Gekündigt… in echt…

Doch, doch, du darfst mit mir sprechen. Jetzt stell dich mal nicht so an. Ich weiß ja, dass der Vertrag da auf den Namen meines Gatten läuft, aber irgendein Name muss da nun mal draufstehen. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir als Haushalt beide Mitspracherecht haben, wenn es um lästige Werbeanrufe geht. Du darfst mir also getrost sagen, was du mit meinem Mann besprechen willst. Ach so, ich dachte mir schon, dass es um die Kündigung unseres Telefonanschlusses geht. Was genau willst du denn nun wissen? Jetzt mal nicht so schüchtern, junger Mann…

Ja, das mit der Kündigung geht in Ordnung. Ja, wir wissen, was wir tun. Doch, doch, das darfst du mir glauben. Auch wenn mein Mann auf dem Vertrag steht. Ja, wir wissen, dass wir mit dem neuen Anbieter zukünftig übers Internet telefonieren werden. Das tun wir geschäftlich bereits seit Jahren. Doch, wir sind uns der furchtbaren Konsequenzen bewusst. Ja und ganz dicht sind wir auch noch. Die anderen sind nämlich billiger, weißt du. Und mehr Bandbreite gibts bei denen auch. Da bist du platt, was? Ja, das dachte ich mir.

Nein, wir wollen nicht wieder zurück. Nein, wirklich nicht. Auch nicht zum Supersondersparpreis. Der ist nämlich immer noch teurer als bei der Konkurrenz. Doch, ist er. Wirklich. Ich habe nachgeschaut. Zweimal sogar. Ich… Nein, du musst heute Abend nicht noch mal anrufen, um das mit meinem Mann zu besprechen. Ich denke, das kann ich selbst auch ganz gut einschätzen. Ne, wirklich nicht, weil…doch, ich entscheide das jetzt einfach: Die Kündigung wurde im Vollbesitz der geistigen Kräfte und in Kenntnis der Tragweite ausgesprochen. Trag das doch einfach mal so bei dir ein ins Formular.

Ja, danke. Gutes Gespräch. Und wenn die Tage noch mal einer von euch anrufen will, erzähle ich das alles gern nochmal. Deine Kollegin, die vor einer Woche schon mal hier durchgeklingelt hat, wollte das mit der Kündigung nämlich auch nicht so recht glauben…

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12 Kommentare zu “Gekündigt… in echt…

  1. Lilly sagt:

    Durfte denn das kleine Frauchen wirklich schon allein an’s Telefon gehen?! Und Sie wollen TAT.SÄCH.LICH. den Telefonanschluß kündigen?! Ne, ne, Frau Müller, DAS glaubt man Ihnen sicher nicht. Weder das Eine, noch das Andere…

  2. Die, die in Call Centern für die Kundenrückgewinnungsanrufe eingesetzt werden, sind Leute, die nichts zu verlieren haben, vor allem kein Gewissen, und die für Geld vor nichts zurückschrecken. Mir waren diese Kollegen immer sehr, sehr suspekt….

    • Frau Müller sagt:

      Ich kenne da zwei Varianten:
      1) Soll ich was kaufen heißt es: Dürfen Sie das nicht allein entscheiden?
      2) Soll etwas gekündigt werden heißt es: Das müssen wir aber mit dem Herrn des Hauses besprechen!

      • Welllensittich sagt:

        1.a) Soll was gekauft werden reicht es aus, wenn irgendwo im Gespräch das Wort JA fällt („ich will JA gar nichts kaufen“ reicht da manchmal schon)

        2.a) Soll was gekündigt werden geht das nur in schriftlicher Form, per Brief oder FAX, aber auf gar keinem Fall per Mail, Telefon oder gar online. Die Faxnummer ist in 3 Punkt Schrift in Hellgrau auf weißem Hintergrund auf Seite 47 der AGB versteckt. Die postalische Adresse auf Seite 96. Einschreiben mit Rückscheinen werden prinzipiell nicht angenommen.

        • Frau Müller sagt:

          Kündigung 1 kam tatsächlich nie an, Kündigung 2 wurde dann zur Sicherheit per Einschreiben verschickt.
          Was das (Nicht-)Bestellen anbelangt: Auf mein ausdrückliches Nein bekam ich drei Tage später mal ein Handy-Abo zugeschickt… der Typ von UPS meinte nur, es passiert ihm dreimal am Tag, dass er solche Päckchen als nicht bestellt zurücknehmen muss.

      • Bei der ersten Variante gehen bei mir schon alle, alle, alle Lichter aus und es herrscht böse, albtraumhafte Dunkelheit für den Anrufer…und Mitleid ist auch alle, und Variante zwei ist mir zum Glück noch nie begegnet. Gru-se-lig.

  3. menzeline sagt:

    Bei solchen Anrufen kann ich immer ganz schön sauer werden.
    Das Sie dabei immer so ruhig und geduldig sind, bewundere ich ja.

    Und wie Sie uns das immer so bildlich schildern, finde ich ganz toll.

  4. Auf meine damals am Telefon geäußerte Bitte, mir – da gerade mitten im Einkaufscenter-Parkplatz stehend – das Angebot doch schriftlich zukommen zu lassen, damit ich es mir in Ruhe ansehen könne, würde abfällig gelacht und gemeint „Naja, wir sind ja immerhin ein TK-Unternehmen …“, woraufhin ich erwiderte, ob er seinen Arbeitsvertrag auch per Sms bekommen habe. Das Gespräch war insgesamt nicht sehr fruchtbar und ich konnte auch nicht als neuer Kunde geworben werden.

    Das Mittelalter hatte die Pest, wir haben Telefonmarketing …

  5. meinereine sagt:

    Ich lese hier schon ein Weilchen mit.. tolles Blog.
    Zu dieser Geschichte MUSS ich einfach auch meinen Senf abgeben.
    Vor etlichen Jahren rief bei uns mal „unser“ Bankberater an und verlangte, meinen Mann zu sprechen. Auf meine Frage hin, ob ich ihm denn irgendwie helfen könnte (mein Mann tat gerade das, was die meisten Berufstätigen am hellerlichten Tag so tun), verneinte er. Es würden „Gelder frei“ werden und über deren Neuanlage könne er nur mit meinem Mann sprechen.. okayyyyyyy…
    Göga (der von keinen frei werdenden Geldern weiss) ruft also am nächsten Tag in der Bank an, macht einen Termin, nimmt einen halben Tag Urlaub, fährt hin und kommt eine halbe Stunde später schallend lachend wieder in die Bude.
    Die „Gelder“ waren ein kleiner Sparvertrag mit längerer Laufzeit, den ich noch vor der Hochzeit abgeschlossen hatte, und der somit noch auf meinen Mädchennamen lief.
    Wir haben nach diesem Spass unsere „Gelder“ und deren Verwaltung in eine andere Filiale übertragen lassen.

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