(Un-)Bekannt…

unbekanntKennen Sie das? Sie sehen auf der Straße eine Person und haben den vagen Verdacht: Sie kennen sich. Sie gucken also so vor sich hin, grübeln in sich hinein, kommen aber trotzdem nicht drauf. Die Person nähert sich, guckt genauso wie Sie, kommt aber auch zu keiner Erleuchtung. Man nickt sich unsicher zu und geht seiner Wege. Drei Tage später begegnen Sie sich wieder: In unmittelbarer Nachbarschaft. Und es fällt Ihnen wie Schuppen von den Augen: Das ist der Typ mit dem Riesenhund, der an der Ecke wohnt. Womit wohl bewiesen ist: Verlässt man sein natürliches Terrain, kann das Gehirn Bekanntes nicht mehr zuordnen.

Ich nenne das Phänomen Nachbarschaftsblindheit.

Das geht allerdings auch in die andere Richtung. Neulich beim Arzt sehe ich diese nette ältere Dame und freue mich. „Wir kennen uns!“ plaudere ich los. Mein Gegenüber ist sich da nicht so sicher. Ich quassle trotzdem munter weiter. Wir kennen uns ja. Wir sind Nachbarn, sehen uns jeden Tag und winken uns immer zu. Meine Plauderlaune kommt erst einige Minuten später ins Stocken. Da wird meine Nachbarin aufgerufen. „Ich bin die von der Fleischtheke im REAL.“ sagt sie noch, bevor sie geht. „Vielleicht kennen Sie mich daher…“ Tja dann… kann ich natürlich nicht erwarten, dass man mich auch kennt. Obwohl ich und mein sonniges Gemüt doch unbedingten Wiedererkennungswert haben…

Zum Glück bin ich ja nicht die Einzige, die regelmäßig da steht und grübeln muss, mit wem sie es gerade zu tun hat. So analysierte unlängst gerade die Kassiererin beim DM das Gespräch mit der Dame vor mir mit den Worten: „Ich habe keinen Schimmer, wer das gerade war.“ Für zusätzliche Unsicherheit sorgte offenbar der Fakt, dass die Angesprochene mit dem eigenen Namen angeredet worden war. Mein Rat, einfach mitzumachen und zu hoffen, dass die Erleuchtung im Laufe des Gesprächs kommen möge, wird nicht für voll genommen. Da könnte ja jeder kommen und Lebenslage-Tipps geben.

Und einen Schwank zum Thema Namen zum Schluss: Nebenan, bei den wirklich lieben Nachbarn, mit denen wir oft und gern über den Zaun hinweg Tratsch austauschen, hat sich die Meinung festgesetzt, ich würde Christine heißen. Zwar habe ich den Fehler schon einige Male berichtigt, aber mein richtiger Name ist wohl einfach nicht toll genug. Herr Müller sieht das Ganze eher pragmatisch. Es gibt schlimmere Namen, meint er. Und für den Fall, dass es mal Ärger gibt und jemand über den Zaun hinweg „Christiiiiineeeeeeeeeeee!“ brüllt, kann ich immer noch weghören. Ich bin schließlich nicht gemeint…

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7 Kommentare zu “(Un-)Bekannt…

  1. Mamatanzt sagt:

    Gefährlich wird es auch, wenn man intern Insider-Namen vergibt (z. B. wird die schrullige Frau Hade-Diehn zu Frau Hatt’n Spleen) und sich dann beim Zusammentreffen mit der betreffenden Person SEHR konzentrieren muss, um bloß den richtigen Namen zu nennen…

  2. Claus sagt:

    Meiner Mutter vergibt gerne solche internen Namen. Mein Vater hingegen war sein Leben lang in äußerlichen Dingen uninteressiert und unaufmerksam. Konsequenterweise sprach er eine der Organistinnen unserer Kirche dann auch mit „Guten Tag, Frau Tastenhauer!“ an. Zum Glück hörte sie so, woie sie spielte: schwer.

  3. Stina sagt:

    Peinlich wurde es, als unser Azubi Herrn Basedau dann mit Herrn Badesau ansprach „grummel“

  4. Inch sagt:

    Ich habe schon mehrfach Leute gegrüßt, die ich nur vom Fernsehen kannte. Da die aber meistens freundlich zurück gegrüßt haben, ist mir die Peinlichkeit erst später, nach langem Grübeln aufgefallen. Am Schlimmsten war allerdings, als im Wohnhaus mal gedreht wurde. Neben meiner Wohnungstür standen drei Brötchen kauende Herren, einen davon kannte ich, ganz sicher ein Nachbar. Ich fragte, ob sie keine Wohnung hätten. Er antwortete Nein, aber er hätte gehört, diese meine würde bald frei. Wir flunkerten noch ein bisschen rum. Als ich aus dem Haus trat, sah ich die TV- Autos und rannte eine halbe Stunde hochrot durch die Gegend. Arbeitskollegen dagegen erkenne ich oft nie, wenn sie nicht in OP-Kleidung durch die Stadt rennen

  5. Jutta sagt:

    Den Text finde ich toll! Mir geht es nämlich auch manchmal so, dass ich mir überlege: Ist das eine Verkäuferin o.ä. oder kennst du sie wirklich??
    Und einmal – das ist jetzt eine etwas andere Thematik, aber wo ich gerade in Fahrt komme, wurden mein Mann, meine Kinder und ich den ganzen Nachmittag lang bei uns im Ort gegrüsst. So richtig nett. Eine sagte sogar „Alles Gute“. Von Wildfremden, Jedesmal sahen wir uns an und fragten und gegenseitig: Kanntest DU die?? Irgendwann nur noch: Und die? Ich weiß leider bis heute nicht was es war, wir haben uns schon überlegt, ob wir an diesem Tag, in dieser Konstellation irgendeiner Promifamilie ähnlich sahen (aber ich wüsste ehrlich gesagt nicht welcher). Tja, seltsame Dinge passieren….
    Schöne Grüße
    Jutta

    • Zora sagt:

      Aber ein Namensschildchen hat keiner von Euch noch getragen? Ich vergesse ab und an mein Namensschildchen abzunehmen und wundere mich dann immer, warum die Leute mich alle so nett und freundlich anlächeln und grüßen.
      Das Problem mit dem Kennen-oder-doch-nicht, umgehe ich so: Immer nett und freundlich bleiben. Im Zweifel ist es Kundschaft – sobald mal wieder meine Theke zwischen dem/derjenigen und mir ist, fällt mir dann auch der Name dazu ein 😉
      Am Anfang meiner Arbeittätigkeit bin ich da mal böse auf die Nase gefallen. Ich dachte, der Typ da verwechselt mich doch 100% mit meiner Schwester – und schlechte Laune hatte ich an dem Tag auch noch. Also hab ich den etwas angeraunzt, als er mich angesprochen hat. Als dann rauskam, der meinte wirklich mich und daß wir uns von der Arbeit her kennen… uaaaah… was hätte ich für ein Loch im Fußboden gegeben, um darin zu versinken!!

  6. Frau Heimat sagt:

    Mit einer Zwillingsschwester kommt dann noch hinzu, dass man von tatsächlich Unbekannten angesprochen wird.
    Man grübelt ewig und kann gar nicht drauf kommen, wer das denn jetzt ist.

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