Eingeschult…

Wenn eine Horde zwergiger Gestalten in Warnwesten durch den Morgennebel wandert: Jawohl, dann ist Einschulungstag. Hier in Bayern beginnt die Schule aus mir völlig schleierhaften Gründen mitten in der Woche. Wo anderorten schon mal an einem Samstag eingeschult wird und die ganze Familie an diesem Happening teilhaben kann, muss man hier im Weiß-Blauen extra Urlaub nehmen, damit man sein Jetzt-Schulkind zum ersten Schultag begleiten kann. Dementsprechend wenige Verwandten nehmen teil.

Alle sind unfassbar aufgeregt, das schon mal vorweg. Kind 1 kriegt am Frühstückstisch kaum das extra mit viel Liebe und noch mehr Nutella gemachte Brot runter. Die Schultasche wurde gestern bereits gepackt, wird aber noch einmal gecheckt. Nur zur Sicherheit. Man weiß ja nie… Die Eltern stellen derweil das mehrere Kilogramm schwere Paket mit den benötigten Schulutensilien bereit. Das muss nämlich gleich mit zur Schule getragen und in den Spind und Schreibtisch des Kindes einsortiert werden. Sogar zwei Paar brandneue Hausschuhe haben wir besorgt – eines für die Schule, das andere für den Hort.

Dann geht es los: Gottesdienst. Punkt 8 Uhr. Leider für alle Beteiligten ziemlich doof, weil arschlangweilig. Begräbnisstimmung macht sich breit. Das kommt davon, wenn man Laien einen Gottesdienst leiten lässt. Das Kind guckt so mittel und fragt zum achten Mal in Folge, ob man nun endlich den längst fälligen Blick in die Schultüte werfen kann. Wir schütteln den Kopf. Frühestens in der Schule. Das Kind ist die nächste halbe Stunde eingeschnappt, aber auf diese Weise geht wenigstens der immer fieser werdende Gottesdienst rum.

Dann stehen wir auch schon auf der Straße und gucken dumm in der Gegend herum. Eigentlich geht es jetzt geschlossen zur Schule, aber die versprochene Musikkapelle, die den Zwergenmarsch anführen soll, fehlt. Die Eltern von Timothy-Carven wandern kurzentschlossen ohne musikalische Begleitung los. Einige Ratlose schließen sich an. Wir beschließen mitzulaufen. Auf diese Weise erreichen schließlich sechzig ABC-Schützen samt Anhang die Schule. Die Musikkapelle bleibt verschollen.

Am Schulgebäude angekommen, stopft man uns erst einmal in die Mensa. Kinder singen, ein Mann hält eine Rede, die Kinder werden in drei Gruppen aufgeteilt und verlassen den Saal. Zurück bleiben geschätzte 456 Angehörige. Und das zwei Stunden lang. Man reicht Kuchen und Käffchen. Die Sonne scheint. Opas machen Fotos von stolzen Müttern. Omas begucken den Schulgarten. Tanten stellen sich nochmal an der Kuchentheke an und Väter schauen auf die Uhr. Um elf Uhr dann dürfen wir unsere Kinder aus ihren Klassenzimmern abholen. Die gucken ziemlich erschrocken, antworten auf die Frage „wie es denn war“ aber tapfer mit „Gut!“

Dann ist der erste Schultag vorbei. Wir springen noch schnell beim Hort vorbei und lassen uns den Hausaufgabenraum zeigen. Kind 1 bekommt einen hübschen Platz am Fenster. Andere Kinder müssen auf Wände gucken. Dann dürfen wir nach Hause. Kind 1, das sich heute das Mittagessen aussuchen darf, brüllt hysterisch „Pommeeeeeeeeeeeeeeeees!“ Wir beugen uns und hoffen, dass wir nicht die einzigen Penner sind, die am ersten Schultag mit dem Kind zum Burgerbrater gehen.

Zuhause angekommen darf dann endlich die den ganzen Tag herumgeschleppte Schultüte geöffnet werden. Kindliches Jubelgeheul. Wir hocken uns im Kreis hin und dürfen jeder einen Bonbon nehmen, bevor Kind 1 alles wieder einsammelt und den Einschulungstag für beendet erklärt. Überhaupt braucht die Brut jetzt ihre Ruhe.

Ab Morgen dann Ernst des Lebens…

Advertisements

24 Kommentare zu “Eingeschult…

  1. sweetkoffie sagt:

    Hier in NRW wird auch mitten in der Woche eingeschult … deltsam :-/

  2. einfachtilda sagt:

    Bei uns immer am Samstag 🙂

  3. franhunne4u sagt:

    Ich find in der Woche ok – dann artet das wenigstens nicht in eine mittelgroße Hochzeitsgesellschaft aus, wenn es doch reicht, wenn Mama oder Papa dabei sind. Ich bin mit meiner Oma hin und alles war gut.

