Allein… mittelentspannt…

Übers Wochenende hat mich eine Erkenntnis getroffen: Ich habe Freizeit verlernt. Doch, echt! War ich doch am Samstag mutterkinderseelenallein unterwegs. Herr Müller hatte sich dazu bereit erklärt, die Brut zu beaufsichtigen und ich hatte einen ganzen dicken fetten Tag lang frei.

Was macht man, wenn die Fesseln fallen? Richtig: Man rennt los! In in meinem Fall ins Shoppingcenter. Da hatte ich schon seit Wochen hin gewollt, aber wie das so ist, war immer etwas anderes dazwischengekommen. Nur an diesem Samstag nicht. Und dann stand ich da. Allein. Mit Geld. Fünfundsiebzig Ladengeschäfte, darunter zwei Frisöre, drei Juweliere, drei Unterbuxenläden, zweimal Schuhe. Die ersten fünfzehn Minuten war ich denn auch noch recht entspannt. Bis das erste (fremde) Kind plärrte. Die Mutter in mir ruckte hennenartig den Kopf hin und her, bis ich bemerkte, dass mir anderer Leute Kinder egal sein dürfen. Aber mein entspanntes Shoppingerlebnis war zerstört. Schon beim Friseur, der zwar eigentlich nicht eingeplant war, aber trotzdem einen Termin frei hatte, verursachte jedes Kindergeheul Bluthochdruck. Und im Geschäft für Pulli, Kleidchen, Hose & Co. schwenkte mein Blick immer wieder durch die Regale. Aber nicht, weil die Klamotten so schick waren. Vielmehr suchte ich mein Kind. Das versteckt sich nämlich gern in Kaufhäusern und erschreckt alte Mütterchen, indem es unvermittelt aus dem Regal mit den Handtaschen gesprungen kommt und „Buh!“ schreit. Wenn ich also kein Kind sehe – und das ist in den letzten fünf Jahren irgendwie „eingewachsen“ – nehme ich zwangsläufig an, dass meine Blagen entlaufen sind. Dann steigt bei mir der Blutdruck und ich begebe mich zwangsläufig auf die Suche. Ich drehe mich um mich selbst, blicke unter meine Achseln, ob sich da nicht vielleicht ein Kind… muss mehrfach das „Wo bist du?“ Geplärre unterdrücken und überhaupt…

Nebenbei stelle ich fest, wie furchtbar anderer Leute Blagen sind. Kennen Sie das? Kaum ist die eigene Brut in der sicheren Obhut qualifizierten Aufsichtspersonals, hat man Zeit, darüber zu reflektieren, wie gut die eigenen Kinder geraten sind und wie furchtbar die Rotzgören anderer Eltern. Schreien, heulen, schmutzen, und überhaupt. Überhaupt sind meine Nachkommen die Besten. Dass das klar ist. Den Glauben bringt Herr Müller allerdings schon fünf Minuten später ins Wanken. Das Handy klingelt nämlich. „Na, wie isses?“ höre ich. Im Hintergrund ist es verdächtig still. Was nur bedeuten kann, dass etwas nicht stimmt. „Du bist aber schon ganz schön lang weg.“ Das ist ein Hilferuf, so etwas spürt eine Mutter.

„Ich komme heim!“ Das rutscht mir im Affekt so raus. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Herr Müller sagt zwar leise: „Ne, musst du nicht.“ aber ich bin schon fast im Auto. Zwar trage ich links eine mittelgroße und rechts eine gigantische Tüte, was nur bedeuten kann, dass ich mein Tagesziel erreicht habe. Aber irgendwie  mutet doch alles wie ein Abbruch an. Man kann eben nicht aus seiner Haut. Und das Mutter-Ding, das ist mittlerweile schon fest verankert…

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in sie.

15 Kommentare zu “Allein… mittelentspannt…

  1. frauvau sagt:

    Yoga könnte helfen… (geht aber auch irgendwann von alleine weg, glaub ich.)

  2. ichnuwieder sagt:

    ich kann mich sehr gut an meine ersten „freien“ stunden erinnern—wie amputiert fühlte ich mich. immer wieder panisch die karre gesucht, irgendwas fehlte…

    und überall „mamaaaa“-rufe, die mich aber gar nicht meinten….

  3. Froggie sagt:

    Ooooh ja, das kenne ich noch! Und wie schön, dass ich es längst hinter mir habe! Und – Trost – irgendwann hast Du es auch hinter Dir ;-))
    Grüßle
    Froggie

  4. Manu sagt:

    Jepp, kenne ich auch noch. Ist wie ein Phantomschmerz, der irgendwann verschwindet… 😉

    LG

  5. menzeline sagt:

    Ich kann mich an die Zeit kaum noch erinnern, da mein Sohn schon 41 Jahre alt ist, wird aber wohl genauso gewesen sein, nehme ich an.
    Wird also, wie meine Vorgängerinnen schon sagten, vorübergehen und irgendwann werden Sie sich vielleicht – wie ich – gar nicht mehr daran erinnern.

    Übrigens, Unterbuxenladen finde ich ein tolles übersetztes deutsche Wort. *herzhaftlach*

  6. Katrin sagt:

    Ich kann auch nicht mehr alleine shoppen, ich fuehle ich dann auch sehr amputiert.
    Und: Ich bin dann sowieso nur in Kinderklamotten- oder Spielzeuglaeden. Komisch, das Mutterding.

    Katrin

  7. mama06 sagt:

    Ha ich bin nicht alleine so. Dann ist ja gut, ich hab mir schon ernsthaft sorgen gemacht. Danke du hast mich therapiert oder so. 😉
    Lg Grüße

Hier Senf dazugeben:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s