Gekickt…

Ach Gott ja… Fußball… und auch noch Weh Emm. Alle Welt trägt grün-gelbe Farbkombinationen und, glauben Sie mir, nur den Wenigsten steht das überhaupt. Ein Nachbar outet sich letztens promt als Brasilianer. Bei näherer Stocherung im Thema stellt sich dann aber nur heraus, dass die Oma der Cousine irgendwann wohl mal… lassen wir das.

Im Kindergarten werden Fußballbilder getauscht. Und unsereins lernt, dass es nicht nur Fußballtrainer gibt sondern auch solche, die den Torwart trainieren. Doch! In echt! Selbstverständlich kommt dieser Vortrag von einem Fünfjährigen, der sich prompt anbietet, Elfmeter und Schwalbe zu erläutern. „Weiß ich doch alles“ lüge ich im Affekt und setze ein belesenes Gesicht auf. Ich komme gerade so davon, denn mein kleiner Gesprächspartner bemerkt, dass der Sandkasten nicht fachgerecht umgegraben wird und muss eingreifen.

Nachts brüllt es nun manchmal. Schmerzensschreie sind darunter, Gejubel und alles dazwischen. Greift man bei derartigem Geräusch sonst üblicherweise zum Telefon und wählt die Nummer von Polizei und Notarzt, lehnt man sich nun zurück und lässt Vermutungen über Spielstände im Raum umhergehen. Nebenher guckt man sich an, was die Fernsehsender ohne Sportprogramm so zu bieten haben. Über das Ergebnis des Spiels lässt man sich dann via Twitter unterrichten. Man will ja am nächsten Tag mitreden können. Oder müssen…

„Wie lange geht die Weh Emm denn?“ will ich letztens wissen. Betretenes Schweigen. Nichtfußballfans haben es schwer dieser Tage. Selbst, wenn man nur ein harmloses Deodorant im Drogeriemarkt um die Ecke kaufen will, wird einem fußballiges aufs Auge gedrückt. Oder in die Einkaufstüte gesteckt. So finde ich einen „Deutschlandstift“ bei meinen Einkäufen, mit dem sich flink kleine schwarz-rot-goldene Fahnen auf Wangen und Arme schminken lassen. Kind 1 jubelt und will das Schminkutensil haben. Die Folge ist ein dreifarbiges Kind 2. Unsere Freude hält sich in Grenzen.

Kind 2 übrigens, mitten drin in zukunftswichtigen zerebralen Entwicklungsprozessen, ist schon total irre und vertraut dem Aberglaube, das „Runde müsse ins Eckige“ aufs Wort. Das Steckspiel, in dem kleine Plastikformen in die dazugehörigen Öffnungen passen müssen, scheint kaputt. Denn das Runde passt mitnichten ins Eckige.

Meine Freundin Sandra, auch Nichtfan, sieht es dagegen pragmatisch. So sind die Fußballer doch in der Mehrzahl ganz fesche Burschen und das sei halt die Entschädigung für die eher langweiligen und bierlastigen Männerabende, die ihr Lebensabschnittsgefährte derzeit ausrichtet. Und wo die Männer auf den Ball gucken, guckt Sandra eben auf die Wade. Angeblich können auch Männerbeine sexy sein. Sagt sie.

Rechne ich richtig, hält der Ausnahmezustand Fußball noch vier Wochen an. Kriegen wir hin. Und das sicher auch ohne Begeisterung für Ballsportarten und dergleichen…

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8 Kommentare zu “Gekickt…

  1. franhunne4u sagt:

    Unter Bloggern scheint es ausnehmend viele WM-Hasser zu geben. Gerade gestern las ich ein Blog, in dem Fußball und Religion verglichen wurde – mehr Leute gehen immer noch sonntags in die Kirche als auf den Fußballplatz. Trotzdem würden nicht 4 Stunden Kirche im TV übertragen, aber locker mal eben 4 Partien Fußball …
    Ich sach immer, wer das nicht will, geht halt ins erfreulich leere Kino, gemütlich ins Restaurant gehobener Natur (da gibt es dann auch kein TV) oder liest mal wieder ein Buch. Mit Ohrenstöpseln. Ach nee – geht bei Müllers ja nicht, mit nem Kind, dessen Alter noch in Monaten gemessen wird.
    Ich wette, die lange Nacht der Museen war gestern auch nicht voll bei uns – wäre ja hingegangen, aber ich gönne mir gerade mein ganz eigenes Anti-WM-Programm. „Sommergrippe“

  2. Hätte man zu Hause nicht Kinder zu hütten , und wegen arbeit früh ins bett zu gehen ķönnte man wirklich entspannt essen gehen , kino etc. 😉
    So hab ich zwar jeden Tag Fußball zu ertragen , aber auch den Laptop abends für mich, und konnte beim blogrunden drehen deinen Blog entdecken.
    Cool hier , hab schon tränen gelacht !
    Ich bleib mal hier ….
    lg bibi

  3. Birgitt sagt:

    …über Frau Weibsvolk hierher gefunden und vergnüglich durchgescrollt…ich komme gerne wieder, denn das Augenzwinkern gefällt mir…

    LG Birgitt

  4. Dass WM ist, merke ich eigentlich nur an den dreifarbigen Fähnchen im Supermarkt. Da ich weder einen Fernseher noch einen fußballbegeisterten Mann oder Sohn besitze, bleibt mir das alles angenehm fern. Sowieso irre, wie sehr ein paar Spiele auf der anderen Seite des Globus plötzlich alle beschäftigen.
    Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Fußball und Religion ist aber ein gutes Stichwort. Das kann ich prima in meinen Unterricht einbauen (Werte und Normen). Danke für die Idee! 🙂

  5. […] 99,879% aller Produkte mit Fußbällen werben) nicht sonderlich viel abgewinnen können, sei der Artikel von Frau […]

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