Aufgewärmt…

gehenWissen Sie, was frech ist? Wenn sich längst Verflossene nach Jahren der Funkstille plötzlich melden und dezent andeuten, dass sie wieder zu haben sind – obwohl sie Kenntnis darüber besitzen, dass der Angeschriebene gar nicht frei ist. So unlängst passiert mit einer von Herrn Müllers Exen. Die schrieb eine ausführliche Mail und erklärte neben allerlei Weißt-du-nochs und Ach-schön-wars-damals, dass sie jetzt einen Sohn habe, der aber sehr lieb sei und im Übrigen ganz frisch getrennt. Und vielleicht könnte man sich ja einfach mal treffen oder so.

Herr Müller, sichtlich geschmeichelt, bedachte denn auch flink noch einmal seinen Marktwert, schob der Avance dann aber doch einen Riegel vor und meldete sich als hinreichend zufrieden verheiratet ab. Ich bin zugegeben erleichtert und gönne dem Herrn des Hauses  das Kompliment.

Dass es auf dem „zweiten Markt“ zuweilen forsch zugeht, konnte letztens auch eine Freundin berichten. Beim Gesichtsbuch unterwegs, reiche gelegentlich schon eine Änderung der Statusmeldung auf „Endlich abends allein Serien gucken“, um wieder einmal von Menschen zu hören, mit denen man das letzte Mal mit 17 gesprochen hat. Die wollen dann auch gar nicht erst um den heißen Brei herumquatschen sondern kommen gleich auf den Punkt: Ob man denn zu haben sei und wann genau man sich treffen könnte. „Aber das ist ja alles beschädigte Ware“, höre ich im gleichen Satz. „Entweder sind die schon zweimal geschieden oder sie haben vier Kinder oder sie sind zuhause rausgeflogen und wollen das Geld fürs Hotel sparen.“ Auch wieder bei Mama Wohner fragen gern nach einem Treffen um der alten Zeiten willen. „Weil es früher doch so schön war…“

Was die Leute bewegt, sich wieder mit einem Menschen einzulassen, den man dereinst für einen anderen verlassen hat oder von dem einem das Herz gebrochen wurde, ist mir recht rätselhaft. Wenn ich so in mich hineinlausche, möchte ich mit keinem meiner Ehemaligen wieder auch nur irgend etwas zu tun haben. Sicher, an die eine oder andere Person denkt man mit einem Lächeln zurück. Aber deshalb gleich wiederhaben wollen? Das geht dann doch zu weit. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass sich die Marotten, die man früher schon am anderen gehasst hat, mit dem Alter rausgewachsen haben. Meist ist ja das Gegenteil der Fall…

Die alten Zeiten werden ohnehin gern verklärt. Damals fiel im Winter immer Schnee, alle Sommer waren heiß und sonnig und man verbrachte sie mit der Familie und Freunden am Baggersee, Oma hat immer Kuchen gebacken und die erste Liebe war die Schönste. Überhaupt lachen ja auch alle auf den Bildern von damals. Da muss es doch einfach schön gewesen sein – Fotos lügen schließlich nicht.

„Warum habt ihr euch eigentlich damals getrennt?“ will ich von Herrn Müller dann noch wissen. Der lauscht lange in sich hinein. „Keine Ahnung.“ fazitiert er schließlich. „War irgendwann doof.“ Und sowas wieder aufwärmen? Vielleicht ist es aber auch zu ungewiss, sich noch einmal auf einen völlig fremden Menschen einzulassen, wenn man doch weiß, dass es damals jemanden gegeben hat, den man – zumindest eine Zeit lang – echt gern hatte.

Erzählen Sie doch mal, entsprechende Erfahrung vorausgesetzt…

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9 Kommentare zu “Aufgewärmt…

  1. Iris sagt:

    Liebe Frau Müller,
    ich versuche, mit meinen Exen einen freundschaftlichen Kontakt, schließlich mochte man sich ja mal….
    Ergebnis: Die große Liebe M. verweigerte sich dem stets, schließlich hatte ER sich von mir getrennt. Ehemann 1 ist nach kurzer Ehe seit 20 Jahren von mir geschieden, was mich letztens beinahe veranlasst hat, bei ihm vorbeizuschneien und zum runden Geburtstag zu gratulieren. Zum Glück fiel mir grad noch seine fiese finanzielle Abzocke ein, die damals selbst vor meiner kranken Mutter nicht Halt machte. Der Mann, für den ich 600 km umzog und der mich nach 6 Monaten für seine alte Freundin sitzen ließ, ist für einen kurzen Mailwechsel in geraden Jahren gut. Seinen Nachfolger rufe ich nicht zurück, der sucht nur jemanden, der sich seine Verdrossenheit, in Deutschland Geschäftsmann zu sein, anhört. Ehemann Nr. 2 fühlte sich von mir finanziell übervorteilt, weil der von ihm gewünschte Ehevertrag nicht so lief wie erwartet. Ich habe ihn wegtherapiert, auch keine Basis für freundschaftliche Verbundenheit. Also habe wohl auch ich mittlerweile genügend Gründe, einzusehen, dass meine Vorstellung dem Realitätsabgleich nicht standhält…. aber schöner wär’s doch, oder??
    Und bei Ehemaligen, die Ehemann Nr. 3 kontaktieren, reagiere ich auch mit Argwohn…. was wollen denn die??
    Bin so gespannt auf weitere Kommentare Ihrer Leser!!
    LG, Iris

