Nicht so grün…

Während draußen wieder allerorten die Rasensprenger zischeln, tanzen bei uns im Garten die Steppenhexen. Käme jetzt noch ein munteres Buschfeuerchen hinzu, wäre die Assoziation zum Australischen Ödland perfekt. Es konnte ja nun echt keiner damit rechnen, dass mitten im Juli doch noch der Sommer anfängt! Und dass die Pflanzen nach der Regenzeit im Frühling und Frühsommer kein Wasser für die nächsten Monate gespeichert haben! Vorratshaltung nennt sich das und ist absolut sinnvoll. Aber erklären Sie das mal einer Geranie. Die lacht Sie aus.

Während der Nachbar also blühende Landschaften vorzuweisen hat, sind wir (metaphorisch ein bisschen weiter im Osten, aber nur etwa sieben Meter) quasi tot. Und dann steht er da, der Mann mit kurzer Hose und Sonnenbrand auf Schulter und Rücken und will mit mir über den Nutzen eines Brunnens philosophieren. Er hat sich nämlich vor hundert Jahren, als man das noch so machte auf dem eigenen Stück Ackerland, einen Brunnen graben lassen. Heute wird das nicht mehr angeboten, weil die Gemeinde sehr wohl festgestellt hat, dass der Grundwasserspiegel im Sommer immer bedrohlich sinkt und auch die Anmahnung von Geldstrafe die Leute nicht davon abhält, bei 30°C um die Mittagszeit ihren Rasen zu wässern. Der Nachbar indes fühlt sich gemüßigt, uns am Gartentürchen Doofheit vorzuwerfen, weil wir Anno Huckepack, als ich noch wacker in die Windeln kackte und Herr Müller gerade erfolgreich die Grundschule hinter sich gebracht hatte, keinen Brunnen auf dem Grundstück bohren ließen, das wir dereinst bewohnen würden…

Ich für meinen Teil verdeutliche die Müllersche Unlust am Rasengießen neuerdings gern bildlich. Ich nehme mein Portemonnaie, kippe das Klimpergeld auf den Rasen und sage: „So!“ Weil wir unser Gartengießwasser nämlich aus dem Wasserhahn beziehen und das geht bei heißen Sommern gern mal ins Geld – da kann ich meine Kohle gleich wegschmeißen. Aber das zählt nicht. Womit wir zukünftig wohl zu einer anderen Lösung greifen müssen, um nicht weiter aufzufallen: In anderen Teilen der Welt sprüht man toten Rasen gern auch mal grün an, damit er hübsch aussieht. Hält mehrere Monate und kostet ´nen Farbeimer…

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6 Kommentare zu “Nicht so grün…

  1. CeKaDo sagt:

    Letztgenial habe ich seinerzeit einen solch penetrant gießenden Nachbarn damit verblüfft, dass ich ihn aufgefordert habe, doch nach seinem Gießen „einfach den Schlauch rüber zu legen“, damit ich dann bei mir weitermachen kann.

    Als er das entrüstet ablehnte („Das ist doch MEIN Wasser!“), habe ich täglich eine Gießkanne voller kostbaren Stadtwassers auf den immer gleichen Rasenfleck entleert. Und immer wenn der gute Nachbar dann seinen wie blöde wuchernden Rasen samstags in zwei schweißtreibenden Stunden mähte, schnitt ich mit gekonntem Schwung des Trimmers die Minifläche platt. Und winkte grinsend hinüber.

    Nebenbei war im Herbst mein Rasen wieder ebenso grün wie seiner. Was ihn echt jedes Jahr aufs Neue ärgerte. Er hat nie erfahren, dass ich nachts im ersten Regen der Saison Rasensaat verteilt habe …

  2. immer wieder erfrischend die gespräche mit ihren nachbarn 🙂

  3. Guinan sagt:

    Vielleicht hilft der nette Nachbar ja beim Zisternebuddeln.

  4. meineschreibblockadeundich sagt:

    Grün ansprühen – ha! Das wäre eine Möglichkeit! Wobei ich fürchte, dass wir dann überall grüne Brösel haben werden, weil es eigentlich schon nichts mehr zum Besprühen gibt.
    Erstelle momentan eine Liste der Pflanzen, die trotz der Trockenheit noch ansehnlich sind. Die werden in den nächsten Jahren verstärkt gepflanzt. Jawohl!

    Herzliche Sommergrüße!
    Marie

  5. Wolfram sagt:

    Wenn bewässern, dann nachts.

    Aber wir wässern auch nicht, und haben hier im Süden bestimmt mehr Sonne als ihr da oben in Nordeuropa. (Hier gibts noch Häuser, die weder Heizung noch Doppelverglasung haben. Die anderen Häuser sind für Weicheier.)
    Klar kommt das wieder, man muß es nur vor dem Sommer schön kurzhalten.

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