Ausgesperrt…

Sich mit zwei kleinen Kindern während eines Schneesturms aus dem eigenen Haus auszusperren: Das kann wahrscheinlich nur ich. Ich schiebe es jetzt einfach mal auf den Mangel an Schlaf, der sich in den letzten Monaten angesammelt hat. Wahrscheinlich habe ich aber einfach nur ein Alter erreicht, in dem die senile Vergesslichkeit langsam Überhand nimmt.

Ich halte mir zugute, dass wir alle wettertauglich angezogen waren und ich zumindest einen Autoschlüssel in der Tasche hatte, als ich die Tür hinter mir zuzog. Darüber hinaus hatte ich nichts dabei – kein Handy, kein Geld… nichts. Weil es in solchen Momenten immer noch schlimmer kommt, war auch niemand zuhause, als ich klingelnd durch die Nachbarschaft zog. Wahrscheinlich hielt man uns für ein Komitee der Zeugen Jehovas oder befürchtete, ich würde ein saisonales Lied übers Jesuskindlein singen und gleichzeitig die Hand nach Kleingeld ausstrecken. So blieb mir denn auch nichts anderes übrig, als mir wildfremde Menschen auf der Straße um ein Telefonat anzuschnorren. Herr Müller übrigens befand sich zur Zeit meiner Havarie gerade auf Dienstreise in Weitweitweg, weshalb ich mich nicht einfach irgendwo hinsetzen und auf die Rückkehr des Gatten warten konnte.

Da frierende Kinder immer einen Mitleidsbonus bringen, konnte ich relativ schnell ein Handy bekommen, mit dem ich flink Herrn Müller kontaktierte. (Ich bin einigermaßen stolz auf mich, dass ich tatsächlich seine Handynummer wusste.) Der tat, was alle Männer in so einer Situation tun. Er riet mir zu Gewalt: „Schlag das Klofenster ein, das kommt uns immer noch billiger als der Schlüsselnotdienst.“ Was zwar irgendwo stimmte, aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass ich über etwas verfüge, was sich Schiss nennt. Ich schlage sicher keine Dreifachverglasung ein und quetsche mich durch ein viel zu kleines Klofenster. Andererseits konnte ich nicht riskieren, dass uns ein Halsabschneider vom Schlüsseldienst erst die Tür aufbohrt und dann 600€ bar auf die Hand verlangt…

Ich und meine Brut fanden zu guter Letzt Obdach in einem zwei Stunden entfernten Kuhkaff bei noch entfernterer Verwandtschaft. Was waren die überrascht, uns mal wieder zu sehen! Jedenfalls haben sie die Kinder jetzt auch mal wieder gesehen und der neueste Tratsch ist auch ausgetauscht.  So hatte das ganze Unheil auch sein Gutes… Herr Müller indes verkürzte seinen ohnehin doofen Termin und eilte zur Rettung gen Heimat. Mitten in der Nacht stand die Tür dann wieder offen und alles war wieder gut.

Wir überlegen nun, was mehr Sinn macht: Die Katzen zum Türen öffnen auf Kommando abzurichten oder dem am wenigsten unheimlichen Nachbarn einen Ersatzschlüssel fürs Domizil anzuvertrauen. Und – nein – wir verstecken auch weiterhin keinen Schlüssel im Garten. Damit Sie gleich Bescheid wissen.

Und die Moral von der Geschicht: Vergiss bloß den Schlüssel nicht.

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20 Kommentare zu “Ausgesperrt…

  1. Inch sagt:

    Ich glaube ja, dass mit dem Schlüssel vergessen ist eher genetisch bedingt. Weil mein Großes Kind hat das schon, seit sie 14 ist und immer noch. Aber. Nicht von mir (nicht das sie das mit der Genetik falsch verstehen)

  2. Filinchen sagt:

    Warum wollen Sie den Schlüssel nicht im Garten verstecken? Wir haben einen Schlüssel ( in Alu-Folie einwickeln!) an einer von uns gut zu merkenden Stelle vergraben.

  3. Nancy sagt:

    Mich gruselte es schon beim lesen… mein vollstes Mitleid! Vom Weihnachts(ehe)mann gibts dieses Jahr bestimmt ne Vorratspackung Tai-Ginseng 😉

  4. ladycrooks sagt:

    Ach Schlüssel vergessen…

    Da kann ich Lieder von singen! Nein, ganze Opern!

