Geschwant…

Wenn ein Vogel auf dem Müllerschen Grundstück landen muss, fällt das normalerweise nicht weiter auf. So ein Täubchen wiegt ja auch nichts und landet dementsprechend geräuschlos. Fällt allerdings ein Schwan vom Himmel, ist das schon ein Braten anderen Kalibers. Und der zelebriert seinen Absturz mit Getöse. Dank der offenen Terrassentür  wissen auch die Katzen sofort, was die Stunde geschlagen hat und erinnern sich ihrer wilden Ahnen. Damals kam das Futter noch nicht aus Dosen, damals lief es noch frei herum und man musste erst umständlich hinterherrennen, dann Federn rupfen und… der Kater hat schon gleich keine Lust mehr.

Überhaupt ist ihm dieser gigantische Vogel irgendwie unheimlich. Der lässt sich so gar nicht mit den Amselküken vergleichen, die es sonst so zu jagen gibt. Trotzdem pirscht sich der Kater zwei, drei Meter an. Der Schwan, nicht so doof wie er aussieht, breitet denn auch sofort die Flügel aus und lässt ein Tröten erschallen, als blase er nun seinerseits das Signal zum Angriff. Das sitzt. Zumal der Kater spätestens jetzt bemerkt, dass der Schwan dann doch viermal so groß ist wie er selbst. Mit Hals etwa achtmal. Rückzug. Ganz schnell. Hoffentlich haben es die Kumpels nicht gesehen.

Der große Vogel indes will sowieso nicht bleiben und rüstet sich für den Weiterflug. Hier ist es ihm dann doch zu doof. Zumal Katze zwei jetzt auch mal gucken will und beherzt Kontakt aufnimmt. Weil so ein Schwan aber einiges wiegt, muss er Anlauf nehmen und rennt nun, mit ausgebreiteten Flügeln, los gen Zaun. Zum Glück ist das Grundstück groß genug, dass das Tier es gerade so schaffen wird, nicht an den Latten hängenzubleiben. Der Kater interpretiert die Sache ganz richtig – das Vieh will abhauen! – und rennt nun doch noch einmal los. Allerdings ist er langsam genug, dass sich der Abstand zwischen Beute und Jäger nicht wirklich verringert. Man will ja nichts riskieren. Zum Glück lässt der Schwan eine weiße Feder auf der Wiese zurück. Im eleganten Trab nimmt der Kater die Trophäe auf und passiert, stolz wie Bolle, Katze 2, die mal schnuppern darf, aber nicht anfassen.

Dann müssen sich beide Jäger ausruhen. So viel Stress an einem Tag…

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6 Kommentare zu “Geschwant…

  1. Flohnmobil sagt:

    Toll erzählt! Zum Glück ist der Schwan wieder abgehauen, so ein Schwanenbraten hätte bestimmt nicht in den Müllerschen Backofen gepasst. 😉

  2. Froggie sagt:

    Herrlich beobachtet und herzerfrischend erzählt, danke dafür, liebe Frau Müller!
    Es grüßt Frau Wollfrosch 😉

  3. Asty sagt:

    Und ich dachte zuerst der Schwan wäre tot, wie er so vom Himmel „gefallen“ war….
    Ein Glück, dass Ihr Garten so gross ist, ein Pech, dass Sie keine Kamera griffbereit hatten, die Katzenmanöver hätte ich zu gern gesehen!

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