Turbulent…

Hier regiert das Chaos. Wer ein Badezimmer und Gästeklo sanieren lässt, muss mit Trubel rechnen. So geben sich seit Tagen wechselnde Gewerke die Klinke in die Hand.

Erst kloppen zwei Hünen mit schwerem Gerät alles aus dem Badezimmer, was nicht unmittelbar zum Haus gehört. Nach einem Tag haben sie es geschafft. Nebenher muss auch der Estrich dran glauben, von dem wir eigentlich gehofft hatten, er würde es noch machen. Tut er leider nicht. Beim Entfernen der Bodenfliesen löste sich der Estrich in Staub auf.

Dann erscheinen Elektriker und Sanitärhelden und verlegen Leitungen neu. Beim Bohren in die Wände löst sich dann auch gleich der Putz von der Schlafzimmerwand im Zimmer nebenan. Das läuft als Kollateralschaden und irritiert bis auf die Dame des Hauses niemanden. Auch die Tatsache, dass man durch die Löcher in der Wand die eingebohrten Schraubenspitzen sehen kann, ist nur ein Achselzucken wert. „Machwawiedazu.“ höre ich und gebe mich damit zufrieden. Eine Woche später sind die Löcher immer noch da. „Machwanächsewochezu.“ werde ich vertröstet und beschließe, daran zu glauben.

Später dann kommen erst die Trockenbauer, denn die Decke muss neu gemacht werden. Die gehen aber gleich wieder. Weil erst der Fliesenleger kommen muss. Der klärt nämlich, wo an der Dachschräge er aufhört zu fliesen und wo der Gipskarton angeschraubt wird. Der Fliesenleger kann schnell klären, allerdings erst am nächsten Tag. Dafür erklärt er sich bereit, den Estrich neu zu verlegen. Nebenbei bereitet er auch die Wände auf die neuen Fliesen vor.

Kaum ist der Estrich trocken (die Müllerschen Katzen verewigen sich noch schnell darin und latschen stoisch ein paar Runden durch den Raum), können auch die Trockenbauer weitermachen und schrauben fleißig an der Decke. Nebenbei versenken sie noch einen Schrank im Kniestock der Dachschräge. Das ist so bestellt. Weil Einbauschränke der letzte Brüller sind und auch wir einen haben wollen. Außerdem lässt sich so der tote Raum unter der Dachschräge wunderbar nutzen – irgendwo müssen schließlich alle 327 Fläschchen und Tiegel, die Frau Müller dazu benötigt, um das Altern aufzuhalten, verstaut werden.

Dann kommt nochmal der Fliesenleger. Als der am Abend die Baustelle verlässt, sieht das Badezimmer schon fast wieder wie eines aus. Was fehlt, sind Duschwanne, Kloschüssel, Heizung, Spiegel und Waschtische. Der Spiegel wird direkt in die Wand verbaut und schließt plan mit den Fliesen ab. Die Hausherrin hat sich das so gewünscht. Einen Spiegelschrank wollen wir nicht mehr und schicke Spiegel mit Licht kosten mitunter ein kleines Vermögen. So machte der Bäderprofi im Rahmen der Sanierungsgespräche seinerzeit den Vorschlag, den Spiegel gleich fest an der Wand zu integrieren und mit einer Lichtleiste zu versehen. Da sieht nicht nur gut aus: Der neue Spiegel wird auch wesentlich größer als handelsübliche Modelle – und das bei einem Bruchteil der sonst üblichen Kosten.

Noch während des Badaufbaus am folgenden Tag stellt sich heraus, dass die Unterschränke für die Waschtische fehlen. Auch einen Spiegel sehen wir erstmal nicht. Und die Deckenbeleuchtung muss ebenso auf sich warten lassen. Dann die ganzen Kleinigkeiten wie Klopapierhalter und „Bürstengarnitur“. Die sind zwar bestellt, aber unauffindbar. Ach und wenn wir schon dabei sind: Die Duschwand gibt es erst in vier Wochen. Die muss nämlich erst bestellt und von Hand in den Glasbrüchen im Milaner Umland aus dem Fels gehauen werden.

Dafür dürfen wir am Abend schon duschen. Leider stellt sich in diesem Zusammenhang heraus, dass das Gefälle der Duschwanne nicht ganz so ist, wie man es erwarten sollte – das Duschwasser läuft nämlich zielsicher in die falsche Richtung. Der Bauunternehmer, der kontaktiert wird, macht einen Termin mit dem Herrn des Hauses aus. Entweder die Dusche wurde blöd eingebaut oder die Duschwanne ist verzogen oder an der Physik in Familie Müllers Haus ist etwas faul.