    Wenigstens war der Autoschlüssel zur Hand!

    Aber eine Frage zum Schluss die sich mir aufdrängt: Gibt es nur einen Nachbarn, oder sind alle gruselig?

  5. Carofi sagt:

    Zum Schlüsselversteck im Garten kann ich eigentlich auch raten. So konnte ein guter Bekannter vor etlichen Jahren während meiner Abwesenheit im Haus die Heizung einschalten – sonst wäre aufgrund starken Frosts evtl. eine Leitung geplatzt. Dabei war die Beschreibung allerdings eher mit Geocaching zu vergleichen… „Von der Terrasse aus der Weinstock links und dann drei Schritte nach Osten ca. 20 cm tief…“ 😉

    Ich hab aber auch eine Schlüsselverlierenphobie.
    Daher hatte ich einen Ersatzschlüssel für mein Motorrad im hinteren Blinker eingebaut. Nur aus der Vorstellung heraus, ich könnte im Urlaub weitweg den richtigen Schlüssel in einen Gulli fallen lassen oder so.

  6. Aus schlüsselverliertechnischen Gründen schleppe ich seit kurz nach der frühen Steinzeit meine Schlüssel nur noch festgekettet an der Hose mit mir rum, da auch ich genetisch bedingt alles irgendwie überall rumliegen lasse, was wichtig ist…bis auf die Schlüssel. Und nein, meine Hose habe ich bisher noch nicht irgendwo liegenlassen.

  7. owyanna sagt:

    Glückwunsch!
    Ich denke, jeder sollte das in seinem Leben mal durchlitten haben, das festigt den Charakter. Und ist eine gute Entschuldigung für allerhand Spleens und Neurosen.
    Ich hab mich auch mal erfolgreich ausgesperrt, jedoch trug ich zu jener Zeit bereits aus anderen Traumata und Neurosen heraus immer eine Luftpumpe in meiner Handtasche, und mit deren Hilfe wiederum konnte ich dann durch den Briefschlitz die Klinke erreichen. Nicht ohne mir dabei ein paar Quadratmeter Epidermis abzureißen und ein schmuckes Hämatom zu fabrizieren, aber auch das gehört zu einem guten Abenteuer schließlich dazu!

  8. Meagan sagt:

    Vergessene Schlüssel…ohja, das kann ich auch gut. Allerdings neige ich dann auch dazu, Handy und Geld neben dem Schlüssel zu deponieren. Dann ist es einfacher, alles auf einmal zu vergessen.
    Als ich beim letzten Mal den Schlüssel vergessen hatte und auf meinen Mann warten mußte, auf daß er mich mal wieder rettet hab ich bei der Warterei den ganzen Vorgarten Unkraut gerupft, umgegraben, Blumen zurückgeschnitten…Und das Lob von Frau Nachbarin, weil ich so fleißig wär mit einem freundlichen grinsen hingenommen. Fehlte noch, daß ich der erzähl, daß ich vor der Haustür gestrandet bin…

  9. Der Emil sagt:

    Ein Schlüssel in jeder Handtasche …

  10. menzeline sagt:

    Wohnungsschlüssel vergessen, bei mir doch nicht.
    Auch nur gedacht.
    Erst kürzlich passiert, als ich zum Stromablesen in den Keller musste.
    Aber was ein Glück. Seit geraumer Zeit lagert ein Zweitschlüssel bei meiner lieben Nachbarin, die unter mir wohnt und so mit konnte ich wieder in meine Wohnung.

    Aber mal zu Ihren Nachbarn, liebe Frau Müller. Wenn man die mal braucht, dann sind sie nicht da, wie ich soeben lesen konnte. Aber ansonsten immer zur Stelle, wenn man sie überhaupt nicht gebrauchen kann. Nettes Völkchen.
    Denen würde ich auch keinen Schlüssel anvertrauen, dann doch eher dem Garten.

