Streichelzoo…

Samstag früh: Streichelzoo.

Wir kaufen zwei Tüten Gerste und ein Päckchen Sonnenblumenkerne. Kind 1 verlangt die Aushändigung der Sonnenblumenkerne und beginnt, das Vogelfutter selbst zu essen. Auf den Hinweis, dass das Zeug für die Papageien ist, wird müde abgewunken.

Ziegen! Wir sehen Ziegen. Kleine, große und so mittlere. Alle Kinder wollen Ziegen streicheln. In der
Folge verschwinden zwei Tüten Gerste in genau einem Tier. Kind 2 entdeckt derweil Hühner und entfernt sich unerlaubt, aber äußerst flink. Dann will Kind 1 die Ziegen fotografieren, stellt sich aber genau hinter den eben gefütterten Paarhufer. Auf den Hinweis, dass Ziegen ihren Kopf vorne haben, werden wir altklug darüber aufgeklärt, dass das Kind die Ziege beim Kackamachen abzulichten gedenkt. Wir verstummen gerührt.

Derweil fallen die Hühner über Kind 2 her. Das hält sich tapfer an einem einzelnen Blatt Löwenzahn fest, das eigentlich zur Fütterung gedacht war und auf das die Hühner echt scharf sind. Das Kind bricht unter der Geflügellast zusammen. Alle schreien. Tumult entsteht.

Kaninchen rasen über die Wiese, gefolgt von einem fremden Kind, das auch Löwenzahn in der Hand hat. Offensichtlich haben die Kaninchen kein Interesse an Grünfutter.

Die Hühner haben derweil Kind 2 das Blättchen Löwenzahn entrissen und steigen gackernd von ihrem Opfer herunter. Kind 2 zeigt Hühnerbisswunden und lässt sich für die Spuren des Kampfes bewundern. Personal nähert sich.

Die Meerschweinchen im Gehege links neben den Enten fressen ihre eigenen Kötel. Ein junger Vater klärt über das Prinzip Perpetuum Mobile auf. Alle machen Oh! und Ah!

Kind 2 wird mit Pflastern und Lollis versorgt. Die Chefin der Anlage entschuldigt sich persönlich für die carnivoren Hühner und verspricht Besserung durch Einkerkerung. Kind 2 sucht derweil nach neuem Löwenzahn und nähert sich erneut gefährlich dem Federvieh.

Die Kaninchen drehen ihre achte Runde. Das fremde Kind haben sie mittlerweile abgeschüttelt.

Wo denn die Hundebabys sind, werden wir gefragt.

Es gibt Eis und Brause an einem bunten Stand. Der Verkäufer ist wie ein Esel angezogen, was allgemein für Verwunderung sorgt. Die irritierten Blicke erträgt er mit stoischer Ruhe. Iahs will er keine machen. Dafür hat er nicht vier Semester Philosophie studiert.

Warum es keine Pommes gibt, werden wir gefragt.

Wir nähern uns einem echten Esel, der erst liebevoll die Haare von Kind 2 beschnüffelt und dann ein bisschen Spucke auf den kleinen Kopf klebt. Kind 2 will die Spucke behalten. Den Esel auch. Dass so ein Esel nicht ins Auto passt und deswegen hier bleiben muss, wird mit Geheule beantwortet. Wie zur Mahnung werden die Hühnerbisspflaster in den Himmel gestreckt. So tapfer und bekommt keinen Esel geschenkt. Die Welt ist ungerecht.

Ponyreiten fällt aus. Und auf den Nandus darf man nicht reiten. Man könnte vielleicht, aber das Schild am Eingang des Geheges verbietet einen derartigen Ausflug explizit. Dafür dürfen wir kleingeschnittene Äpfel verfüttern. Kind 2 erinnert sich an Hühnerschnäbel und will nicht füttern. Kind 1 verlangt die Äpfel selbst zu essen.

Die nächsten zwei Stunden verbringen die Kinder auf dem Spielplatz und die Eltern im Café gleich daneben. Erschöpfte Aufsichtspersonen, so weit das Auge reicht. Es gibt Kuchen und Kaffee. Besonders abgekämpfte Väter dürfen Bier. Aber nur eins. Weil man ja noch fahren muss und es noch nicht einmal vier Uhr ist.

Ob es noch Geschenke gibt, werden wir gefragt. Da hinten im Souvenir-Shop. Dort steht eine als Tiger verkleidete Verkäuferin und bietet Bonbons und Tinnef feil. Die Kinder entscheiden sich für eine Gummispinne und eine Wasserspritzpistole in Form eines Krokodils. Dann dürfen wir endlich gehen.

Wir nehmen zwei nach Ziegen riechende, mit Hühnerkot beschmutzte, verspuckte und verwundete Kinder mit heim. Zuhause finden wir später eine halbe Tüte Sonnenblumenkerne und einen Brausedeckel in der Schatztruhe von Kind 1. Kind 2 hat noch Löwenzahn in der Tasche und die braune Feder von einem Hühnerpo…

 

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10 Kommentare zu “Streichelzoo…

  1. mickzwo sagt:

    Irgendwas ist immer.

  2. Flohnmobil sagt:

    Was für ein äusserst abwechslungsreicher Familienausflug. Habt ihr euch schon erholt? 😉

  3. Kathi sagt:

    Wie mein Mann neulich völlig verwundert feststellte: Irgendwie war der Urlaub mit Kindern nicht so richtig entspannend…. ach…..

  4. Dany sagt:

    Danke, danke für deine so wunderbare Berichterstattung. Ich habe so herzhaft gelacht, dass ich sogar Tränen in den Augen hatte.
    Ich mag deine Art zu schreiben.
    Danke dafür und viele Grüße
    Dany

  5. Stina sagt:

    Danke für die detaillierten Beschreibungen. Der Tag ist gerettet… ich lache immer noch 🙂
    Frau Müller, Sie sind der Knaller *lach*.

  6. Brinja sagt:

    this one made my day!

  7. Marina sagt:

    Schön! So spannend und aufregend habe ich die Streichelzoobesuche mit unseren Kindern früher gar nicht erlebt. Aber bei Ihnen war ja richtig was los, der reinste Action-Thriller.

    Vielen Dank für diesen äusserst amüsant geschriebenen Bericht!

  8. Roswitha sagt:

    Was ein Tag, was für tolle Abenteuer die Kinder erleben durften, davon wird doch sicherlich noch wochenlang geredet, oder?

  9. Sandra sagt:

    GROßARTIG!!!!
    Herzlichen Dank für diesen grandiosen Bericht –
    Ihre amüsante Art zu schreiben erhellt mein Gemüt ungemein!
    *gackernde* Grüße,
    Sandra

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