen entspannteren Eindruck, jetzt, wo kein anderer Vierbeiner mehr da ist. Er lässt sich jetzt Zeit bei den Mahlzeiten, er pinkelt nicht mehr unkontrolliert das Haus an, er geht aber auch nicht mehr so viel spazieren wie früher. Paul ist ruhiger.

Lotta2Uns bleiben die schönen Erinnerungen an Müllers Katze. Die Begeisterung, wenn Frau Müller Pullis strickte, die Assistenz beim Nähen und Kochen. Der Spaß an menschlicher Gartenarbeit inklusive aktiver Hilfe beim Unkrautzupfen. Das Heimbringen von Käfern, Schmetterlingen, Libellen und Spinnen. Der angeekelte Blick, wenn mal das falsche Futter im Schüsselchen landete. Das Kopfstupsen, das abendliche Putzen der menschlichen Familie und das überlaute Geplärre, wenn es der Katze mal nicht schnell genug ging. Schön wars mit Lotta.

Und eine „Ersatzkatze“ – nein, die wird es nicht geben.

Die B-Day-Frage

Geschenke finden: Ganz schwere Sache.

Die Geburtstage aller Kinder stehen an. Selbstverständlich ist die Wunschliste gigantisch. Alle möglichen Sachen stehen drauf: Vom Skateboard über Videospiele bis hin zur Mondrakete. Letztere in Grün. Hellgrün geht auch noch. Zur Not dunkelgrün. Dass das reine Gerät ein Ding der Unmöglichkeit ist, wird als unfair empfunden. Ob denn ein U-Boot gehe. Das dann gern auch in Blau. Auf meine Antwort hin ist weitere Kommunikation erst einmal nicht mehr möglich.

Die knallbunten Bodenkissen, die wir bereits ausgesucht und gekauft haben, damit sich kein Kind mehr auf dem Teppich wälzen muss, wenn „Phineas & Ferb“ im Fernsehen kommt, sind derweil auf dem Postweg verschwunden. Die Kommunikation mit dem Verkäufer ist zwar freundlich, aber wenig zielführend. Denn der Verkäufer beharrt auch nach 10 Tagen nicht zugestellter Ware und trotz eindeutigem Status der DHL-Sendungsverfolgung darauf, dass das Paket sicher nicht verschwunden ist und keine Notwendigkeit besteht, einen Nachforschungsantrag zu stellen. Mit Geduld werde die Sendung ganz bestimmt noch zugestellt… Auch ein erneutes Versenden der Ware wird abgelehnt. Weil wir zu hibbelig sind. Wir stellen beim übergeordneten Versender derweil einen Garantieantrag, damit wir im Falle des Falles wenigstens unser Geld wiedersehen.

Um auf die Geburtstage an sich zurückzukommen: Die Frage, wo denn die Feier stattfinden soll, führt eher zu Unruhe. Schwimmbad geht nicht. Zumindest nicht mit Geburtstagsgästen. Weil man uns als Eltern nicht zumuten kann, auf sieben Kinder aufzupassen, von denen 5 nicht richtig schwimmen können. Kino geht, aber nur mit verminderter Anzahl an Gästen. Wegen des kleinen Autos und der Tatsache, dass das nächste Kino zu Fuß nicht erreichbar ist. Der Indoor-Spielplatz? Geht. Auch mit einer ganzen Horde Kinder. Und der Zoo? Siehe Kino.

Die Entscheidungsfindung ist noch nicht abgeschlossen. Uns als Eltern wäre der Indoorspielplatz selbstverständlich am Liebsten. Aus verschiedenen ganz praktischen Gründen: Die Verpflegung der Geburtstagsgäste übernimmt das gewählte Etablissement. Ebenso die Bespaßung. Wir als Eltern kümmern uns lediglich um die Aufsicht. Und spielen dürfen wir auch – wenn auch nicht im Bällebad, wie wir es gern hätten.

Zum Glück ist das Spieleparadies nach wie vor der Favorit aller, auch eingeladener, Kinder. Da kann man also nicht so wirklich viel falsch machen.

Nichtsdestotrotz: Es bleibt noch Zeit für Diskussionen.

Und ob die Bodenkissen noch ankommen? Wir werden sehen…

Simplify your…

Minimalismus ist derzeit in aller Munde. Weniger ist mehr, simplify your life… jeder macht das jetzt!
So richtig mit dem Trend scheinen wir aber nicht zu gehen.

Braucht ein normaler Mensch 546 CDs? Hier kann es nur eine Antwort geben. Ja!
46 Kleider für die Dame des Hauses? Selbstverständlich!
3 Schränke voller Bücher? Bücher wegzuschmeißen verbietet sich, das weiß jeder.
Und die ganzen DVDs? Natürlich Sammlerstücke!

