Terminiert…

„Ne, da müssen Sie einen Termin ausmachen!“ Offensichtlich sehe ich nicht krank genug aus. Offensichtlich habe ich auch gleich zu Beginn des Gesprächs den Fehler gemacht, dararauf hinzuweisen, dass ich bereits seit mehr als sechs Wochen so vor mich hin kränkle. Wer das sechs Wochen aushält, der kann auch noch ein paar Tage länger warten.

Die vierzehnjährige Krankenhilfsschwesterazubine im ersten Lehrjahr guckt an mir hoch. Was ziemlich beeindruckend ist, denn ich bin auch in hohen Schuhen nur unwesentlich größer als ein Tisch.

„Sie müssen sich einen Termin geben lassen.“ sagt sie nochmal. Den strengen Blick beherrscht sie bereits perfekt.

„Wann wäre denn etwas frei?“ will ich hustend wissen. Die Diskussion, warum ich nicht gleich im Wartezimmer platz nehmen darf, haben wir bereits hinter uns. Ohne wesentliches Ergebnis. Es sei denn, man akzeptiert „geht nicht“ als relevantes Ergebnis.

„Irgendwann nächste Woche vielleicht.“ Ich vergewissere mich noch einmal, dass ich mich tatsächlich in der Praxis eines Allgemeinmediziners befinde und nicht etwa beim Facharzt. Dass einem Allgemeinarzt Laufpublikum nicht genehm ist, ist eher ungewöhnlich. Zumal ich weder eine halbe Stunde vor Feierabend um Gehör bitte noch an einem Montag kurz nach acht Uhr in der Früh.

Wir begeben uns zurück zum Anmeldetresen. Dort darf ich auf einen Termin hoffen. „Zehn Uhr, nächsten Freitag.“ höre ich.

„Ich muss arbeiten.“ antworte ich. Kurz herrscht Schweigen, gefolgt von einem Blick, der am ehesten als genervt bezeichnet werden darf.

„Dann zwölf.“

„Arbeit!“ Ich bemühe mich um deutliche Aussprache. „Vollzeit!“

Meine Termindomina muss überlegen. „Wir haben eine Feierabendsprechstunde.“ höre ich dann. „Da können Sie einfach vorbeischauen. Ist aber immer sehr voll.“

Gleich platze ich. Dann hat sich das mit dem Termin von selbst erledigt. Dann muss nur noch einer putzen.

Ich habe nun in der nächsten Woche knapp vor der Feierabendsprechstunde meinen Termin beim Hausarzt. Wer weiß, vielleicht bin ich bis dahin ja wieder gesund und brauche den Termin gar nicht. Oder ich finde in der Zwischenzeit noch einen Allgemeinarzt ohne Anmeldepflicht…

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11 Kommentare zu “Terminiert…

  1. Inch sagt:

    Sind Sie bei meinem Arzt? Da kann man sich, dank des Arztes, zwar reinsetzen, aber wenn man zB vorher anruft, um die Öffnungszeiten zu erfragen, kriegt man von der Vorzimmerdame immer gesagt, dass heute und die nächsten zwei Wochen nichts mehr frei sei

  2. extrafruity sagt:

    Und genau deswegen wechsle ich ab meiner nächsten Erkrankung (ich hoffe also, in sehr ferner Zukunft 😉 glaube aber nicht wirklich daran) den Hausarzt. Man kommt zwar ohne Termin dran, aber wird seeeehr schräg angeschaut und kriegt gesagt: „Können Sie in 2 Stunden wiederkommen?“ – „Nein… Ich muss auf der Arbeit sagen, ob ich komme oder nicht! Und wenn ich nicht komme, brauche ich die AU!“ Dazu muss man sagen, dass mein Hausarzt zudem noch sehr vorsichtig bis zurückhaltend krankschreibt. Es kann also sein, dass ich dann 2 Stunden später, also um 10 Uhr, wiederkomme, um halb 11 dran bin, nicht krankgeschrieben werde („Nehmen Sie diese Tabletten, ach und krankschreiben, wieso denn? Sie sind doch arbeitsfähig?“) und dann so gegen 12 im Büro ankomme. Sehr sinnig.

    Ich erwarte, dass ich in einer Hausarztpraxis morgens, wenn sie öffnet, vor der Tür stehen darf und mich ins Wartezimmer setzen kann. Sinnvollerweise hält der Arzt sogar die erste Stunde oder so frei für solche Patienten, die vor der Arbeit kommen (müssen).

    Das ist übrigens der erste Arzt, bei dem ich mich kein bisschen gewundert habe, dass er mich am Donnerstag für Weihnachten auch tatsächlich nur für den Donnerstag krank geschrieben hat. Nicht, dass ich Freitag wieder gesund gewesen wäre, aber ich musste trotzdem arbeiten. Hätte er sich wahrscheinlich einen Zacken aus der Krone gebrochen, mich für 2 Tage krankzuschreiben.

