Erschreckt…

Dahin… alle jahrelang mühsam erzielten Erfolge zerstört. Und das nur, weil Herr Müller das Klo repariert hat.

Spinnen und ich – wir haben eine eigenartige Beziehung zueinander. Früher fiel ich schon tot um, wenn ich nur das Wort hörte. Heute kann ich den einen oder anderen Achtbeiner schon mal sachte vor die Tür setzen. Bis gestern zumindest konnte ich das. Dann entschloss sich Herr Müller, die defekte Wasserspülung der Toilette zu reparieren.

Wer so einen Wasserkasten schon mal aufgemacht hat, der sieht vor allem eines: Kalkformationen. Je nach Härtegrad des örtlichen Wassers kann die Tropfsteinhöhle fotoverdächtig sein. Dachte sich auch Herr Müller, als er durchs Haus brüllte, ich soll doch mal zum Sehenswürdigkeiten gucken kommen. Ich, die immer gern glotzt, wenn es etwas zu glotzen gibt, kam natürlich prompt angesprungen. Und weil dies auch ein Service-Blog ist, wollte ich die mineralischen Gebilde fotografieren. Oder, wie Herr Müller sagte: „Dann haste was für´n Blog.“

Dummerweise machte ich den Versuch, so weit wie möglich in den in der Wand verbauten Wasserkasten hineinzukriechen, um auch ja eine möglichst dramatische Aufnahme zu machen. Das dann folgende Geschrei scheuchte zuerst die Katzen ins untere Stockwerk, dann die Kinder ins Treppenhaus und zuletzt den Gatten ins Bad. In umgekehrter Reihenfolge sahen sie dann die Dame des Hauses an sich vorbeigaloppieren. Der Grund für den sportlichen Elan fand sich im Wasserkasten. Rattengroß. Spinnig. Und ich schwöre, es hat mich angefaucht.

Logisch, dass alle erstmal gelacht haben, als sich herausstellte, dass ich nicht vor Bigfoot flüchte sondern „nur“ vor einer Spinne. Die stellte sich zwar auf den zweiten Blick als nicht ganz so riesig heraus wie zuerst angenommen, wurde von Herrn Müller dann netterweise aber trotzdem als „ausgewachsenes Exemplar einer Kellerspinne“ bezeichnet. Wenn einem so ein Krabbeltier aus 3 Millimeter Entfernung in die Pupille schaut, ist sie halt ein bisschen mächtiger als nur handtellergroß. Der Satz: „Die hat viel mehr Angst vor dir als du vor ihr.“ stimmt in so einem Moment übrigens nur bedingt. Um nicht zu sagen gar nicht. Im Gegenteil: Spinnie flitzte fröhlich durch den Wasserkasten, ging kurz baden und machte es sich schließlich auf dem Wassereinlassdingens bequem. Wo Herr Müller sich ihrer dann annahm.

„Weißte“, sagte Herr Müller dann noch. „Spinnen sind ja eher Einzelgänger. Da ist also garantiert keine zweite drin.“ Was mir wurscht sein kann, denn ich stecke den Kopf garantiert nie wieder in Wasserkästen. Oder sonst irgendwohin. Meine Therapieerfolge sind nun erstmal dahin. Aber Herr Müller konnte in aller Ruhe die Wasserspülung reparieren. Ohne Angst vor Krabbelvieh zu haben. Ist doch auch was. Gern geschehen…

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11 Kommentare zu “Erschreckt…

  1. Kopfkino! Köstlich!
    Wirklich sehr schön beschrieben. Aber sind Sie sich sicher, dass das 8beinige Monster nicht auch den Satz fallen ließ „Dieser Spülkasten ist nicht groß genug für uns beide, Gringa!“ (Mexikanischer Akzent!)?

  2. Badeente sagt:

    Leider habe ich da (selbst hochgradig Spinnenphobisch) eine schlechte Nachricht, mein Vater sagte früher : “ die großen kommen immer zu zweit“ und es hat sich immer (!!) bestätigt- mal fanden wir (wohl eher sie uns) die zweite am gleichen Tag, mal 2-3 Tage später. Seit wir in unserem Haus leben gehe ich direkt nach der ersten auf die Suche, denn ich hab da /glaub gerade wegen der Phobie/ so ein Radar, denn sonst könnte ich nie mehr schlafen *bibber*

    • Das ist bestimmt wie bei den Raptor-Dinos aus Jurassic Park: Eine kommt von vorne und lenkt sie ab. Während Sie diese im Auge behalten schleicht sich die Zweite von der Seite an und erlegt die Beute mit Genickbiss. Insofern hat Frau Müller noch Glück gehabt, dass sie schnell genug das Weite suchen konnte. Sonst müssten die Katzen lernen wie man Dosen selber öffnet. Herr Müller kann das denen vielleicht mal zeigen.

  3. Lilly sagt:

    Wo issen das Foto??? DAS hätten Sie doch aber wirklich machen können, wo Sie doch eh schon mal drin steckten…

  4. Und sie beobachten uns 😉
    http://1jux.net/210437?l=1
    Gruß, Holger

  5. franhunne4u sagt:

    Man gut, dass mein Spülkasten eingebaut ist.Der Schrei würde sonst die Feuerwehr an der nächsten Straßenecke, die Polizeiwache 10 Straßen weiter und Bundeswehr und NSA alarmieren 😉

  6. Tarantulix sagt:

    Kennen Sie das Rezept, wie man statistische Risiken beseitigt?
    Wenn das Risiko, in einem Flugzeug zu sitzen, in dem sich eine Bombe befindet, 1:10.000 ist, dann nehmen Sie doch selbst eine mit. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass 2 Bomben an Bord sind, ist 1:100.000.000, also wird nix passieren, wenn sie Ihren Böller im Griff haben. Die Empfehlung lautet also: BYOS (Bring your own Spider), da taucht dann kein weiteres Achtbein mehr auf…

  7. Christina sagt:

    Uahhhhh… Ich weiß nicht, was mir mehr spinnenphobische Gänsehaut macht – der Artikel oder die Kommentare… :mrgreen:

  8. buchpost sagt:

    Auch der Postillon hat da was Schlaues zu gefunden 🙂 http://bit.ly/1htSiGy

  9. […] dem Gute-Laune-Shelfie auf Philea’s Blog und dem Artikel über Ungeheuer im Wasserkasten von Frau Müller. Spaß natürlich nur, weil das Vieh nicht bei mir in der Wohnung […]

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