Gezahnt…

Der erste Zahn ist draußen! Kind 1 strahlt uns die schönste Lücke entgegen. Gewackelt hat der Inzisivus ja schon länger, gefühlt seit etwa vier Wochen. Aber das Kind weigerte sich beharrlich, dem Ausfall auf die Sprünge zu helfen. Gestern nun machte es leise Pling und das Beißerchen war draußen. Den ganzen Tag wurde der kleine weiße Schatz in einem Taschentuch durch die Gegend getragen. Jeder durfte mal gucken…

Dann aber wurde es ernst. „Du“, höre ich heute früh. „Jetzt muss die Zahnfee aber langsam mal kommen!“

„Ich bin mir nicht sicher, ob die weiß, wo wir wohnen.“ versuche ich vom Thema abzulenken. Importbräuche versuchen wir bislang zu umgehen. Dazu gehört auch die Zahnfee.

„Dann solltest du sie aber mal anrufen!“

Das Kind fordert nun also seinen Zahn und will ihn, wie es vorgeschrieben ist, unters Kopfkissen legen. „Und Fenster auf!“ so die Forderung. Nachts ist es allerdings noch ziemlich kühl, weshalb ich nicht unbedingt für offene Fenster im Kinderzimmer plädiere.

„Ne!“ rufe ich. „Die soll mal schön an der Tür klingeln. Hier steigt mir keiner durchs Fenster.“

„Macht die das denn?“ Das Kind ist skeptisch. Zahnfeen kommen nämlich durchs Fenster. Immer. Jeder weiß das. Bis auf Eltern vielleicht.

„Klar.“ Ich lehne mich brauchtechnisch, das gebe ich zu, etwas weit raus. Aber was ´ne echte Zahnfee ist, klopft auch an der Tür. Das Kind zumindest ist hinreichend beruhigt. Und wir haben noch bis Sonnenuntergang Zeit, uns etwas als Belohnung für den schönen weißen Zahn zu überlegen. Die Hauptsache ist bloß, das Kind findet die von sentimentalen Eltern aufgehobenen Milchzähne nicht irgendwann später in einem kleinen Döschen im Schrank. Nichts ist schlimmer, als ein Kind, das mit 16 erfahren muss, dass es die Zahnfee nie gegeben hat…

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8 Kommentare zu “Gezahnt…

  1. Zora sagt:

    Gnihihi – also dieses „Durchs-Fenster-kommen“ kann auch nach hinten los gehen.
    Der 6jährige meiner Freundin wollte letztes Weihnachten u.n.b.e.d.i.n.g.t., daß das Fenster vom Wohnzimmer offen bleibt, damit das Christkindauch wirklich reinkommen kann und nicht mit den ganzen Geschenken wieder umdreht. Meine Freundin hat nicht weiter nachgedacht und meinte, das wäre nicht nötig, es kommt auch rein, wenn das Fenster zu ist. Für sie war die Sache erstmal abgehakt. Der 6jährige hat aber weiter drüber nachgedachth und meinte kurz darauf mit weit aufgerissenen Augen, ob das Christkind dann wie ein Einbrecher mit so einem Dietrich reinkommt oder das Fenster einfach einschlägt?!? Sie hat ihn dann beruhigen können, indem sie erzählte, daß das Christkind so einen riesigen Schlüsselbund wie das kleine Gespenst hat. Und in einem unbeobachteten Moment schnell zur Haustüre reinhuscht. Er war beruhigt und meine Freundin hat die Sache wieder abgehakt.
    Und mit der Bescherung begann dann das Drama *g*
    Die 4jährige meiner Freundin wollte partout nicht ins Wohnzimmer, weil sie totale Panik vor dem „einbrechenden Christkind“ hatte. Einbrechen tun schließlich nur Räuber und anderes böses Gesindel. Die „Kleine Gespenst-Schlüsselbund-Erklärung“ hatte sie nämlich nicht mitbekommen. Und wir nicht, daß sie Zeuge der „Dietrich-Theorie“ war und ihr diese so zugesetzt hat…. Herzzerreissend!
    Wir konnten sie dann aber beruhigen und sie hat sich schließlich auch – anfangs zwar noch etwas zögerlich (wie hat das Christkind das jetzt gemacht und ist das wirklich nicht böse und wie sieht das überhaupt aus und warum kann man das nicht sehen??) – dann aber mit immer mehr Freude auf ihre Geschenke gestürzt.

    Und apropos Zahnfee: Meine Freundin kam um die auch nicht drumrum – aber was auch immer die anderen Kinder erzählen. Die kommt definitiv nur beim ersten Zahn 🙂

    • Wolfram sagt:

      Wie gut, daß wir einen Kamin haben, durch den auch schon mal ein Mauersegler reinkommt… 😀
      Dafür hat der Weihnachtsmann Hausverbot, und das mit dem Christkind haben wir auch nicht recht angeleiert. Das ist doch in der Kirche, wo Papa predigt…

  2. Herrlich. Meine Jungs hatten zum Glück gar kein Interesse an einer Zahnfee. Erstmal wollten sie mit rosaglitzernden Wesen nichts zu tun haben, und außerdem war ihnen die Zahn-Trophäe wichtiger als Münzen und Schnickschnack.

    Bezüglich Zauberwesen-Zugang: Zumindest Nikolaus und Weihnachtsmann (beim Abholen des Wunschzettels) haben die Fähigkeit, durch Fensterscheiben zu fassen. Da bin ich mir absolut sicher. Aber sie kommen nur bis zur Fensterbank (ich kann mich erinnern, dass das Silas auch mal sehr wichtig war). Die Geschenke deponiert der Weihnachtsmann dann draußen im Blumenkasten auf dem Balkon (bei uns ist es allerdings auch üblich, dass nur ein Geschenk direkt vom Weihnachtsmann kommt).

  3. Lilly sagt:

    Warum soll man Kindern denn nicht auch Bräuche gönnen, die importiert sind. Es ist doch schön, wenn sie sich an solchen Dingen erfreuen können!

  4. ladyoffice sagt:

    http://www.milchzahnfee.de/brauch.htm
    http://www.mein-buntes-kinderbuch.de/index_102.htm?google

    etwas kleines für den Zahn ist doch eine schöne Belohnung für den Schmerz…

  5. Paterfelis sagt:

    Wie? Es gibt keine Zahnfee? Dann muß ich ja im Nachhinein nicht deprimiert sein, daß die nie zu mir gekommen ist. Auch wenn ich sie früher nicht kannte.

  6. frdrseltsam sagt:

    Also ich hatte gerne Zahnfee-Besuch als Kind. Es gab weder Geld noch Süßigkeiten. Sonder eben nette Kleinigkeiten. So wie im Adventskalender. Das fand ich gut und würde das bei eigenen Kindern sicher ähnlich halten. Aber man muss sich halt auch immer was ausdenken. 🙂

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