Und dann ist da noch diese Sache mit den Türen. Im Zuge der Bauarbeiten haben wir sowohl Bad- als auch Gästeklotür samt Zarge entfernen lassen. Die Dinger müssen eh erneuert werden – warum also nicht gleich im Zuge der Sanierungen. Der zum Zwecke eines Türneueinbaus kontaktierte Schreiner bleibt eine Woche lang verschwunden. Die Hausfrau beauftragt Firma Nr. 2, aber auch die ist derzeit schwer beschäftigt und kann erst in einer Woche mal gucken kommen. Türen aus dem Baumarkt verbieten sich aus unterschiedlichen Gründen – u.a. haben alle Türen aus was weiß ich welchen Gründen Sondermaß und können nicht einfach aus dem Baumarkt nach Hause getragen werden. Drei Wochen lang duschen und pinkeln wir daraufhin mit einem Loch in der Wand. Merke in diesem Zusammenhang: Ein Vorhang ist zwar schön – nützt aber wenig, wenn das Essen mal gut gewürzt war.

Tja – und was noch?

Fast fünf Wochen lang duze ich beharrlich jeden Handwerker, dem ich über den Weg laufe und werde ebenso beharrlich fast fünf Wochen lang zurück gesiezt. Mein Selbstbild des jugendlichen Fegers bröckelt. Mit fast vierzig muss man sich eben manchmal auch von Dingen verabschieden. Der Einbildung von Geschmeidigkeit zum Beispiel. Möglicherweise vermutet man hinter meinem jovialen Gequatsche aber auch eine Falle – womöglich petze ich dem Chef am Ende, dass ich mich vom Personal nicht ernstgenommen fühle.
Wie es auf Baustellen so üblich ist, höre ich auch sämtliche Handwerker-Sprüche, die es so geben mag. Angefangen bei allen Variationen für Kaffeebestellung (schwarz und bitter – wie meine Seele; ich mag den Kaffee wie meine Frauen – heiß, blond und süß) und aufgehört bei AZUBI-Verscheißerungen vom Feinsten.
Ich werde abwechseld „Chefin“, „Sie da“ und „Frau Wagner“ gerufen.

Fertig ist noch immer nicht alles… Aber das wird noch. Ganz bestimmt…

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9 Kommentare zu “Turbulent…

  1. franhunne4u sagt:

    Der nächste Blogpost ist gesichert, merke ich da – die Azubi-Verscheißerungen bitte …

  2. Flohnmobil sagt:

    Ich fasse zusammen: Der ganze Umbau findet bloss statt, damit Frau Müller einen grösseren Spiegel erhält und die eingedoste Schönheits-Abteilung einen angemessenen Platz findet.
    Oder habe ich da etwas falsch verstanden? 🙂

  3. engelchenfiona sagt:

    hach ja bröckelnder estrich, den haben wir im esszimmer, nachdem der mamor müsam runter gekloppt wurde
    wohnstube, küche und flur sind auch von den fliesen befreit und in allen räumen wurden die böden nun gefräst
    heute wird nun der estrich ausgebessert und morgen kommt dann ausgleichsmasse in alle räume damit wir montag mit dem fliesen anfangen können
    neue schalter und steckdosen, sowie türen und türzargen gibt es auch noch und elektrische rolladen werden wohl auch noch installiert
    wenn wir dann drin sind in der wohnung werden die bäder gemacht
    hach ja was macht man nicht alles wenn der platz plötzlich nicht mehr reicht weil man statt einem zwei kinder in sich trägt

    liebe grüße und halten sie durch
    fio

  4. Juliane sagt:

    Für Familie Müller leider sehr nervig.
    Für uns Leser leider herrlich 🙂

  5. Ach – Sie auch? Wir haben ja auch seit Wochen Spaß mit Handwerkern. Aber unser Bad ist inzwschen fertig (Ätsch!) und vorm Spiegel hat man jetzt Dank Fußbodenheizung auch warme Füße. Dafür geht es draußen seit Wochen nicht weiter und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Angst vorm Winter.

  6. streepie sagt:

    Ich bin beeindruckt, dass sie über diesen Zeitraum hin ihren Humor behalten haben (und uns noch so herrlich kurzweilig davon berichten). Ich warte gespannt auf die Fortsetzungen.

    Das Bad meiner Eltern wurde vorletztes oder vielleicht sogar schon vor-vorletztes Jahr saniert – meine Mutter bewies aber deutlich weniger Humor beim Umbau, der nur 2 Wochen dauerte, aber anscheinend deutlich mehr Dreck hinterliess.

    Bei meinen Schwiegereltern wurde ebenfalls vorletztes Jahr das Bad saniert (bzw aus einem Bad und einer Küche ein grosses Bad gemacht). Es ging alles wunderbar – nur befand sich irgendwann plötzlich ein grosses Loch im Boden des Bades bzw in der Decke des Flurs im Erdgeschoss. Es ist uns bis heute ein Rätsel, wie dieses Loch zustande kam.

    Der Vorteil für uns – wir müssen dann so schnell kein Bad mehr renovieren oder sanieren 😉

  7. Mamatanzt sagt:

    Bei unserer letzten Badsanierung sollte eine Wand versetzt werden. Uraltes Haus, Pläne von um 1900. „Kein Problem“, sagte der Fachmann. Das Bad wurde geplant, die Pappwand eingerissen. Große Überraschung: Stahlträger in Pappwand. Ohne Stahlträger keine Statik. Ohne Statik kein Haus. Die Umbauarbeiten dauerten dann schlappe drei Monate länger. Waren tolle Sommerferien. 🙂

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