Neulich nächtlich…

Oma Hilde ist die Heldin des Rentnerviertels. Aber sowas von. Sie hat den Penner gestellt, der seit Tagen abends und nachts in ihrem Garten herumirrt und dabei Geräusche macht, als leide er unter schlimmem Asthma. Ihren Apfelbaum plündert er übrigens auch, der Vandale. Und wenn sie es nicht besser wüsste, sie würde sogar behaupten…

Aber von vorn:

Oma Hilde, gesegnete 82 Jahre alt, verwitwet, 2 Kinder, 3 Enkel, noch kein Urenkel, kann nicht mehr so gut gucken. Dafür aber hört sie wie ein Luchs. Außerdem schläft sie nachts immer bei geöffnetem Fenster, weil das vor allerlei Unbill schützen soll – allem voran Krankheit. Und so begab es sich, dass sie eines Nachts plötzlich unheimliche Geräusche hörte. Da schlich jemand herum. Ganz eindeutig. Jemand mit einem schlimmen Lungenleiden. Der flink telefonisch kontaktierte Nachbar indes fand niemanden vor. „Mach Fenster zu, Hilde!“ rief er noch, bevor er wieder seiner Wege ging.

Am nächsten Abend jedoch – wieder Lärm. Schnaufen. Rumpeln. Alles sehr unheimlich. Dieses Mal machte Oma Hilde das Fenster dann wirklich zu. Für den Fall, dass Einbrecher auch klettern können. Ruhiger schlief sie aber nicht.

Gerüchten zufolge soll sie eines Abends sogar Unflätiges aus ihrem Fenster gerufen haben – zur Abschreckung quasi. Genützt hat es aber nicht. Als der Abendgast dann auch noch anfing, das extra für die Nachbarskatze rausgestellte Trockenfutter zu klauen und das zum Mosten bestimmte Fallobst unterm Apfelbaum zu essen, wurde es ihr endgültig zu bunt.

Oma Hilde schnappte sich ihren Schrubber und eine Trillerpfeife (weil Gerüchte besagen, dass Gesindel sich am Besten mit wildem Getrillere vertreiben lässt. Das hatte damals auch schon bei den lästigen Werbeanrufern der Telekom bestens gewirkt) und wagte sich hinaus.

Und dort stellte sie ihn dann – die Nachbarn sind Zeuge – einen…

Igel.

Riesig sei er gewesen, hieß es später. Mopsgroß! Ungelogen! Und hätte Oma Hilde nicht todesmutig in ihre Pfeife gepustet, wer weiß, was passiert wäre… Der Stechling gab Fersengeld und Hilde musste erstmal einen Schnaps trinken. Auf Ex.

Seitdem ist sie die Heldin der Nachbarschaft. Denn ihre Geschichte schlägt sogar die von den kopulierenden Füchsen, die letztes Frühjahr beim Aldi für einen Polizeieinsatz gesorgt haben. So ein poppender Fuchs macht zuweilen nämlich Geräusche, die an ein Gewaltverbrechen denken lassen.

Aber so ein schnaufender, Äpfel essender und Trockenfutter klauender Monsterigel toppt natürlich alles…

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8 Kommentare zu “Neulich nächtlich…

  1. franhunne4u sagt:

    Igel sind in der Tat schrecklich asthmatisch laut beim Atmen, das kann man schon mal verwechseln.

  2. Igel schnaufen auch beim Sex. Hab ich mal zugehört, als die mal vor Jahren neben meiner Terrasse versteckt hinterm Busch zugange waren. Zuallererst dachte ich, da steht irgendwo ein Wüstling und bedient sich selbst. Und weil ich dort mit Bruder auf der Terrasse saß, hatte ich auch keine Angst. Bis wir dann aber eben feststellten, dass das halt… ein Igelpärchen war 🙂

  3. Inch sagt:

    Also ich finde ja Schildkröten am allerschlimmsten

  4. DasKleineTeilchen sagt:

    tja, so sind die viecher eben; die sind noch laut beim f***en; würde ich mir durchaus auch bei den meisten meiner mitmenschen wünschen, wenn die sich ihres ungezügelten, lustvollen genetischen erbes erinnern würden.

    und oma hilde soll gefälligst die igel in RUHE lassen, der winter kommt & die viecher brauchen vorräte. „heldin“ my ass, auch mit 80 kann man noch reflektieren.

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