Planspiel Abendessen…

Plant man, nach langer Abstinenz, mal wieder auszugehen, kann das schon eine Aufgabe sein.

Zuallererst der Babysitter. Der wundert sich ein bisschen, dass man sich einmal wieder meldet, will dann aber nicht kommen. Und zwar nicht nur heute sondern gar nicht mehr. In der Zwischenzeit wohnt der Sitter nämlich nicht mal mehr ungefähr in der Nähe. Sondern, im Rahmen des gerade  frisch gestarteten neuen Lebensabschnitts, an etwas, das sich Studienort nennt.

Auf die Schnelle jemanden aufzugabeln, den man a) kennt, b) mag und der c) auf die Kinder aufpassen möchte, ist schwierig. Zum Glück aber gehen unsere Kinder in einen Kindergarten. Und da wimmelt es von Babysittern. Wir sind gerettet. Zumal der neue Babysitter andeutet, dass er auch zukünftig gebucht werden darf.

Mit frisch gelöstem ersten Problem machen wir uns auf den Weg zu Aufgabe Nr. 2 – Kino oder Essen. Nach Sichtung des Kinoprogramms einigen wir uns auf ein Restaurant. Denn die Filme derzeit sind alle doof. Was aber auch am Müllerschen Filmgeschmack liegen kann.

Frisch gestärkt zu Aufgabe 3: Tischreservierung. Das erste Restaurant lässt auf dem Anrufbeantworter wissen, dass man jetzt und in Zukunft nicht mehr aufmacht, wenn Müllers essen gehen. Der hippe Japaner ist komplett ausgebucht. Im Hintergrund lacht einer, als wir nach einem Tisch fragen. Bleibt der Landhausstil mit saisonaler Küche. In der Vergangenheit immer sehr gut, aber auch recht expensiv. „Los!“ sagt Herr Müller. „Heute hau´n wir einen raus!“ Gebongt. Landhaus, wir kommen. Wir lassen uns für einen Tisch vormerken.

Nr. 4: Klamotten. Männer haben es generell leichter. Die machen den Schrank auf, greifen nach Hemd und Hose und sind angezogen. Sitzen dann da, konsultieren auffallend oft den Zeigerstand ihrer Armbanduhr und warten auf ihr Eheweib. Das steht vor dem Schrank und muss sich überlegen, ob es schon warm genug ist für ein Kleid. Und ob noch eine Strumpfhose da sind. Ob die besser schwarz oder transparent sein sollte. Ob man einen Shaper drunter zieht oder lieber doch nicht. Und nicht zuletzt, welcher Schuh zu welchem Kleid passt.

Das schlussendlich ausgesuchte Kleid sieht auch ohne formende Unterwäsche gut aus. Womit bewiesen wäre, dass sich das Anfang des Jahres erstandene Laufband bereits bezahlt gemacht hat. Die Renovierungsarbeiten oberhalb des Halses sind ein wenig aufwändiger. Herr Müller ruft nochmal hoch. Auch der Babysitter ist bereits eingetroffen und wenn wir nicht bald loskommen, ist der Tisch weg. Herr Müller weist den Babysitter in die Nutzung von Fernseher und Videorecorder ein, schreibt relevante Telefonnummern auf und verrät, wo Chips und Limo stehen.

Die Kinder jetzt noch schnell ins Bett zu werfen, ist die letzte Aufgabe des Abends. Merke für das nächste Mal: Erst Kinder schlafen legen, dann tolles Kleid anziehen. Auf diese Weise erspart man sich Popel am Ärmel.

Der Nagellack wird schnell im Auto aufgetragen. Dann kann´s losgehen.

3 Stunden Freiheit: Wir kommen.

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9 Kommentare zu “Planspiel Abendessen…

  1. franhunne4u sagt:

    Ja, manchmal braucht man einfach Abende, in denen man nicht Eltern ist.

  2. Habe auch bei uns festgestellt, dass die Ansprüche an Kinofilme enorm steigen, wenn man eine Babysitterin angeheuert hat. Umgekehrt redet man sich auch gerne schlechte Filme schön, weil man ja vorher eine Babysitterin angeheuert hat.

  3. Ich finde es unerhört, dass Babysitter einfach wegziehen und neue Lebensabschnitte beginnen. Haben Sie das genehmigt?

    Das Problem mit dem Kinoprogramm haben wir auch häufiger. Erschwerend kommt hier dazu, dass unsere Babysitterin nur in Ausnahmefällen länger als bis 21:30 Uhr Zeit hat – das reicht nicht für ’nen Kinobesuch. Und wenn sie dann mal Zeit hat, läuft nichts und wir müssen schoooon wieder essen gehen.

    Ich hoffe, das Essen hat geschmeckt und Sie haben die Freiheit genossen.

  4. Wolfram sagt:

    Was bitte ist ein Shaper? Eine flinke Google-Suche führte mich in den Werkzeug- und Maschinenhandel…

  5. BlogDog sagt:

    Ein sehr gut geschriebener Artikel Frau Müller. Dieses Szenario kommt mir doch sehr bekannt vor. Sie pendelt zwischen Spiegel und Schrank, Er checkt noch mal seine Emails. Wir sind also doch nicht so anders wie andere 🙂

    Und solche Abende ohne Kinder, ohne „Mama ich muss noch mal aufs Klo“, ohne „Papa das ist kaputt gegangen“, ohne „Hallo, ich habe jetzt Hunger“, die brauchen Eltern einfach. Nur leider nimmt man sich dafür oft zu wenig Zeit. Wir sind ja auch gerne Eltern 🙂

  6. […] den Supermarktbesuch zum Eventshopping macht, Frau Müller, die von den Herausforderungen berichtet, einen gelungenen Abend zu gestalten, wenn man einen Babysitter bestellt hat, oder Tina von […]

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