Man muss schon…

Ich wollte ja noch Unsinn über unsere Dialekt-Nuschler schreiben… Nur, wie fängt man da am Besten an?

Ich könnte den Handwerker nehmen, der letztens hier auflief und zwar unheimlich viel redete, dabei aber die Zähne  nicht auseinander bekam. Noch dazu war der Tonfall derart monoton, dass ich nicht einmal erraten konnte, ob man mir gerade eine Frage stellte oder nicht.

Merken Sie sich in diesem Zusammenhang: „Mmmannnannnnnen bwgmmmmnn wlllllennnemmm.“ ist tatsächlich ein Satz. Einer, in dem sich die Information verbirgt, dass Malerarbeiten am Haus am besten mit einem mineralischen Anstrich zu erledigen sind, die ihres Zeichens besser sind als alles andere…

Meine Taktik in so einem Fall: Konzentration auf Gesprächspausen und Blickkontakt. Dann nämlich kann ich davon ausgehen, dass man möglicherweise eine Information von mir erwartet. In so einem Fall setze ich ein Lächeln auf und sage deutlich: „Das müssen Sie bitte nochmal sagen. Ich bin zugereist und hab´s nicht so mit dem Dialekt, den Sie sprechen.“ Der Handwerker guckt kurz irritiert und nuschelt, er hätte gar keinen. Dann wiederholt er noch mal seine Frage. Lauter zwar, aber immer noch unverständlich. Meist nicke ich dann, um mir keine Blöße zu geben. Sollte ich gerade gefragt worden sein, ob ich einen an der Waffel habe, bin ich halt selbst schuld…

Um es mit Loriot zu sagen: Man muss schon sehr genau hinhören!

Im Endeffekt ist es wahrscheinlich so, dass man nur deshalb so oft nach der Anwesenheit meines Ehegatten fragt, weil man mich für beschränkt hält. Der soll mir bestimmt meine Tabletten bringen und sicherstellen, dass ich sie auch tatsächlich nehme.

Zum Glück aber, und das nehmen Sie bitte als Happy End, lauscht man sich im Laufe der Jahre in so ziemlich jeden Dialekt ein. Und wenn man auch nicht jedes Wort versteht, kann man zumindest die grobe Richtung erahnen und gibt manchmal sogar richtige Antworten. In zehn Jahren (oder so) hab ich´s dann auch drauf. Und kann vielleicht sogar standesgemäß zurück nuscheln…

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4 Kommentare zu “Man muss schon…

  1. Zora sagt:

    Gnihihi, da hab ich auch was. Meine beste Freundin hatte mal ein ziemlich kleines Auto – von einem Kollegen lachend als „Huastnguadl“ (hochdeutsch: Hustenbonbon) bezeichnet. Meine Freundin ist zwar in Bayern aufgewachsen und versteht in der Regel auch sehr gut bayerisch, auch wenn sie es – bedingt durch die Hamburger Mutter – nicht spricht. In dem Fall musste sie aber nachfragen, weil sie den lachenden Kollegen gar nicht verstanden hat: Wie bitte, Hasenkistl???
    Worauf hin der Kollegen natürlich noch mehr husten .. äh.. ne.. lachen! musste. Zum Geburtstag bekam meine Freundin dann eine Klebeschriftzug fürs Auto und fuhr dann ein paar Jährchen mit dem „Hasenkistl“ durch die Gegend 😀

  2. ladycrooks sagt:

    Also hör mal, höre ich da eine leichte Kritik an Menschen mit Dialekt? Ich spreche auch Dialekt und bin damit sehr zufrieden;-)

  3. skizzenblog sagt:

    da hilft nur gepflegt zurücknuscheln am besten in einem fernabgelegenen dialekt.
    auch schön: „schreiben sie’s mir auf.“ isch winsch ihne viel glick!

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