Das große Krabbeln…

Der Herbst steht vor der Tür. Zeit für die Kellerspinnen, sich in wärmere Gefilde aufzumachen – will heißen: In die oberen Etagen der Müllerschen Villa…

Neuerdings gesellen sich beim abendlichen Fernsehvergnügen wieder Achtbeiner zu uns. Meist machen sie auf sich aufmerksam, indem sie im Halbdunkel knapp am Gesichtsfeld vorbeihuschen, aber schon verschwunden sind, wenn man den Kopf gedreht hat. Lediglich die Tatsache, dass mindestens eine Katze erfreut aufspringt und in irgend eine Ecke hüpft, zeigt uns, dass wir keiner Sinnestäuschung erlegen sind. Frau Müller zieht dann die Beine an, Herr Müller seufzt.

Normalerweise wäre jetzt alles gut. Wenn die Katze die Beute erspäht hat, braucht man nur noch zu warten, bis es irgendwann lustig knuspert. Dann weiß man: Der Kater hat ein wenig arachnoide Proteine zu sich genommen und Familie Müller ist wieder sicher. Neuerdings stellt sich unser Kater aber pingelig an. Möglicherweise hat die letzte Spinne nicht geschmeckt. So stellt er die Beute zwar nach wie vor, bleibt dann aber hocken und guckt sie sich erstmal ganz genau an. Will sie wegrennen, tappt er einmal mit der Pfote oben drauf. Die Spinne gibt dann in Stoßdämpfermanier ein wenig nach und federt wieder nach oben.

Katze zwei kommt hinzu, guckt aber auch bloß. Wahrscheinlich werden nun Wetten abgeschlossen: „Wetten, dass du dich nicht traust, den fetten schwarzen Eumel da zu essen?“ Sie vermuten richtig: Keiner traut sich.

„Ich hole den Staubsauger.“ seufzt Herr Müller und schwingt sich genervt vom Sofa. Frau Müller stellt derweil sicher, dass die embryonale Schutzhaltung, in der sie sich mittlerweile befindet, ja keine Lücken aufweist. Poltert Herr Müller nun mit dem Staubsauger gen Getieransammlung, macht unser Kater meist genau das Falsche. Er bringt seine Beute in Sicherheit, indem er sie mit einem eleganten Pfotenschwung unter den Schrank schießt. Wäre ja noch schöner, wenn wir hier einfach Spielzeug einkassieren.

Wir können uns nun aussuchen, ob wir mit dem Staubsauger ein wenig unter dem Schrank herumstochern wollen. Die Chancen, eine Spinne auf diese Weise zu erwischen, liegen bei unter 20 Prozent. Dafür finden sich allerlei andere nützliche Dinge an: Stifte, Murmeln, ein halber Keks. So bleibt uns denn nichts anderes übrig, als den Staubsauger zu Abschreckungszwecken im Wohnzimmer stehen zu lassen und zu hoffen, dass es dem Viechzeug in Zukunft eine Lehre ist…

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18 Kommentare zu “Das große Krabbeln…

  1. Martin sagt:

    Ganz großes Kino! *Applaus-Applaus*

  2. holldrio sagt:

    Die Achtbeiner machen mir derzeit noch wenig Sorgen…
    Vielmehr ist es eine einzige Mücke die jede Nacht relativ zeitgleich um meine Ohren säuselt und mich schier zur Verzweiflung bringt!! 😦
    Wenn sich das Vieh mit einem hohen Piepton nähert ist das so als wenn die Stukas im 2 Weltkrieg ankommen.
    Ich werd dann immer wach, schlag um mich und mir selber immer auf die Ohren. Und dann ist auch Ruhe. Aufgeben tut die Stuka-Mücke trotzdem nicht. Kurz vorm erneutem einschlafen kommt das Mistvieh wieder angeheult und reisst mich aus meinen träumen bis ich mir dann wieder auf die Ohren kloppe und Ruhe einkehrt.
    Auch Licht anmachen und mit ner aufgerollten Zeitung auf Jagd gehen bringt nichts. Das Vieh ist verschwunden und Mucksmäuschen still…
    Bis ich mich dan wieder zur Ruhe lege…
    Dann kommt sie wieder an… 😦 😦
    Über ein paar Spinnen wär ich jetzt ehrlich gesagt froh! Die sollen ja recht erfolgreich bei der Jagd auf solch Viecher sein.

  3. Juliane sagt:

    Die Changsen sind deutlich höher als 20 %!!
    So lahmarschig wie Spinnen sind… Da ist Herr Müller sicherlich flotter.

  4. Bei der Überschrift habe ich schon Schlimmeres vermutet – bei Läusen hilft nämlich auch keine embryonale Schutzhaltung. Also Kopf hoch, Frau Müller! (Und Kopf weg von fremden Kindern, und ggf. auch mal wieder die eigenen kontrollieren, sagt jemand, der sich derzeit bedauerlich gut mit dem Thema auskennt…)

    Viele Grüße,
    Lena

  5. Edda sagt:

    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es einen laaaangen, kaaaaaaaaaalten und schneereichen Winter gibt, wenn man im Herbst von besonders vielen Spinnen heimgesucht wird – was bei uns der Fall ist. Wir dürfen also gespannt sein…

  6. Christina sagt:

    Uuuuuaaaahhh… Schauder! Ich sitze hier mit ‚Gänsepickeln‘ und ziehe die Füße hoch. Die hiesigen Katzen betrachten Spinnen auch nur als Puck auf 8 Beinen…

    Liebe Grüße…

  7. DerMattes sagt:

    Und ich hab beim lesen der Überschrift irgendwie sofort an nerdige Spielereien gedacht:
    http://www.engadget.com/2013/07/04/robugtix-3d-printed-spiderbot/

    Ich stelle mir grade einen mir unbekannten Herrn Müller vor, der mit seiner Robospinne
    a) die Katzen ärgert
    b) auf Spinnenfang geht
    c) seine in „embryonaler Schutzhaltung“ auf dem Sofa sitzende Frau ärgert, indem er mit dem viech auf sie zu krabbelt und damit eine herrliche Abendstimmung heraufbeschwört.

    Wobei ich mir bei c nicht sicher bin wie oft man das wiederholen könnte. So robust erscheint mir das Teil nicht.

    Es Grüßt
    Der Mattes

  8. Apropos „große Kino“ (siehe ganz oben Martin): Dann ist unser Film ( http://opas-blog.de/2013/08/05/familien-sonntags-idylle/ ) aber oscarverdächtig. Bester Schrei unsere älteste Tochter und beste Nebenrolle natürlich Opa.

  9. Inch sagt:

    Ach Sch**** ja. Es gibt so viel unnützes Getier und viel zu viele ungezogene Katzen

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