Guten Morgen…

Kinder zu haben ist nicht einfach. Besonders dann nicht, wenn es früh am Morgen ist.

Heute früh, pünktlich 30 Minuten vor dem Weckerklingeln, fliegen mir erst 1 Schnuller und 2 Teddys um die Ohren. Dann lupft jemand die Bettdecke und krabbelt zu mir. Ich täusche derweil Schlaf vor.

Dann: „Mama!“ noch sehr leise.

„Maaama!!“

„MAMA!“ Ich klappe meine Augen auf. Kind 2 sitzt da und freut sich. „Mama, wir müssen aufstehen.“ Ich schüttle den Kopf. Wenn ich eines nicht will, dann ist es aufstehen vor dem Aufstehen.

„Doch“, ist die Antwort. „Weil, ich bin schon wach.“ Ach so.

Mittlerweile ist auch Herr Müller erwacht, tut jedoch ebenfalls so, als schliefe er noch. Ab und zu linst er durch ein Auge, um zu gucken, was sein Sohn gerade macht. Der will mir derweil seinen Schnuller geben. Weil ihm aufgefallen ist, dass ich keinen habe. Um zu schlafen, das weiß er, braucht man einen Schnuller. Ich lehne höflich ab. „Ist kein Fussel dran, Mama!“ versichert das Kind. „Kannst haben!“ Ich will trotzdem nicht. Also bekomme ich den Schnuller jetzt so lange mit Nachdruck ins Gesicht gequetscht, bis ich ihn doch haben will.

„Brav!“ lobt mein Sohn. „Und jetzt stehn wir auf!“

Klar. Mittlerweile sind ja eh alle wach. Ich gebe mich geschlagen. Auch Herr Müller wälzt sich nun aus dem Bett und verschwindet in Richtung Badezimmer. Kind 2 seinerseits geht los und weckt Kind 1. Wir sind immer noch vor dem Weckerklingeln. Kind 1 erscheint, bereits halb angezogen, auf der Bildfläche und verlangt Frühstück. Kind 2 räumt derweil die Sockenschublade aus.

In der Küche blubbert die Kaffeemaschine einen Wachmacher zurecht. Herr Müller kommt geschlurft und drückt mir eine Tasse in die Hand. Wir stehen stumm und müde voreinander und schlürfen uns wach. „Morgen!“ grüßt Herr Müller. Ich nicke schlapp.

Morgen ist Wochenende. Da klingelt kein Wecker. Da ist Ausschlafen angesagt. Zumindest theoretisch. Wir führen ein ernsthaftes Gespräch mit dem Sohn. Der hat sich Socken über die Hände gezogen und verspricht, ganz bestimmt auszuschlafen. Zumindest aber, nicht am frühesten Morgen dahergewandert zu kommen, um die ganze Familie aufzuwecken.

„Du kannst ja dann ein bisschen in deinem Zimmer puzzeln.“ schlage ich vor. „Jaaaaa!“ verspricht das Kind. Uns bleibt die Hoffnung, dass zumindest das Wochenende nicht vor 6 Uhr beginnen möge. Und wie es mit Hoffnungen so ist…

… sie sterben zuletzt.

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5 Kommentare zu “Guten Morgen…

  1. franhunne4u sagt:

    Selbstgemachte Pein. Weiß doch jeder, dass Ausschlafen mit Kindern nicht drin ist, bis deren Pubertät beginnt. EIN Kind von mehreren ist immer Frühaufsteher. Vielleicht hättet ihr Kind 1 zum Einzelkind … aber nu ist zu spät. Allerdings nicht zum Aufstehen. Das ist zu früh.

  2. epsilontik sagt:

    Pst, Frau Müller, wir haben es geschafft, unser Früh-auf-die-Welt-Komm-Kind und damit wahrscheinlich auf ewig ein Früh-Aufstehkind so zu konditionieren, dass es nicht nur LEISE aufsteht und den Frühstückstisch deckt. Nein. es nutzt die vielen einsamen Stunden am Morgen dazu, schon mal Brötchen zu holen oder sogar welche zu backen. Das Kind ist 9, ergo noch vorpubertär.

    Und jetzt das Geheimnis unseres Erfolges: LOBEN, HERZEN, KNUTSCHEN oder was bei ihrem Kind hoch im Kurs steht. Und auf keinen Fall rumnölen, wieso ausgerechnet Sie zu so einem vollkommen aus der Art geschlagenen Frühausteher-Kuckuck gekommen sind.

  3. menzeline sagt:

    Wie schön, dass bei mir diese Zeiten schon so lange vorbei sind.
    Was mich derzeit frühmorgens schon weckt, sind die blöden Papageien meiner einen Nachbarn, die Tag und Nacht auf dem Balkon stehen und Radau machen.
    Ansonsten haben Sie, liebe Frau Müller, mein tiefstes Mitgefühl und ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie jetzt am Wochenende ein wenig Ausschafen durften.
    Herzliche Grüße
    menzeline

  4. Anke sagt:

    Sehr schöne Geschichte.
    Sowas kennen wir zum Glück gar nicht. Unser Junior bleibt in seinem Bett bis wir zu ihm kommen, auch wenn er schon wach ist. Das ist ein Traum …

  5. ichnuwieder sagt:

    Geweckt wurde hier meistens so, das ein Kinderfinger sich stechend in mein Auge bohrte (schließlich muss man irgendwie prüfen, ob die Augen hinter dem Lid nicht doch schon auf sind…..) verbunden mit einem laut gekrähten „Mamaaaaaaaa- schläfst du noch?“………

    Dies goldige Kind war so lange Frühstaufsteher, bis es früh aufstehen _musste_ .
    Ziemlich exakt ab Einschulung war schlagartig länger schlafen toll und jedes Aufwecken ein Kampf…

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