Schlecht: Immer…

Die schlechteste Mutter der Welt zu sein ist ganz einfach. Es ist sogar so einfach, dass ich den Titel quasi als Dauerpokal mit mir herumtrage.

Neuester Grund zur Verleihung: Weihnachtsfeier(n).

Einem lustigen Zufall haben wir es zu verdanken, dass am Tag vor Nikolaus alle relevanten Weihnachtsfeiern auf einen Tag fallen. Und wir sprechen immerhin von drei Stück. Einerseits begeht der Hort der Schule eine Weihnachtsfeier, die sagenhafte 3 Stunden dauern soll und neben Kinderpunsch und Lebkuchen auch ein Rahmenprogramm beinhaltet, das die Kinder selbst gestalten. Aber auch  der Kindergarten hat an diesem Tag eine Feier geplant. So wandern Kinder und Eltern durch den Wald zum Haus des Nikolaus (fragen Sie nicht) und holen dort ihre Geschenke ab. Zu guter Letzt nun ist auch im Sportverein der Tochter Nikolaustreiben angesagt. Zu allen Festivitäten sind wir eingeladen. Und haben die Qual der Wahl.

Ich als Mutter denke da in erster Linie rational: Welche Feier geht mir am meisten auf den Senkel? Eindeutig der dreistündige Singspiel-Marathon. Drei Stunden sitze ich nur dann freiwillig in einem Saal voller Menschen, wenn „Herr der Ringe“ läuft. Ich unterschreibe also einen Zettel, auf dem wir versichern, dass wir leider nicht kommen können und gebe ihn der Tochter mit. Für Sportverein und Kindergarten losen derweil die Erziehungsberechtigten aus, wer welches Kind begleitet.

Gestern dann will ich Kind 1 im Hort abholen und werde zum Gespräch gebeten. Das Kind hat die Absage nämlich nicht abgegeben sondern mitgeteilt, dass man mit mir doch noch mal ein Gespräch führen muss. Dies tut nun die Hortbetreuerin. Das Kind hat sich nämlich justament für einen  Rolle im Singspiel gemeldet. Und will zur Weihnachtsfeier.

Ich weise auf die beiden anderen Festlichkeiten hin, auf die wir ebenfalls eingeladen sind. Da liegt Kind 1 aber schon am Boden und heult. Kind 2, das immer gern mitmacht, wenn Theater gespielt wird, fällt prompt ins Konzert ein. Um Schlimmeres zu verhindern, raffe ich meine Brut an mich und verlasse den Ort des Geschehens. Daheim angekommen kläre ich Kind 1 über die Alternativen auf. Interessiert nicht. Wir brechen das Gespräch ergebnislos ab.

Heute Nacht um 2 Uhr dann steht Kind 1 auf dem Flur und heult. Im kurzen Gespräch kann geklärt werden: Das Kind will jetzt nicht mehr auf die Schulfeier sondern lieber auf die im Sportverein. Zum Glück kann man das Kind wieder ins Bett bringen, bevor der Rest des Hauses aufwacht. Am Morgen beim Aufstehen ist sich das Kind dann nicht mehr ganz sicher über die eigenen Prioritäten. Bricht aber zur Sicherheit in Tränen aus.

Und hier stehen wir nun. Die Erwachsenen wollen am liebsten zuhause bleiben. Die Kinder am liebsten alle Weihnachtsfeiern gleichzeitig besuchen. Letzteres geht mit großen Emotionen einher. Besonders deshalb, weil es Kinderpunsch gibt. In zwei Tagen müssen wir uns entschieden haben. Und wir wissen bereits jetzt: Wir können nur verlieren…

Advertisements

16 Kommentare zu “Schlecht: Immer…

  1. Ach herrje…. Was ist mit Oma & Opa – ist das wer in der Nähe??? Die könnten sich an der Hortveranstaltung von Kind 1 erfreuen, der Papa geht mit Kind 2 und die Mama lost aus, ob sie sich zur 3. Veranstaltung aufraffen kann oder sich zu Hause bei Herr der Ringe vom Stress der letzten Tage erholen muss 😀

  2. Sofasophia sagt:

    Ich war auch immer das dritte Kind. 😦 Arme Eltern!!!

  3. Da hilft nur eins: Opossum Tage:
    Kinder bei den Großeltern parken, einschließen, tot stellen.
    Ich fürchte allerdings, das ist im Müllerschen Haushalt keine Alternative.
    Vielleicht fair auslosen?

