Still…

Sagen Sie mal: Ist es bei Ihnen auch so still? Ich meine: Still trotz Fußball? Alle vier Jahre war hier in der Gegend ja bislang großes Trallala angesagt, wenn im Fernsehen Männer einem Ball nachhetzten. Da wurde bei jedem Tor auf den Balkon gerannt und urgeschrien. Da verkleidete man sein Auto und drückte beherzt auf die Hupe, wenn einem ein anderes Gefährt mit Deutschlandfahnen begegnete. Im Supermarkt kloppte man sich um Chipstüten und Bierkästen. Und der Grill war quasi ständig an – weil man beim Fußballgucken am besten Fleisch isst.

In dieser Fußballsaison ist es nahezu unheimlich still. Tore werden nicht beschrien. Die Autos sind merkwürdig nackig. Kein einziges Feuerwerk am Himmel. Natürlich könnte es daran liegen, dass wir gerade mal vor dem Viertelfinale stehen. Und 60 Jahre nach dem „Wunder von Bern“ will vielleicht auch so recht keiner ins Karma hineinjubeln. Aber ein bisschen eigenartig ist es schon.

Andererseits – und auch das muss man ernsthaft in Betracht ziehen – wohnen mittlerweile viele junge Familien hier. Mit Klein- und Kleinstkindern. Da muss man sich oft entscheiden: Lieber Fußball gucken oder doch schlafen gehen. Und die Rentner der Umgebung: Die wollen sowieso ihre Ruhe haben…

Nun habe ich persönlich – ich muss es ehrlich zugeben – kein Problem damit, dass es ruhig zugeht. Schließlich sind wir alle erwachsen und Freudentänze auf Dorfkreuzungen sind jetzt auch nicht unbedingt das, mit dem man sich am nächsten Tag im Supermarktklatsch wiederfinden will. Vielleicht brandet die Feierlaune aber auch erst später auf. Ab heute Abend zum Beispiel. Wenn nichts dazwischen kommt, wenn Sie verstehen, was ich meine…

 

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9 Kommentare zu “Still…

  1. Silberdistel sagt:

    Hier ist es ähnlich ruhig. Auch im Straßenbild sieht man die deutschen Farben eher selten leuchten – weder an Autos noch sonst. Das gab mir auch schon mächtig zu denken. Wenn ich an den Jubel der letzten WM denke, dann ist hier im Vergleich zu damals so etwas wie nahezu himmlische Ruhe bei jedem Spiel. Vor Jahren noch wurde man, auch ohne vor Fernseher oder Radio zu hocken, bestens über jegliche Spielstände informiert – lauthals über mehrere Gärten hinüber – völlig ungefragt. Wo ist das nervende Getute, erschreckende Geschrei, wo sind die Silvesterknaller geblieben? So schön die Ruhe ist, irgendwie irritiert sie mich auch – sie ist so unheimlich 😉
    Liebe Grüße von der Silberdistel
    P.S. Aber es gibt herrliche WM-Kuchen. Wenigstens die Bäcker legen sich ins Zeug, obwohl auch die leise dabei sind 😉 Aber das ist in Ordnung. Ich will ja die WM-Schnitten auch in Ruhe genießen 😉

  2. Petra Zarske sagt:

    Hier ist es auch erstaunlich ruhig, früher hörte man die Nachbarn „Tooooor“ brüllen und jetzt ist nix, merkwürdig.

    LG

    Petra

  3. MamaBeate sagt:

    Ich hatte mich auch schon gewundert, aber ich dachte, es sei vielleicht nur hier bei uns so ruhig…
    LG Beate

  4. franhunne4u sagt:

    Ich glaub, die, die laut werden wollen, sind alle bei dem, was der Deutsche Leichenschau nennt – nur auf Englisch halt – public viewing – bei mir im Haus wohnen nämlich auch Fußballfans und man hört KEINEN Torschrei! (Wieso ich sagen kann, dass hier Fußballfans wohnen? Weil eine Türmatte einem Fußballfeld nachempfunden ist mit der Aufschrift Heimspiel und Auswärtsspiel – ziemlich deutliches Zeichen, das nicht mal ich übersehen kann.)

    • Stina sagt:

      Hihi, das mit der Leichenschau hat mich auch schon amüsiert. Witzig find ich auch den Leichensack, hierzulande liebevoll bodybag genannt.

      Gestern Abend wurde hier in der Nachbarschaft ein Feuerwerk gezündet und anschließend fuhren einige Fußballfans mit lärmenden Gehupe durch unser kleines Dorf. Selbst die kleinen Kinder in der Nachbarschaft lärmten mit Trillerpfeifen um die Wette. Mit Ruhe ist es hier also nicht weit her, aber ehrlich gesagt stört mich das ganze Fangetue nicht die Bohne. Ich amüsiere mich sehr über meine Mitmenschen.

  5. feuerpferdle sagt:

    Hier quäken auch nur einzelne verzweifelte Vuvuzelas, einmal, zweimal, ansonsten Ruhe. Wenn ich da an die WM 2010 denke… Hab mich auch schon gewundert…

  6. jukefrosch sagt:

    Das würde ich auch gerne behaupten, aber in unserer Nachbarschaft bricht der dritte Weltkrieg aus, wenn ein Tor fällt. Genug Leute scheinen extra einen Haufen Böller von Silvester übrig behalten zu haben, um diese dann entsprechend abzubrennen. Auch gerne nachts um eins.

    Zum Glück kommt unser Kind erst im Herbst auf die Welt. So schlafe nur ich schlecht. 😉

  7. Aprilwetter sagt:

    Bei den 18Uhr-Spielen geht wie gehabt die Post ab und irgendjemand hat sogar noch seine alte Vuvuzela aufgehoben. Aber bei den Spätspielen herrscht Totenstille. Kein Böller, kein Getröte. Nix. Passt mir gut, weil ich bei jedem Spätspiel zuverlässig einschlafe und es mir schon davor graut, was ich machen soll, wenn die WM vorbei ist. 😉

  8. BlogDog sagt:

    In unserer Gegend ist es wie auch 2010: jedes Tor wird frenetisch bejubelt, unterstützt von Tröten, Pfeifen und – man glaubt es kaum – Vuvuzelas.

    Auch die fahrenden Fans haben ihre Gefährte geschmückt, sei es an den Spielgeln, mit Fahnen oder Deutschland-Schals. Ich war sogar (als Nicht-Fußballfan!) zweimal beim public viewing, um das deutsche Team in großer Gemeinschaft zu unterstützen. Das Viertelfinale wiederum verfolgte ich während meines Trainings am Radio – voll RETRO!

    Bei uns ist also nix mit Stille Frau Müller 🙂

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