Elternabend…

Elternabend. Meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung.

Wo man sonst eher sporadischen Kontakt zu den Eltern anderer Kinder hat, bietet sich ein Elternabend als Kennenlernportal doch nahezu an. Wenn die anderen nur nicht so gestresst gucken würde…

StuhlreiheAls Eltern eines Bald-Schulkindes beginnt auch für uns nun der Ernst des Lebens. Nicht nur die Brut will auf den Schuleintritt vorbereitet werden, auch die Eltern werden rechtzeitig auf Spur gebracht. So werden wir zum Gesprächsabend in die Turnhalle des Kindergartens gebeten, wo winzige Stühle darauf warten, dass wir sie auf Verarbeitung und Standfestigkeit prüfen. Ich lege beim Versuch, mich bequem zu postieren, beinahe eine Rolle rückwärts hin, was für allgemeine Heiterkeit sorgt. Aber auch andere Eltern – besonders die mit langen Beinen und/oder hohem Schuhwerk – stellen im Laufe des Abends fest, dass es sich auf Kinderstühlen schlecht sitzen lässt. Ich frage schüchtern nach, wie lange die Veranstaltung dauern wird. Man antwortet mit dem Lehrersatz schlechthin: „Das hängt ganz von Ihrer Mitarbeit ab.“ Erneutes Gelächter. Leicht gequält dieses Mal.

ElternabendOverhead-Projektoren vergrößern uns nun über die Dauer der nächsten zwei Stunden hinweg Fussel, Fingerabdrücke und Folien mit wichtigen Informationen zur Schulreife. Die Streber unter uns kritzeln auf Zettel. Bonbonpapier raschelt. In der hinteren Reihe quatscht Frau Franke mit der Mutter von Leon.

Dann wird es aktiv: Wir bekommen Stifte in die Hand und sollen aufschreiben, was wir denken, das unsere Kinder können müssen, um für den Schuleintritt gewappnet zu sein. Augen rollen. Dann werden „Arbeitsgruppen“ gebildet und wir laufen in der Turnhalle herum und kritzeln Gedanken auf an die Wand geklebte Zettel. Zehn Minuten später erfolgt die Auswertung. Die versammelte Elternschaft wird gelobt, denn das meiste, was da auf den Zetteln steht, ist richtig. Wir freuen uns.

Am Schluss dürfen wir dann noch Fragen stellen. So richtig will keiner. Wie es mit dem Schulbus, der Nachmittagsbetreuung und Linkshändigkeit aussieht, kann dann aber trotzdem noch geklärt werden. Auch mahnende Worte über die Hinterlistigkeit der digitalen Welt inklusive der Gefahren, die vom Fernseher ausgehen, dürfen nicht fehlen. Bloß um ADS und ADHS sollen wir uns nicht so viele Sorgen machen – die meisten Kinder hätten das nicht, auch wenn sie vielleicht nicht fünf Minuten auf einem Stuhl sitzen können.

Dann dürfen wir nach Hause gehen. Informationsgehalt: So mittel. Viel Bla, wenig Handfestes. Elternabend halt…

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10 Kommentare zu “Elternabend…

  1. HaseundFlo sagt:

    Zum Glück habe ich da noch etwas Zeit…. erinnert mich da das Buch „Große Ärsche auf kleinen Stühlen“.

  2. Pfff.. und nun? Wenn man sich als Eltern nicht richtig benommen hat, wird das Kind nicht eingeschult, oder was?! Für mich kommt das zumindest so rüber. 😉

    Ich finde im Vorfeld braucht man so einen Abend nicht. Man kommt ja eh nicht drumrum und die Schule ist durch den Wohnort ja auch festgelegt. Elternabende NACH Schulbeginn sind da schon wichtiger. So im November, wenn der Unmut schon ein Weilchen vor sich hinköchelt… 😉

    LG

    • Nicht überall ist die Schule durch den Wohnort festgelegt. Hier gibt es zwei Grundschulen im Ort und einige in den umliegenden Nachbarorten (ca. 3-5 km entfernt), die alle möglich wären und unterschiedliche Vor- und Nachteile haben, was die Konzepte und die Betreuungszeiten angeht. Grundsätzlich fand ich den „Info-Abend für Eltern der Schulanfänger“ ganz nett, weil eben LehrerInnen der örtlichen Grundschulen da waren und einige Sachen erklärten, die mir nicht unbedingt klar waren (aber ich habe damals auch eine DDR-Schule besucht und keine bundesdeutsche – vielleicht hatten die hier „Eingeborenen“ da weniger Informationsbedarf).

      Letztendlich hat es mir nicht soviel gebracht, da meine Tochter eben keine der örtlichen Grundschulen, sondern eine „Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung“ besucht und von dieser Schule (trotz vorheriger Ankündigung) niemand da war und mir auch niemand so richtig Auskunft geben konnte.

  3. Paterfelis sagt:

    Gruppenarbeit beim Elternabend!? Meine Fre$$e, das muß doch echt nicht sein. Ist ja Kindergar… ach so, da waren Sie ja.

    Aber ich bin tatsächlich positiv beeindruckt von der Einstellung des Lehrkörpers gegenüber ADS/ADHS. Das und Legastenie sind doch heute die Top-Ausreden für alles, was schief gegangen ist.

    Um das klarzustellen: Natürlich gibt es Betroffene, die es auch sicher nicht übertrieben leicht haben. Aber wenn man das heute alles so hört, dann scheint man als Nicht-Betroffener ja schon zu einer Minderheit zu gehören. Das kann und will ich nicht glauben.

  4. Inch sagt:

    Also so ein Infoabend ist ja gut, besonders für „Neu“eltern sehr hilfreich, aber als ich das mit der Gruppenarbeit las… Gehts noch?

  5. Alexandra sagt:

    Deine Posts bringen mich immer wieder zum schmunzeln, auch wenn ich Kiga- und Grundschulzeit schon lange hinter mir habe. Aber mit einem gewissen Abstand kann man darüber lächeln, damals fand ich es oft zum Heulen. Wünsche deinem Zwerg trotzdem viel Freude in der Schule und vorallem motivierte und offene Lehrer. Ich hab für meinen Jüngsten lange nach der richtigen Schule gesucht und kann nur sagen es hat sich gelohnt. Schule ist nicht gleich Schule.

    Liebe Grüße
    Alexandra

  6. Puh, das ist ja interaktiver als bei Waldorfs bei Ihnen. Bei uns gibt’s ein gemeinsames Lied zum Einstimmen, und dann dürfen wir uns zurücklehnen…

  7. Sabine sagt:

    ……und jezt schon daran denken, wenn Sie kein/e Klassenelternbeira(ä)t/in werden möchten, Sie aber vermuten, daß Sie jemand vorschlagen wird und Sie immer so schlecht „nein“ sagen können, aber irgendwie immer so einen Job machen, obwohl Sie doch grad mal nicht möchten: gleich zu Beginn als Wahlleiterin (nicht wählbar)melden!*g*

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