  4. Huch, mitten in der Woche? Kenn ich gar nicht, hatte ich ja zweimal Schwein 🙂 Na dann – viel Glück und Freude die nächsten 10 oder 12 Jahre 😉

  5. streepie sagt:

    Baden-Württemberg macht auch Samstag Einschulung – damit die Patentante auch kommen kann 😉

    Wir haben auch dieses Jahr eingeschult, aber in Frankreich. Da bringt man sein Kind morgens um halb neun hin, und sammelt es nachmittags um halb fünf wieder ein. Zur Feier des ersten Schultages macht man dann abends Hausaufgaben und bindet alle Bücher ein.

    Kind hat der erste Schultag trotzdem gefallen 😉

  6. kalesco sagt:

    Hm, in Österreich vor naja nicht allzu langer Zeit (kommt immer drauf an womit man vergleicht…) ging das so: erster Schultag ein Montag (was sonst?!), Mama war dabei, Gottesdienst, Platz in der Klasse ausgesucht, Namenkärtchen geschrieben – wenn es mehr als ein Kind mit dem Namen gab, wurde dann ein Sternchenkind erfunden (also *Sandra beispielsweise, gesprochen „Sternderlsandra“), bisschen erzählt bekommen. Das ging ungefähr bis Mittag und dann durfte man heim, voller neuer Eindrücke.

    So war das zumindest im Dorf, vor 26 Jahren so um den Dreh. Keine Ahnung ehrlich gesagt wie das jetzt ist, aber ich hab das Gefühl, dass das (noch immer) kein Familienhappening ist.

    Schultüte gab’s aber! Und Bücher einbinden auch (wie bei streepie in Frankreich).

    • Rufus sagt:

      Wie wohl die Schreib-Azubis ihren Namen geschrieben haben… 😉 Naja, egal, aber im schönen Österreich es läuft wenigstens sehr entspannt und natürlich ab.

      Mittlerweile darf natürlich auch schon der Mann von Welt dabei sein (wie bei der Geburt, öhm und davor natürlich 😉 )

      Und bis Mittag ist natürlich Nichts – 1 Stunde, dann noch der Gottesdienst (auch für die Ungläubigen) und dann ist Sense. Ab ins Gasthaus – natürlich.

      Bücher einbinden dürfen natürlich nur technisch versierte (Männer).

      • kalesco sagt:

        Das Schreiben wurde nur von den begabten Kindern durchgeführt. 😉 Sonst schrieb die Frau Lehrerin. (bei uns, da gab’s auch keine Herr Lehrer)
        Mitgehen hätte der Papa schon auch dürfen, aber Großeltern, Tanten, Onkel, Patenmenschen…? Und das mit den technisch versierten – da lass ich andere drüberhauen.

  7. Hier in Dubai wird gar nicht eingeschult. Die Erstklässler gehen einfach am ersten Tag nach den Sommerferien in die Schule – ohne Tüte, Musikappelle, Verwandte, Kaffee, Kuchen oder sonst irgendwas. Nachmittags werden sie wieder abgeholt. Bücher, Stifte und anderes Zeug stellt die Schule. Muss gestehen, ich finde das prima, hoffentlich kriegen meine Kinder nie raus, was für ein Fest die Einschulung in Deutschland für sie gewesen wäre…;-)

  8. Steffi sagt:

    Wir waren auch in der Burgerbraterei an diesem Tag, schließen uns also gerne dem Pennerclub an. Alles andere war zu oder voll, und das Kind hat sich gefreut. So isses, das Leben…
    Ich wünsche allen Beteiligten eine wunderbare Schulzeit!

  9. Auch wenn es etwas altmodisch ist, herzlichen Glückwunsch an Kind 1 zur Einschulung aus dem hohen Norden, wo noch Sonnabends eingeschult wird, wie sich das gehört 😉

  10. iTanni sagt:

    in Hessen findet das immer Dienstags statt. Mit Gottesdienst wer mag, aber viele Migranten machen das erst gar nicht mit. Und das Nutella Brot/Brötchen darf man hier schon gar nicht mehr erwähnen – die NICHT Ökotrophologische Lehrerin verbietet auch Salamibrötchen. Willkommen in der Schul-Hölle und dem Kindelein eine feine Schulzeit! 🙂

    • Frau Müller sagt:

      Wir hoffen jeden Tag, dass das Kind morgen wieder hingeht… Stellen Sie sich mal vor, die Brut steht eines Morgens auf und sagt: So, ich bin fertig mit der Schule. sollen die ihren Scheiß doch alleine machen…

Hier Senf dazugeben:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s