  2. feuerpferdle sagt:

    Aufgewärmt schmeckt nur Gulasch. Auch wenn so manch Verflossenem erst später einfällt, was er da verloren hat. 😉

  3. Ich bin eine von denen, die irgendwessen Ehemänner gerne mal um der guten alten Zeiten willen kontaktiert. Meist, wenn ich meine Tagebücher von früher lese und mich die Frage überkommt: Was der heute wohl macht? Ich bin selbst hinlänglich glücklich verheiratet und habe keinerlei Absichten, das zu ändern oder die entsprechende Komponente auszutauschen. Ich bin einfach nur neugierig. Allerdings hab ich auch gar keine „echten“ Exfreunde, da ich den erstbesten gleich geheiratet habe.

  4. Taschentick Vol. 1 sagt:

    Tja mit Exen ist das so eine (blöde) Sache. Mit einem wollte ich gerne losen Kontakt halten, also irgendwie Geburtstag und Weihnachten mal schreiben leider endete dieser Versuch meinerseits in einem stalking Anfall seinerseits. Deshalb will ich keinen Kontakt zu ihm und anderen Exen. Sollte ich die (meine Exen) zufällig mal irgendwo treffen, könnte ich mir aber vorstellen einen netten Smalltalk zu betreiben. Mich bei denen melden würde ich allerdings nicht.
    Auf der anderen Seite habe ich es aber auch schon erlebt, dass sich die Exfreundinnen melden und (eindeutige) Angebote machen. Daher sind Exfreundinnen für mich ein rotes Tuch :-(.
    Aber ihr Mann scheint zu wissen wo er hingehört und das ist auch gut so!

  5. So viele Exe hab ich nicht. Vom ersten wüsste ich ganz gern mal, wie es ihm wohl heute so geht. Aber der Kontakt ist einfach komplett eingeschlafen. Bei Facebook bin ich nicht – und er vermutlich auch nicht, also wird es wohl auch dabei bleiben. Zum nächsten habe ich noch so ein- bis zweimal pro Jahr Mail-Kontakt und falls wir mal wieder in der gleichen Stadt sind, treffen wir uns vielleicht auch mal wieder – aber das kam in den vergangenen 14 Jahren nur einmal vor.
    Den nächsten Mann habe ich dann einfach geheiratet und auch nicht vor, an diesem Zustand was zu ändern. Altlasten des Liebsten sind bisher noch nicht aufgetaucht.

  6. franhunne4u sagt:

    Ich hatte keinerlei Lust, mit dem Ex guten Kontakt zu halten – schließlich war ich die treibende Kraft hinter der Trennung und ich weiß heute noch, warum. Er dagegen rief noch fünf Geburtstage bei mir an, bis ich beim letzten Anruf etwas von meinen neuen Felidae erzählte (er hasste Katzen) – danach war endlich Ruhe. Mit seiner Ex hatte ich wenig Probleme – schließlich war sie seine X – und ich die gegenwärtige. Letztendlich war ich länger mit dem jetzt Ex zusammen als sie.

  7. CeKa sagt:

    Ich bin zweimalig geschieden und froh darüber, wenn ich beide Exfrauen niemals wieder sehen oder in anderer Form wahrnehmen muss. Die Erinnerung ist schrecklich genug. Auch ehemalige Freundinnen wecken in mir keineswegs den Wunsch, sie noch einmal zu sehen. Das mag daran liegen, dass ich nur dann gehe, wenn es wirklich krass geworden ist.

    Ehemalige „einfach nur Freunde“ treffe ich gern mal wieder. So meine Jugendfreundin vor einigen Monaten, die ich zuletzt 38 Jahre zuvor gesehen hatte. Das war prima, bietet jedoch naturgemäß keine Möglichkeiten der Fortsetzung. Auch wenn man sich wie damals einfach weiter verstanden hat. Doch das Leben ist weiter gelaufen und man hat sich entwickelt, keinen Platz mehr für alte Bande.

    Einmal noch werde ich die Jugendgruppe von damals, die unsere Ersatzfamilie war (wir alle in sehr extrem schlechten Familienverhältnissen aufgewachsen), zu einem Treffen zusammen bringen. Um sozusagen den Abschluss zu feiern, dass es uns allen inzwischen halbwegs gut geht. Mehr wird es wohl nicht werden.

    Und auch das erste Klassentreffen nach 34 Jahren mit Begegnung der alten Verliebtheiten war wunderbar. Ohne weitere Folgen, weil das Leben einfach weiter gelaufen ist. Gut so.

  8. Wolfram sagt:

    Wenn man sich nicht mal an die Trennung erinnert, dann war die Sache wirklich nicht wichtig…

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