Was mir allerdings schleierhaft ist: Warum besitze ich 5 Morgenmäntel? Ich kann versichern, dass ich selbst nicht einen gekauft habe. Ich kenne auch keinen Grund, einen Morgenmantel anzuziehen – es sei denn, es brennt und ich müsste im Schlafanzug bei minus 10°C draußen im Garten stehen und auf die Feuerwehr warten.

Und der Bademantel da im Schrank? Kann unmöglich meiner sein. Wir haben keine Sauna und verfügen auch sonst über keine bemerkenswerte Wellness-Oase, die den Besitz eines Bademantels rechtfertigen würde. Der Bademantel kann also weg…

Die Schuhe brauche ich aber alle. Doch doch. Vielleicht nicht unbedingt die Bergschuhe, die wir damals auf der Hochzeitsreise gekauft haben, um auf Kreta durch die Samaria-Schlucht zu wandern. Obwohl an den Schuhen so viele schöne Erinnerungen hängen. Und ein paar schmerzhafte, besonders den Meniskus betreffend…

Von ein paar Sachen allerdings kann ich mich ziemlich leicht trennen.
Von der Magazinsammlung meines Gatten zum Beispiel. Der Playboy ist ästhetisch sicher sehr wertvoll. Allerdings sind die ausfaltbaren Damen in der Heftmitte mittlerweile Mütter von Teenagern und sehen heute bestimmt nicht einmal mehr halb so lecker aus wie zum Zeitpunkt des Fotoshootings. Auch die Frisuren sind nicht wirklich up-to-date, wenn Sie mir den schlechten Scherz gestatten wollen.
Auch die eingestaubten Jahrgänge diverser PC-Zeitschriften müssen eigentlich nicht mehr aufgehoben werden. Es sei denn, man will sich darüber informieren, wie das vor 5 Jahren aktuelle Windows Betriebssystem seinerzeit im Produktivtest abgeschnitten hat.

Dann, der Tatsache müssen wir uns leider stellen, haben wir festgestellt, dass wir Kisten-Messies sind. In unserem Keller stehen Umverpackungen von allem, was wir in den letzten 15 Jahren gekauft haben. Angefangen vom Karton, in dem wir dereinst die erste gemeinsame Kaffeemaschine nach Hause getragen haben bis hin zu ungezählten PC-Kisten. Und dann die Schachteln vom Kinderspielzeug! Die gesammelte Pappe bewohnt mittlerweile einen eigenen Kellerraum. Die Tür zu diesem Raum kann man zwar noch öffnen. Und ein schmaler Gang führt auch einmal bis zum Klappfenster ans andere Ende des Zimmers. Der Rest aber ist Pappe.
Und warum heben wir Schachteln auf? Darum! Es könnte immerhin sein, dass aus der Kaffeemaschine ein Garantiefall wird. Und dann kann man das Gerät zurück in die richtige Schachtel stopfen und an den Kundendienst schicken. Dass so ein Garantiefall nie eintritt, versteht sich von selbst. Aber wenn… ja wenn… dann sind wir vorbereitet.
Ganz putzig in diesem Zusammenhang ist übrigens der Fakt, dass es für drei Viertel der Kellerkartons mittlerweile gar kein Gerät mehr gibt. Besonders Computer haben ja eine Halbwertzeit von 3 Jahren und werden dann ersetzt. Das Haus verlassen diese Geräte in der Regel ohne ihren Karton. Der bleibt nämlich bei uns wohnen.

Im Rahmen der Simplifizierung unseres Lebens haben wir uns nun darauf geeinigt, zumindest das Kartonzimmer einmal auszuräumen. Sich von Ballast zu befreien soll ja glücklich machen. Und gleichzeitig die Kreativität fördern. So fällt uns, sollte der Raum tatsächlich leer werden, bestimmt eine neue Möglichkeit der Verwendung ein. Man könnte ja vielleicht eine Sauna im Keller… was dann allerdings wieder bedeuten würde, dass ich mich unmöglich von dem Bademantel trennen kann, der eigentlich schon auf der Abschussliste stand…

Vereinfachung ist doch komplizierter, als ich angenommen hatte…

Bitte mitgeben…

Gesundes Essen steht weit oben auf der Liste der Lehrinhalte in der Schule. Im Unterricht soll jetzt, so werden wir auf einem kleinen Zettel informiert, gemeinsam ein Obstsalat zubereitet werden.

„Bitte geben Sie Ihrem Kind ein paar Utensilien mit, damit wir gemeinsam unser Frühstück gestalten können.“ steht auf dem Zettel.
Lieblingsobst – Banane, Apfel, Trauben… (Check!)
Ein Schälchen. (Check!)
Ein kleines Brettchen. (Check!)
Ein Messer. (Che… huh?)

Herr Müller lacht schallend. Dass es zu unseren Lebzeiten noch passieren würde, dass man die Eltern dazu auffordert, ihren Kindern ein Messer mit in die Schule zu geben, damit konnte schließlich keiner rechnen…