Nichtkatzen…

Die Babykätzchen schreien infernalisch. Jede Nacht. Sie müssen irgendwo in der Nähe des Hauses im Gebüsch hocken. Eine Mutter spürt so etwas. Und sie haben Hunger. Dem Gebrüll nach zu urteilen, ist ihre Katzenmama äußerst nachlässig und kommt nur etwa alle 18 Stunden einmal zur Versorgung vorbei. Die armen, armen Babykatzen. Ich muss sie retten.

Ich bin mit äußerst lebhafter Fantasie geschlagen. Ich schreibe absichtlich geschlagen, weil Fantasie nicht immer nur was Schönes ist. Ganz im Gegenteil, man kann sich mit ihr auch alle furchtbaren Dinge imaginieren, wie man sie so im wahren Leben nie auch nur ansprechen würde. Leidende und hungernde Katzenbabys gehören absolut dazu.

„Die Kätzchen sterben!“ weine ich eines Abends, da liegen Herr Müller und ich schon im Bett. Bereits seit Sonnenuntergang schreit es draußen. Der Versuch, die Fenster zu schließen, um den Lärm draußen zu lassen, bringt den Kopf nicht zur Ruhe. Ich wälze mich hin und her. „Die Katzenbabys!“ versuche ich es erneut. „Die haben Hunger!“ Herr Müller klappt die Augen auf. Kurz schaut er mich an. Denkt nach. Dann schwingt er sich aus den Federn. Und geht. Wortlos. Die Tür klappt, das Gartentor schwingt. Die Katzenbabys schreien.

Im Haus tigere ich auf und ab. Und male mir aus, wo die Kätzchen wohnen werden, wenn Herr Müller gleich mit einem Arm voller Fellknäueln wieder auftauchen wird. Zehn Minuten später dann klingelt endlich das Telefon. Herr Müller ist dran. Da wo er ist, das höre ich, schreit es.

„Und?“ frage ich, ganz bang.
„Deine Kätzchen,“ sagt er, „die sitzen sechs Meter über mir in den Bäumen.“ Herr Müller klärt auf. Er steht im Wäldchen, das sich direkt an die Siedlung, in der wir wohnen, anschließt. Und es rufen mitnichten Feline: Unsere Babykatzen sind junge Waldohreulen. Die rufen des nachts ganz ähnlich wie junge Katzen. Nur viel lauter.

Und die Fantasie, die lebhafte, ist beruhigt.

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20 Kommentare zu “Nichtkatzen…

  1. Kathi sagt:

    Waah, die fliegen, diese Babykatzen! Wir haben Kiebitze auf dem Feld. Anfangs dachte ich, das jemand was überfahren hätte…

  2. AnGarasu sagt:

    Und du bist nicht mit raus gegangen? Wenn mein Männe wegen meiner durchgaloppierenden Fantasie aufsteht und was auch immer für mich nachschaut (was er relativ oft tun muss *hüstel*), dann muss ich gefälligst auch mit gehen. Mitgefangen, mitgehangen und so. 😉

  3. Silberdistel sagt:

    Na, das nenne ich Liebe, dass Herr Müller mitten in der Nacht aufsteht und im finsteren Wald nach hungernden Babykatzen sucht. Also …ähem … Liebe zu Katzen natürlich 😉

  4. Silberdistel sagt:

    P.S.: Herr Müller geht doch sicher noch einmal nachschauen und macht für uns dann ein paar Bilder?! 😉 😀

  5. franhunne4u sagt:

    Den hast du gut erzogen, den Herrn Müller.

  6. franhunne4u sagt:

    Übrigens, sehen Katzen und Eulen einander ähnlich.

  7. Sofasophia sagt:

    Und Herr Müller ist echt ein klasse Held!

  8. menzeline sagt:

    Tja, wenn denn die Fantasie so mit einem durchbrennt, dann werden aus Katzenbabys ganz plötzlich Eulen.
    Die sehen sich aber auch verdammt ähnlich, wie ich schon ander Orts … Pareidolie bei Rückseite der Reeperbahn … feststellen musste.

    Liebe Frau Müller ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
    Liebe Grüße
    menzeline

  9. jule1 sagt:

    Zuviel Fantasie ist häufig eine Plage…ich kann ebenfalls ein Lied davon singen.
    Und Ästlinge desgleichen. Ein Höllenkrach.
    Herr Müller ist ja ein richtiges Herzchen, goldrichtig. ;o)
    Ich hoffe nun können Sie nachts wieder schlafen,
    Jule

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