Vorzeigbar…

Kennen Sie das? Es klingelt immer ausgerechnet dann an der Tür, wenn die Hausfrau sich in nicht vorzeigbarem Zustand befindet. Entweder man hat in der Früh noch keine Hosen an und fällt beim Versuch, gleichzeitig in eine Jeans zu steigen und die Treppe zu nehmen, einer Gehirnerschütterung entgegen. Oder die Haare sind gerade frisch gewaschen und stehen wie Stroh vom Kopf ab. Etwaiger Besuch zuckt dann schon mal gern nach dem Handy, um ein Foto fürs Gesichtsbuch zu machen. Und das hat man dann davon, dass man geöffnet hat.

Heute hatte ich nur das halbe Gesicht bemalt, als das liebliche Dingdong der Türklingel erschallte.
„Sie haben da was!“ kam Oma Frieda mir auch gleich auf die Schliche.
„Ja,“ nickte ich. „Links Make-up und rechts nicht.“
Oma Frieda guckte irritiert. „Ne!“ rief sie dann. „Sie haben bloß vergessen, sich das Auge da zu schminken!“ Sie lachte und drohte mit dem Finger. „Dass Sie mir man nich vergesslich werden.“

Himmel…

Sicherlich könnte ich auch so tun, als sei ich nicht im Haus. Ich könnte mir in Ruhe Hosen anziehen, alle meine Augen zuende anmalen, und die Haare kämmen könnte ich auch. Wichtige Sachen klingeln auch ein zweites Mal. Allerdings macht die eigene Brut mir regelmäßig einen Strich durch die Rechnung. Trotz der Vorgabe, ja nicht die Tür zu öffnen, springt das Kind gern los und postiert sich am Tor. „Besuuuuuch!“ kräht es dann durchs Haus. „Mama, es hat gekliiiiingelt!“ Jetzt noch so zu tun, als wäre keiner da, ist sinnlos.

„Licht ist an!“ höre ich letztens auch Opa Knut von draußen. Der will Kartoffeln vorbeibringen und weiß, dass jemand da ist. Ich stehe derweil mit einem Pullover, auf den Kind 2 fünf oder sechs Joghurthände gestempelt hat, hinter der Tür. Zum Glück kann Knut nicht mehr so gut gucken und ist zudem viel dreckiger als ich. Mit erdigen Händen reicht er einen Sack Bamberger Hörnchen durch die Tür und geht seiner Wege. Ob ich hübsch bin, ist ihm wurscht. Hauptsache, ich esse immer genug.

Wir hatten übrigens mal eine Nachbarin, die kippte immer nur ein Fenster, wenn man klingelte. „Ich hab grad gewischt.“ hörten wir dann und wussten: Da kann jetzt keiner drüberlatschen. Ich glaube, das mache ich in Zukunft auch so…

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5 Kommentare zu “Vorzeigbar…

  1. Meine Postbotin kennt mich auch in allen Stadien des optischen Verfalls. Bevor ich das Kärtchen zum Selbstabholen im Briefkasten finde, stürme ich lieber auch mit Garten-Budjer-Jeans, an heißen Tagen in unansehnlich kurzen Sommerkleidchen und im Krankheitsfall im Schlafanzug an die Haustür. Zumindest die Wiederholungstäter an der Klingel sind da inzwischen abgehärtet.

  2. Inch sagt:

    Ich stehe ja am liebsten in der Dusche, wenns klingelt. Oder sitze auf dem Töpfchen

  3. Paterfelis sagt:

    Mein Mindeststandard als Mann: Freizeithose und wegen meiner auch das löchrige T-Shirt sollten sein, auf geduscht haben muß ich auf alle Fälle. Damit einhergehend habe ich nämlich immer auch meine Haare gewaschen und nach hinten gekämmt. Ohne gewaschene Haare geht nach dem Aufstehen nichts. Der Kamm alleine hat keine Chance.

    Darum muß ich auch immer bei meiner Angetrauten, sobald sie sich anschickt, die Wohnung zu verlassen und ich ganztägig und zur Zeit noch ungeduscht zu Hause bin, nachfragen, ob ein Paket erwartet wird.

  4. skizzenblog sagt:

    hier machen wir das so:

    ist. ähächt! #indahouse #advice #homeimprovement

    A post shared by Claus Ast (@skizzenblog) on

  5. ichnuwieder sagt:

    och…. sch…ß drauf.
    ist der ruf erst ruiniert usw…
    der postbote kennt mich in (fast!!) allen stadien des menschlichen daseins

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