  4. Wie niedlich… *gg* Dabei schmeckt Kinderpunsch doch gar nicht.

    Hier wird gar nicht mehr gewünscht, dass man zu den Weihnachtsfeiern vom Sportverein mitgeht. Da würden die Alten nur stören. An diesen Abenden ist lediglich Taxidienst angesagt. Den kann man zur Not auch mit der Jogginghose und ungeschminkt machen 😉

    Aber als die Kids noch kleiner waren, ging es hier genauso ab. Und ich erinner mich an einige fiese Weihnachtsfeiern im Turnverein. Es geht doch nichts über kleine Kinder, die völlig unkoordiniert mit Bändern und Bällen bewaffnet über eine Bühne hüpfen. Unter 4 Stunden ging da nix!

    Was ich damit sagen will: ES WIRD BESSER!!

    LG

    P.S.
    Das Problem mit den Theaterrollen hatten wir übrigens auch immer. Meine Kinder haben sich sogar immer für die Hauptrolle gemeldet. Und die Lehrer waren immer froh, dass sie zwei Dumme gefunden hatte, die gut auswendig lernen konnten und einigermaßen leierfrei sprechen. Da konnte man als stolze Eltern ja gar nicht weg bleiben. *soifz* Es war echt hart!

  5. franhunne4u sagt:

    Erstmal würde ich den Schwarzen Peter bei Hort, Kindergarten und Sportverein abgeben – wie kann es sein, dass diese drei Institutionen nicht vorher ihre Termine abstimmen?! Dann sollen sich diese drei bitte auch darum kümmern, dass die traumatisierten Kinder entsprechend gehätschelt werden. Wie kann man einer so jungen Seele nur zumuten, eine logische Auswahl zu treffen? Das grenzt ja an institutionalisierte Kindesmisshandlung!

  6. Praline sagt:

    Könnte das ein Grund für die seit geraumer Zeit grasssierende Kinderlosigkeit sein?

  7. missweber sagt:

    Liebe Frau Müller,
    Sie machen alles richtig.
    Ich war heute morgen die zweitschlechteste Mutter der Welt (den Titel will ich Ihnen nicht aberkennen), denn das Kind durfte nicht die dreckige Strumpfhose von gestern noch mal anziehen. Böse, böse, böse Mama!

    Miss W.

  8. Herbstzeitlose sagt:

    Und hier so: erst zur Schulfeier von Kind 1, dort sofort nach den Bühnenauftritt wieder los, kurz zur Schulfeier 2 und gleich nach dem Weihnachtswichteln weiter zur Sportweihnachtsfeier. Glücklicherweise fängt die erst eine Stunde später an. Anschließend Kindelein bei Oma+Opa abladen, selber umziehen und ganz fix aufhübschen und dann zur Büroweihnachtsfeier. Die Sportweihnachtsfeier 2 ist glücklicherweise erst am nächsten Tag.
    Dafür haben wir dann in den Folgewochen eine geruhsame Adventszeit.

  9. Paterfelis sagt:

    Es wäre doch jetzt nur fair, alle gleich ungerecht zu behandeln und keine der Feiern mit der eigenen Anwesenheit zu beehren. Ja, ich bin böse, ich weiß.

  10. Jutta sagt:

    Ein warmes, ganz und gar egoistisches Gefühl mit der Überschrift „Wie schön, bei anderen geht es auch wild zu“ durchströmt mich.
    Ich kenne diese Szenen, wenn Töchterlein BEIDES auf einmal will und mir ein heulendes „aber ich kann mich nicht entscheiden“ hinwirft.
    Mitfühlende Grüße und ein dennoch entspannten Sonntag
    Jutta

  11. […] wie es ihr drei am gleichen Tag stattfindende Weihnachtsfeierlichkeiten ermöglichen, den Titel als ‘Schlechteste Mutter der Welt’ zu verteidigen. Wenigstens ein Erfolg, wenn man schon bei den Kindern nur verlieren kann, weil man eine der Feiern […]

  12. Yummy Mummy sagt:

    Hihi, das ist ja ganz schön tricky. Toll auch, wenn die Kinder selbst nicht wissen, wo sie denn am Liebsten hinmöchten ;-). So kannst du dich wenigstens schon mal darauf vorbereiten, dass ihr auf jeden Fall die „falsche“ Entscheidung treffen werdet. Um deinen Ruf weiterhin erfolgreich zu verteidigen, solltest du jetzt schon mal für Ohropax sorgen, damit du dich herzlos entspannen kannst, wenn das große Drama über dich hereinbricht 😉
    Dabei wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg und dass deine Kinder (so wie meine) schon in Kürze wieder vergessen haben, was ihre Welt eben noch untergehen ließ.

Hier Senf dazugeben:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s