Nur noch schnell…

Merke: Wer vor der Arbeit nur noch schnell eine Besorgung machen will, wird zwangsläufig scheitern…

Die morgendliche Muttiquasselrunde vor dem Kindergarten kann ich meist mit finsterem Blick und/oder dem Hinweis auf einen fiesen Chef und dessen Wertlegung auf einen pünktlichen Arbeitsbeginn gerade noch so umschiffen. Beim folgenden Brötchenholtermin wird es dann schon schwieriger. Da steht man meist mit mindestens drei anderen in einer Schlange, von denen man eine Person garantiert kennt. Also tauscht man, während man wartet, schnell die letzten Neuigkeiten aus. Je nach Schwatzhaftigkeit kann sich das auch bis nach dem Broterwerb hinziehen. Mit Pech kommen andere Personen hinzu, die man entweder selbst kennt oder der Gesprächspartner. Fünfzehn Minuten später kann ich mich dann mit Mühe losreißen, zumal die Bäckersmaid langsam angesäuert dreinschaut.

Wer klug ist, springt jetzt ohne Umwege ins Auto und düst gen Arbeit. Leute, denen dieser Instinkt fehlt, biegen noch schnell in die Drogerie nebenan ein, weil ihnen einfällt, dass sie noch Lippenstift/Damenbinden/Handcreme oder ähnliche Utensilien brauchen, ohne die der Alltag nicht zu meistern ist. Hier trifft man die junge Nachbarin, die seit letztem Monat die Regale bestückt. Die ist schon auf der Arbeit und hat daher keine Eile. Weshalb sie mich auch in Geschwätz verwickelt, das sie durch scheinbares Vorzeigen des Produktsortiments geschickt als Verkaufsgespräch tarnt.

Zehn Minuten später eise ich mich los und warte an der Kasse auf meinen Auftritt. Zum Glück kenne ich hier niemanden. Allerdings werde ich von draußen durch die Scheibe von einer flüchtig bekannten Mutti erspäht, die flugs den Laden entert, um noch schnell ein frohes neues Jahr zu wünschen. Womit ich mich promt im dritten Gespräch dieses Morgens befinde. Bis man alle Weihnachts- und Silvestererlebnisse erzählt hat, gehen weitere zehn Minuten ins Land. Mit einem dezenten Hinweis auf die fortgeschrittene Zeit kann ich mich schließlich losreißen.

Auf dem Weg zum Auto treffe ich dann noch jemanden, der mir gnadenlos vorführt, wie man es richtig macht. Die Mutter von Jakob rauscht an mir vorbei, winkelt im Flug den Arm zum Gruß an und hechelt: „Keine Zeit, ich muss noch so viel…“  Dann ist sie weg. Den Rest ihres Satzes nimmt sie mit sich.

Das muss ich beizeiten auch mal versuchen…

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Ein Kommentar zu “Nur noch schnell…

  1. Der Emil sagt:

    Oder: Wenn der Chef einen zum Kunden schickt und meint, daß ein Fehler in nichtmal zehn Minuten beseitigt sein werde … Dann braucht es nicht drei oder vier Gespräche, dann dauert es sowieso viel länger.

    Mein Tip gegen die Gespächsfalle: Üben sie mit einer heiseren, rauhen Stimme zu sagen „Tut mir leid, aber ich muß zum Arzt …“

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