Aus die Stulle…

Wurstbrot„Machste mir ´n Sandwich?“ Kind 1 sieht mächtig hungrig aus will jetzt auf der Stelle etwas essen.

„Nein“, sage ich trotzdem. „Aber ´ne Stulle kann ich dir schmieren.“

Das Kind ist enttäuscht. Stulle? Dann lieber nix.

Dabei geht nichts über ein Klappbrot mit Butter und Wurst drauf. Gern auch mal mit Wurst und Käse, wir passen uns den Gepflogenheiten gern an. Aber ein Sandwich ist mein Brot dadurch noch lange nicht.

„Mindestens vier Bestandteile“, werde ich letztens in der lustigen Beratungsrunde über gesundes Essen für gesunde Kinder belehrt, hat so ein Sandwich. Das Brot zählt nicht mit. Butter auch nicht, die ist nämlich verboten, weil ungesund. Aber Frischkäse ist erlaubt. „Und was Knackiges sollte immer dabei sein. Rot oder grün. Salat, Gurke, Paprika…“ Sandwiches werden zudem gestapelt. Liebevoll zwar, aber gestapelt. Erst das Brot. Dann Frischkäse – nicht zu dünn. Es folgen eine bis drei Scheiben Gurke. Dann Putenwurst. Wegen der Gesundheit. Wer es gern ein bisschen verrückt mag, legt nun noch eine Scheibe Käse obendrauf. Ganz wilde Hühner streuen Kresse. Noch ´ne Scheibe frischkäsebestrichenes Brot obendrauf, leicht andrücken und fertig ist der Sandwich-Tower. Und wir sind ernährungstechnisch up-to-date.

„Und Mischbrot mit Butter und Bierschinken?“ will ich trotzdem wissen. Ist kein Sandwich. Ist Achtzigerjahre und damit finsterstes Mittelalter. Ich werde beäugt, als hätte ich gerade gefragt, was an Snickers zum Frühstück so falsch sein kann. „Das ist doch gar nicht gesund!“ höre ich. Die Angst, man könne beim Frühstück einen Nährstoffmangel erleiden, ist offenbar weit verbreitet. „Die Welt ist so schnell geworden, da müssen Sie etwas anbieten, das Kraft und Energie für den ganzen Tag gibt.“ Das Argument, dass in dieser ach so schnellen Welt ein schnell geschmiertes Brot vielleicht auch nicht so falsch ist, wird nicht zur Kenntnis genommen. Da könnte ja jeder kommen…

Überhaupt, die Gesundheit. Schaut man sich Sandwichesser an, klaubt die Hälfte der Probanden vor dem Essen Tomate und Salat vom Brot und legt sie an den Tellerrand. „Ess ich nicht.“ ist das Argument, wenn man nach dem Warum fragt. Warum sich also vorher die Mühe machen und die Vitamine erst drauflegen? Nichtsdestotrotz muss Grünzeug bei einem Sandwich, das etwas auf sich hält, dabei sein.

Für die ganz Doofen unter uns gibt es am Ende des Brotschmierkurses die Eselsbrücke „Ampelbrot“ – rot, gelb, grün. Wurst, Käse, Salat. Wieder zuhause muss ich mir dann erstmal ein Stüllchen machen. Ganz ohne Salat. Dafür aber mit Butter. Der bösen Butter. So viel Hysterie um ein Frühstück…

Rettet die Klappstulle!

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23 Kommentare zu “Aus die Stulle…

  1. streepie sagt:

    Man kann es auch uebertreiben….

    Hierzulande ist ein „sandwich“ ein belegtes Baguette (natuerlich aus dem ach so poesen Weissmehl) – die klassische Variante („Parisien“) ist mit Butter (ach wie ungesund), Kochschinken und Kaese (Emmentaler oder Comte). Es gibt sie auch mit Tomaten oder Guerkchen drauf – aber ein Apfel oder anderes Obst zum Nachtisch tut es auch 😉

    • Wolfram sagt:

      Ein einfaches Jambon-Beurre tuts auch… 😉 Aber mein Favorit sind Ei und Huhn.
      Aber bitte mit richtiger Baguette und nicht diese Brioche-Sandwichs, die man jetzt immer öfter zu sehen kriegt und die einem nur den Mund verpappen! Brrrr!

  2. der Muger sagt:

    „Klappstulle“ finde ich wunderschönes Wort.

    Bei uns heisst sowas übrigens „Iklemmts“, also „Eingeklemmtes“. Falls du dich mal in die Zentralschweiz verirren tätest…

    liebe Grüsse vom Muger

  3. Andrea sagt:

    Ich finde, Sandwich klingt ungesund. In meiner Vorstellung paaren sich da labbrige Weißbrotscheiben mit einem Salatblatt von gestern, viel zu fettem Industriekäse und irgendeinem Billigst-Schinken.
    Da ist mir ein ordentliches Wurstbrot schon lieber.

  4. Paterfelis sagt:

    Ach Mensch, jetzt habe ich Hunger. Brot ist da, Wurst und Käse auch. Salat ist seit gestern weg, aber dafür weiß ich, daß hier irgendwo noch Remoulade herumsteht.

    Bin eben weg, ich muß was suchen…

  5. Noga sagt:

    B-r-o-t-s-c-h-m-i-e-r-k-u-r-s – Ich muss doch sehr bitten Frau Müller. Das war sicher ein bread-and-what-else-workshop. Vor zwei Jahren gab es mal, von einigen städtischen Foodbloggern das Event: Rettet das Butterbrot.

    Meine Prognose: In Kürze wird die B-ento-Box-Hysterie der B.ento-Box-Hype auch über Sie in der Provinz hereinbrechen.