    So… Genug gegrummelt. 😉

    • Lilly sagt:

      Das wissen die wenigsten Patienten: ein Arzt darf eine AU nicht verweigern!!! Als Patient bin ICH derjenige, der dem Arzt sagt, daß es mir nicht gut genug geht, um zu arbeiten. Das hat er die ersten 6 Wochen zu akzeptieren. Danach entscheidet die Kasse über weitere Schritte. Verweigert ein Arzt die Krankschreibung, ist das ein Fall für die Ärztekammer.

      • extrafruity sagt:

        Oh, wieder was gelernt! 🙂 Danke für die Info!
        Ich werde trotzdem zu dem anderen Hausarzt hier im Dorfe gehen beim nächsten Mal – der hat morgens 2 Stunden „Akutsprechstunde“, also genau so wie ich es sinnvoll finde.

        Allerdings frage ich mich, wenn man dem Arzt sagen darf, dass man ein Attest möchte – und der MUSS es einem dann ausstellen – wieso um alles in der Welt brauche ich dann überhaupt eine AU für den Arbeitgeber?! 😉

      • Wolfram sagt:

        Dafür hätte ich denn doch gern mal den gesetzlichen Beleg. Ich weiß nämlich von Ärzten, die für Gefälligkeitskrankschreibungen vom Gericht verurteilt und bestraft wurden.

  3. menzeline sagt:

    Ach ja, das ist schon ein Problem mit den Ärzten und den Wartezeiten. Insbesondere, wenn eine Krankheit oder Beschwerde im Moment akut ist.
    Versuchen Sie es einfach bei einem anderen Arzt, es wird schon noch einen geben, bei dem Sie jetzt und nicht erst nächste Woche behandelt werden.
    Wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück und vorallem gute Besserung.

  4. franhunne4u sagt:

    Arztwechsel – und genau angeben, dass es diese Einstellung des Vorzimmers zu Akutpatienten ist, die einen aus der Praxis treibt. Ich hätte mich einfach ins Wartezimmer gesetzt und gesagt, „Wenn ich dran bin, bin ich dran – bin krank und brauche einen Arzt – entweder diesen oder einen anderen, wenn Ihnen das lieber ist. Dann trage ICH nichts mehr zu ihrem Praxisbudget bei, das sollten Sie bedenken!“

  5. die3kas sagt:

    So einen Hausarzt hatte ich auch mal…
    Kranksein auf Termin… Ich hasse die Terminvorgabe schon beim Friseur. Ich will dahin wann ist Lust habe, nicht wann die sich regen und gewillt sind mich zu empfangen.
    Ich bin auch nicht auf Wunsch krank, eher immer ungewünscht.
    Schrecklich diese Ärzte, man sollte ihnen Krankheiten an den Hals wünschen… Sonntags 😉

    Liebe Grüsse
    kkk

  6. holldrio sagt:

    Also ich habe mir angewöhnt bei meinem Hausarzt (der seit etwa 9 Monaten auch nur noch auf Termin arbeitet) von vornherein von den Vorzimmerdamen Termine geben zu lassen… Egal ob ich was habe oder nicht. Absagen kann man immer. 😉
    Aber wehe man hat Wehwehchen und braucht das Doktorchen!
    Dann ist Holland in Not und man bekommt den Arzt erst dann zu Gesicht, wenn man die ganze Wohnung schon vollgek… hat und wieder gesund ist.
    Also bis Ende März hab ich jede Woche mindestens einen Termin. 😉
    Denken Sie mal drüber nach so für die Zukunft. Kann ja nich schaden so ein paar Termine mehr im Kalender, oder?
    Ansonsten gute Besserung und Kopf hoch. Wird schon wieder alles gut werden! Notfalls auch ohne Doc und Pennicillin, Cortison und so… 😉

  7. Vielleicht gibt es noch ein paar frühere Termine auf dem Schwarzmarkt? Wenn nicht, könnte man den selbst etablieren…

  8. Abu el Mot sagt:

    Ohja, was mußte ich suchen um nach dem Umzug einen Arzt zu finden, der
    – mich überhaupt sehen will ohne Termin (sorry, ich weiß leider nicht ne Woche im Voraus, daß ich n grippalen Infekt krieg)
    – nicht so super sparsam mit dem Krankschreiben ist – 2 Tage für Magen-Darm sind schonmal grenzwertig

    Daß ich, wenn ich schon zum Arzt gehe, nicht wenigstens für den kompletten Tag krankgeschrieben werde hab ich zum Glück noch nie erlebt.

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