  11. frau k. sagt:

    die nachbarn? die dann in ihrer abwesenheit kommen, um in die vitrinen zu lunsen und den kopf zu schütteln, dass sie SCHON WIEDER das bett nicht gemacht haben?

    ich rate zu: katze abrichten! (und in der zwischenzeit als sofortmaßnahme eine kinderklappe einbauen…

  12. Zora sagt:

    Hätte ich einen Garten, würd ich einen Ersatzschlüssel sofort irgendwo vergraben. Aber in ner Plastetüte, die in einem Marmeladenglas steckt 🙂
    Mein Vermieter wohnt nämlich in Weitweitweg und ist zudem ständig unterwegs oder arbeiten. D.h. da musste ich schonmal 3 Stunden warten, bis ich wieder in die Wohnung kam – hrmpf, an nem Sonntag, grad frisch hergezogen und kannte keinen einzigen Menschen im näheren Umkreis… und kalt wars auch.
    Momentan habe ich einen Schlüssel in der Arbeit deponiert, in der Hoffnung, daß ich auch am WE jemanden auftreibe, der mich da rein lassen kann, damit ich an den Ersatzschlüssel komme. Nachdem ich aber weiß, daß dies unter Umständen durchaus auch 3 Stunden dauern kann, hab ich mich schon seit langer Zeit nicht mehr ausgesperrt 🙂
    *klopft zur Sicherheit 3x auf Holz*

  13. frauvau sagt:

    Ich glaub, das ist jedem mit Kind schon mal passiert.. ich hab mich mal aus dem Auto ausgesperrt. Leider war das Kind noch drin, aber noch nicht in dem Alter, dass er von innen hätte aufmachen können….. zum Glück war der Kindsvater zu erreichen (und zum Glück hatte ich da schon ein Handy!) und war nach ein paar Minuten da, um seinen Sohn zu befreien.
    Ach ja, das war nicht Schusseligkeit, sondern die Schließanlage war defekt. Ich hab die Tür zugeschlagen und schwupps, rastet das Schloss ein, der Schlüssel steckte noch. Seitdem mache ich NIE die Autotüren komplett zu, wenn ich innen noch den Schlüssel im Schloss habe.

  14. Ich habe einen Haustürschlüssel am Autoschlüssel. (Die Nachbarn haben notfalls auch einen, aber die sind ohnehin nie zu Hause, wenn man sie braucht.)

  15. mama06 sagt:

    Noch schlimmer ist, sie sind nur kurz draußen um die Post rein zu holen und warum auch immer vergessen sie die Schlüssel und die 1,5 Jahre alte Brut schlägt die Tür zu. Ja super, die Brut ist natürlich hysterisch ohne Ende (äh die Mutter auch) und ist nicht in der Lage die Tür wieder zu öffnen, weil sie zu klein ist um an den Griff zu kommen. Der Herr ist auf der Arbeit und ohne Telefon recht schwierig zu erreichen und die Nummer haben sie garantiert auch nicht im Kopf und stehen nun vor ihrer Haustür und überlegen fieberhaft was zu tun ist, weil die Nachbarn genau dann nicht da sind. Sie reden mit der Tür und versuchen sich und die Kinder zu beruhigen, bis endlich die Nachbarin heim kommt und auch noch die Nummer vom Schwiegerdrachen hat. Das war das erste und einzige Mal das ich froh war sie zu sehen.
    Seit dem vergesse ich keinen Schlüssel mehr

  16. Anja sagt:

    *lol* mama06: Haargenau das Gleiche ist mir passiert! Nur war die Nachbarin ueber mir zu betrunken, um zu begreifen, dass ich mal telefonieren muss. Zum Glueck war die aus dem Erdgeschoss zu Hause (obwohl berufstaetig). Auf die Kommentare meiner Schwiegermutter haette ich direkt verzichten koennen. Und natuerlich wurde mir die Geschichte immer mal wieder bruehwarm aufs Brot geschmiert…

  17. Wolfram sagt:

    Im neuen Domizil haben die Türen außen Klinken, das Problem stellt sich also nicht. Aber weiland, da haben wir mal ein Kind durchs Kellerfenster reinheben müssen, weil die Mutter die Tür hinter sich zugezogen hat, ohne einen Schlüssel mitzunehmen – und ich war ohne Schlüssel rausgegangen, weil ich erstens die Tür offenließ und zweitens ja jemand im Haus war. Bis die Mutter…
    Man lernt daraus. Auch daraus, daß ein entriegelter Türschnapper manchmal selbsttätig sich wieder verriegelt…

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