Ganz mütterlich…

Mütter sind zuweilen ganz arme Schweine.

Letztens sitze ich da und ertappe mich dabei, wie ich die Reste vertilge, die Kind 2 im Rahmen seines Abendessens übrig gelassen hat. Herrn Müllers besorgte Frage, ob ich nicht lieber „etwas richtiges“ essen möchte, beantwortet mein Mund ohne Zutun des Hirns mit: „Ne, lass mal.“ Dass das, was ich da speise, aus briefmarkengroß geschnittenem Brot besteht, welches vom Kind bereits ausgiebig auf seine Konsistenz getestet worden ist, erzähle ich Ihnen besser gar nicht. Auch Knetbrot kann man noch essen… und man will ja nichts verkommen lassen. Überhaupt das Resteessen. Als die Brut noch kleiner war, bestand meine Tagesration an Kalorien oft aus dem Bodensatz von Babygläschen, halben Keksen und mindestens eine halbe Stunde in der Faust herumgetragenen Obststückchen. Dass das unter Umständen Bäh ist, kam mir gar nicht in den Sinn. Übrig gebliebenen Schmadder zu vertilgen, ist eben nicht halb so widerlich, wenn es in der Familie bleibt.

Weil das aber nicht ausreicht, läuft man als Mutter auch immer Gefahr, in irgend einer Art und Weise angeschmutzt aus dem Haus zu gehen. Besonders jemand wie ich, die gern schwarz trägt, muss bei einem gerade hüfthoch gewachsenen Kind stets damit rechnen, dass die Finger am mütterlichen Hosenbein abgewischt werden. Was dann einen hübschen Kontrast zum eigentlich perfekten Outfit abgibt. Auch kleine Nasen werden zuweilen am T-Shirt geputzt. Trocknet der Rotz dann an, sieht man aus wie der Betreiber einer Schneckenfarm. Bringt man seine Kinder so in den Kindergarten, ist das erstmal noch nicht so schlimm. Denn die anderen Mütter kennen das Dilemma und können über Rotzflecken hinwegsehen. Erscheint man allerdings mit Kinderhandabdrücken, Popelfäden und angetrockneten Kekskrümeln auf den Klamotten in der Arbeit, ist es mit dem Verständnis unter Umständen ganz schnell vorbei. Mitdenker haben aus diesen Gründen gern Ersatzklamotten in der Schublade. Frau Müller gehört nicht dazu…

Zumindest bin ich mit wachsenden Kindern mittlerweile wieder in der Lage, hohe Schuhe anzuziehen. Die Zeit, als man noch ständig flitzen musste, um die Brut vor allerlei Unbill zu bewahren, ist beinahe vorbei, so dass ich nicht mehr ganz so schnell sein muss. Und auch Schmuck lässt sich so langsam wieder tragen. Denn Ketten dienen nicht länger als Haltegriff für die kindlichen Finger und auch meine Ohrringe verlieren für den Nachwuchs zunehmend an Reiz. Nur mit Kleidern muss ich noch ein bisschen aufpassen. Denn gerade letztens hat Kind 2 wieder versucht, sich vor der neuen Kindergartentante unter meinem Rock zu verstecken… Was immer zu großen Lachern führt. Immerhin…

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13 Kommentare zu “Ganz mütterlich…

  1. frdrseltsam sagt:

    Große Geschwister sind auch Schmadder-Vertilger… Ich kenne und teil(t)e Ihr Leid also, meine Werte! :mrgreen:

  2. chh1975 sagt:

    Und wenn die Kinder älter sind und zur Schule gehen, sind die Eltern dann dafür zuständig die Reste der Pausenbrote zu vertilgen, die dann auch meistens über eine gewöhnungsbedürfige Konsistenz verfügen. Habe schon überlegt, die Stullen der Einfachheit halber bereits morgens selbst zu verputzen. Dann sind sie wenigstens noch frisch!

  3. sweetkoffie sagt:

    Das wird alles wieder anders … Ich schwöre!!! 🙂

  4. franhunne4u sagt:

    Ich weiß noch, wie ich als Kind die Reste verknusperte, die mein Opa von der Arbeit wieder mitbrachte – Hasenvesper – meine Schwester kannte das vom Vater. Uns war es das Leckerste.

  5. Mamatanzt sagt:

    Nächstes Mal soll Kind 2 zwecks Marilyn-Effekt unter dem Rock ordentlich pusten… 🙂

  6. Jutta sagt:

    WIE Wahr!!! Und doch, immer weder schön zu lesen!!
    Schmunzelnde Grüße
    Jutta

  7. Michaela sagt:

    Hallo Frau Müller, ja das sind mal wahre Worte :). Und ich dachte schon nur mich trifft dieses schrecklich unweibliche Schicksal. Bin jeden morgen darüber überrascht wie perfekt die Mütter aus dem Kindergarten kommen. Da habe ich mir schon viele Gedanken gemacht, haben die irgendwo eine geheime Umziehecke? Oder nutzen sie permanent Makeup? Gerade an dem Kettendilema bin ich letztens fast emotional gescheitert. Ich lieeeebbeee Kette, besitze gefühlte 500 Stück. Alle aktuell irgendwo in mehrere Schmuckkästen auf dem Schrank. Meine Kollegen haben mir nichteinmal geglaubt, dass ich eine habe. Jedenfalls dachte ich mir am nächsten Tag dieses Missverständnis mal zu beseitigen….. die 2 Teile meiner Kette vom Morgen haben dann doch große Bewunderung im Büro ausgelöst: „ah habe noch nie gesehen, dass solche Ketten reißen können ohhhhh“. …..

  8. […] Müller hat einen schönen Artikel über Mütter als arme Schweine verfasst, die sich größtenteils von den Essensresten ihrer Kinder ernähren und regelmäßig mit […]

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