  6. holldrio sagt:

    Salat?
    Aus Prinzip nicht.
    Diese Massenpflanzen, Gemüse- Salathaltung auf engstem Raum…
    Das ist Tier, äähh, Pflanzenquälerei!!
    Nix geht über ne gute Stulle am Morgen.
    Oder noch besser.
    Das Frühstück der Engländer:
    Toast, Bohnen, gebratene Würstchen, gebratener Speck, Spiegeleier.
    Mmmmhhhh

  7. Stef sagt:

    Dazu empfehle ich Jochen Malmsheimer: Das Wurstbrot! 🙂

  8. Inch sagt:

    Bei uns heißt die Klappstulle Bemme mit Brot. Was vielleicht irreführend ist, da die Bemme (Bemme= Brotscheibe) natürlich belegt ist. Mit Butter! und Wurst oder Käse, noch ne Bemme oben drauf, fertig ist Bemme mit Brot. Hält auch mich immer noch fit

  9. franhunne4u sagt:

    Stulle! – Das Kind weiß doch gar nicht, was gut ist!

  10. Praline sagt:

    Seit 1999 gibt es einen „Tag des Deutschen Butterbrots“ und zwar am letzten Freitag im September – und nein, ich nehme Sie nicht auf den Arm. Man beachte, daß es sich um ein DEUTSCHES Butterbrot handelt und nicht um so ein eingeschlepptes Sandwich.

  11. Silberdistel sagt:

    Ich unterschreibe die Klappstullenpetition 😀 Die Klappstulle, sie lebe hoch!!!
    LG von der Silberdistel, die ihren Kindern noch Klappstullen schmierte und gern mit dem, was die KINDER und nicht das Gesundheitsamt draufhaben wollten.

  12. Sabine sagt:

    ich weiß nicht, ob es klappt und man wirklich zum Motiv weitergeleitet wird, aber (falls es klappt und Sie es sehen) wäre das nicht das passende Tshirt zur Diskussion?? 🙂
    Soll keine Werbung sein, habe keine Verträge mit den Herren – aber ich liebe ihrer Motive wirklich sehr – der Holde an meiner Seite bekommt immer eins zu Weihnachten! Sehr praktisch das!

  13. Sabine sagt:


    DAS ist eigentlich das, was ich noch besser finde…..

  14. Alex sagt:

    An Jochen Malmsheimers Wurstbrot musste ich auch sofort denken.
    Und bei uns ist das Butterbrot auch als Knifte oder Karro bekannt.

  15. Flohnmobil sagt:

    Ich wusste ja lange Zeit nicht, was eine Stulle ist. Vielleicht ein Stuhl mit Schreibfehler?
    Die Tomate klaube ich übrigens auch raus, egal ob aus dem Klappbrot, der Stulle, dem Sandwich oder dem Eingeklemmten. Und zwar, weil das rote Etwas seit Jahren nicht mehr nach Tomate schmeckt.
    Ansonsten geht doch wirklich nichts über ein Stück frisches Brot und was obendrauf. In der Schweizer Variante darf es übrigens auch mal Schokolade sein. 🙂

  16. Man sollte der Stulle eine Imagekampagne gönnen, um sie wieder modern werden zu lassen. Davon erzählen, wie sie seinerzeit vom Graf von Stulle zum Tee gereicht wurde und so zu ihrem Namen kam und dass Deutschland nur wegen ausreichender Stullenversorgung 2 Weltkriege gewinnen konnte und wie bescheuert es aussieht, wenn man versucht, eine Stulle so zu durchschneiden, dass 2 Dreiecke herauskommen und so weiter.
    Und Butter immer fingerdick. Am besten gesalzene.

  17. Michael sagt:

    Also Frau Müller, ich schreibe das hier als ein Mensch, der sowohl das einfachst-klassische Gutebutter-Wurstbrot, als auch die Mischbelagsklemmbrotvariation gerne und immer wieder – je nach Appetits- und Hormonlage (Haben Männer eigentlich Hormon?) – zu verspeisen beliebt:

    BLEIBEN SIE STARK!!!

    Und meine persönliche Meinung zu solchen Klemmbrotanleitungsverbrecherinnen und -rinnern:
    Lizenzentzug und 30 Tage bei Wasser und (Butter)Brot!!!

    Die Kinder sollen gesund ernährt heranwachsen, ja! Aber nicht alle Säue, die heutzutage als neuerfundenes Rad des Kolumbus durch die Lande getrieben werden, werden auch den Test der Gezeiten überdauern und als Kulturkonstante in die Gesichte eingehen.

  18. Blindes Huhn sagt:

    Moin,
    ich bin für die Stulle mit Butter und Bierschinken. Vermutlich befindet sich darin weniger Chemie, als in der Putenwurst und dem konservierten Toastbrot. Von den Pestiziden in der Tomate oder dem 2Go-Salat aus der Tüte ganz zu schweigen.
    80er rocks!!!

  19. Himmel! Diese Vorstadt-Gesundheits-Uptodate-Mütter! Ich war letzten doch etwas stolz als die Vesperbox vom kleinsten Kampfzwerg fotografiert wurde. Man wolle beim Elternabend mal zeigen wie eine richtige Vesperboy auszusehen habe. Es war drinne: eine Klappstulle mit Butterkäse (darunter war nochmals Butter!), ein paar Trauben, ein paar Apfelschnitze, zwei Minitomaten und zwei Gurkenscheiben. Die waren IN der Box und nicht AUF der Stulle! So! In your face, Sandwichmama. Also echt! Im Kindergarten laufen Leute, die will man so genau gar nicht kennenlernen 😉

  20. juniwelt sagt:

    Es geht nix über ne schöne Stulle mit Butter/Käse von mir aus auch noch mit Schinken 🙂

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