Ärsche auf Stühlen…

lesen_ärscheEine Kindergartenmutter zu sein ist gar nicht so einfach. Hat man nämlich, nach ungezählten Wochen der Hetzerei nach einem Betreuungsplatz für das eigene Kind, endlich Einlass gefunden in die heiligen Hallen des Wunschkindergartens, geht der Stress erst so richtig los.

Es reicht nämlich nicht, seine Brut morgens in der Bienen-, Frosch- , Wichtel- oder Apfelgruppe abzuliefern und nachmittags wieder einzukassieren. Nein, als Kindergartenmutter wird man ab der ersten Stunde fest eingebunden in den erzieherischen Alltag.

Auch wenn man nur Zaungast sein will im Treiben von Kindern, Eltern und Erziehern – man nimmt irgendwie immer teil. Sei es im mahnenden Gespräch mit der Erzieherin über die Entwicklung des eigenen Kindes. Festgequatscht an der Ecke mit irgendwelchen anderen Muttis, mit denen man im echten Leben nicht einmal Blickkontakt hergestellt hätte. Oder – noch schlimmer – am Elternabend, den man zwar gern geschwänzt hätte, an dem man aber des Gruppenzwanges wegen trotzdem immer teilnimmt. Nicht zu vergessen das ungeschriebene Gesetz des Mitwirkens an alljährlichen Festivitäten eines jeden Kindergartens – ob man nun Bock und Zeit hat oder nicht… all das wird im Buch „Große Ärsche auf kleinen Stühlen“ mit lesbarer Freude am Albern verarbeitet.

Sicherlich, auf Dauer wird die Lektüre etwas anstrengend. Gerade was Stereotype anbelangt, mit der einzelne Personen belegt werden: iDad zum Beispiel, den auf seinem Telefon herumpieksenden Homepageoptimierer. Oder Bio-Bärbel, deren Name eigentlich schon alles ausdrückt, was man als anstrengend, pingelig und kleinkariert empfinden mag. Auch die eigentlich humorigen Inkognito-Namen der Eltern, die über die komplette Länge des Buches als Luzi-Papa, Harkan-Mama, Theo-Mama oder Krümel-Mama daherkommen, wirken in ständiger Wiederholung eher bemüht.

Darüber hinaus ist „Kleine Ärsche auf großen Stühlen“ ein unterhaltsamer Lesestoff, der einen immer wieder staunen lässt, wie es in anderen Kindergärten so zugeht. Und der im Fazit die Erkenntnis zulässt, dass man es als zweifache Kindergartenmutter mit dem „eigenen“ Kindergarten gar nicht so schlecht getroffen hat…

Benni-Mama: „Kleine Ärsche auf großen Stühlen“

FISCHER-Taschenbuch.

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3 Kommentare zu “Ärsche auf Stühlen…

  1. Nee, der Titel ist mir schon zu vulgär.

    Gruß,
    Bio-Bärbel

    • Kann mich dem nur anschließen, solche Titel schrecken mich eher ab als alles andere….. Erinnert mich ein wenig an das Lehrer-Hasser-Buch. Wollte mich mit Kritik an Lehrern auseinander setzen, aber das war einfach der niedergeschriebene Frust einer Mutter, überhaupt nicht konstruktiv. Hab nach deinem Bericht einen ähnlichen Eindruck.

  2. Wie schnell sich ein Kindergärten in, wie der Tagesspiegel es nennt ( http://www.tagesspiegel.de/medien/polizeiruf-110-mit-matthias-brandt-ausweitung-der-kampfzone/8861922.html ), eine „elterliche Nahkampfzone“ verwandelt, hat der letzte „Polizeiruf 110“ am vergangenen Sonntag gezeigt. Nix „Kinderparadies“, sondern Elternhölle. Also Frau Müller: Aufpassen.

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