Die Ambition und ich…

Meine hausfraulichen Ambitionen und ich müssen dringend mal reden.

„Back doch mal wieder was Schönes!“ flötet die Ambition neuerdings ständig. „Da gibt es so schnuckelige kleine Muffinsrezepte. Die wollen alle ausprobiert werden!“ Ich sitze derweilen auf dem Sofa und versuche ein Buch zu lesen. Eines, in dem es gerade sehr mörderisch zugeht. Weshalb mir so gar nicht der Sinn nach Backwerk steht.

„Na gut,“ lenkt die Ambition ein. „Dann kochste was.“

Ich verdrehe die Augen. Aber dann passiert es. „Soll ich uns was Schönes kochen?“ ruft mein Mund ganz ohne mein Zutun. Noch bevor ich selbigen zuhalten kann, erscheint Herr Müller. „Was Leckeres?“ will er wissen. „Ja!“ plappert mein Mund erfreut. Ich und mein Großhirm schauen uns erschrocken an.

Aber damit nicht genug.

„Stricken wäre jetzt auch schön, was?“ ermuntert mich die Ambition letztens am Zeitschriftenregal. Da liegen nämlich unglaublich viele Handarbeitshefte. „Ne, gar nicht.“ brumme ich, aber ich habe schon ein Heft in der Hand. „Guck mal, gar nicht teuer.“ flüstert es und irgendwie landet das Heft im Einkaufskorb. Da liegt es dann neben Zimt und Kuvertüre. Die Ambition hat nämlich letztens Cakepops für sich entdeckt – Kuchen am Stiel – und faselt seit Tagen von nichts anderem. Um sie ruhig zu stellen, habe ich mich auf das Backexperiment eingelassen.

Daheim angekommen bringt der Postbote ein Päckchen vorbei. Das kommt von einem Online-Tinnef-Laden und enthält original japanische Perlen. Die von der besonders gleichmäßigen Sorte. Die Ambition hat sie bestellt, weil sie festgestellt hat, dass diese ganzen Perlen-Fädel-Arbeiten, die sie seit geraumer Zeit anfertigt, bestimmt viel toller aussehen, wenn man mit „hochwertiger Ware“ arbeitet. Mir persönlich ist das ja wurscht. Zumal die winzigen Perlen ständig herunterfallen und ich mich zudem schon so oft an der Nadel gestochen habe, dass ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen muss, ob es nicht langsam wieder Zeit ist für eine Tetanus-Impf-Auffrischung.

Gerüchten zufolge leben hausfrauliche Ambitionen aber nicht lang. Meist erwachen sie, wenn man Mutter wird und scheiden spätestens fünf bis sechs Jahre später still dahin. Später dann, wenn die Brut aus dem Haus ist, sitzt man in seinem Ohrensessel vor dem Kamin und sinniert leise vor sich hin, dass man früher „so kreativ“ war und „so viel gemacht und getan“ hat. Und dann kichert man albern und liest endlich das Buch zuende, das seit achtzehn Jahren weitergeschmökert werden will…

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6 Kommentare zu “Die Ambition und ich…

  1. cavia sagt:

    Moin!
    Genau so ist es – habe eben auch gerade Gelierzucker für das zu kochende Quittengelee erstanden, dazu wieder mal Wolle für irgendwelche Schals, Loops etc. die im Endeffekt doch nur kratzen und später ein klägliches Dasein in einer Schublade fristen…
    Aber ich denke dieser DIY Wahnsinn ebbt spätestens mit Anfang des fünften Lebensjahrzehnts wieder ab. Ich werde dieses Jahr nur Quittengelee kochen und keinen zusätzlichen Likör machen, obwohl er ja sehr gut schmeckt. Meist wird der ganze Kram dann doch verschenkt und hinterher kann man noch froh sein, wenn man überhaupt eine Reaktion über die handgeklöppelte Marmelade erhält…
    Naja, schönen Tag noch, gehe mal Quitten vom Baum pflücken…

  2. ConnieM sagt:

    Tja, bei mir fing der „DIY-Wahnsinn“ wie du es nennst, erst mit Beginn des 6. Lebensjahrzehnts wieder an, mit dem Beginn der Altersteilzeit, vorher war ich beruflich viel zu eingespannt

    aber bis jetzt ist die Marmelade immer noch der Renner, wenn ich sie verschenke und die Stricksachen auch ;=)

  3. Silberdistel sagt:

    Ach, später schafft man es dann, all die Bücher zu lesen, die die Ambition angehäuft hat? Wann beginnt dieses Später? *hoffnungsvollaufdesrätselslösungwart* … und wann verstrickt man all das viele Garn, das die Ambition im Laufe eines langen Lebens zusammengerafft hat?

  4. stoni sagt:

    dieser Ambitionenkelch ist in jungen Jahren k o m p l e t t an mir vorbei gezogen! Oder war das einfach Alltag? Stricken, kochen, backen, basteln… ABER jetzt… jetzt erst merk ich dank www, wie kreativ die Welt da draussen ist und frag mich, wie ich eigentlich sooo lange ohne Cake pops, Muffins, Fondantkreativmotivtortenwahnsinn und DIY´s in allen Varianten existieren konnte *schmunzel* doch es macht schon Spass, das eine oder andere nachzumachen, solangs nicht in Massen-nachmach-ich-kanns-noch-besser-Stress ausartet. In diesem Sinne: lesen Sie zuerst Ihr Buch zuende, die Perlen warten auch noch ein Weilchen

  5. frdrseltsam sagt:

    Ich glaube ich hab da eher so eine Art inneren Wahnsinn, der dann UNBEDINGT!! und JETZT SOFORT!!!! was backen muss. Und das mach ich dann lieber mal einfach, bevor der sich noch in andere Richtungen wendet. Aber es gibt schlimmeres. 😉

  6. Inch sagt:

    Das mit dem Buch wird nichts. Vergessen Sie’s. Wenn nämlich die Brut selber brütet, werden die Ambitionen wieder wach! Glauben Sie mir

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