Aua…

Bei einem Kopfstoß gewinnt niemand. Alte Straßenkämpferweisheit. Wenn man allerdings erst 2 Jahre alt ist und in derlei Feinheiten noch nicht so geübt, muss man diese Erfahrung eben selbst machen.

Kind 2 hat mir die Nase gebrochen.

Ich schwöre Ihnen, alles fing harmlos an. Mit ein bisschen Quatsch und Alberei. Kinder lieben das. Und sie drehen ordentlich auf, wenn das Spiel länger dauert als drei Minuten. So trug es sich zu, dass der Sohn des Hauses nach allerlei Gerenne, Gekichere und einer ausgedehnten Judoanfängerlektion übermütig wurde, Anlauf nahm und mir im Spiel den Schädel auf die Nase knallte. Er hatte dabei alles richtig gemacht, denn ein korrekter Kopfstoß wird mit der Regio frontalis gegen den Os nasale des Gegners ausgeführt. (Was Sie freilich nicht von mir haben, aber das nur am Rande.) Nichtsdestotrotz war der Schreck groß und die Tränen danach größer. Denn weh tut so etwas allemal. Auch dann, wenn man der Angreifer ist. Nun hatte aber auch ich nicht viel zu lachen, denn beim Aufprall auf mein Riechorgan hatte es deutlich hörbar geknackt. Was auch bei mir dazu führte, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Und so saßen wir dann da und weinten uns erstmal aus.

Der später konsultierte Mediziner hielt dann einen langen Vortrag über knöcherne und knorpelige Strukturen, erfreute sich am Farbe gewinnenden Brillenhämatom und drückte mit wachsendem Enthusiasmus an meiner Nase herum. Kind 2 saß derweil daneben, eine kleine blassblaue Beule auf der Stirn und ließ sich von der Auszubildendenschwester mit Gummibärchen füttern.

Ob man ein Formular ausfüllen müsse, wurde ich gefragt. Mein irritierter Blick muss Bände gesprochen haben, wenn Herr Doktor winkte mit den Worten: „Wohl nicht.“ gleich wieder ab. Um den Verdacht von Herrn Müller abzulenken, zeigte ich auf mein Kind, dessen Hämatömchen ihn eindeutig als den Angreifer identifizierte. Nichts also mit häuslicher Gewalt. Erleichterte Gesichter auf allen Seiten.

Leider wars das dann auch schon. Da die Nase weder schief geklopft war noch breiter als gewöhnlich anmutete, konnte ich mir eine Rhinoplastik und somit neues Designernäschen gleich wieder abschminken. Auch atmen ließ sich perfekt, was nur heißen konnte, dass da nichts wirklich kaputt war. Zudem hatte Herr Doktor so ausgiebig an meiner Nase herumgeknetet, dass man einen Bruch quasi ausschließen konnte. Also einen knöchernen. Beim Knorpel, der Bestandteil einer jeden Nase ist, war zwar Bewegung auszumachen, aber da könne man eh nichts tun. Und wenn ich eine kleinere Nase wünschte, solle ich doch besser dafür zahlen.

Für das blaue Auge riet man mir dann noch zu einem Camouflage-Makeup und schickte mich wieder nach Hause. Nicht allerdings, ohne mir vorher eine grinsend vorgetragene Ansprache über den richtigen Umgang mit Kindern zu halten…

Die Nase war übrigens schnell wieder schmerzlos. Meinen Schmink-Skill musste ich stattdessen noch etwas länger trainieren. Denn so ein blaues Auge hält verdammt lang. Und Passanten können echt grausam sein, wenn es um dumme Kommentare geht. Oder Kollegen. Oder Freunde…

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21 Kommentare zu “Aua…

  1. Ja, Freunde. Insbesondere Freunde. Die können Ihnen auch noch Jahre später die Fotos mit dem Brillenhämatom vorhalten und sich wegbretzeln. KO in der ersten Runde mit dem zweijährigen Filius.
    Aber man weiß sich ja zu rächen, die haben auch ihre Leichen im Keller…

  2. Silberdistel sagt:

    Oh, Frau Müller, da können wir uns die Hände reichen. Ich hatte vor einigen Jahren einen ähnlichen Zusammenstoß mit einer meiner Töchter. Allerdings war die Tochter da schon ziemlich erwachsen. Alter schützt vor Torheit nicht. Es geschah auch beim Herumalbern. Aber ich kann Dich beruhigen, die Nase wird wieder 😉

  3. Alexandra sagt:

    Autsch Frau Müller, Nase ist gemein. Baldige Besserung und vielleicht sollte der Kleine noch ein bissel Judo trainieren, lieber die Mama sanft auf die Matte legen, als auf die Nase kloppen.

    LG Alexandra

  4. Babs sagt:

    Oh du tust mir so furchbar leid, auch wenn ich mir ein grinsen leider auchnicht verkleifen konnte 😉 ich wünsch dir gute Besserung und zu deinem blauen Auge empfehle ich dir: Schmink das andere ähnlich blau und es geht als Schminkunfall durch.

    Liebe Grüße Babs

  5. Oder Blog-Kommentatoren. Aber wenn Sie jetzt über die passende Boxer-Nase verfügen, wird sich immerhin so leicht niemand mehr mit Ihnen anlegen… 😀

  6. Christina sagt:

    Oh weh. Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht zu sorgen… 😉
    Ich rate zur Sonnenbrille, derzeit sind doch wieder diese riesigen Stubenfliegenmodelle modern!
    Allerdings müssen sie sich auch auf der malträtierten Nase balancieren lassen…
    Gute Besserung!

  7. Inch sagt:

    Ich bin ja weder Kollege noch Freund, eher so eine Art Passant. Deshalb enthalte ich mich jedes Kommentars und wünsche dem Auge gute Besserung

  8. Flohnmobil sagt:

    Das wäre jetzt wohl etwas gar gemein, diesem Post ein „Gefällt mir“ zu verpassen.
    Alles andere ist irgendwie bereits gesagt worden. So von Wegen Spott und Schaden und so.

  9. ichnuwieder sagt:

    schlimmer noch, wenn man sich beide jemals vorhandenen blauen Augen selbst schlägt– einmal -im Wortsinn- gegen die Laterne gelaufen, beim anderen Mal einen Hammer lässig auf die Nase rückfedern lassen…

    DAS erklären Sie mal Aussenstehenden 😦

  10. Christine sagt:

    Ich bin eben zufällig über den Blog gestolpert und habe mich schon festgefressen! Wir Passanten lästern doch nur deshalb fröhlich über solche „familiären Fehlfunktionen“ weil es uns erleichtert, mit solchen Geschichten nicht alleine zu sein. Ich habe drei Söhne (7, 12 und 14). Dazu noch einen Mann (Ingenieur!!). Bitte, nicht nach Details fragen…

    Liebe Grüße
    Christine

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