Gestaut…

Wenn der ADAC für das Wochenende auf allen Straßen grünes Licht gibt und damit hoch und heilig verspricht, dass mit keinen Staus zu rechnen ist, dann können Sie sicher sein, dass irgendwo mitten in einer einspurigen Baustelle ein Gefahrguttransporter die Grätsche macht. Und dann können Sie selbstverständlich auch sicher sein, dass Sie mit der Familienkutsche vier Kilometer vor der nächsten Ausfahrt und sechshundert Meter hinter dem LKW stehen.

Selbstverständlich brüllt Kind 2. Kind 1 muss prompt pinkeln. Kein Gebüsch weit und breit. Dafür haben Sie rechts neben dem Auto eine 1 Meter hohe Baustellenabsperrung und links die Leitplanke. Da mal eben behände drüberzuspringen, um eine rettende und vor allem blickdichte Pipianlaufstelle zu suchen, verbietet sich von selbst.

Es erweist sich als Segen, ein noch nicht stubenreines zweites Kind zu besitzen. Denn das bedeutet, dass Windeln im Auto sind. Sie seufzen halb erleichtert und ziehen Kind 1, das albern kichert, weil es jetzt ein Baby sein darf, flugs eine Windel an. Im ungefähr gleichen Augenblick drückt auch die eigene Blase und kurz denken Sie darüber nach, wie viel Flüssigkeit wohl eine Babywindel fasst, auf der „7 bis 9 Kilo“ steht. Dann entschließen Sie sich, wacker abzukneifen, bis wieder ein echtes Klo in Sicht kommt.

Kaum 45 Minuten später ist die Polizei vor Ort und sichert den havarierten LKW. Eine lauschige halbe Stunde geht ins Land. Dann noch eine. Sie sinnieren darüber, wie es wohl ist, die Nacht im Auto zu verbringen, was Kind 1 zu Jubelstürmen hinreißt. So ein tolles Ferienend-Happening haben die Kollegen im Kindergarten sicher nicht. Kind 2 brüllt immer noch, lässt sich um das Auto herumtragen und will weder essen noch trinken noch schlafen. Nebenbei wird die Windel für Sie zur todernsten Option.

Dann endlich: Ein Licht am Ende der Autobahn. Es naht ein Abschleppwagen. Im Rückwärtsgang. Die Geschwindigkeit beträgt schätzungsweise 2 Meter pro Stunde. Sie setzen sich schon mal ins Auto, denn Sie erliegen der irrigen Annahme, es könne jetzt jeden Augenblick losgehen. Sie haben es allerdings mit einem liegengebliebenen Gefahrguttransporter zu tun. Das bedeutet, dass man noch auf Kollege Feuerwehr warten muss. Bereits mit gelbem Farbton im Auge erblicken Sie schließlich die Retter in Rot. Die hüpfen um den Transporter herum, während der Held vom Abschleppdienst seinen Haken befestigt. Der Koloss  setzt sich in Bewegung. Kurz erwägen Sie, durchzuatmen, haben aber die Rechnung ohne die Polizei gemacht. Die wartet nämlich ab, bis Abschlepper und LKW nebst Feuerwehr am Horizont kleiner und kleiner werden.

Sie greifen sich mit zitternder Hand eine Windel. Kind 1 verkündet derweil stolz, dass es jetzt schon zweimal Pipi gemacht hat. Sie weinen leise. Leider nur Wasser. Die Polizei setzt sich langsam in Bewegung. An den Rest können Sie sich nicht mehr erinnern. Nur noch daran, dass Ihr Göttergatte das Auto direkt ins nächste Raststättenklo lenkt und Sie persönlich auf den Topf setzt.

Die Nieren zwicken heute noch, aber der Urlaub war super…

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4 Kommentare zu “Gestaut…

  1. Inch sagt:

    Ohne Kinder ist das gut auszuhalten, wenn man ein ordentlich dickes, ungelesenes Buch mit hat. Wenn nur das Problem mit der Blase nicht wäre….

  2. Flohnmobil sagt:

    Für die nächste längere Fahrt empfehle ich einen blickdichten Putzeimer mit hohen Wänden. So fürs Gröbste…

    • rotezora. sagt:

      …und dazu so ein Teil aus blickdichtem Stoff, das man überzieht und am Hals zubindet, und in dem man sich am Strand umziehen kann. Nimmt zusammen gefaltet nicht viel Platz im Auto ein und ist für diesen Notfall bestens geeignet. Noch komfortabler ist allerdings ein Wohnmobil mit eingebauter Nasszelle.

  3. […] jedoch hatten wir jedoch schon vor Antritt der Fahrt von den Müllers gelernt – während einer Autofahrt nimmt man keinerlei Getränke zu sich, denn eine volle Blase kann […]

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